BGH · I ZR 55/55 vom 06.12.1955
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Da der Kläger damit rechnete, von der Beklagten auf Zahlung von Aufführungsgebühren in Anspruch, genommen zu werden, hat er Klage erhoben mit dem Antrag festsustellen, daß die Musikaufführungen ohne Einwilligung der Beklagten zulässig sind. Pür den Zutritt zu dem umfriedeten Schützenplatz, auf dem sich das fragliche Schützenzelt befand, sei zwar ein Eintrittsgeld von 1 DM erhoben worden, jedoch ändere dies nichts an dem Volksfestcharakter der Veranstaltung, Die Erhebung dieses Eintrittsgeldes sei notwendig gewesen, um die Kosten für die Schießstände und das Zelt decken zu können. /Enteche1dungsgründes Die Entscheidung des Rechtsstreits hängt davon ab, ob auf die von dem Kläger durchgeführten Musikveranstaltungen § 27 Abs 1 Satz 2 Ziff 1 LitUrhG anwendbar ist, der .Musikaufführungen "bei einem Volksfest» von einer Einwilligung der ürheberbereohtigten freistellt. Urteil I ZR 39/54 ausgeführt hat, sind als Volksfeste im Sinne dieser Bestimmung nur solche Feste anzusehen, die von allen Bevölkerungsschichten ohne Ansehung der Person, des Standes oder Vermögens auf Grund einer längeren Tradition gefeiert werden, und zwar so., daß dem Sinngehalt des Festes entsprechend das Volk als Träger der Veranstaltung erscheint- Es muß sich somit um Feste handeln, die nicht im wirtschaftlichen Interesse einzelner, sondern im Interesse der Allgemeinheit veranstaltet werden und jedermann zugänglich sind«." Bas Berufungsgericht hat zu der Frage, ob das in gefeierte Schützenfest im Sinne dieser Begriffsbestimmung zu den echten Volksfesten zu rechnen ist, nicht ausdrücklich Stellung genommen- Hach dem Klagevortrag, wonach dieses Schützenfest in der fraglichen Jahreszeit seit mehr als hundert Jahren in gefeiert wird und mit einem traditionellen Schützenschießen und feier- Es ist jedoch gleichwohl rechtlich nicht zu beanstanden, wenn das Berufungsgericht die fragliche Musikveranstaltungen nicht in die durch § 27 LitUrhG für Volksfeste vorgesehene Aufführungsfreiheit einbezogen hat- Aus dem speziellen Gesetzeszweck dieser Befreiungsvorschrift, im Interesse der Allgemeinheit im Brauchtum verwurzelte Feste von Urhebergebühren freizustellen, folgt vielmehr, daß unter Aufführungen, die bei Volksfesten stattfinden, nur solche Musikdarbietungen zu verstehen sind, die im Rahmen von Veranstaltungen stattfinden, die nach der Art ihrer Durchführung Zwar vermag die Begründung, wonach von einer allgemeinen Teilnahme der Bevölkerung nicht gesprochen werden-könne,-weil nicht einmal 3 f« der Bevölkerung an den Veranstaltungen des Klägers teilgenoromen hatten, das angefochtene Urteil nicht zu-tragen. Insoweit ist der Angriff der Revision, das Berufungsgericht habe die einseinen Veranstaltungen eines sich über mehrere Tage erstreckenden, einheitlich-’geplanten Festes nicht ge- . Auch erscheint es nicht unbedenklich, wenn das Berufungsgericht den Volksfesteinwand aus der Erwägung nicht hat durchgreifen lassen, daß den Mitgliedern des Klägers und deren Angehörigen im Gegensatz zu vereinsfremden Personen freier Zutritt gewährt worden sei und der Kläger mit den Einnahmen aus dem Schützenfest nicht nur die Unkosten dieses Festes, sondern auch seine all- Zwar hat der erkennende Senat in seinem bereits erwähnten Urteil I ZR 39/54 die Auffassung vertreten, daß § 27 Abs 1 Satz 2 Ziff 1 LitUrhG seinem Sinngehalt nach eine Freistellung von Urheberge-biihren für solche Musikaufführungen nicht rechtfertigt, bei denen ein eigennütziges Erwerbsinteresse des Veranstalters im Vordergrund steht. Hat es sich der klagende Schütsenverein zu seiner wesentlichen Aufgabe gemacht, diese Volks-festtradition zu pflegen, so stehen'auch die vom Berufungsgericht angeführten allgemeinen Unkosten des Vereins, zu deren Abdeckung die Einnahinen aus dem Schützenfest dienen sollten, in unmittelbarem Zusammenhang mit dieser Vereihsaufgabe. Die bevorzugte Behandlung seiner Mitglieder und deren Angehörige beim Besuch des Schützenplatzes aber kann ihre innere Rechtfertigung in den von den Mitgliedern aufgebrachten Vereinsbeiträgen für diese Aufgabe finden und steht deshalb der Annahme, daß Träger dieser Veranstaltung das Volk sei,'hier repräsentiert durch den klagenden Schützenvereiu-?nicht zwingend entgegen. Der Rechtsgedanke, daß der Lohn, der dem Urheber für seine Schöpfung gebührt, nicht zugunsten eines persönlichen Gewinnstrebens des Veranstalters von Musikaufführungen geschmälert werden darf, greift nicht durch, wenn mit den Einnahmen aus Musikaufführungen allgemeine, durch die Pflege dieser Volksfesttradition bedingte Unkosten abgedeckt werden sollen» Wenn der klagende Schützenverein den erwarteten Überschuß aus seiner Veranstaltung nur seinen Vereinsaufgaben und damit dem Interesse der Allgemeinheit an der Durchführung dieses geschichtlich gewachsenen Schützenfestes nutzbar machen wollte, so würde dies der Annahme eines geschäftlichen, auf Gewinnerzielung gerichteten Charakters dieser Veranstaltung entgegenstehen» Sine abschließende Beurteilung ist jedoch •insoweit nicht möglich, weil es an einer Feststellung fehlt, ob der Kläger der traditionelle Träger dieses Schützenfestes, ist und welches etwa seine weiteren Vereinssiele sind». Es bedarf aber insoweit keiner Aufklärung in tatsächlicher Pachtung, weil nach den PestStellungen des -Berufungsgerichts durch die Erhebung eineshEintrittsgel-des von 1 DM die allgemeine Zugänglichkeit zu der Veranstaltung des.Klägers ausgeschlossen war» Das Berufungsgericht hat aus dem Umstand, daß 80 bis 85 ?£ der Besucher des allgemeinen Pestplatzes, dessen Zutritt frei war, den umfriedeten Schützenplatz mit dem Tanzzelt des Klägers nicht aufgesucht haben, gefolgert, daß ein nicht unbeträchtlicher Teil der Volksfestteilnehmer von dem Besuch der Musikdarbietungen des Klägers durch das geforderte Eintrittsgeld von 1 DM abgehalten worden ist. Die dem Berufungsgericht von den Parteien unterbreiteten unterschiedlichen Besucherzahlen des allgemeinen Pestplatzes und des umfriedeten Schützenplatzes des Klägers tragen die Feststellungen des Berufungsgerichts, daß angesichts der Höhe des geforderten Entgeltes die Musikdarbietungen nicht für alle Bevölkerungsschichten zugänglich gewesen sei, auch dann, wenn man berücksichtigt, daß nicht jeder Volksfestteilnehraer an Tanzveranstaltungen und am Schützerschießen interessiert ist.