BGH · I ZR 68/81 vom 11.05.1983
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Sind Schreiben, durch die vermeintlich geworbene neue Mitglieder eines Buchclubs zur Bestätigung ihres Beitritts aufgefordert werden, nach Form und Inhalt geeignet, Adressaten, die tatsächlich eine Beitrittserklärung nicht unterschrieben haben, zu verunsichern und unter Entscheidungsdruck zu setzen, so genügt es für die Annahme eines Verstoßes gegen § 1 UWG, wenn dem Versender bekannt ist, daß solche Schreiben im Zuge ihrer massenweisen Versendung immer wieder - sei es auch versehentlich -an solche Adressaten gelangen können; auf die Kenntnis der Umstände der Einzelfälle kommt es nicht an. Die Berufung der Beklagten gegen das Urteil der Zivilkammer 16 des Landgerichts Berlin vom 20. Reagiert er hierauf durch Rücksendung der Antwortkarte mit nochmaliger Angabe der Personalien und Anschrift nicht, so sendet die Beklagte ihm eine Doppelpostkarte zu, deren eine, an den Adressaten gerichtete Hälfte auf der Rückseite eine Belehrung über die Rechte und Pflichten enthält, die mit der Mitgliedschaft im Deutschen Bildungskreis verbunden sind, und deren Vorderseite neben der Adresse folgenden Text aufweist: Im Laufe des Jahres 1979 erhielten sechs vom Kläger namhaft gemachte Personen in verschiedenen Teilen der Bundesrepublik Deutschland einschließlich Berlin (West) solche Auftragsbestätigungen der Beklagten, ohne daß sie eine Beitrittserklärung zu dem Deutschen Bildungskreis unterzeichnet oder eine Bestellung aufgegeben hatten. Der Kläger ist der Auffassung, die Beklagte habe damit eine unlautere "Überrumpelung” der Verbraucher versucht, der insbesondere unerfahrene Personen zu dem Opfer fallen könnten, die aus Verunsicherung die der Auftragsbestätigung beigefügte Antwortkarte ausfüllten und abschickten und dann von der Beklagten als "Clubmitglieder" in Anspruch genommen werden könnten. im geschäftlichen Verkehr zu Zwecken des Wettbewerbs Personen unter der Überschrift MLetzte Auftragsbestätigung” mit der Anrede ”Sehr geehrtes Mitglied” anzuschreiben mit der Behauptung, daß die angeschriebenen Personen dem Deutschen Bildungskreis beigetreten seien, und mit der dringenden Bitte, eine beiliegende Rückantwortkarte innerhalb von drei Tagen ausgefüllt zurückzusenden, wenn die angeschriebenen Personen dem Deutschen Bildungskreis nicht beigetreten sind. Wie etwa auch im Versandhandel und bei telefonischen Bestellungen komme es immer wieder vor, daß die Angesprochenen bei Bestellungen und Unterschriften nicht ihren eigenen Namen, sondern den von Freunden oder Bekannten angäben, um diese zu ärgern. Das Berufungsgericht hat festgestellt, es könne in Anbetracht des Massengeschäfts der Beklagten nicht ausgeschlossen werden, daß Schreiben der hier angegriffenen Art auch an solche Adressaten gelangten, die keine Beitrittserklärungen unterschrieben hätten. Das Berufungsgericht hat weiter angenommen, daß diese Schreiben objektiv geeignet seien, bei solchen Adressaten den unrichtigen Eindruck eines bereits geschlossenen Vertrages zu erwecken und sie dadurch zu überrumpeln; zu demindest könnten sie eine Belästigung derartiger Adressaten darstellen. Durch die von der Beklagten verwendeten Formulierungen werden Adressaten, die keine Beitrittserklärung abgegeben haben, in Zweifel über das Vorangegangene und unter Entscheidungsdruck gesetzt, woraus mindestens eine erhebliche Belästigung, bei unerfahrenen, rechtlich ungewandten und ängstlichen Betroffenen aber auch die - bereits vom Landgericht festgestellte - Gefahr eines Nachgebens aus Unsicherheit und Furcht erwachsen kann. Dies gilt namentlich für die zwar wenig klare, aber drohend klingende Ankündigung, daß Fragen zur Werbung später nicht mehr beantwortet werden könnten, ferner für die "dringende” Bitte um Rücksendung "innerhalb von 3 Tagen" sowie für die teilweise auch ausgesprochene Kostenandrohung, schließlich aber auch für den Umstand, daß auf der vorgedruckten Antwortkarte nicht nur kein besonderer Textvordruck, sondern nicht einmal etwas Freiraum für irgendeine (klarstellende) Mitteilung des angesprochenen Adressaten an die Beklagte vorgesehen ist. Die Beklagte habe in den Verletzungsfällen die Unechtheit der Unterschriften weder gekannt noch erkennen können; auf ein etwaiges Wissen ihrer Vertreter komme es insoweit nicht an; vielmehr habe sie die Echtheit oder Unechtheit nur durch nachträgliche Überprüfung feststellen können, wofür die hier infrage stehende Versendung von Auftragsbestätigungen ein geeignetes Mittel sei. Das Berufungsgericht hat dabei nicht beachtet, daß die von ihm vermißte Kenntnis der Beklagten von den hier maßgeblichen Tatumständen sich aus den von ihm selbst - wie darlegt rechtsfehlerfrei - getroffenen Feststellungen ergibt. Danach wußte die Beklagte, daß immer wieder Schreiben mit "letzten Auftragsbestätigungen" der angegriffenen Art auch an solche Adressaten gelangten, die keine Beitrittserklärung abgegeben hatten, und auch der Inhalt dieser Aufforderungsschreiben sowie die davon ausgehende Belästigung fälschlich angeschriebener Adressaten waren der Beklagten bekannt bzw. Auch die weitere Überlegung des Berufungsgerichts, die Beklagte habe in der Regel keine andere Möglichkeit, von der Unechtheit der Unterschriften oder der Unrichtigkeit von Personalangaben Kenntnis zu erlangen als durch eine nachträgliche Überprüfung der Echtheit der Unterschrift, und die Versendung der Auftragsbestätigungen sei ein dafür geeignetes Mittel, vermag die Handlungsweise Denn jedenfalls in der hier vorliegenden Form, durch die die (versehentlich) zu Unrecht Angeschriebenen - wie ausgeführt -bedrängt und belästigt, u.U. sogar gefährdet werden, kann ein Aufforderungsschreiben - entgegen der insoweit rechtsfehlerhaften Annahme des Berufungsgerichts - auch nicht als geeignetes Mittel für eine möglicherweise notwendige nachträgliche Prüfung der Echtheit oder Unechtheit geleisteter Unterschriften angesehen werden. Ob - und ggf.inwieweit - andere Formen von Aufforderungsschreiben als solche Mittel in Betracht kommen und wettbewerblich unbedenklich sein könnten, steht nicht zur Entscheidung, da Gegenstand des Antrags des Klägers und der ihm folgenden Urteilsformel des Landgerichts allein die konkrete Verletzungsform ist, deren charakteristische Merkmale in den nur geringfügig verallgemeinernden Wendungen des Antrags deutlich erkennbar bleiben.