BGH · I ZR 54/57
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
»Vorrichtung zu dem Schneiden von Knollengemüse Uo dgl» 9 bestehend aus einer als Unterlage dienenden Platte mit einem Schlitz, in dem ein Schneidorgan angebracht ist, dadurch gekennzeichnet , daß ein Schneideorgan (4) mit zwei im Abstand voneinander gleichlaufenden Schneiden (8,9) vorgesehen ist, die bogenförmig gegeneinander gerichtet sind und daß das so ausgebildete Schneidorgan (4) an Unterlegplatte (1) begrenzt drehbar aufgehängt ist, wobei dessen Schwerpunkt bei horizontaler Unterlegplatte (1) unterhalb der Bagez’achse (3,6) liegt, so daß beim Hin- und Herschieben des Schneidgutes die beiden Schneiden (8,9) wechselweise zur Wirkung kommen«» Gegen diese Entscheidung hat die Klägerin formund fristgerecht Berufung eingelegt mit dem Anträge* unter Aufhebung der angefochtenen Entscheidung das Streitpatent für nichtig zu erklären. Io Gegenstand der Erfindung ist eine Vorrichtung zu dem Schneiden von Kno3.1engemüse und derartigem Material, bestehend aus einer diesem als Unterlage dienenden Platte mit einem Schlitz, in dem ein Schneidorgan angebracht ist.. Aus der Beschreibung des Streitpatents ergibt sich, daß der Erfinder eine Vorrichtung zu dem Schneiden von Knollen-gemüse und dgl«, schaffen wollte, bei der durch Hin- und Herschieben des Schneidgutes auf einer Unterlage zwei Schneiden wechselweise zur Y/irkung kommen (Seite 1 Zeile 6 - 16), Auf Seite 1 Zeile 25-32 erwähnt er ferner, daß durch seine Ausführung die Gefahr von Pingerverletzungen vermindert werde. Der Erfinder schlägt ein Schneidorgan mit zwei im Abstand voneinander gleichlaufenden Schneiden vor, die bogenförmig gegeneinander gerichtet und an den Enden vereinigt sind« Außerdem soll das so gestaltete Schneidorgan an der Unterlegplatte begrenzt drehbar aufgehängt sein, wobei der Schwerpunkt des Schneidkörpers bei horizontaler Unterlegplatte unterhalb der Lagerachse liegt, so daß beim Hin- und Herschieben des Schneidgutes die beiden Schneiden wechselweise zur Wirkung kommen. Die.dadurch erstrebte stabile Lage des Schneidkörpers wird wegen seines geringen Gewichts nach diesem Gutachten nicht durch diese Schwerpunktlöge, sondern durch die relative läge von Schneide, Platte und Anschlag erreicht. in den Gründen der Entscheidung im Nichtigkeitsverfahren sachdienlich erscheint * Denn auf diese Weise wird eine im Nichtigkeitsverfahren oft mit Mühe und großen Kosten gewonnene Erkenntnis auch dem Yerletzungsrichter zugänglich gemachte Dadurch wird andererseits der dem Verletzungsrichter im Grundsatz zustehenden Entscheidung über die Abgrenzung des Schutzu demfanges des Patents nicht vorgegriffen* da eine solche Peststellung in den Gründen der Nichtigkeitsentscheidung den Verletzungsrichter nicht bindet* sondern für ihn nur als Hilfsmittel bei Auslegung des Patents zur Bestimmung des Gegenstandes der Erfindung von Bedeutung ist (RGZ 170* 346* 353* 357* 358)«, Die vom Erfinder vorliegend vorgeschlagene Schwerpunktläge des .Schneidkörpers kann daher in den nachfolgenden Erörterungen außer Betracht bleiben* Als Gegenstand des Klagpatents ist danach eine Kom-binationserfindung einer Schneidvorrichtung für Gemüse u„ dgl, anzusehen, die eine als Unterlage für das Schneidgut dienende Platte mit einem Schlitz besitzt* in dem sich der Schneidkörper befindet* Dieser besteht aus zwei im Abstand voneinander gleichlaufenden Schneiden* die bogenförmig gegeneinander gerichtet und an den Enden vereinigt sowie in der Untex'legplatte begrenzt drehbar aufgehängt sind und die beim Hin- und Herschieben des Schneid- dl® einen Geraüsehobel betrifft, weist einen Schneidkörper auf, der ebenfalls in dem Schlitz einer Platte angebracht ist, die als Unterlage für das Schneidgut, dient« Der Schneidkörper besteht aus einem oder mehreren zweischneidigen Messern, deren Schneiden aber nicht gegeneinander gerichtet sind« Diese Messer sind in dem Schlitz auch drehbar gelagert» Sie können so gestellt werden, daß entweder die eine oder die andere Schneide mehr oder weniger aus der Platte zu dem Schneiden herausragt» Nach dem Schwenken wird das Messer jedoch festgeschraubt, so daß es in der jeweils eingestellten Lage während des Schneidens verharrt« Es fehlt somit auch an dem Merkmal der Schwenk-barkeit des Schneidorgans während des Arbeitens« Es kann mit diesem Schneidkörper auch nur in einer Richtung geschnitten werden, da die andere Schneide außerhalb der Arbeitsstellung festgehalten ist« Ein kontinuierliches Schneiden beim Hin- und Herschieben des Schneidgutes, wie es das Streitpatent vorschlägt, ist daher nicht möglich» 2») Die deutsche Patentschrift Nr« 109 828 aus dem Jahre 1899 hat gleichfalls einen Gemüsehobel zu dem Gegenstand, dessen Schneidkörper in dem Schlitz einer dem Schneidgut als Unterlage dienenden Platte angebracht ist. Schneidgut wird in einem' sog* Schlitten eingelagert und in diesem hin- und herbewegt« Dieser Gemüsehobel hat mehrere zweischneidige Schneidkörper, die jedoch nicht, wie beim Streitpatent, bogenförmig sind* Jeder Schneidkörper besitzt 2wei parallele, also nicht gegeneinander gerichtete Schneiden, die zudem leicht nach oben gebogen sind« Dadurch erstrebt und erreicht der Erfindej^aber auch die Möglichkeit eines doppelten Schnittes, aIso/Vorwärts- und RUclcwärt sgang„ Dabei wird indessen, anders als beim Streitpatent, das Schneidgut durch die zuerst erreichte Schneide ergriffen« Y/eiter fehlt es bei der Vorrichtung des entgegengehaltenen Patents an dem Merkmal der Schwenkbarkeit des Schneidkörpers während des Schneidens, da diese Schneidkörper fest angeordnet sind« 1909 und 1923 beziehen sich auf einen 0 emits ehobel mit einseitig geschärftem, fest vor dem Schlitz einer dem Schneidgut gleichfalls als Unterlage dienenden Platte angebrachten, gewöhnlichen fisch- oder Küchenmesser« Ds fehlen somit die Formgestaltung des Schneidorgans gemäß dem Streitpatent und seine Schwenk-barkeit während des Arbeitens« Außerdem ist bei der entgegengehaltenen Vorrichtung, da ihre'Messer nur eine Schneide aufweisen,, ein Schneiden in zwei entgegengesetzten Richtungen, also im Vorwärts- und Rückwärtsgang, nicht möglich« 4«) Die schließlich noch entgegengehaltene USA-Patent-schrift Nr« 2 240 410 aus dem Jahre 1941 betrifft nach der Überschrift '‘Schälmesser11 (paring knife)« Auch in der Beschreibung ist fast ausschließlich von Schälmessern (paring knives und peeling) die Rede« Nur auf S« 2 letzte Zeile Der Schneidkörper dieses Patents sitzt* nicht wie beim Streitpatent auf einer Platte* sondern ist auf einem Handgriff drehbar gelagert und wird frei von Hand gehalten» Br hat dieselbe Querschnittsausbildung wie der Schneidkörper nach dem Streitpatent und ist entweder mit ein oder mit zwei Schneidblättern versehene Dieser Schneidkörper arbeitet indessen nicht durch eine Bewegung des Schneidgutes-wie beim Streitpatent* sondern der Schneidkörper wird gegen die Oberfläche des zu schneidenden Gemüses geführt* wobei dieses fest in der Hand gehalten wird. Hach den überzeugenden Ausführungen des gerichtlichen Sachverständigen ist der im USA-Patent vorgeschlagene Schneidkörper zutn Scheibenschneiden und Schnitzeln unpraktisch™ Pa der Schneidkörper des USA-Patents nicht durch Anschläge begrenzt ist, hat er nämlich vor allem beim Ansetzen eines jeden Schnittes das Bestreben«, dem Schnitt auszuweichen* Pas Messer dreht sich infolge der Reibung zwischen führender Fläche und Schneidfläche«. was das Streitpatent verspricht und der Nichtigkeitssenat des Patentamts auch bejaht hat* Penn auch unabhängig davon ist der technische Fortschritt der streitigen Erfindung als gegeben anzusehen* Aus dem vorerörterten Stande der Technik kann mit den Schneidvorrichtungen der PRP Hr* Abgesehen davon ergibt sich eine Bereicherung der Technik durch das Streitpatent im Verhältnis zu dem DRP Nr, 109 828 auch daraus, dai3 eine Herstellung der Schneidvorrichtungen des Klagepatents billiger ist« Bas folgt schon daraus, daß das BBP Nr« 109 828 zur Einlagerung des Schneidgutes während des Schneidens einen sog. Allerdings ist dieses Schneidgerät auch ohne einen solchen Schlitten verwendbar; denn dieser hat nur den Zweck, mehrere Stücke des Schneidgutes zugleich hin- und herzuführen. Ni% 109 828 kostspieliger als ein solches gemäß dem Streitpatent, da das Patent Nr. 109 828 in der Mitte des Schneidgerätes zwischen den Messern Stützen, Stege, vorsieht, die bei dem Gegenstand nach dem Streitpatent entbehrlich sind. werden kann, ermöglicht die Schneidvorrichtung nach dem Klagepatent ein besseres und leichteres Arbeiten und eine sicherere Führung bei der Hin- und Herbenutzung« Das ergibt sich schon daraus, daß nach dem Vorschlag des Streitpatents das Schneidgut auf einer festeii Unterlage hin- und hergeführt wird, Da der Schneidkörper des USA-Patents nicht durch Anschläge begrenzt ist, hat er, wie bereits oben angeführt, vor allem beim Ansetzen eines jeden Schnittes das Bestreben, dem Schnitt auszuweichen* Das Messer dreht sich infolge der Reibung zwischen führender Fläche und Schnittfläche* Nur wenn das Messer ganz sorgfältig an einer Kante des Schneidgutes angesetzt und unter Anwendung einer verhältnismäßig hohen Anpreßkraft durchgezogen wird, gelingt es, eine Scheibe zu schneiden« IVo Die lehre des Streitpatents stellt schließlich einen erfinderischen Schritt gegenüber dem Gesamtstand der Technik am Tage der beanspruchten Priorität dar« Bei Beurteilung dieser Frage ist mit dem gerichtlichen Sachverständigen davon auszugehen, daß es sich bei den Fachleuten für den Bau von Gemüsehobeln im allgemeinen nicht um Ingenieure handelt, die als Konstrukteure für dieses Fach ausgebildet sind« Denn die Herstellung solcher Gemüsehobel wird überwiegend in dem Handwerk angenäherten Kleinbetrieben hergestellt* Ais Durchschnittsfachmann ist daher hier ein mit praktischen Erfahrungen ausgestatteter, qualifizierter Handwerker anzusehen* Für einen solchen Durchschnittsfachmann lig der Gedanke nicht nahe, anstatt eines normalen Tisch- oder Küchenmessers in eine Platte den dem Streitpatent daß die beim Schneidlcörper nach dem USA-Patent gegebene Möglichkeit des Schneidens in zwei entgegengesetzten^Richtungen zu dem Schneiden für den Hin- und Hergang? was in der USA-Patentschrift nicht offenbart ist» Bei der diese Wirkung gewährleistenden Ausgestaltung des Schneidkörpers nach dem Streitpatent handelt es sich sonach entgegen der Meinung der Klägerin nicht nur um eine geschickte 'Übernahme und Kombination einzelner bekannter Elemente» Auf diese Weise hat der Erfinder des Streitpatents einen neuen Weg zur Herstellung eines billigeren* leicht handlicheren und funktionstüchtigeren Gemüsehobels als die bis dahin bekannten gewiesen* für den der Bedarf besonders groß ist.,