BGH · I ZR 74/55 vom 31.01.1956
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Rechtssatz; 1) Die Möglichkeit, daß fremdsprachige Bezeichnungen von sprachkundigen Verkehrskreisen mit deutschsprachigen verwechselt werden können (BGH GRUR 1955> 579 - Sonne), schließt es nicht aus, daß der Verkehr eine fremdsprachige Bezeichnung (hier: English Lavender) auch dann als Herkunftsangabe ansehen kann, wenn die entsprechende deutsche Bezeichnung (hier: Englisch Lavendel) eine Gattungsbezeichnung sein sollte® hat der Erste Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 31» Januar 1956 unter Mitwirkung der Bundesrichter Dr„ Birnbach, Dr* Bock, Dr» Rastelski, Dr. Christoph und Drf NÖrr Die Revision gegen das Urteil der 4» Kammer für Handelssachen des Landgerichts Köln vom 9« März 1955 wird auf Kosten der Klägerin mit der Maßgabe zurückgewiesen, daß die Klage in der Hauptsache für erledigt erklärt wird. Der Beklagte, der die Interessen seiner Mitglieder auf dem Gebiete des Wettbewerbs wahrnimmt und dem auch die Klägerin angehört, hat die Klägerin aufgefordert, den Gebrauch der Bezeichnung "English Lavender" zu unterlassen und die so gekennzeichnete Seife aus dem Verkehr zu ziehen» Er hat die Auffassung vertreten, die Bezeichnung erwecke die unrichtige Vorstellung, daß die Seife englischen Ursprungs sei» Sie sei damit geeignet, den Anschein eines besonders günstigen Angebots hervorzurufen, da die englische Lavendelwasser- und Lavendelseifen-Industrie auch in Deutschland besonderen Ruf geniesse und das deutsche Publikum ihre Erzeugnisse bevorzugt kauf e c Er hat vorgetragen, es handele sich bei den Bezeichnungen "Englisch Lavendel" und "Alt Englisch Lavendel", erst recht aber bei der englischen Bezeichnung "English Lavender" um reine Herkunftsangaben, die auch von führenden englischen Kerstellerunternehmen für ihre nach Deutschland importierte Ware ständig benutzt würden,. IIo Das Landgericht, dessen Ausführungen für die Widerklage Bedeutung behalten,hat die Präge, ob es sich bei den deutschsprachigen Bezeichnungen "Englisch Lavendel" und "Alt Englisch Lavendel" um Herkunftsangaben oder GattungsbeZeichnungen handele, und ob die englische Bezeichnung "English Lavender" den deutschen Bezeichnungen dem Sinne nach gleich sei, dahingestellt gelassen» Es ist der Auffassung, daß die Bezeichnung "English Lavender" schon .deshalb, weil sie in englischer Sprache gehalten sei, bei den Verbrauchern den Eindruck erwecke, als ob es sich bei der so gekennzeichneten Seife um ein ausländisches, und zwar ein englisches Erzeugnis handele« Im einzelnen führt es dazu aus; Hie von der Klägerin hergestellte Seife und ebenso die zugehörige Verpackung-wiesen eine Beschriftung ausschließlich in ausländischer Sprache auf« Dabei herrsche die englische Bezeichnung "English Lavender" vor, neben der auf dem Karton nur der in schwächeren. daß die Bezeichnung "English Lavender1’ im Sinne des § 3 UniWG eine unrichtige Angabe über die Herkunft der so gekennzeichneten Ware enthalte» Abschließend hat es ausgeführt, daß diese Angabe in weiten Verkehrskreisen den Anschein eines besonders günstigen Angebots hervor-rufe0 Erfahrungsgemäß verbänden beachtliche Teile der deutschen Bevölkerung bei Artikeln bestimmter Gattungen, vornehmlich bei Mitteln zur Körper- und Schönheitspflege, mit ausländischer Herkunft den Gedanken an eine qualitative Vorzugsstellung«, Während dies bei Parfüms vor allem für Waren französischer Hersteller gelte, beziehe sich die entsprechende Vorstellung bei Seifen auch auf englische Erzeugnisse, von denen namentlich die Lavendelseifen besonderen Ruf genössen«, Damit sei der Tatbestand in § 3 TJnlWG erfüllte Ob das Angebot tatsächlich besonders günstig sei oder ob die inländischen Lavendelerzeugnisse, namentlich die der Klägerin, der englischen Lavendelseife ebenbürtig oder sogar überlegen seien, spiele keine Rolle» Demzufolge hat das Landgericht der Widerklage gemäß den §§ 3, 13 UnlWG stattgegeben«, Pur die Revisionsinstanz ist allerdings, wie der Revision zuzugeben ist, davon auszugehen, daß es sich bei den deutschsprachigen Bezeichnungen "Englisch Lavendel" und "Alt Englisch Lavendel” um Gattungsbezeichnungen handeltJ Denn da das Landgericht die unter den Parteien strittige Präge nach der wettbewerbsrechtlichen Ratur dieser Bezeichnungen unentschieden gelassen hat, ist zugunsten der unterlegenen Klägerin die für diese günstigere Auffassung als zutreffend zu unterstellen* Der Meinung der Revision, von diesem Ausgangspunkte aus müsse auch die englische Bezeichnung »’English lavender'» als Gattungsbezeichnung angesehen werden, kann indessen nicht beigetreten werden«, Die englische Bezeichnung »»English Lavender'» unterscheidet sich von d er entsprechenden deutschsprachigen Bezeichnung zwar nur dadurch; daß in dem Endkonsonanten des ersten V/ortes das »'c»» fehlt und das zweite Wort auf "r” statt auf "1»' auslautet. 579 - Sonne)« Ist dem aber so, dann brauchte sich die unterstellte Eigenschaft der deutschsprachigen Bezeichnung "Englisch Lavendel»» als einer Gattungsbezeichnung der Bezeichnung »»English Lavender»» entgegen der Meinung der Revision nicht notwendig mitzuteileno Allerdings läßt sich eine, solche Mitteilung nicht begrifflich ausschließen,, Die Präge, ob jene Eigenschaft auch der englischen Bezeichnung zuzusprechen ist,’ ist vielmehr rein tatsächlicher Hatur0 .Diese Auffassung liegt auch dem angefochtenen Urteil zugrunde, das sich unter ein-gehender Würdigung der gesamten hierfür in Betracht kommenden tatsächlichen Umstände mit der Präge befaßt, wie der deutsche Verbraucher jene englische Bezeichnung versteht« Die Ausführungen, mit denen es darlegt, daß die Bezeichnung "English Lavender" als Herkunftsangabe aufgefaßt werde, lassen weder einen verfahrensrechtlichen Verstoß noch eine Verletzung von ErfahrungsSätzen oder denkgesetzlichen Regeln erkennen» Sie sind daher für das Revisionsgericht bindend» Das Ergebnis, zu dem das Landgericht hier gelangt ist, entspricht im übrigen durchaus der Sachlage» Diejenigen- ihrer Zahl nach nicht unbeachtlichen - Verbraucher, die die Bezeichnung "English Lavender" als englische Bezeichnung erkennen, werden in der Tat geneigt sein, die damit allein gekennzeichnete Seife als original englisches Erzeugnis anzusehen» Entgegen der Meinung der Revision steht das Urteil des erkennenden Senats in GRUR 1955, 579 - Sonne - dazu nicht in Widerspruch» Die dort bejahte Möglichkeit, daß fremdsprachige Bezeichnungen von sprachkundigen Verkehrskreisen mit deutschsprachigen verwechselt werden könrien, schließt es nicht aus, daß der Verkehr eine fremdsprachige Bezeichnung auch dann als Herkunftsangabe ansehen kann, wenn die entsprechende deutsche Bezeichnung eine, Gattungsbezeichnung sein sollte» Die Ausführungen, mit denen das Berufungsgericht ferner darlegt, daß die englische Bezeichnung "English Lavender” für die in Deutschland hergestellte Seife der Klägerin eine unrichtige Angabe im Sinne des § 3 UnlWG enthalte, die geeignet sei, den Anschein eines besonders günstigen Angebots hervorzurufen, liegen ebenfalls im wesentlichen auf tatsächlichem Gebiet» Sie halfen sich im Rahmen anerkannter wettbewerbsrechtlicher Grundsätze und sind rechtlich nicht zu beanstanden» Die Revision hat dagegen auch nichts eingewandt» Sie meint nur, das Landgericht hätte von der festg'estellten tatsächlichen Grundlage aus nicht zu einer uneingeschränkten Verurteilung der Klägerin gelangen dürfen» Ein Irrtum über das Herstellungsland sei ausgeschlossen, wenn die deutsche Herstellerfirma neben der englischen Warenbe- Scheidung sich innerhalb der hiernach zulässigen Grenzen hält-, sich also auf die konkrete Verletzungshandlung beschränkt o Das ist indessen' zu bejahen« Die Entscheidungsgründe des angefochtenen Urteils lassen keinen Zweifel darüber« daß das Landgericht der Klägerin die Verwendung der Bezeichnung "English Lavender" lediglich in der Form untersagen wollte, in der sie diese Bezeichnung bisher für ihre Seife benutzt hat',, also die Verwendung in Al-leinstellungo Dem entspricht auch der Urteülsaussprucho Denn wenn dort der Klägerin untersagt worden ist, für ihre Seife die Bezeichnung "English Lavender" zu verwenden, so kann das nicht auf andersartige Bezeichnungen, also auch nicht auf den Pall bezogen werden, daß die Klägerin ihr Erzeugnis nicht nur mit "English Lavender" kennzeichnet« Der Entscheidung der Präge, ob den in einem solchen Palle verwendeten Zusätzen entlokalisierende Bedeutung' beizu demessen ist, wird daher durch das angefoch-tene Urteil nicht vorgegriffen.