BGH · I ZR 98/67 vom 26.02.1969
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Der Kläger hat vorgetragen, für seinen Entschluß, das Maklergeschäft des Beklagten zu kaufen, sei bestimmend gev/esen, daß der Beklagte wiederholt geäußert habe, er wolle sich ‘'gänzlich’1 aus dem Maklergeschäft zurückziehen und "etwas anderes anfangen". Hach allem habe er, der Kläger, angenommen, daß der Beklagte sich in nicht als sein Konkurrent betätigen werde«, Da dieser aber von vornherein die 'Absicht gehabt habe, später wieder ein eigenes Maklergeschäft aufsumachen, habe er ihn, den Kläger, getauscht* Br hat bestritten, den Kläger getäuscht und erklärt zu haben, er wolle das Maklergeschäft nicht mehr betreiben» Er habe nur erklärt, er wolle sich wegen der bevorstehen den Niederkunft seiner Ehefrau, die in seinem Geschäft mitgearbeitet habe, vorübergehend aus dem Geschäftsleben zurückziehen» Er habe auch anfangs versucht, dem Kläger zu helfen» Dieser habe aber so gut wie keinen Gebrauch davon gemacht» Er habe den Kläger auch davon unterrichtet, daß er in absehbarer Zeit wieder als Makler tätig sein und dann einen Maklerring gründen wolle» Bei einem Maklerring habe es sich natürlich nur um die Zusammenarbeit einer Vielzahl von Maklern zu dem Zwecke der Erweiterung des Geschäftsumfanges bei gleichzeitiger Kostensenkung gehandelt. Io Das Berufungsgericht äußert bereits Bedenken, ob sich der Beklagte vertraglich verpflichtet habe, Vermittlungsgeschäfte über Gaststätten und andere Geschäfte im Inland zu unterlassen, unterstellt aber eine solche beschränkte Verpflichtung zugunsten des Klägers» Einen Schadensersatzanspruch aus dem Gesichtspunkt der positiven Vertragsverletzung auf Rückzahlung des Kaufpreises in Höhe von DM 60*000,— verneint das Berufungsgericht« Entscheidend sei, daß der Kläger nicht die Grundvoraussetzungen für eine Schadensersatzforderung aus positiver Vertragsverletzung, nämlich die schwere Gefährdung des Vertragszwecks und die Unzu demutbarkeit des Festhaltens am Kaufvertrag dargetan habe* Beide Voraussetzungen habe die Rechtsprechung bisher bei einer Verletzung von Nebenpflichten nicht angenommen, erst recht dann nicht, wenn wie im Streitfall der Vertrag längst abgewiclcelt und die Nebenpflicht erst mehrere Monate nach Erfüllung der Hauptverpflichtungen des Das Berufungsgericht geht davon aus, daß der Kläger nicht mehr am Vertrag festhalten will und Rückzahlung des Kaufpreises verlangt, daß also nicht zu entscheiden sei, ob der Kläger bei Fortbestand des Vertrages vom Beklagten Schadensersatz wegen Verletzung vertraglicher Pflichten verlangen konnte» Diese Beschränkung der Prozeßentscheidung ist aus Rechtsgründen nicht zu beanstandeno Denn der Kläger begehrt nach seinen Schlußanträgen Zahlung gegen Rückgabe des Geschäfts; er bringt demnach selbst deutlich zu dem Ausdruck, daß sein Begehren ausschließlich auf die rechtlichen Folgen nach lösung vom Vertrag gerichtet ist» Biese treten aber nur dann ein, wenn durch die positive Vertragsverletzung der Vertragszweck derart gefährdet wird, daß dem Vertragstreuen Teil unter Berücksichtigung aller Umstände des Palles nach Treu und Glauben die Fortsetzung des Vertrages nicht zuge-□utet werden kann. 798), Bei Verletzungen von '■»nderen als Hauptverpflichtungen muß es sich um schwere, die Vertragsgrundlage erschütternde Verstöße gegen das Vertragsverhliltnis handeln; auf den Grad des Verschuldens allein kommt es nicht an; entscheidend ist vielmehr der Grad der Vertragsverletzung (RGJW 1936? Bas betrifft sowohl den Hinweis auf die Rechtsprechung, die bei einer Verletzung von "Nebenpflichten” eine schwere Gefährdung des Vertragszwecks und die Unzu demutbarkeit des Festhaltens am Kaufvertrag bisher nicht angenommen habe, als auch die Auffassung, eine Unterlassungsklage sei für Die Besonderheiten des Streitfalles rechtfertigen jedoch eine von der Regel abweichende Beurteilung,, Denn das Berufungsgericht hat Feststellungen getroffen, die seinen Schluß rechtfertigen, es fehle an der Gefährdung des Vertragszwecks und an der Unzu demutbarkeit» So sind die Parteien nach den Feststellungen des Berufungsgerichts unstreitig zu demindest davon ausgegangen, daß der Beklagte nach einer gewissen Zeit wieder als Makler in tätig werde, soweit es die Vermittlung von reinen Grundstücksgeschäften und Auslandsobjekten und die Gründung eines IlaMerringes für Ausbildungszwecke betrifft« Bin erfahrener Geschäftsmann, wie es der Kläger sei, hätte - so folgert das Berufungsgericht ~ bei dieser Sachlage eine schriftliche Riederlegung der somit von vornherein inhaltlich begrenzten Verpflichtung des Beklagten verlangt, da zu befürchten gev/esen sei, daß der Beklagte die ihm zugestandene Tätigkeit nicht immer einhalten werde, eine solche in der Praxis nicht einmal immer eingehalten werden könne» Das Berufungsgericht folgert weiter die geringe Bedeutung, die der Kläger bei den Vertragsverhandlungen der Konkurrenzklausel beigeraessen Februar 1965 nur der Steuerbevollraächtigte die Frage angeschnitten habe, was denn nun geschehe, wenn der Beklagte ein halbes Jahr später in der Mö^lP-Jl^straße ein Geschäft in derselben Branche eröffne, und daß der Kläger sich trots der offensichtlich in diesem Umfang nicht ernst gemeinten Antwort des Beklagten - er habe "von der Makelei genug,f und "werde auf-hören" - nicht an diesem Teil der Unterredung beteiligt und geduldet habe, daß man sogleich andere Punkte besprochen habe* Alle diese Umstände sprechen für die Annahme des Berufungsgerichts, die Neugründung einer Maklerfirma in einem über die zugestandene Tätigkeit hinausgehenden Umfang durch den Beklagten sei jedenfalls keine schwere Vertragsverletzung; daß der Beklagte zu demindest als Konkurrent im weiteren Sinne auftreten durfte, ist unstreitig; daß es sehr leicht zu Abgrenzungsschwierigkeiten kommen konnte, lag angesichts der Uberschneidungsmöglichkeiten - Gastwirtschaft, Geschäft, Grundstück - auf der Hand; die vom Berufungsgericht ohne Rechtsverstoß insoweit festgestellte Sorglosigkeit des Klägers, eines erfahrenen Kaufmannes, rechtfertigt weiter den Schluß, der Klüger habe auf eine Regelung der beiderseitigen Tä.tigkeit3bereiehe keinen besonderen Wert gelegtV Entgegen der Auffassung der Revision ist aus den vor ge legten Umsatzsahlen nichts anderes zu entnehmen0 Bas Berufungsgericht hat im Ergebnis auch ohne Rechtsverstoß angenommen, die Fortsetzung bzv/0 Aufrechterhaltung des Vertrages sei für den Kläger nicht unzu demutbar. Da zugunsten des Klägers zu unterstellen ist, daß der Beklagte vertraglich verpflichtet war, Vermittlungsgeschäfte über Gaststätten und andere Geschäfte im Inland zu unterlassen, könnte eine arglistige Täuschung allenfalls dann gegeben sein, wenn der Beklagte schon bei Abschluß des Vertrages die Absicht gehabt haben sollte? Itn einzelnen führt das Berufungsgericht aus, das unstreitig nur eingeschränkt vereinbarte Konkur-rensverbot hätte den Kläger warnen müssen0 Er hätte befürchten müssen, daß der Beklagte bei der ihm zu-gestandenen Tätigkeit die Grenzen des Erlaubten nicht immer einhalten werde, ja mitunter in der Praxis auch nicht immer exakt einhalten könne» Angesichts dieser Gefahr hätte ein erfahrener Geschäftsmann wie der Kläger wenigstens eine schriftliche Verpflichtung des Beklagten in Kaufvertrag verlangt, was nicht geschehen sei o Die fehlende Ursächlichkeit lasse sich auch den Bekundungen des Steuerbevollmächtigten des Klägers entnehmeno Demnach habe nicht etwa der Kläger, sondern dieser Zeuge bei den entscheidenden letzten Vertragsverhandlungen und dem danach folgenden Vertragsabschluß am 16o Pebruar 1965 ohne besonderen Anlaß aus einer eigenen Überlegung heraus an den Beklagten die Präge gerichtet, was denn nun geschehe, wenn dieser ein halbes Jahr später in der MöflHB^straße ein Geschäft in derselben Branche eröffne» Darauf solle der Beklagte geantwortet haben, er habe nvon der1 Makelei genug11 und "werde aufhören"; diese Äußerung könne angesichts des eigenen Vortrags des Klägers bezüglich der Vermittlung ven Grundstücksgeschäften und Auslandsobjekten nicht ernst gemeint gewesen sein» Von Bedeutung sei aber, daß der Kläger sich an diesem Teil des Gesprächs zwischen und dem Beklagten nicht weiter betei- 2o Die gegen diese Ausführungen gerichteten Angriffe der Revision haben keinen Erfolg» Das Berufungsgericht stellt zutreffend auf die Umstände des Streitfalles ab und kommt nach einer Abwägung der Besonderheiten zu dem aus Rechtsgründen nicht zu beanstandenden Ergebnis, die Verpflichtung des Beklagten, nur Grundstücke und Auslandsobjekte zu vermitteln, sei für den Kläger nicht bestimmend gewesen, zu demindest habe der Kläger nicht die gegen eine solche Annahme sprechenden Bedenken aus-geräumto Zutreffend geht das Berufungsgericht davon aus, daß dem Kläger insoweit die volle Beweislast obliegt, weil es sich im Streitfall nicht um ein Umsatzgeschäft des täglichen Verkehrs, also nicht um einen typischen Geschehensablauf, sondern um ein von zahlreichen individuellen Umständen abhängendes Geschäft handelt (BGH NJW 1958, 177; WH 1968, 1246, 1248). Das Berufungsgericht ist auch entgegen der Auffassung der Revision nicht etwa davon ausgegangen, ein Verhalten sei nur dann ursächlich, wenn es allein für den Abschluß des Geschäfts maßgebend gewesen sei» Es ist auch nicht rechtsfehlerhaft, wenn das Berufungsgericht das Verhalten des Klägers anläßlich der entscheidenden, unmittelbar dem Vertragsschluß vorangehenden Verhandlungen dahin würdigt, für den Kläger sei die Frage einer Konkurrenzbeschränkung von ganz untergeordneter Bedeutung gewesen• Dabei durfte es ohne Rechtsfehlcr davon ausgehen, daß ein erfahrener Kaufmann die ausdrücklich angeschnittene und infolge der dargelegten Umstände regelungsbedürftige Frage einer Konkurrenz- War aber die Frage der Konkurrenzbeschränkung für den Kläger nur von ganz untergeordneter Bedeutung, dann ist es auch nicht rechtsfehlerhaft, die Ursächlichkeit zwischen der Absicht des Beklagten, auch eine eingeschränkte Konkurrenzabrede nicht zu erfüllen, und dem auf den Erwerb des Geschäfts gerichteten Rechtsgeschäft des Klägers zu verneinen» Die vom Berufungsgericht offen gelassene Frage, ob auf eine von vornherein bestehende Absicht, den Vertrag in einem bestimmten Punkt nicht zu erfüllen, eine Anfechtung wegen arglistiger Täuschung gestützt werden kann, bedarf daher keiner Entscheidung»