BGH · I ZR 96/65
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die beklagte GmbH ist Komplementärin der und GmbH u, COp KG", die in einen Selbstbedienungsgroßhandel Großmarkt") unterhält, auf dem ausschließlich Bebens-mitteleinzelhändler und bestimmte Großabnehmer Hah-rungs- und Genußmittel beziehen könneno Angegliedert ein Selbstbedienungseinzelhandelsbetrieb ("] Markt"), ln dem Waren, die nicht zu dem Sortiment des RPP~Groimarktes gehören, auch an Betztverbraucher angeboten werden, sofern diese im Besitz einer Kauf-karte sindo Biese Kaufkarten werden von dem R^f^Un ternehmen an solche Bebensmittel-linzelhändler zur Weitergabe an deren Kunden ausgegeben, die sich ihrerseits eine Kaufberechtigung für den Großmarkt haben ausstellen lassen und mit der Beklagten einen sogen9 "Vertreter im Hebenberuf-Vertrag" abgeschlossen habeno Jede Kaufkarte ist mit dem Firmenstempel des sie ver- fahren richtet sich dagegen, daß dem Einzelhändler die 4 $ige Umsatzvergütung auch auf private Eigenbedarfsein käufe gutgeschrieben wirdo Deckt nämlich der lebensmitte 1-Ei nzeIhändler seinen Eigenbedarf an non-fdcd-Artike ln unter Verwendung einer Kaufkarte auf dem Markt, so werden diese niehtgewerblichen Käufe aufgrund der auf der Kaufkarte enthaltenen Kennziffer wie Käufe von letztverbrauehern registriert und am Jahresende abgerechnet» In dem Vertreter-Vertrag heißt es dazu: Der klagende Verein zur Wahrung des lauteren Wettbewerbs sieht in der Gewährung einer Umsatzvergütung auf Eigenbedarfskäufe einen Verstoß gegen das Rabattgesetz durch Ankündigen und Gewähren eines unzulässigen Sonderpreises für eine bestimmte Berufsgruppe* Die Beklagte hat Klageabweisung beantragt und geltend gemacht, bei der beanstandeten Gutschrift von 4 $> handle es sich um eine Provision und nicht um einen unter das Rabattgesetz fallenden Preisnachlaß* Im übrigen dürfe das R^^-Unternehmen nach § 9 Nr* 3 RabG den Lebensmittel-Einzelhändlern als seinen "Vertretern im Nebenberuf" Preisnachlässe in Gestalt von Sonderpreisen gewähren* Io Bas Berufungsgericht läßt dahingestellt, ob -v/ie das Landgericht gemeint hatte - die Gutschriften auf die Eigenbedarfskäufe der Einzelhändler als zulässige Sonderpreise oder Sondernachlässe für Werksangehörige im Sinne des § 9 Nr» 3 RabG anzusehen seieno Die Beklagte berufe sich nämlich zu Recht darauf, daß die Gutschriften überhaupt nicht als Preisnachlässe, sondern als Provisionen zu behandeln seien» Anerkanntermaßen stellten aber echte Provisionen keine Preisnachlässe im Sinne des Rabattgesetzes dar, selbst wenn die Provision in Prozenten des Kaufpreises ausgedrückt werde» Auch vorliegend werde deshalb nicht in Zweifel gezogen, daß diejenigen Vergütungen, welche die Lebensmittel-Einzelhändler für die Kaufkartengeschäfte ihrer Kunden erhielten, wie Provisionen zu werten seien und nicht etwa als bloßes Scheinentgelt für eine bedeutungslose Werbetätigkeit der Einzelhändler0 Soweit es sich um die beanstandeten Gutschriften für deren Eigenbedarfskaufe handele, v/irke sich allerdings die Provisionspraxis des R^^-Unternehmens wirtschaftlich so aus, als gewähre es den Einzelhändlern einen Rabatt von 4 Wenngleich jedoch die Präge, ob ein Rabatt eingeräumt werde, nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu entscheiden sei, um Umgehungsversuche zu verhindern, könne das wirtschaftliche Ergebnis eines juristisch zulässig konstruierten Rechtsgeschäfts nicht allein deshalb als Rabattverstoß verpönt werden, weil es bei rein wirtschaftlicher Betrachtungsweise einer Rabattgewährung gleichkommeo Im vorliegenden Pall hätten die Gutschriften für ligen-bedarfsgeschäfte ihre rechtliche Wurzel nicht in dem einzelnen Kaufgeschäft, das der Einzelhändler unter Vorlage einer Kaufkarte tätige, sondern in den Abreden, die er mit dem R^jp-Unternehmen allgemein über die Handhabung der Kaufkarten und über die 4 $ige Beteiligung an dem Kaufkartenumsatz getroffen habeö Sie seien, soweit sie sich auf Kundenumsätze bezögen, wirtschaftlich auf eine Umsatzbeteiligung in Gestalt einer Provision gerichtete Es sei aber anerkannt, daß Provisionen auch für Eijcengeschäfte des Vertreters gezahlt werden könnteno Der Selbsteintritt des Kommissionärs sei sogar ausdrücklich geregelt (§ 400 HGB), und dem Kommissionär werde in einem solchen Pall der Anspruch auf die übliche Provision zugebilligt (§ 402 HGB)o Bann bestünden aber keine Bedenken, die hier vorliegende, auch die Jigenbedarfsgesohäfte der Lebensmittel-Einzelhändler umfassende Vereinbarung als eine nach allgemein handelsrechtlichen Grundsätzen zulässige Provisionsabrede anzusehen 0 Dieser Vorgang könne auch nicht deshalb in einen rabattrechtlich zu beurteilenden Kauf mit Preisnachlaß umgedeutet werden, weil der ”Vertretervertrag” insoweit nicht von Provisionen, sondern von einem ”Sondernachlaß" spreche * Auf die Wahl der Bezeichnung komme es nicht entscheidend an; sie vermöge die Auslegung und die rechtliche Würdigung der Provisionsabrede nicht zu beeinflusseno 1 o Ebenso wie in dem Verfahren I ER 20/66 ist auch in dem vorliegenden Rechtsstreit davon auszugehen, daß die hier nicht angegriffene Gewährung einer 4 fligen Vergütung auf Einkäufe der letztVerbraucher keine unentgeltliche oder zu dem Schein gewährte Zuwendung an die Einzelhändler darstellto Denn nach den Ausführungen des Be- beprämie als zulässig anzusehen* Ob sich dieses Ergebnis mit den vom Berufungsgericht angesteIlten Erwägungen rechtfertigen läßt, erscheint freilich nicht zweifelsfrei* Denn der Umstand, daß Provisionen auf Eigengeschäfte der Handelsvertreter u* dgl* handelsrechtlich zulässig sind, schließt - v/ie die Revision hervorhebt -nicht notwendig aus, daß diese Gewährung zugleich den Tatbestand des Rabattgesetzes erfüllen konnte, sofern es sich um Waren des täglichen Bedarfs handelt, die der Vertreter nicht zu dem Weitervertrieb, sondern zu dem Eigenverbrauch erwirbt* Biese Frage wird in der Regel schon deshalb nicht akut werden, weil § 9 Nr* 3 RabG Rabatte an Vertreter zuläßt - eine Regelung, die vom 3o Trotz dieser nicht abschließend zu erörternden Bedenken, ist dem Berufungsurteil im Ergebnis beizutreten o Bas Berufungsgericht geht rechtlich zutreffend davon aus, daß die gebotene wirtschaftliche Betrachtungsweise nicht dazu führen darf, rechtlich eigenständige Sachverhalte, wie ZoBo genossenschaftliche Rückvergütungen (BGH GRUR 1964s 146) oder Provisionsgewährungen für die Werbetätigkeit von Käufer-Selbsthilfeorganisationen (BGH GRUR 1967 s 371 - BSW) ohne Rücksicht auf die gesetzlich festgelegten Tatbestandsmerkmale unterschiedslos dem Rabattgesetz zu unterstellen» von Sammelbestellungen hat der erkennende Senat bereits aus ge führt (BGH GRUR 1963, 57S), daß eine vom Umsatz berechnete Unkostenpauschale, der auch die Eigenkäufe des Sammelbestellers zugrunde lagen, nicht als Rabattgewährung anzusehen sei» Auch soweit die Pauschale die tatsächlichen Unkosten übersteige, handle es sich nicht um einen Nachlaß auf einen vom Sammelbesteller zu zahlenden Kaufpreis, sondern um eine Belohnung für seine Mitwirkung am Ärenabsatz nach Art einer Werbeprämie, wie sie manche Unternehmen ihren Kunden für die Gev/innung neuer Kunden in Aussicht stell ten» Die gleichen Erwägungen greifen auch im Streitfall ein Nach den aus Rechts gründen nicht zu beanstandenden Ausführungen des Berufungsgerichts haben die Provisionsgewährungen unter Einbeziehung der ligenbedarfskäufe der Einzelhändler ihre rechtliche Wurzel nicht in dem einzelnen KaufgesoMft des Einzelhändlers, sondern in den Abreden, die die Einzelhändler mit den R^^-Unternehmen allgemein über die Handhabung des Kaufkartensystems und über die 4 $ige Beteiligung an den unter Vorlage der Kaufkarten getätigten Umsätzen getroffen haben» Biese Abreden dienen nach den weiteren Feststellungen des Berufungsgerichtes nicht etwa zur Tarnung wie in solchen Fällen, in denen der Provisionsberechtigte praktisch nur Eigengeschäfte tätigt oder lediglich Geschäfte mit nahen Angehörigen oder mit vorgeschobenen Strohmännern vermittelt; denn auch der Kläger behauptet nicht, daß der R^^-Markt für Betztverbraucher im wesentlichen nur Bebensraitteleinzel-händler als Kunden habe«.