BGH · I ZR 78/54
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die von ihr hergestellten Magnettongeräte in Geschäftsankündigungen und Werbeschriften in der Weise anzupreisen* daß sie zur Aufnahme von Musikdarbietungen aller Art und zur beliebigen Wiedergabe dieser”Aufnähme geeignet seien, ohne gleichzeitig darauf hinzuweisen, daß in cler Bundesrepublik und in West-Berlin ' eine Benutzung der Geräte zur Aufnahme von Werken des Repertoires der Klägerin deren Einwilligung bedarf oder ihre Magnettongeräte ohne einen solchen an die Empfänger gerichteten Hinweis zu veräußern, in Kommission zu liefern, zu vermieten oder auf andere Weise zu vertreiben« Die Klägerin vertritt die Auffassung, daß die Benutzung der Magnettongeräte zur Aufnahme von Aufführungen •der Werke der ihr angesehlossenen Komponisten die ihr abgetretenen urheberrechtlichen Nutzungsbefugnisse verletze» Sie hat im Jahre 1950 gemeinsam mit der Schallplattenindustrie in einem Rundschreiben an die Hersteller von Magnetton- oder sonstigen Aufnahmegeräten und an die Groß-und Kleinhändler derartiger Geräte auf diese ihre Rechtsansicht hingewiesen« In diesem Rundschreiben sind die Hersteller von Magnetophon- und sonstigen Aufnahmegeräten aufgefordert worden, jede Aufnahme geschützter Musikwerke auf Magnettongeräten zu Vorführ- und anderen Zwecken zu unterlassen und die Erwerber von Selbstaufnahmegeräten darauf hinzuweisen, daß die Herstellung eigener Tonträger ohne Einwilligung der Berechtigten einen unzulässigen Eingriff in die Urheberrechte der Komponisten und Textdichter und. 1) die Beklagte zu verurteilen, es bei Vermeidung einer vom Gericht für jeden Fall -der Zuwiderhandlung festzusetzenden Geld- oder Haftstrafe zu unterlassen, die von ihr hergestellten Magnettongeräte zu veräußern, in Kommission zu liefern, zu vermieten oder auf andere Weise zu vertreiben, ohne den Empfängern der Geräte die Verpflichtung aufzuerlegen, sie zur Aufnahme oder Vervielfältigung und zur öffentlichen Aufführung von Musikwerken des Repertoires der Klägerin nur mit ihrer Einwilligung zu benutzen, 2) die Beklagte zu verurteilen, es bei Vermeidung einer vom Gericht für jeden Fall der Zuwiderhandlung festzusetzenden Geld- oder Haftstrafe zu unterlassen, ihre Magnettongeräte in geschäftlichen Ankündigungen und Werbeschriften in der Weise anzupreisen, daß sie zur Aufnahme von Musikdarbietungen aller Art und zur beliebigen Wiedergabe dieser Darbietungen geeignet”-seien, ohne gleichzeitig darauf hinzuweisen, Ent s ch ei d ungsgründ es Ac Die Kernfrage des vorliegenden Rechtsstreits geht dahin, ob durch die Festlegung eines Werkes des von der Klägerin verwalteten Musikrepertoires auf Magnettonband in die der Klägerin übertragenen urheberrechtlichen Nutzungsrechte auch dann eingegriffen wird, wenn die Aufnahme des Werkes auf Tonband nur zu dem persönlichen Gebrauch und ohne die Absicht, eine Einnahme aus dem Werk zu erzielen, vorgenommen wird» Nur wenn diese Frage in Übereinstimmung mit der Rechtsauffassung der Urteile der Vorinstanzen zu bejahen ist, bedarf es einer Erörterung der weiteren Frage, welche Rechte die Klägerin aus einer Verletzung ihrer Urheberrechte durch solche privaten Magnet-tonaüfnahmen gegen die Beklagte herleiten kann, die diese Tonbandaufnahmen nicht selbst vornimmt, sondern lediglich • hierfür geeignete Selbstaufnahmegeräte vertreibt» Io Wie der Senat bereits in seiner Entscheidung vom 21» November 1952 (BGHZ 8, 88) dargelegt hat, stellt das Überspielen eines Tonträgers, insbesondere von Schallplatten auf Magnettonbänder eine Vervielfältigung im Sinne von § 11 LitUrhG'dar« Unter den Vervielfältigungsbegriff fällt aber auch die Erst aufnähme des Vortrags oder der Aufführung eines Werkes auf Tonträger; denn Vervielfältigung im Sinne des Urheberrechts ist jede körperliche Festlegung eines Werkes, die geeignet ist, das Werk den menschlichen Sinnen auf irgend eine Art mittelbar oder unmittelbar wahrnehmbar zu machen (RGZ 107? Durch dieses an der Schallvorrichtung eingeräumte fiktive Bearbeiterurheberrecht sollten lediglich - mittelbar zu dem Schutze der Schallplattenindustrie - urheberrechtliche Ausschließlichkeitsrechte für den ausübenden Künstler an seiner auf Tonträger festgelegten Leistung sichergestelli werden« Durch das im Schrifttum vielfach erörterte Probte ob § 2 Abs 2 LitürhG auch auf die mit Hilfe von Magnettongeräten ohne Erlaubnis des Vortragenden erfolgte Erst-festlegung seiner Leistung anwendbar sei, wird für die Lösung der hier allein entscheidenden Präge, ob durch eine solche Festlegung des Werkes Ausschließlichkeitsrechte des Werkschöjpfers^ verletzt werden, nichts gewönne* Auch wenn die ungenehmigte Erstaufnähme des Vortrages oder der Aufführung eines Werkes auf Vorrichtungen zur mechanischen Wiedergabe einer Bearbeitung des Werkes gleichzustellen wäre, was nach dem Sinn des § 2 Abs 2 .LitürhG und dem heute allgemein geforderten Leistungsschutz des ausübenden Künstlers naheliegt, so könnte hieraus nicht etwa gefolgert werden, der Aufnehmende bedürfe, soweit er den Tonträger nur zu dem persönlichen Gebrauch verwenden wolle, zu dieser Fixierung fremder Leistung deshalb keiner Erlaubnis des Werkschöpfers, weil jede Bearbeitung eines Werkes zu dem persönlichen Gebrauch frei sei« Eine solche Betrachtungsweise würde einmal übersehen, daß § 2 Abs 2 LitürhG nicht den Aufnehmenden, sondern den Vortragenden, dessen persönliche Leistung allein einen Anknüpfungspunkt für die Anwendung des Bearbeiterrechtes gibt, als Bearbeiter behandelt wissen will, und der Aufnehmende schon aus diesem Grunde ein Recht zur Herstellung des Schallträgers nicht aus dem zugunsten des ausübenden Künstlers geschaffenen Quasi-Bearbeiterschutz ableiten kann« Zum anderen aber muß eine Lösung der hier interessierenden Streitfrage aus § 2 Abs 2 LitUrhG schon darah scheitern, daß diese Gesetzesbestimmung sich überhaupt nur mit der Rechtslage in Ansehung der bereits hergestellten Schallvorrichtung befaßt, über die Zulässigkeit einer solchen Werkfixierung dagegen nichts besagte Die Präge] ob die ohne Wissen des ausübenden Künstlers erfolgte Erstfestlegung seiner Leistung auf einen Schallträger dem Bearbeiterurheberrecht zu unterstellen ist, ist somit nur bedeutsam, für den hier nicht zur Entscheidung stehenden Pall, daß der ausübende Künstler dem Aufnehmenden die Ausübung urheberrechtlicher Nutzungsrechte an dem ohne seine Erlaubnis hergestellten'Schallträger untersagen will. Auch wenn eine mit Hilfe der Selbstaufnahmegeräte der Beklagten gegen den Willen des Vortragenden Künstlers vorgenommene Erstaufnahme seiner Leistung dem fiktiven Bearbeiterurheberrecht des § 2 Abs 2 LitUrhG unterstellt wird, ändert dies nichts daran, daß die Festlegung als solche eine besondere Art der Vervielfältigung darstellt. 338 /5467) © V/ie sich aus der Begründung zu dem Entwurf der Novelle vom 22© Mai 1910 ergibt, durch die die Vorschrift des § 12 Abs II Ziff 5 LitUrhG eingeführt worden ist, hielt der Gesetzgeber diese Klarstellung für geboten, weil durch diese Novelle die Ausnahmebestimmung des § 22 Abs 1 LitUrhG vom 19© Juni • 1901 beseitigt wurde, die die Übertragung eines erschienenen Werkes der Tonkunst auf Tonträger von einer Erlaubnis des Urhebers freigestellt hatte (Verhandlungen des Reichstags XII« Legislaturperiode II« Session, Anlagen zu den Stenographischen Berichten Aktenstück Nr'341 S 1789)* Die Verwendung der von der Beklagten vertriebenen Selbstaufnahmegeräte zur Herstellung von Tonbandaufnahmen urheberrechtlich geschützter Werke für persönliche Gebrauchszwecke wäre hiernach für den Uiheber nur dann rechtlich unangreifbar,, wenn diese Vervielfältigung durch eine besondere Bestimmung des Urheberrechts gerechtfertigt wäre«, Insoweit könnte nur § 15 Abs 2 LitUrhG in Betracht kommen, wonach eine Vervielfältigung zu dem persönlichen Gebrauch zulässig ist, wenn sie nicht den Zweck hat, aus dem Werk eine Einnahme zu erzielen© Übereinkunft zu dem Schutze von Werken der Literatur und Kunst in der seit 210 Oktober 1933 (RGBl 1933 II 889) in Deutschland geltenden Rom-Fassung unvereinbar» Nach dieser Bestimmung des Konventionsrechtes genießt der Urheber eines musikalischen Werkes zwar das ausschließliche Recht, die Übertragung dieses Werkes auf Instrumente zu gestatten, die seiner mechanischen Wiedergabe dienen» Der inneren Gesetzgebung jedes Landes ist jedoch gemäß Art 13 Abs 2 RBÜ das Recht eingeräumt worden, Einschränkungen in Bezug auf diese Konventionsbestimmung festzusetzen» Solche Einschränkungen dürfen aber wiederum nicht zu einer völligen Beseitigung der nach zwingendem Konventionsrecht gewährten Befugnisse führen- So fliegt es hier auch nicht» Denn durch die in § 15 Abs 2 LitürhG vorgesehene Vervielfältigungsfreiheit wird, auch soweit die Vervielfältigung einer musikalischen Aufführung mittels Schallträger in-Frage steht, das Ausschließlichkeitsrecht des Urhebers, die Herstellung derartiger Schallträger zu erlauben, nicht im Grundsatz verneint, sondern die Herstellung solcher Werkstücke wird nur im Rahmen des persönlichen Gebrauches aus dem Ausschließlichkeitsrecht des Urhebers herausgelöst (vgl BGHZ 11, 135 /I38 f/)» a) Es ist dem Berufungsgericht beizupflichten, daß dem reinen Wortlaut nach die Herstellung solcher Magnettonaufnahmen durch § 15 Abs 2 LitUrhG gedeckt ist« Es handelt sich zwar um eine Vervielfältigung eigener Art; denn das bespielte Tonband gibt nicht etwas, wie beispielsweise das Notenblatt, das Werk in nur optisch wahrnehmbaren Sinnbildern (Buchstaben, Noten) wieder, sondern hält mit dem Werk zugleich-dessen Aufführung fest« Diese Vervielfältigungsart verschafft somit bei ihrer Hörbar-machung den vollen Werkgenuß, ohne daß es noch der Vermittlung durch einen Vortragenden Künstler bedarf0 Dem Gesetzgeber war jedoch bei Erlaß des Gesetzes von 1901 die Möglichkeit, dem Vortrag eines Werkes der Literatur oder die Aufführung eines Werkes der Tonkunst auf mechanischen Vorrichtungen festzuhalten, bereits bekannt« Die Novelle vom 22« Mai 1910 befaßte sich im wesentlichen gerade mit einer Neuordnung der Rechtslage in Bezug auf mechanische Vorrichtungen, die der Wiedergabe für das Gehör dienen (§§ 2 Abs 2, 12 Abs 2 Nr 5, 22 a LitUrhG) Aus den Gesetzesmaterialien ergibt sich eindeutig, daß dei Gesetzgeber davon ausgegangen ist, die Festlegung eines Werkes auf Schall träger stelle eine besondere Art der Vervielfältigung dar« So heißt es in der Begründung dieser Novelle u«a«s "Daß die ausschließliche Befugnis des Urhebers zur Vervielfältigung seines Werkes auch die zu dem Zwecke der mechanischen Wiedergabe für das Gehör erfolgend Übertragung auf das der Wiedergabe dienende Instrument, ohne Unterschied der Verwendung fest eingefügter Bestandteile oder auswechselbarer Zubehörstücke, mitumfaßt, würde auch ohne eine besondere Bestimmung aus dem Begriffe jene? Befugnis folgen” (vgl Verhandlungen des Reichstags XII5 Legislaturperiode,II» Session, Anlagen zu den stenographischen Berichten Aktenstück Nr 341 S 1789)« Wenn nun § 15 Abs 2 LitUrhG ohne Einschränkung Jede "Vervielfältigung” für persönliche Gebrauchszwecke für zulässig erklärt, muß bei dieser Sachlage davon ausgegangen werden, daß diese Gesetzesbestimmung, soweit nur ihr buchstäblicher Wortlaut irl Präge steht, auch die Festlegung der Aufführung eines Werkes auf Tonträger einbezieht0 Zwar war ein Verfahren, Schall-' wellen auf einen magnetisierten Draht fetetzuhalten, bereits um die Jahrhundertwende von dem Dänen Poulsen erfunden worden und dieses Verfahren war auch in Deutschland durch mehrere deutsche Patente (Petersen und Poulsen) in den Jahren 1898 bis 1902 bekannt geworden» Diese Erfindungen gewannen jedoch wegen der ungenügenden Lautstärke der Wiedergabe zunächst keine praktische Bedeutung» Erst Ende der zwanziger Jahre hat dieses Verfahren erstmalig bei größeren Rundfunksendern'und bei der Tonfilmherstellung Verwendung gefunden» Für die private Vervielfältigung ist dieses Verfahren auf elektromagnetischer Grundlage erst durch die seit einigen Jahren im Handel befindlichen Selbstaufnahmegeräte bedeutsam geworden (Mediger GRUR 1951, 385)» Es handelt sich somit bei der Vervielfältigung eines Werkes mittels solcher Selbstaufnahmegeräte um einen Sach-| verhalt, der bei Erlaß des § 15 Abs 2 LitUrhG im Jahre 1901 wie auch bei der Änderung des Gesetzes im Jahre 1910 außerhalb des Vorstellungskreises des Gesetzgebers lag» Füfr die Präge, ob dieser Vervielfältigungsvorgang, der einen vom Gesetzgeber nicht in Betracht gezogenen neuen Tatbestand darstellt, noch von dem Sinngehalt dieser Gesetzesnorm erfaßt wird, ist nicht entscheidend, ob es sich bei dem Magnettonverfahren - rein technisch gesehen - um ein völlig neuartiges Verfahren oder nur um eine verfeinerte Art der schon 1910 bekannten mechanischen Vervielfältigungsmethoden handelt. Denn im Streitfall geht es nicht um die technischen Gesetze des Vervielfältigungsvorganges,| sondern um seine Verlegung in den privaten Bereich durch Selbstaufnahmegeräte der von der Beklagten vertriebenen Art1,- die dem privaten Benutzer die Herstellung einzelner Vervielfältigungsstücke zu dem persönlichen Gebrauch ohne we-| •seäfrl&bhen Aufwand anZeit oder Mühe durch eine einfache, rein mechanische Handhabung dieses Gerätes ermöglichen, • Der Gesetzgeber konnte bei den ihm 1910 bekannten Arten der mechanischen Festlegung einer Aufführung - insbesondere) den Schallplatten - wegen des kostspieligen und mühsamen, besondere Kenntnisse voraussetzenden Vervielfältigungsvorganges nicht damit rechnen, die Herstellung einzelner Stücke solcher Vervielfältigungen für persönliche Gebrauchszwecke könnte ernsthaft in Betr'acht kommen* Es bleibt somit zu prüfen, ob durch den neuen Sachverhalt, den die Erfindung des Magnettonverfahrens geschaffen hat, ein urheberrechtlich bedeutsamer, vom Gesetzgeber nicht gesehener Interessenkonflikt aufgetreten ist, dessen Lösungl nicht aus § 1.5 Abs 2 LitUrhG entnommen werden kann, weil er| nicht mehr unter den Interessenausgleich fällt, den allein der Gesetzgeber mit dieser Rechtsnorm angestrebt hat* Entgegen der Auffassung der Beklagten muß auch gegenüber einem sprachlich eindeutigen Wortlaut eine Auslegung nach dem Sinn und Zweck des Gesetzes Platz greifen, wenn der zur Entscheidung stehende Int'eressenkonflikt bei Erlaß des Gesetzes noch nicht ins Auge gefaßt werden konnte, weil er erst durch die Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse nach diesem Zeitpunkt in Erscheinung getreten ist (vgl BGHZ 2, 176 /I847)<> Die Bindung des Richters an Gesetz und Recht (Art 20 Abs 2 GrundG) gestattet dem Richter nicht nur, das Recht im Sinne seiner Weiterentwicklung durch Auslegung des gesetzten Rechts fortzubilden, sondern verpflichtet ihn sogar dazu, wenn die Findung einer gerechten Entscheidung dies erfordert (BGHZ 3, 308 £$157)o Höher als der Wortlaut des Gesetzes steht sein Sinn und Zweck« Diesen im Einzelfall der Rechtsanwendung nutzbar zu machen und danach unter Berücksichtigung von Treu und Glauben den Streitfall einer billigen und vernünftigen Lösung zuzuführen, ist die Aufgabe des Richters (so RGZ 142, 36 £K0 f?'). Es handelt sich hierbei um ein Problem der Rechtsfindung, das sich der Rechtsprechung gerade auf dem Gebiet des Urheberrechtes durch die rasch fortschreitende Entwicklung der Technik, die eine Anpassung der aus der • Jahrhundertwende stammenden Urhebergesetze an die veränderten Verhältnisse erforderlich machte, bereits mehrfach gestellt- hat« Vom urheberrechtlichen Blickpunkt aus ist bedeutsam für die Gesetzesauslegung nicht der technische Fortschritt als solcher, der durch die neuen technischen Errungenschaften erzielt worden ist, sondern dessen Auswirkungen auf diejenigen Rechtsverhältnisse, die durch die Urheberrechtsgesetzgebung geregelt werden sollten« Jedem Gesetz liegt eine Interessenabwägung zugrunde, die in bestimmter Weise auf das soziale Leben einwirken will« Sollen neue Tatbestandsgruppen, die bei Es fragt sich somit im Streitfall, ob nach Sinn und Zweck des § 15 Abs 2 LitUrhG und der für diese Bestimmung maßgebenden Wertentscheidung unter Berücksichtigung der aus dem Gesamtsystem des Urheberrechts zu entnehmenden Wertungen es gerechtfertigt und geboten erscheint, durch eine einschränkende Auslegung dieser Gesetzesbestimmung den von dem Gesetzgeber nicht ins Auge gefaßten Tatbestand der Aufnahme eines urheberrechtlich geschützten Werkes auf Magnettonband von der Vervielfältigungsfreiheit zu dem persönlichen Gebrauch auszunehmen» Die dem früheren Privilegienwesen zugrunde liegende Rechtsvorstellung, dem Urheber stehe ein wirtschaftlicher Nutzen aus seiner Geistesschöpfung nur insoweit zu* als ihm der Gesetzgeber durch eine in seinem Ermessen stehende Verleihung von ausschließlichen Nutzungsrechten einen solchen Ertrag zubillige, ist durch die Lehre vom geistig^ Eigentumf das dem Urheber durch die Schöpfung des Werkes' zuwächst, in allen Kulturstaaten seit langem überwundene Für das moderne Urheberrecht wird allseitig anerkannt, daß die Nutzungsrechte des Urhebers nur die Ausstrahlungen seines durch den Schöpfungsakt begründeten geistigen Eigentums sind. Die Herrschaft des Urhebers über sein Werk,' auf den sich sein Anspruch auf einen gerechten Lohn für eine Verwertung seiner Leistung durch Dritte gründet, wird ihm hiernach nicht erst durch den Gesetzgeber verliehen, sondern folgt aus der Natur der Sache, nämlich aus seinem geistigen Eigentum, das durch die positive Gesetzgebung nur seine Anerkennung und Ausgestaltung findet, Dieser das Urheberrecht beherrschende Rechtsgedanke ist-bei der Auslegung urheberrechtlicher Gesetzesnormen stets im Auge zu behalten (vgl Ulmer aaO S 35 4-6, S 59 ff)o Es bedeutet auch durchaus keine grundsätzliche Entscheidung des Gesetzgebers zugunsten der Preihaltung des privaten Bereichs von der Ausübung urheberrechtlicher Befugnisse, wenn er die Nutzungsrechte des Urhebers, soweit die Aufführung, die Vorführung oder der Vortrag seines Werkes in Frage steht, auf die öffentliche Ausübung dieser Befugnisse beschränkt hat* Denn dies erklärt sich allein daraus, daß bei der Eigenart dieser Werknutzung keine wesentliche Einbuße des Urhebers zu befürchten steht, wenn sie bei Vornahme im privaten Bereich von der Vergütungspflicht freigestellt wird« Damit wird aber keineswegs im Grundsatz dem Werkschöpfer jeglicher wirtschaftlicher Ertrag aus dem Genuß seines Werkes im häuslichen Bereich abgeschnitten« Denn das Bedürfnis nach einem Werkgenuß in der privaten Sphäre kann in der Regel nur befriedigt werden, indem Vervielfältigungsstücke des Werkes (zoB„ Noten, Schallplatten) erworben und mit der Entrichtung des Kaufpreises für das Werkstück gleichseitig die Vergütungspflicht des gewerblichen Vervielfältigers abgegolten wird„ Es trifft somit nicht den Kern des hier zu entscheidenden Problems, wenn geltend gemacht wird, daß nach urheberrechtlichen Grundsätzen der Werkgenuß im privaten Kreis frei von einer Urhebervergütung sei« Der Gesetzgeber konnte nur nach dem damaligen Stand der technischen Entwicklung davon ausgehen, daß es zu dem wirtschaftlichen Schutze der Leistung des Urhebers • ausreicht, wenn der Urheber nicht in ein unmittelbares Verhältnis zu dem privaten Nutzer seiner Leistung gebracht wird, sondern die Vergütungspflicht dem Werkmittler, also dem Verleger, dem Veranstalter der öffentlichen Aufführung oder dem Schallplattenhersteller auferlegt wird, der dann - wirtschaftlich gesehen - durch entsprechende Preiskalkulation die Urhebervergütung von demjenigen einzieht, dem die Leistung des Urhebers -entsprechend ihrer wesensgemäßen Zweckbestimmung - durch ihren rein ideellen .Genuß zugute kommt„ Der Werkgenuß, den die private Aufführung eines Werkes vermittelt, wird in der Regel mit dem Erwerb des grundsätzlich mit einer Urhebergebühr belasteten Vervielfältigungsexemplars abgegolten, so daß die Freistellung der nichtöffentlichen I Aufführung von einer Urhebervergütung in Wahrheit nur den] Sinn hat, eine doppelte Leistung zu verhindern (vgl Tr old ’’Anspruch des Urhebers auf Entgelt für den privaten Werk-genuß», Schweizerische Mitteilungen für gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht 1951? 53 £5§?) » Gerade weil aber die private Werknutzung im allgemeinen von dem.Besitz eines Vervielfältigungsstückes abhängig ist, war es geboten, dem Urheber das Vervielfältigungsrecht ohne Begrenzung auf die gewerbliche oder öffentliche Sphäre vorzubehalten, wollte man nicht sein Recht auf ein gereghtesoEntgelt für den Werkgenuß im häuslichen | Bereich ernsthaft gefährden. Wäre es richtig, daß nach dem Grundgedanken des Urheberrechtes die private Sphäre eine unübersehreit-bare Schranke für die Nutzungsrechte des Urhebers und damit praktisch für seinen Vergütungsanspruch bildete, I so würde der Urheber aus allen Werken, die vorwiegend für den Werkgenuß im privaten Bereich geschaffen werden, wie dies vor allem für die Werke der Literatur zutrifft, kaum noch wirtschaftliche Früchte aus seiner Arbeit ziehen können, sobald die Technik es dem einzelnen ermöglicht, ohne besondere Kosten und Mühen Werkstücke im häuslichen Bereich selbst herzustellen, die einen einwandfreien Werkgenuß vermitteln und den gewerblich hergestellten Vervielfältigungsstücken gleichwertig 1. fließen zu lassen, wenn die Nutzung' des Werkes sich ausschließlich im privaten Raum abspielt0 Nach dem Grundgedanken des Urheberrechtes, das vor allem auch die wirtschaftlichen Belange des geistig Schaffenden sichern will, ist bei einem solchen Interessenwiderstreit zwischen der schöpferischen Sphäre des Urhebers und der privaten Sphäre des Werknutzers vielmehr der schöpferischen Sphäre,.ohne die eine Werknutzung überhaupt nicht möglich wäre, der . So ergibt denn auch § 15 Abs 1 LitUrhG mit aller Deutlichkeit, daß grundsätzlich jede Vervielfältigung ohne Einwilligung des Urhebers verboten ist, gleichgültig, ob der Vervielfältigungsvorgang privat, öffentlich oder gewerbsmäßig vor sich geht,, § 15 Abs 2 LitUrhG stellt, wie bereits hervorgehoben wurde, nicht auf den Vervielfältigungsvorgang als solchen, sondern allein auf den Gebrauchszweck der Vervielfältigung ab (de Boor, GRUR 1954, 440 Z^447’) o Werden innerhalb der privaten Sphäre Vervielfäl-tigungsstücke zu dem Zweck, sie gewerbsmäßig zu vertreiben, hergestellt, so stellt dies unbestritten eine Urheberverletzung dar» Auch die Kontrolle solcher Vervielfältigungsvorgänge setzt aber in gewissem Umfang ein Eindringen in den privaten Bereich voraus, ohne daß hieraus jemals die Zulässigkeit derartiger Vervielfältigungen gefolgert worden wäre, wie auch die Überprüfung des Rundfunkerapfanges durch sogenannte Schwarzhörer stets unbeanstandet hingenommen worden ist„ Es kann demnach nicht, wie die Beklagte geltend macht, der tragende Sinn der Freigabe der Vervielfältigung zu dem persönlichen Gebrauch gewesen sein,, die private Sphäre des Werknutzers vor Ansprüchen des Urhebers abzuschirmen© Der in Rechtsprechung und Schrifttum anerkannte Leitgedanke des Urheberrechts, daß der Urheber tunlichst angemessen an den wirtschaftlichen Früchten zu beteiligen sei, die aus seinem Werk gezogen werden (BGHZ 11, 135» ^43/; BGHZ 13, 115 /Tl8/) stellt nur eine Mindestforderung zu dem Schutz der materiellen Belange des Urhebers dar und ist auf das im Urheberrecht herrschende System der gewerbsmäßigen Werkvermittlung zugeschnitten« Dieser Leitgedanke berechtigt jedoch nicht zu dem Gegenschluß, daß dem Urheber für seine Leistung, wenn sie ohne unmittelbaren wirtschaftlichen Nutzen ausgewertet wird, eine Vergütung nicht gebühre (BGHZ 13, 115 /I20, 124, 126 ffJ) Eine solche Auffassung würde auf eine Aushöhlung der Nutzungsrechte des Urhebers hinauslaufen, soweit die Vorgänge, die bisher seinen Vergütungsanspruch auslösten, durch die Entwicklung der Technik völlig in die private Sphäre verlegt werden« 3) Damit ist klargestellt, daß es sich bei der Vervielfältigungsfreiheit nach § 15 Abs 2 LitürhG um eine echte (-Ausnahme von dem Grundgedanken des Gesetzes handelt, nach £• dem dem Urheber ein v/irtschaftlicher Ertrag auch aus dem ■. "Die rechtswidrige Vervielfältigung wird vom Entwürfe dem hergebrachten Sprachgebrauche gemäß als Nachdruck bezeichnet«, Unter diesen Begriff fällt jedoch, wie sich aus § 15 Abs 1 ergibt, nicht nur die mechanische Vervielfältigung im Sinne des § 4 des Gesetzes vom 11«, Juni 1870o Vielmehr soll grundsätzlich jede Vervielfältigung dem Urheber Vorbehalten bleiben, so daß es seiner Einwilligung be-. darf, selbst wenn es sich um ein einzelnes Exemplar handelt und wenn das Exemplar auf anderem als mechanischem Wege hergestellt werden soll«, Eingriffe in die berechtigten Interessen des Urhebers sind durch das geltende Gesetz nicht vollständig ausgeschlossen, namentlich darf, wie die Rechtsprechung annimmt, von den verschiedenen Stimmen einer Opernpartitur je eine Abschrift ohne Zustimmung des Komponisten hergestellt und zur öffentlichen Aufführung des Werkes benutzt werden,, Die neue Vorschrift beseitigt diesen Mißstand«. Andererseits muß aber die Möglichkeit gewahrt bleiben, Abschriften für den eigenen Privatgebrauch anzufertigen«, Der $ 15 Abs 2 erklärt deshalb eine Vervielfältigung für statthaft, welche nur dem persönlichen Gebrauche dient und auch nicht den Zweck hat, aus dem Werke eine Einnahme zu erzielen; daß die Vervielfältigung auf nichtmechanischem Wege bewirkt wird, ist dabei nicht vorausgesetzt«, Hiernach dürfen Mitglieder von Gesang- oder Theatervereinen Abschriften und Abzüge von Noten oder den Rollen eines Bühnenwerk'es her-stellen, um sie für Aufführungen zu benutzen, zu denen die Hörer ohne Entgelt zugelassen werden (§ '27 Abs 1 Satz 1 des Entwurfes), Soll dagegen mittels- der Aufführung eine Einnahme erzielt wer-. ohne Beschränkung auf persönliche Gebrauchszwecke vom Urheberschutz freigestellt wurde (§ 22 LitUrhG von 1901; vgl hierzu BGHZ 11, 135 /T4l7)* bestand für den Gesetzgeber von 1901 schon-aus diesem Grunde keine Veranlassung, • bei der Abfassung des § 15 Abs 2 diese besondere Vervielfäl^ tigungsart zu berücksichtigen. Es ist vielmehr den Vorinstanzen beizupflichten, daß der j Gesetzgeber von 1910 nach dem damaligen Stand der Technik J ebensowenig wie im Jahre 1901 daran gedacht hat, es werde 1 technisch und auch wirtschaftlich ernsthaft in Betracht kommen, einzelne Tonaufnahmen nur für persönliche Ge-brauchszwecke herzüstellen. somit die Übertragung der Aufführung eines Werkes auf SchallVorrichtungen nicht ausdrücklich von der Vervielfältigungsfreiheit für den persönlichen Gebrauch ausnahmä so erklärt sich dies daraus, daß bei den damals bekannten Arten solcher Tonträger angesichts der technischen Schwer fälligkeit und der Kostspieligkeit des Vervielfältigungsverfahrens die Annahme fern lag? diese könnten in einzelnen Exemplaren für den persönlichen Gebrauch hergestellt werden,» Der Gesetzgeber konnte vielmehr davon ausgehen, daß bei den Vervielfältigungsartendie bei Schaffung des Gesetzes allein für eine nichtgewerbliche Vervielfältigung in Betracht kamen; die Freigabe der privaten Vervielfältigungen keine ins Gewicht fallende Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Interessen des Urhebers zur Folge haben würde« Denn die Notenabschriften konnten wegen ihrer schlechten Lesbarkeit nicht ernsthaft mit Druckexemplaren in Wettbewerb treten« Sie eigneten sich in der Regel auch nicht für die Festlegung komplizierterer Kompositionen füi mehrere Instrumente« Ihre Anfertigung kam, wegen der Umständlichkeit und Mangelhaftigkeit des Verfahrens, in der Regel- nur für solche Personen in Betracht«, die sich den Ankauf von Druckexemplaren nicht leisten konnten«, also von vornherein wegen ihrer schlechten finanziellen Lage als Käufer von Notenblättern oder Büchern ausfielen» bestimmung berufen, die Musikausübung durch minderbemittelte Musikliebhaber zu erleichtern» Denn für die private Bandaufnahme mittels eines Magnettongerätes kommt bei desi noch beträchtlichen Anschaffungskosten dieser Apparate nur eine Bevölkerungsschicht in Präge, die des durch § 15 Abs 2 angestrebten sozialen Schutzes nicht bedarf.Die Freistellung der privaten Bandaufnahme von einer Urhebervergütung würde aber auch nicht der Musikpflege durch Musikausübende dienen» Während die privaten Vervielfältigungen, die der Gesetzgeber nach dem.damaligen Stand der Technik allein in Betracht ziehen konnte, das Werk nur in Sinnbildern, die dem Auge wahrnehmbar sind, festlegten und es zu dem vollen Werkgenuß noch der Aufführung bedurfte, die besondere Fähigkeiten voraussetzt, wird auf dem Magnettonband nicht nur das Werk, sonderh zugleich auch dessen Aufführung festgehalten» Zum Genuß des Werkes genügt, die Hörbarmachung der Vervielfältigung, ein Vorgang, der keinerlei musikalisches Verständnis oder Können voraussetzt, sondern auf rein mechanischem Wege aus gelöst wird» Daß Musikliebhaber dieses Verfahren auch zu dem Zweck benützen können, um durch Aufnahme und Wiedergabe ihr Spiel oder ihre Stimme zu überprüfen und zu verbessern, kann gegenüber der unbeschränkten Verwendbarkeit des Verfahrens für jedermann um so weniger ins Gewicht fallen, als es sich auch insoweit um eine zusätzliche Nutzung handelt, für die bislang keine Möglichkeit bestand» 1910 unvereinbary der dahin geht* dem Werkschöpfer durch Erstreckung seines ausschließlichen Vervielfältigungsrechts auf die Übertragung seines Werkes auf Tonträger einen wirtschaftlichen Nutzen gerade auch aus dem Werkgenuß im privaten Bereich zu sichern«, der an den Besitz solcher Werkstücke anknüpftp Denn praktisch würde es zu einer weitgehenden Entwertung der mechanischen Rechte der Musikschaffenden führen, wenn die Urhebergebühr für die Herstellung solcher Schallträger nur deshalb entfallen sollte, weil sich mit Hilfe komplizierter technischer Apparaturen der nunmehr nur noch rein automatisch zu bewirkende Ver yi e1fälrfci^un^s-Vorgang aus dem .geweblichen in den privaten Sektor verlagert hat«, Dies würde einen Rückschritt gegenüber dem. Rechtszustand von 1870 bedeuten, unter dessen Herrschaft das Reichsgericht ausgeführt hats »Die Möglichkeit der Benutzung der Komposition auf anderem als von dem Urheber genehmigten Wege soll erschwert werden dadurch, daß die ohne diese Genehmigung ins Leben gerufene mechanische Vervielfältigung des in dauernden Zeichen fixierten Tonwerks und der Vertrieb der so hergestellten Exemplare verboten ist" (RGZ 27j 60 /$§/)* e) In diesem Zusammenhang ist auch zu berücksichtigen, daß die Magnettonaufnähme auf Grund ihrer Vollkommen heit.und ihrer unbegrenzten Haltbarkeit, die sie gewerblichen Vervielfältigungen gleichstellt, uneingeschränkt verkehrsfähig ist, wodurch sich die Gefahren für den Urheber im Vergleich zu der von dem Gesetzgeber allein ins Auge gefaßten unzulänglichen privaten Vervielfältigungsmöglichkeit durch Handabschriften erheblich steigern,. f^ Es ist dem Berufungsgericht beizupflichten, daß diese weitgehende Gefährdung der wirtschaftlichen Belange der Urheber dem Schützgedanken des Urheberrechtes widerspricht und daß demgegenüber das interesse der Betroffenen, ihre private Sphäre von urheberrechtlichen Ansprüchen freizuhalten, zurücktreten muß0 Bei dies.er Interessenabwägung fällt des weiteren auch folgendes ins Gewicht? Sollen Schallplatten auf Band überspielt werden, so bedarf es hierzu nicht eines Ankaufs der Schallplattee Die Übertragung auf Band ist vielmehr ohne weiteres durch Aufnahme einer Rundfunksendung von Schallplatten durchführbar, ganz abgesehen von der Möglichkeit, sich mit Hilfe geliehener Schallplatten ein Bandarchiv mit den jeweiligen Lieblingsstücken anzulegen* Für den Besitzer eines Magnettongerätes würde somit der Ankauf einer Schallplatte, wie das Berufungsgericht zutreffend hervorhebt, reizlos und überflüssig» Eine Verringerung der Schallplattenumsätze ginge aber zu Lasten der Lizenzgebühren der Urheber,, g) Für die Rechtslage ist es ohne Bedeutung, wie’ groß der tatsächliche Schaden der Urhbbsr bei dem gegenwärtigen Stand der Verbreitung der Magnettongeräte ist» Entscheidend ist allein, daß diese neuartige private Vervielfältigungsart von Urhebergut ihrem Wesen nach geeignet ist, dem Urheber erhebliche wirtschaftliche Nachteile zuzufügen, wenn sie nicht in sein Ausschließlichkeitsrecht einbezogen wird» Besteht aber auch nur die Möglichkeit schweren Schadens für den Urheber, so hat die Gesetzesauslegung das ihrige zu tun, daß er ver-^ ■ hütet werde (so RGZ 113? Die Aufnahme von Werken des von der Klägerin verwalteten Musikrepertoires auf Magnettonband stellt nach alle dem auch dann eine Verletzung der der Klägerin übertragenen urheberrechtlichen Befugnisse dar* wenn sie nur zu dem persönlichen Gebrauch und ohne Gewinnabsicht erfolgt; denn diese private Festlegung der Aufführung eines Werkes kann nach dem Schutzgedanken des Urheberrechts nicht der Ausnahmevorschrift des § 15 Abs 2 LitUrhG unterstellt werden* die nur eine sehr viel engere, wirtschaftlich nicht ins Gewicht fallende Befugnislücke im Ausschließlichkeitsrecht des Urhebers bezweckte,, Für den Unterlassungsanspruch genügt es, daß durch das Verhalten der Beklagten die Schutzrechte der Klägerin gefährdet werden oder doch ein erheblicher Anlaß zur Besorgnis solcher Gefährdung vorliegt (RGZ 101, 135 /T38/)» Der Umstand, daß die Selbstaufnahmegeräte, wie die Beklagte geltend macht, auch ohne Eingriff in Urheberrechte benutzt werden können, beispielsweise als Diktiergeräte, steht der ernsthaften Besorgnis eines urheberverletzenden Verhaltens der privaten Benutzer dieser Geräte nicht entgegen» Dies umso weniger, als die Beklagte selbst in ihrer Werbung herausstellt, daß mit diesen Apparaten Rund' funksendungen sowie Schallplatten auf Tonband überspielt werden können und das Gerät auf diese Verwendungsmöglichkeit abgestimmt ist, jedenfalls soweit es sich um' die beiden Tasten "Radio" und "Platte" handelt» Es ist zwar denkbar, daß sich auch Aufnahmen von Rundfunksendungen : und Schallplatten im urheberrechtsfreien Raum abspielen • können0 Die überwiegende Zahl der im allgemeinen für eine Bandaufnahme in Betracht kommenden Musiksendungen steht aber unter Urheberrechtsschutz, wobei bei Schallplatten darüberhinaus, auch soweit es sich um ungeschützten Musik-bestand handelt, eine Verletzung der Bearbeiterurheber-reehte der Schallplattenhersteller in Frage steht» Wenn erklärungen der jeweiligen Abnehmer der Beklagten - also in der Regel der Großhändler - die Klägerin nicht wesentlich wirksamer gegen Urheberrechtsverletzungen schützen würde als ein bloßer Hinweis auf die Rechtslage« Denn durch solche Verpflichtungserklärungen, die nach der Fassung des Klagantrags kein lückenloses Reverssystem ergeben hätten* würde nicht etwa eine Kontrolle der jeweiligen Letztabnehmer, also der privaten Benutzer der Geräte ermöglicht« Bei dieser Sachlage war es bei Abwägung der Parteiinteressen als ausreichend aber auch geboten anzusehen, die Zulässigkeit des Vertriebes der Apparate der Beklagten von einer Belehrung der Abnehmer der Beklagten über die urheberrechtliche Lage abhängig zu machen« 3) Auch dem weiteren Angriff der Revision der Beklagten, das Berufungsgericht habe das Unterlassungsgebot auf den Rechtsverkehr innerhalb der Bundesrepublik und West-Berlin beschränken müssen, kann der Erfolg nicht versagt werden« Zwar greift die auf § 551 Ziff 7 ZPO gestützte Rüge der Beklagten, das Berufungsgericht habe Seinen dahingehenden Hilfsantrag nicht beschieden, nicht durcho Über diesen Hilfsantrag ist vielmehr stillschweigend dadurch entschieden worden, daß das Berufungsgericht dem Unterlassungsantrag in vollem Umfang stattgegeben hat Jedoch ist die weite Passung des Unterlassungsgebotes, die auch die Werbung der Beklagten für ihre Magnettongeräte und deren Vertrieb im Ausland von der Erfüllung der Auflage abhängig macht, aus sachlichrechtlichen Gründen nicht haltbar« Zwar besteht für den von der Klägerin verwalteten Musikbestand ein nahezu umfassender internationaler Urheberschutz auf vertraglicher Basis, durch den die fraglichen Kompositionen auch in den meisten für den Export der Beklagten in Betracht kommenden Gebieten geschützt sind« Der Klägerin stehen jedoch in Bezug auf brauchszwecke erstreckt, mag auch insoweit die Rechtslage ohnehin für den Erwerber des Gerätes klarliegen0 \Deh»i würde der Hinweis ausdrücklich auf die Benutzung der Apparate für persönliche Gebrauchszwecke beschränkt, so könnte dies zu dem Irrtum Veranlassung geben, die Herstellung von Vervielfältigungsstücken für gewerbliche Zwecke sei durch-entsprechende Vereinbarungen der Parteien von der Erlaubnispflicht der Klägerin freigestellt,, Bei Abwägungen der Interessen der Parteien läßt es hiernach keinen Rechtsirrtum erkennen, wenn das Berufungsgericht die Auflage nicht auf Vervielfältigungen zu dem persönlichen Gebrauch beschränkt ha I, Q Bas Berufungsgericht geht davon aus, daß die Beklagte nach Erlaß des erstinstanzlichen Urteils in dieser Sache damit rechnen mußte, daß ihre Rechtsauffassung über die Zulässigkeit der Benutzung ihrer Geräte für Vervielfältigungen zu dem persönlichen Gebrauch von den Gerichten nicht geteilt werde* Bie Beklagte sei demgemäß verpflichtet gewesen, Vorkehrungen zu treffen, um Verletzungen des Urheberrechts auszuschließen* Sie habe ^fahrlässig gehandelt, indem sie die Geräte ohne den ihr vorgeschriebenen Revers in den Verkehr gebracht habe« schwierigen und in den Fachkreisen des Inund Auslandes eingehend erörterten Rechtsfrage, zu der sich eine als herrschend anzusehende Meinung auch gegenwärtig noch nicht eindeutig gebildet hat» Die Beklagte konnte sich für die Richtigkeit der von ihr vertretenen Rechtsauffassung auf die Stellungnahme namhafter Fachjjuristen berufen» Die Beurteilung der Streitfrage war für ihren gesamten Geschäftsbetrieb von weittragender Bedeutung» Bei dieser Sachlage konnte die Beklagte trotz der ihr ungünstigen Urteile der Tatsacheninstanzen an ihrer Rechts auffassung festhalten und eine Klärung der Rechtslage durch eine höchstrichterliche Entscheidung abwarten, . /28j£7"; und die dort angeführten Entscheidungen; 146 , 133 /I447; 1485 225 /^’347)o Diese Klärung war mit der Entscheidung des Senats vom 21» November 1952 (BGHZ 8, 88) noch nicht eingetreten, da der Senat in dieser Entscheidung die Frage ausdrücklich offengelassen hat, ob die privaten Zwecken dienende Magnettonaufnahme unter § 15 Abs 2 LitUrhG fällt» In diesem Zusammenhang ist auch noch folgendes zu berücksichtigen! Die Beklagte könnte den Urteilen der Instanzgerichte nur Folge leisten,- indem sie entweder den Vertrieb ihrer Apparate ganz einstellte oder aber ihren Abnehmern eine von ihrem Standpunkt aus gesetzlich nicht gerechtfertigte Verpflichtung auferlegte» Wenn die Beklagte auch diese Verpflichtung ihrer Abnehmer bis zur rechtskräftigen Erledigung des Rechtsstreites in dem von ihr erhofften Sinne hätte begrenzen können, so wäre dies doch eine für ihre gesamte Werbung und den Ablauf ihres Geschäftsbetriebes außerordentlich einschneidende ' Maßnahme gewesen, deren Auswirkungen auch über den Ab- vom Rechtsstandpunkt der Beklagten aus nur vorsorgliche Maßnahmen waren ihr auch bei pflichtgemäßer Interessenabwägung angesichts der äußerst umstrittenen Rechtslage nicht zuzu demuten« Insoweit liegt der Sachverhalt anders als in den Entscheidungen des Senates zu der Präge, von welchem Zeitpunkt eine durch Rechtsirrtum veranlaßte Zahlungsweigerung zu vertreten ist (I ZR 33/50 vom 9o Februar 1951, Lindenmaier-Möhring BGB § 285 Nr 1;