BGH · I ZR 61/58
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Offentliehe Auffünrungen geschützter Werke der Tonkünste, die von einem Schausteller Torwiegend itii eigennützigen Erwerbsinteresse veranstaltet werden<, bedürfen auch dann der Einwilligung der Urheberbereehtigten, -wenn sie während eines Volksfestes auf dem freien Gelände der Festwiese stattfinderLc der deutschen und ausländischen Komponisten geschlossen hat, deren Aufführungsrechte wahre, Der Beklagte ist Schausteller und betreibt eine elektrische Autobahn (Auto-Skooter), die er bei Volksfesten und auf offentliehen Vergnügungsstätten an verschiedenen Orten, und zwar im -Jahre 1956 hauptsächlich in• Pranken/Oberpfalsund NiederBayern, aufgestellt gehabt hat«, Es handelt sich um kleine elektrisch betriebene, lenkbare Fahrzeuge, mit denen das Publikum für einen Fahrpreis von 0,50 DM auf einer umgrenzten Fläche frei herumfahren 'kann* Dabei werden Musikdarbietungen aus dem Repertoire" der Klägerin auf elektro-akustisohem hege durch Plattenspieler und Lautsprecher zu Gehör gebracht.,.--Der Beklagte vertritt den Standpunkt, daß diese Musikdarbietungen gern, § 2? gungseinrichtung,an dem Erfordernis, daß die von ihm dargebotene Musik durch einen langen Zeitraum hindurch mit jedem der von ihm besuchten Volksfeste verbunden gewesen sein müsse, üm als Bestandteil des jeweiligen Volksfestes angesehen werden zu können» Ferner seien die Musikdarbie- die in den Autos fahre« sei die Musik Nebensache „• Da er sein lewerbe auch ohne Musik1 mit dem gleichen wirtschaftlichen Erfolg betreiben könne, diene die Musikübertragung nicht Er-werbs zWecken, sondern nur dazu9 um die Tradition auf Volks-festen aufrechtzuerhalten, die nämlich Musikdarbietungen erfordere s ’ Berner seien die individuellen Interessen des Schaustellergewerbes su ■berücksichtigen« Während die"-Komponisten eine Reihe von Einnahmequellen hätten* seien nämlich die Schausteller allein auf Volksfeste angewiesen« Da die Aufführung mechanischer -Orgelmusik frei sei* sei es-nicht su verstehen* warum für die- elektro-akustische Wiedergabe von Platten-spielerrnusiv- die Erlaubnis der Urheber erforderlich sein solle5 Außerdem gehe die Klägerin erst s-eit etwa drei Jahren gegen die Schausteller vor9 obwohl diese schon seit den zwanziger Jahren derartige Musik aufführten* weil die Anschaffung von Orgeln su teuer sei« -Da er selbst jahrelang Plattenspielerniusik unbeanstandet übertragen habe * habe die Klägerin etwaige-Ansprüche'Verwirkte; Im;-übrigen seien nicht die einzelnen Schausteller* sondern die jeweiligen Stadt- und Qrtsgemeinden* die das Volksfest durchführten* als ' ”Aufführende” im Sinne von § 37 EitÜrhO anzusehen* so daß sich auch etwaige lantiemeansprüche nur gegen diese Veranstalter des Volksfestes richten könnten, Bas Berufungsgericht hat die Berufung ''zurückgewiesen*, die Revision jedoch wegen grundsätzlicher Bedeutung der Sache sugelassen« Biese liegt nach Ansicht des Berufungsgerichts darin* daß im 'Gegensatz zu dem vom Bundesgerichtshof in seiner Entscheidung vom 6v Dezember 1953 entschiedenen Pall i.BGrH 19? Das Berufungsgericht hat als erwiesen angesehen* daß der Beklagte schuldhaft urheberrechtlich geschützte Musik ohne die notwendige Erlaubnis der Klägerin Öffentlich aufgeführt habe* Es hat den TJnterlassungsanspruch gemäß § 37 LitUrhG-in Verbindung mit § 1004 BG-B, den Zahlungsanspruch als Schadenssrsatzforderung nach § 37 LitUrhG- als begründet angesehen* ; .. In Übereinstimmung mit dem Landgericht geht das-Berufungsgericht rechtsirrtumsfrei davon aus, daß das dem Urheber nach § 1t Absi 2 LitUrhG Vorbehaltene Recht, ein Werk der Tonkunst öffentlich aufzuführen, sich auch auf die öffentliche Aufführung des Werkes mittels elektro-akustischer Wiedengabegeräte erstreckt, wie sie der Beklagte benutzt-(BGH m\ 135)o Die Entscheidung des Rechtsstreits hängt somit davon ab, ob der Beklagte sich für die in Anspruch genommene Gebührenfreiheit der fraglichen Musikdarbietungen aufV'J;„ 27 LitUrhG berufen kann, wonach öffentliche Aufftihrunge von Tonkunst werken ohne Einwilligung des TJrheberberechtigten zulässig sindWenn sie keinen gewerblichen Zwecken dienen und die Hörer ohne Entgelt zugelassen werden (§ 27 Abs* 1 . Hierbei hat sich das Berufungsgericht zwar nur mit der Drage befaßt* ob die strittigen Musikdarbietungen des Beklagten im Sinne von § 27 Abs* 1 Satz 2 Ziff« 1 Litürb0 "bei einem Volksfest" stattgefunden haben* Die Begründung? Das Berufungsgericht hat zugunsten des Beklagten unterstellt9 daß die strittigen Musikdarbietungen in unmittelbarem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang mit einem Volksfest im Sinne der fraglichen Befreiungsvorschrift durchgeführt worden sind* Biese .Musikdarbietungen könnten aber nicht als echte Bestandteile eines Volksfestes gewertet.werden*, aus dem Umstand, daß der Beklagte die zur Anschaffung eines Plattenspielers^und von Schallplatten erforderlichen Kosten aufgewendet.habe, sei nach allgemeinen wirtschaftlichen Grundsätzen, zu schließen, daß er aus seinen. Revision9 das Berufungsgericht-habe den Beweisantrag des Beklagten nicht übergehen dürfen,;wonach die Musikdarbietungen den Umsatz des Beklagten nicht erhöhten, ist unbegründet• Der Beklagte hatte sich auf das Zeugnis des Ersten Vorsitzenden des die nur als Gegenstand eines Sachverständigengutachtens hatte in Betracht kommen könnenAuf das Angebot eines Sachverständigenbeweises aber braucht der Tatrichter nicht einzugehen, wenn er seine eigene Sachkunde für ausreichend hält und sie nicht offensichtlich unzulänglich ist (EG -110? so daß also auch für den Betrieb der Beklagten äus'aer Teilnahme an einem Volksfest noch keine zwingende Notwendigkeit für dis -Darbietung von Musik herzuleiten sei» Nach der Lebenserfahrung veranstalte der Beklagte die, .Musikübertragung vielmehr deshalb, weil das Herumfahren mit den Autos ohne Musik eintönig und langweilig wäre, durch die..Untermalung mit Musik aber die Freude und das Vergnügen an der Benutzung des Autobahnbetriebes des Beklagten gehoben und damit ein Anreiz zu dem Besuch .seines Unternehmens geschaffen werde» Hieraus aber folge, daß die Musik in erster Linie dem Betrieb des Beklagten und nicht etwa dem Volksfest als solchem zu dienen bestimmt sei» Auch diese Ausführungen des Landgerichts, denen sich das Berufungsgericht angesohiossen hat? sind rechtlich nicht zu beanstanden» Entgegen der von der Revision vertretenen Auffassung ändern etwaige Unterbrechungen der Musikdarbietungen durch Ansagen für den Fährbetrieb aber auch nichts daran, daß es sich um öffentliche Musikaufführungen im Sinn von § 11 Abs» 2 Lit UrhG- handelt* toire der Klägerin einem gewerblichen Gewinnstreben des Beklagten dienen* so bleibt lediglich zu prüfen, ob gleichwohl die Befreiungsvorschrift des § 27 Abs, 1 Satz 2 Ziff» 1 LitUrhG eingreift, demzufolge öffentliche Aufführungen von Tonkunstwerken ohne Einwilligung des Berechtigten zulässig sind, wenn'-I sie bei Volksfesten stattfinden» Der Beklagte vertritt die Auffassung* daß nach dem Sinn dieser Gesetzesbestimmung bei SchausteHungen* die im Rahmen eines Volksfestes auf dem Rastplatz stattfinden? 227) bei der Auslegung des § 27 Abs0 1 Satz 2 Ziff* 1 LitUrhG unter Berücksichtigung seiner Entstehungsgeschichte und der Gesetzesmaterialien hargelegt hatkann die Auf führungsfrei- y heit nicht für Musikdarbietungen in Anspruch genommenwerden? eigennützigen .Gewinnstrebens durchgeführt werden* Denn der Sinngehalt der Befreiungsvorschrift, die lediglich darauf ab zielt’, im Interesse der Allgemeinheit zur Wahrung ; alten Volksbrauchtums dem Aufführungsrecht des Urhebers eine Schranke zusetzen,' deckt nicht eine Freistellung von. jedem Besucher des Volksfestes wahrgenommen werden kann, der sich in der Nahe des Autobahnbetriebes des Beklagten aufhält, steht der Feststellung des Berufungsgerichts nicht entgegen, wonach bei der Veranstaltung dieser Musikaufführungen ein eigennütziges Erwerbsinteresse des Beklagten im Vordergrund stehto Bamit aber entfallen die Voraussetzungen einer Aufführungsfreiheit gemäß § 27 Abso 1 Satz 2 Ziff* 1 LitürhG, Ob der Tolksfesteinwand des Beklagten etwa schon daran scheitern muß, wie die Vorinstanzen annehmen, daß Musikdarbietungen eines elektrischen Autobahnbetriebes nicht als auf eine überlieferte Tradition surückgehende Bestandteile eines Volksfestes anzusehen sind, bedarf bei dieser Sachlage keiner Prüfung» LitürhG auch die individuellen Interessen des Schaustellergewerbes zu berücksichtigen seien, 2u Recht weist das Berufungsgericht in diesem Zusammenhang darauf hin, daß nach der Begründung des entwarf es von 1901 die fragliche. Aber auch der.Angriff der Revision greift nicht durch, das Berufungsgericht habe su Unrecht die Passivlegitimation des Beklagten für:die Klagansprüche bejaht * weil in Wahrheit nicht der Beklagte, sondern die Gemeinden, die die..- jev/ei-ligen Volksfeste durchführten, als "Veranstalter” dieser Aufführungen su gelten.hatten» RGSt 41, 287) o Biese Voraussetzung hat das Berufungsgericht rechtsfehler-frei in der Person des Beklagten, in dessen Gewerbebetrieb und in dessen gewerblichem Interesse die-Aufführungen stattfinden, als erfüllt angesehen» Ob daneben auch die die Volksfeste durchfuhrenden Gemeinden als Mittäter neben dem ;-Se.klag.t.ejii'-\fJ|Lr- die fraglichen Aufführungen verantwortlich sind, kann hier dahinstehen (vgl, Urteil des.Senats vom 12t April 1957? Eine Verwirkung der Ansprüche der Klägerin hat das Berufungsgericht mit der Begründung verneint, daß erst durch die Entscheidung des Senats vom 6k November 1953 (BGH 11, .135) durch eine höchstrichterliche Entscheidung klangest eilt worden sei, daß Musikaufführungen durch Plattenspieler mit' (laut Sprecher Übertragung .nicht gemäß §22 a LitUi’hG- von einem Erlaubniszwange freigestelit seieiio Hiergegen sind reehtliehe Bedenken nicht zu erheben* lnso- \ weit werden auch keine Angriffe von der Revision vorgetragen, ! schuldhaften Handelns des Beklagten« Sie macht geltend, eine höchstrichterliche Entscheidung Uber Musikdarbietungen innerhalb des Pestgeländes habe bisher nicht Vorgelegen, Der Beklagte habe sich deshalb auf den in. die vorwiegend eigennützigen .Erwerbsinteressen des Veranstalters dienen, selbst dann einer Genehmigung der Hrheberberechtigten bedürfen, wenn sie im Rahmen eines echten..yolksfestes stattfind en« Hierbei ist allein auf die gewerbliche Zweckbestimmung der Aufführung abgestellt worden* Der Beklagte hatte somit keinen Anlaß, aus dem Umstand, daß in Abweichung von dem der Entscheidung vöim .6* D^emben 1955■-zugrundeliegenden Tatbestand die strittigen Musikaufführungen nicht in einem um-schlossenen Raum in der Nähe des Festplatzes, ....sondern auf freiem Gelände unmittelbar auf der Festwiese stattfinden, auf eine andere Rechtslage zu schließen* Zu Recht geht das Berufungsgericht davon aus, daß der Beklagte,; als Gewerbeunternehmer, wenn er in seinem Betrieb Musik aufführen wollte, gehalten war, sich über die Rechtslage zu unterrichteno Hätte:er dies getan, so wäre ihm zu dem mindesten die Zweifelhaftigkeit der Richtigkeit seiner Rechtsansicht bekannt geworden* Wenn aber die Frage der Befugnis des Beklagten zweifelhaft war, so hätte er bei Wahrung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt seinem Handeln nicht Der Beklagte hat 3\var den Zahlungsanspruch auch der Höhe nach bestritten* jedoch keine substantiierten Angaben gemacht* warum die Tarifsätze* die-die Klägerin ihrer Schadensersatzforderung zugrunde gelegt hat * nicht als maßgebend für die Schadens-herechnung angesehen werden können.