BGH · I ZR 94/71 vom 24.11.1972
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Porzellan-Umtausch Führt ein Porzellanhersteller eine Umtauschaktion durch, bei der Letztverbrauchern angeboten wird, bei einzelnen, namentlich aufgeführten Einzelhändlern altes Porzellan nach Gewicht gegen Gutscheine des Herstellers einzutauschen und unter Verwendung dieser Gutscheine neue Ware dieses Herstellers bei dem Einzelhändler zu erwerben, der das alte Porzellan angenommen hat, so liegt eine Veranstaltung "im Einzelhandel" i. Die Beklagte wird verurteilt, es bei Vermeidung einer vom Gericht für jeden Fall einer Zuwiderhandlung festzusetzenden Geldstrafe in unbeschränkter Höhe oder Haftstrafe bis zu 6 Monaten zu unterlassen, zu Wettbewerbszwecken Einzelhandelsfachgeschäfte, welche das von ihr hergestellte Porzellansortiment führen, zu veranlassen, im Rahmen einer zeitlich begrenzten Werbeaktion unter dem Motto "Aus Alt mach Ag^H|n beim Verkauf von neuem A^Kp-Porzellan Altporzellan in Zahlung zu nehmen. Von Rechts wegen Tatbestand Der Kläger ist ein Verein, der nach seiner Satzung die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs bezweckt. Die Anzeige schloß mit dem Firmennamen "LgBt" und der Anschrift des Geschäfts. Der Bevollmächtigte des Klägers wandte sich mit Schreiben vom 16. "Wie Sie aus früheren Schreiben von uns wissen, sind wir der Veranstalter der Aktion "Aus Alt mach Wir haben Ihnen auch wiederholt und ausführlich unseren RechtsStandpunkt dargelegt. Februar 1970 in Frankfurt/Main durchgeführte Aktion "Aus Alt mach A^H^" verstoße die Firma gegen § 1 Abs.1, 2 der Anordnung des Reichs- Der Kläger hat beantragt, die Beklagte zu verurteilen, bei Meldung von Strafen zu unterlassen, zu Wettbewerbszwecken Einzelhandelsfachgeschäfte, welche das von ihr hergestellte Porzellansortiment führen zu veranlassen, im Rahmen einer zeitlich begrenzten Werbeaktion unter dem Motto >" beim Verkauf von neuem Porzellan Altporzellan in Zahlung zu nehmen Die Beklagte hat demgegenüber vorgetragen, die Werbeaktion verstoße nicht gegen die Anordnung vom 4. Veranstalter der Aktion sei vielmehr, wie sich aus der Anzeige und auch aus dem verwendeten Gutschein ergebe, allein die Beklagte. Landgericht und Oberlandesgericht haben die Klage mit der Begründung abgewiesen, die Verurteilung nach § 1 der Anordnung setze unter anderem voraus, daß es sich um eine Veranstaltung "im Einzelhandel" handele, das sei aber nicht der Fall; denn nur wenn eine solche Veranstaltung von einem Einzelhandelsunternehmen ausgehe, komme eine Anwendung des § 1 der Anordnung in Betracht. Die dagegen gerichtete Revision hat Erfolg, da das Berufungsgericht zu Unrecht annimmt, die beanstandete Veranstaltung finde nicht "im Einzelhandel" im Sinne des § 1 Abs. 1 der AO statt. Dort ist zwar anerkannt worden, daß eine Werbung des Herstellers, die sich unmittelbar an den Verbraucher wendet und dem Zweck dient, den Absatz der eigenen Waren lediglich mittelbar dadurch zu fördern, daß die Einführung der Ware durch eine Vielzahl ungenannter, seine Artikel führende Einzelhändler unterstützt werden soll, nicht als eine Veranstaltung im Einzelhandel im Sinne des § 1 Abs. 1 anzusehen sei. Um eine solche mittelbare Verkaufsförderung handelt es sich aber entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts im Streitfall nicht. Zwar mag die Initiative zu dieser Veranstaltung von der Beklagten ausgegangen sein und diese auch vom Verkehr als Veranstalter in dem Sinne angesehen werden, daß sie letztlich hinter der Aktion steht. Der wesentliche Unterschied zu dem OMO-Fall liegt aber darin, daß dort die auf der Einzelhandelsstufe teilnehmenden Händler ungenannt blieben und für das angesprochene Publikum auch als eine unbestimmte Vielzahl erschienen, während im Streitfall nur eine begrenzte Zahl von namentlich genannten Einzelhändlern an der Aktion teilnimmt. stufe haben konnte, denn die angesprochenen Verkehrskreise konnten angesichts der weiten Verbreitung des Vertriebs dieses Waschmittels davon ausgehen, daß sie das OMO-Probierpaket praktisch in jedem einschlägigen Geschäft beziehen konnten. Beschränkte sich aber die wettbewerbliche Wirkung auf die Herausstellung des Produktes selbst, so wurde dadurch nur der Wettbewerb der Hersteller berührt, so daß von einem Wettbewerb im Einzelhandel im Sinne des § 1 Abs. 1 der AO nicht gesprochen werden konnte. Daß der Einzelhandel, wie die Beklagte hervorhebt, an dieser Veranstaltung insofern beteiligt war, als er die Probierpakete an den LetztVerbraucher verkaufte, machte die Veranstaltung unter den dort festgestellten Umständen ebenfalls nicht zu einer solchen im Einzelhandel, weil sich diese Beteiligung auf eine Unterstützung des Herstellers in dessen Wettbewerb mit anderen Herstellern beschränkte, ohne nach Zweck und Auswirkung den Wettbewerb auf der Einzelhandelsstufe in rechtlich beachtlicher Weise zu berühren. lage und Auswirkung nach durchaus geeignet, den Wettbewerb auf der Einzelhandelsstufe zu beeinflussen, weil nur einige Einzelhandelsunternehmen als solche Geschäfte namentlich bezeichnet werden, die an dieser Umtauschaktion beteiligt sind. Das Berufungsgericht hat - von seinem Standpunkt aus folgerichtig - nicht geprüft, ob auch die Beklagte den Tatbestand des § 1 Abs. 1 der AO verwirklicht hat, obwohl sie ihrer Funktion im Wirtschaftsleben nach Herstellerin, nicht aber Einzelhändlerin ist. Juni 1971 (LM § 9a UWG Nr. 6) ausgeführt hat, kann auch ein Unternehmen einer vorgelagerten Wirtschaftsstufe im Einzelhandel im Sinne des § 1 Abs. 1 tätig sein, wenn es sich unmittelbar an den Letztverbraucher wendet. So liegt es auch im Streitfall, denn die Beklagte hat die Aktion in die Wege geleitet, ist damit einverstanden, daß die inserierenden Einzelhändler die Veranstaltung als Aktion der Beklagten bezeichnen, beteiligt sich an den Kosten der Veranstaltung durch Übernahme der Gutscheine, tritt insoweit auch direkt - durch das im Gutschein verkörperte Zahlungs versprechen - in ein Rechtsverhältnis zu dem Letztverbraucher und wird von diesem auch als - Mit-Veranstalter angesehen. Das Revisionsgericht ist insoweit jedoch zur abschließenden Entscheidung auf Grund des unstreitigen Sachverhalts in der Lage, der, was von den Parteien auch nicht in Zweifel gezogen wird, die Feststellung rechtfertigt, daß diese Veranstaltung außerhalb des regelmäßigen Geschäftsverkehrs liegt, der Beschleunigung des Warenabsatzes dient und daß deren Ankündigung den Eindruck hervorruft, daß besondere Kaufvorteile gewährt werden.