BGH · I ZR 92/67
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Beklagte beabsichtigt, ein Werbesystera für eine Reihe von ihr betreuter Markenartikel-Hersteller in der Weise einzuführen, daß diese ihren Packungen oder Erzeugnissen Bilderpunkte oder Bilderschecks beifügen oder auf-drueken, und zwar in verschiedenen Größenordnungen von 1/4 bis zu acht Sammelpunkteno Der Verbraucher soll die Punkte, die den verschiedenen Erzeugnissen beigegeben sind, sammeln, gleichgültig, von welchem Hersteller sie den Waren beigefügt worden sind0 Gegen Einsendung der Sammelpunkte an eine Zentralstelle, die Beklagte, soll er Bilder erhalten, deren Herstellungswert je nach Größe etwa 2 (= 8 Sammelpunkte) oder 4 Pfennige (= 12 Sammelpunkte ) beträgto Die an der Gutscheinaktion beteiligten Hersteller v/erden empfehlen, mit dem Einschicken der Sammelpunkte zu warten, bis eine bestimmte Anzahl erreicht ist, für die der Einsender eine sogenannte Serie erhält» Dies können 480 - 600 Punkte sein» In einem solchen Palle wird dem Einsender die Serie portofrei zugestellt werden«, Es ist daneben aber auch die Möglichkeit vorgesehen, daß der Einsender einzelne Sammelpunkte einschickt, um ein oder mehrere Bilder zu erhalten» Mehr als 8 Sammelpunkte werden dem einzelnen Markenartikel nicht beigefügt oder auf gedruckt v/erden» Gegen die Durchführung einer solchen Werbeaktion hat sich zunächst nur der Kläger zu 1 mit seiner Klage gewandt» Er hat die Auffassung vertreten, daß die Beklagte damit gegen die Bestimmungen der Zugabeverordnung verstoße, da Gegenstand der Zugabe nicht das einzelne Bild, sondern das Sammelergebnis sei» Pälle der an sich vorgesehenen Einzeleinsendung von Sammelpunkten werde es praktisch nicht geben» Der Sammler werde vielmehr in der Regel die mit dem Bilderumtausch verbundenen Mühen und Kosten erst auf sich nehmen, v/enn er eine ihn zu dem Bezug eines vollständigen Bildersatzes berechtigende Anzahl von Punkten zusammen habe» Dies werde von der Beklagten Der Kläger und die Beklagte betreuen als Werbeagenturen Unternehmen, die Markenartikelhersteller sind» Sie sind insoweit Wettbewerber» Wie zwischen den Parteien nicht streitig ist, ist zu erwarten, daß die Beklagte auch vom Kläger betreute Firmen zur Einführung des von ihr geplanten Werbesystems veranlassen will» Gelingt ihr das, so gehen die Beträge des Werbeetats, die die betreffenden Unternehmen der Beklagten für die Bilderscheck-Bammelaktion zur Verfügung stellen, möglicherweise dem Kläger verloren» Wäre die von der Beklagten geplante Werbemaßnahme nach § 1 ZugabeVO unzulässig, so würde aber der Kläger hierdurch unmittelbar im Wettbewerb benachteiligt werden» Seine Auffassung, daß bei dem in Rede stehenden Werbesystem das Einzelbild und nicht die •vollständige Bilderserie als Gegenstand der Zugabe anzusehen ist, begründet das Berufungsgericht damit, daß - dies wird im einzelnen auf Grund einer Betrachtung der zu den Reihen "Afrika11 und "Brutvögel Europas11 gehörenden Bilder dargelegt - bereits das einzelne Bild für eich allein für den Verbraucher von Interesse sei und einen selbständigen Werbewert habe, da es seiner Bestimmung gemäß auch unabhängig von seinem Zusammenhang mit der Serie verwendet werden könne „ Daher könne schon die Vorstellung, das einzelne Bild zu besitzen, den Kaufentschluß fördern,, nen* Wenn es sich, wie hier, um Sammelzugaben handelt und die Sammlung aus einer bestimmten Zahl von Einseistücken besteht, so kann bei Beurteilung der Frage, ob die Grenze der geringwertigen Kleinigkeit überschritten ist, auf das Sammelergebnis nur dann abgestellt werden, v/enn die Einzelstücke bestimmungsgemäß nicht für sich allein verwertbar sind» Auch in dem tatbestandlich anders liegenden Fall der Orbis-Reiseraarken (BGHZ 11, 274, 281) ist, was die Revision verkennt, darauf abgestellt worden, daß die Möglichkeit einer Einzelverwertung nicht gegeben war* Biese Möglichkeit hat aber das Berufungsgericht im vorliegenden Fall frei von Rechtsirrtum bejaht» Angesichts der Art, Größe und ansprechenden Qualität der einzelnen Bilder ist diese im wesentlichen tatrichterliche Würdigung nach der Lebenserfahrung nicht an- Die Revision macht geltend, das geplante Gutschein-system sei mit einem psychologischen Kaufzwang verbunden0 Denn im Hinblick auf die Mühen und die höhen Portokosten, die durch eine Einzeleinlösung der Bilderschecks verursacht würden, werde der Käufer veranlaßt, mit deren Einsendung zu warten, bis die für eine vollständige Bilderserie erforderliche Punktzahl erreicht sei und er die Serie portofrei erhalten könne, Dadurch werde der Käufer davon abgehalten, einen von ihm aus sachlichen Gründen erwünschten Übergang zu einem anderen Fabrikat oder anderen Händler vorzunehmen, was eine unzulässige Bindung des Käufers an Waren bestimmten Fabrikats oder an einen bestimmten Händler zur Folge habe«. Es handelt sich bei den Bilderserien um Sammlungen, deren Einzelstücke einen selbständigen Wert besitzen und für sich allein verwendet werden können» Der Wert der einzelnen Bilder ist weitgehend ein liebhaber-wert» lies unterscheidet den vorliegenden Fall von dem dem Orbis-Reisemarken-Urteil zugrunde liegenden Sachverhalt» Der ohne weiteres erkennbare Geldwert der einzelnen Reiseraarken war für jeden Käufer von wirtschaftlicher Bedeutung» In jenem Fall konnte der Sammler der Reisemarken daher ohne besonderes Entgelt eine wirtschaftlich beachtliche Beförderungsleistung nur bei wiederholtem Einkauf erlangen; das hatte den Anreiz zur Folge, fortlaufend diejenigen Waren zu kaufen, denen die Marken beigefügt waren» Demgegenüber besteht für die Bilder, die im Streitfall auf die Gutscheine bezogen werden können, nur bei einem gewissen Kreis der Käufer ein Interesse, das überdies vorwiegend ein Liebhaberin-teresse ist und sich mit dem Erwerb der betreffenden Bilderserie erschöpft» Schon wegen dieser wirtschaftlichen Verschiedenheit der in den Gutscheinen verbrieften Bezugsberechtigungen ist der von dem Gutscheinsystem der Beklagten ausgehende Anreiz zu dem fortlaufenden, ständigen Bezug bestimmter Markenwaren nicht so erheblich wie im Falle der Ausgabe von Reiseraarken» Die Gutscheine sollen nach dem geplanten Werbesystem nicht nur einem bestimmten Erzeugnis» sondern den Waren einer Reihe von Markenartikel-Herstellern beigegeben werden* Da die Bilder-schecks daher mit den verschiedensten Erzeugnissen in die Hand des Käufers gelangen werden» ist derjenige Käufer» der Wert auf den Erwerb sämtlicher zu einer Serie gehörenden Bilder legt, nicht .-gezwungen.» von einem Wechsel des Fabrikats oder Händlers abzusehen* Denn er ist in der läge, innerhalb des Warensortiments, dem die Gutscheine beigefügt werden» auf andere Waren auszuweichen, wenn ihm ein bestimmtes Fabrikat nicht mehr zusagt0 Der Käufer» der bereits einige Bilderschecks erworben hat» kann daher zu einem anderen Fabrikat oder einem anderen Händler übergeben* Ist ihm an den Bildern gelegen» so kann er die schon gesammelten Gutscheine einlösen* Hat er bereits Bilderschecks eingelöst, so stellen die in seinem Besitz befindlichen einzelnen Bilder bereits jedes für sich einen eigenen Wert dar, so daß durch einen Verzicht auf die vollständige Serie das Ergebnis seiner bisherigen Sammeltätigkeit nicht hinfällig wird* Die Gefahr, daß der Käufer sich von einem aus sachlichen Gründen erwünschten Übergang zu einem anderen Fabrikat oder Händler infolge des Besitzes einiger Einzelbilder abhalten lassen wird, ist daher hier als nicht so erheblich anzusehen, daß sie die Annahme eines Sittenverstoßes begründen könnte* Auch die für den Erwerb einzelner Bilder aufgewendeten Portokosten werden den Käufer in der Regel nicht veranlassen, nun auch die restlichen zur Serie gehörenden Bilder zu erwerben, damit der Aufwand der Portokosten sich auch lohne* Denn diese Kosten wird er auf Grund des Wertes, den die Bilder für ihn besitzen, als gedeckt ansehen* Soweit aber ein Käufer von rechnerischen Erwägungen ausgehen sollte, ist in diesem Zusammenhang das für die Beurteilung nach der Zugabeverordnung unerhebliche Wertverhältnis zwischen Hauptleistung und Zugabe von Bedeutung» Hach dem geplanten Werbesystem sollen einer Markenware nicht mehr als acht Sammelpunkte in Form von Bilderschecks beigegeben werden» Für den Erwerb eines Bildes im Herstellungswert von etwa zwei Pfennigen sollen acht Sammelpunkte erforderlich sein» Angesichts dieses geringen Wertes der einzelnen Bilder kann nicht angenommen werden, daß ein Käufer, der bereits einige Einzelbilder erv/orben hat, nur im Hinblick auf die hierfür aufgewendeten Portokosten sich davon abhalten lassen wird, zu einem anderen Fabrikat oder einem anderen Händler überzugehen»