BGH · I ZR 69/55
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Reehtssatzs 1« Rer Herausgeber einer Fachzeitschrift, der den Abnehmern der Zeitschrift Rechtsauskünfte in konkreten Einzelfällen gewährt, kann sich zur Rechtfertigung seines Verhaltens nicht auf Art I § 5 RBerG berufen« stattgegeben, daß den Beklagten die Besorgung von Rechtsangelegenheiten der Abonnenten der Zeitschrift «Feld und ; Wald” äurch Beantwortung veröffentlichter oder nichtver-Öffentlichter Leserpost insoweit gestattet bleiben solle, als sie Rechteauskünfte veröffentlichten und damit gleichzeitig der unmittelbaren land- und fortwirtschaft-liehen Belehrung oder Unterweisung des gesamten Leserkreises der Fachzeitschrift dienten« Auf die Berufung des Klägers hat das Oberlandes-gericht Unter Abänderung des landgerichtlichen Urteils die Beklagten nach dem Klageantrag verurteilt« Die von den Beklagten eingelegte Anschlußberufung ist zur'ückge-wiesen worden« Soweit Sie Klage , auf § 1 UnlWG gestützt i st, folgt das Prozeßfilhrungsrecht., des-Klägers, wie das Berufungsgericht zu Recht hervorhebt, aus § 13 UnlWG« Schließlich bestehen auch keine rechtlichen Bedenken gegen die Annahme des Berufungsgerichts »*daß sich Dezember 1955 (NJW 1956, 591) in Übereinstimmung mit der herrschenden Lehre, der sich auch das Berufungsgericht angeschlossen hat, ausgesprochen, daß auch die Rechtsberatung in den sogenannten juristischen Briefkästen von Zeitungen und Zeitschriften der Erlaubnispflicht des Art I § 1 RBeratG unterliege. Das verkennt auoh die Revision an sich nicht, Sie verweist jedoch auf die Vereinbarung zwischen dem Reichsleiter des Rechtsamts der NSDAP und dem Nationalsozialistischen Rechtswahrerbund sowie dem Reichsleiter der NSDAP für die Presse vom 50p September 1936 (abgedruckt in JW 1936, 3223)» in der festgelegt sei, daß das Äuskunftswesen der Zeitschriften nicht unter das Rechtsberatungsmißbrauchsgesetz falle, sofern es sich auf Auskünfte beschränke, die sich aus dem fachlichen Inhalt der Zeitschriften ergeben würden® Die Revision will hierin eine maßgebliche Ausdeutung des Art I § 1 aaO erblicken«» Ferner vertritt sie die Auffassung, daß sich von dieser Grundlage aus ein Gewohnheitsrecht gebildet habe, da fast zwei Jahrzehnte fortgesetzt die Rechtsberatung durch Zeitschriften ausgeübt worden seio Auch zu diesem Einwand hat der Senat in dem zitierten Urteil, vom 13» Dezember 1955 jedenfalls insoweit Stellung genommen, als es sich dort um Rechtsauskünfte handelte, die durch Zeitungen erteilt wurden« Der Senat hat den Standpunkt vertreten, daß das Abkommen nach dem Zusammenbruch gegenstandslos geworden sei und aus dem Nichteip-greifen der zuständigen Behörden in den ersteh Jahren nach 1945 keineswegs auf die Bildung eines etwaigen Gewohnheitsrechtes geschlossen werden könne® Diese Ausführungen gelten in gleichem Umfange für die durch Fachzeitschriften gegebenen Rechtsauskünfte® Die von der Revision aus § 286 ZPO erhobene Rüge, das Berufungsgericht habe versäumt, Beweis über die Entstehung eines Gewohnheitsrechtes zu erheben, erweist sich hiernach als unbegründet® Ohne Erfolg beanstandet die Revision auch, das Berufungsgericht häbe die rechtsbegründende Bedeutung, dieser als Wettbewerbsordnung anzusehenden Vereinbarung außer Be-« Das Landgericht hatte in den erteilten Auskünften eine unmittelbare Förderung konkreter Rechtsangelegenheiten erblickt und festgestellt, daß es sich hierbei nicht um Rechtsauskünfte allgemein belehrender Art gehan- ^ delt habe« Diese rechtliche Würdigung steht in Übereinstimmung mit der Entscheidung des Senats vom 13® Dezember 1955 aaO, wonach es von der Prüfung dös Einzelfalls abhängt, 6b eine - erlaubte - Rechtsauskunft vorliegt, weil das Wesentliche die an die gesamte Leserschaft gerichtete allgemeine Rechtsbelehrung ist, oder ob eine mißbräuch- , liehe Rechtsberatung deswegen angenommen werden muß, weil jj die unmittelbare Förderung fremder Rechtsangelegenheiten in einem konkreten Einzelfall im Vordergrund steht« Die hiernach rechtsirrtumsfrei zustande gekommenen Feststellun-. daß das Wesensmerkmal eines verlegerischen Gewerbebetriebes darin liege, sich an einen umfangreichen anonymen Leserkreis zu wenden, an ihn seine verlegerischen Erzeugnisse heranzutragen und ihm, soweit es sich um Fachzeitschriften handle, die Kenntnis von fachlich belehrenden Abhandlungen zu vermitteln« Zwischen einer sich an einen unbestimmten Personenkreis wendenden publizistischen Gewerbetätigkeit und der sich an eine einzelne Person wendenden Raterteilung bestehe kein unmittelbarer Zusammenhänge Zwar stelle sich eine gute Fachzeitschrift die Aufgabe, ihren Leserkreis über alle einschlägigen Fragen zu unterrichten, wozu auch gehöre, daß sie über aktuelle Rechtsfragen durch allgemein gehaltene Rechtsausführungen belehre® Die Beklagte zu 1 verlasse indessen ihr Aufgabengebiet, wenn sie in Rechtsangelegenheiten die für einen konkreten Tatbestand gestellten Fragen, deren Beantwortung zunächst nur einzelne Abonnenten interessiere, beantworte und diese Antworten veröffentliche« Die Vorschrift des Art I § 5 aaO habe nur solche Fälle im Auge, in denen . Begründung an, das Berufungsgericht habe zu Unrecht einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen einem Abonnementsvertrag und der Erteilung des Rechtsrates verneint® Der für ihre Kunden rechtliche Angelegenheiten erledigen, die liehen Würdigung dieser Vorschrift davon ausgegangen, Diese Ausführungen greift die Revision mit der verlegerische Tätigkeit darin liege, daß sie sich an einen umfangreichen anonymen Leserkreis wende * sei willkürlich* Gerade der Verleger einer Zeitschrift lege Wert auf einen engen Kontakt mit der Leserschaft, um die Abonnenten .an die Zeitschrift zu binden®- Bin Mittel zur Herstellung des Kontaktes biete aber gerade die Gewährung von Rechtsauskünften auf dem jeweiligen Fachgebiet®'Auch bestehe ein Bedürfnis, aus der Vielfalt der Anfragen eine Erfahrungs-quelle für die Leser 2u schaffen, um ihnen so am einzelnen konkreten Fall des Alltagslebens die Kenntnisse zu ver- ^ mittein, die sie zur Bewältigung der ihnen gestellten sachlichen Aufgaben benötigten. : So, wie die Revision es darstellt, stellt sich indessen die hier zu entscheidende Frage nicht® Es kann der Revision durchaus eingeräumt werden, daß der Verleger eiher Zeitschrift auf die Gewährung von Rechtsauskünften Wert legt, weil er sich davon eine Bindung der Abonnenten an seine Zeitschrift und eine sachgemäße Belehrung der Leserschaft verspricht® Indessen läßt si*ch die Entscheidung, ob ein unmittelbarer Zusammenhang im Sinne des Art I § 5 aaO gegeben ist, nicht nach dem Interesse der Beklagten und der Zweckmäßigkeit des von der Beklagten geübten Verfahrens treffen® DieBestimmung des Art I § 5 aaO setzt voraus, daß der Unternehmer ein Geschäft seines eigentlichen Betriebes ausführt und hierbei für seine Kunden.eine rechtliche Angelegenheit erledigt, die nur deshalb nicht dem ürlaubniszwang unterliegt, weil sie mit dem Gewerbebetrieb unmittelbar zusammenhängt (BGHSt 6, 134 ff)® Mit Recht wird in der zitierten Entscheidung als Grund dieser Vorschrift betont, daß sich zahlreiche Berufe ohne gleichzeitige rechtliche Beratung nicht immer sachgemäß ausüben ließen* Der Sinn der Vorschrift, so führt das Urteil aus, könne mithin nur der sein, daß einem Unternehmer die Ausübung seines Berufes nicht deshalb unmöglich gemacht werden solle, weil hiermit zugleich eine'rechtliche Tätigkeit verbunden sei* Es könne daher nur eine solche Tätigkeit unter Art I § 5 aaO fallen, die der Unternehmer im Rahmen und im Interesse seiner eigentlichen Berufsaufgaben ausführe* Dieser Auffassung, die auch mit der herrschenden Lehre (vgl Erbs, Strafrechtliche Nebengesetze R 55 § 5 Anm ZB$ schrift, an der er in der Regel deswegen ein Interesse haben wird, weil sie ihn über die einschlägigen Kragen seines Berufes oder Gewerbes besonders gut und eingehend unterrichtet* Zwischen der Erfüllung eines solchen Vertrages und der Erteilung von Rechtsauskünften in konkreten Einzel- ^ fällen, selbst wenn sie das Fachgebiet der Zeitschrift be- ^ treffen, besteht indessen kein unmittelbarer Zusammenhang in dem oben erörterten Sinne* Einer Fachzeitschrift kann zwar ebensowenig wie anderen Zeitschriften oder Zeitungen versagt werden, ihre Leserschaft über Rechtsfragen, die für sie von Interesse sind, in allgemein belehrender Form * zu unterrichten« Indessen liegt es nicht im Rahmen und im Interesse der eigentlichen Berufsaufgaben des Verlags-Unternehmens,, Anfragen zu beantworten, die sich auf die sprecht liehe Würdigung von konkreten Einzeltatbeständen be-ziehen* Die Herausgabe einer Fachzeitschrift und die von dem Verleger mit der Leserschaft - Abonnenten oder Einzel-käufern - abgeschlossenen Verträge lassen sich vielmehr . Es ist mithin keineswegs so, daß dem Verlagsunternehmen die | Ausübung seiner Tätigkeit unmöglich gemacht würde, wenn ihm \ nicht gleichzeitig die Erteilung von Rechtsauskünften gestattet würde» läßt sich aber die Herausgabe einer Fachzeitschrift sachgemäß auch ohne Rechtsberatung ausführen, so wird das Verhalten der Beklagten durch die Ausnahmevor- * schrift des § 5 aaO nicht gedeckt» Die Beklagte verstößt mithin gegen das Reehtsberatungsmißbrauchsgesete, wenn sie geschäftsmäßig in der von ihr herausgegebenen Fachzeitschrift fremde Rechtsangelegenheiten besorgt» Der Hinweis der Revision, daß die Beklagte zu 1 mit der Herausgabe der Zeitschrift jedenfalls der berufsständischen Organisation diene, kann in Anbetracht des Wortlautes und des Sinnes des Gesetzes eine andere Beurteilung nicht rechtfertigen» Die Ausnahmevorschrift des Art I§ 7 aaO begünstigt nicht, wie bereits das landgericht hervorgehoben * hat, die Fachzeitschrift als Organ eines berufsständischen Verbandes, sondern den Verband selbst» Auch der Hinweis der Revision auf Erläuterungen von Jonas aaO Art I § 7 Anm 6») Schließlich beruft sich die Revision auch ohne Erfolg auf § 1 Abs 1 Buchstabe f ZugabeVO» Diese Vorschrift gestattet eine Ausnahme von dem Zugabeverbot für den Fall, Sind hiernach die Voraussetzungen für einen auf §§ 823' Abs 2, 1004 BGB gestützten Unterlassungsanspruch der Klägerin vom Berufungsgericht ohne Rechtsirrtum bejaht worden, so bedarf es eines Eingehens auf den aus § 1 UnlWG hergeleiteten Klagegrund nicht mehr©