BGH · I ZR 51/61 vom 05.06.1962
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
März 1953 Unterzeichneten Verpflichtungsschein für Grossisten Nr. SV7 verpflichtete sie sich, ausschließlich den Einzelhandel zu beliefern, dabei auf die von der Klägerin durchge-führte Preisbindung hinzuweisen und auch die Einzelhändler zu verpflichten, die festgelegten Verbraucherpreise einzuhalten. Nachdem die Klägerin im Dezember 1958 Kenntnis von Preisunterbietungen der Beklagten erlangt hatte, verwarnte sie die Beklagte mit Schreiben vom 27» Januar 1959, wobei sie auf den Verpflichtungsschein vom 3o März 1953 Bezug nahm. Darauf erwirkte die Klägerin die einstweilige Verfügung des Landgerichts Hamburg (15 Q 119/59) vom 5« Mai 19599durch die der Beklagten untersagt wurde, die preisgebundenen Erzeugnisse der Klägerin unter den von dieser festgesetzten Endverbraucherpreisenim Einzelhandel an Endverbraucher abzugeben* Die Beklagte erhob hiergegen keinen Widerspruch. Mit ihrer hierauf erhobenen Klage beantragte die Klägerin, die Beklagte zu verurteilen, es zu unterlassen, die preisgebundenen Erzeugnisse der Klägerin unter den von ihr festge setzten Endverbraucherpreisen im Einzelhandel an Endverbraucher abzugeben. 1. Das Berufungsgericht geht bei Prüfung der zwischen den Parteien allein streitigen Frage der Wiederholungsgefahr von dem in Rechtsprechung und lehre anerkannten Grundsatz aus, wonach eine tatsächliche Vermutung für das Vorliegen einer Wiederholungsgefahr besteht, wenn der Verletzer in Wettbewerbsabsicht gehandelt hat (BGH GRUR 1955, 342, 345 - Rheinpfalz; GRUR 1959, 31, 33 - Feuerzeug als Werbegeschenk; Baumbach/Hefermehl, Wettbewerbsund Warenzeichenrecht, 8. Diese Vermutung erachtet das Berufungsgericht im Streitfall durch das Vorbringen der Beklagten nicht für entkräftet, auch wenn diese seit Mai 1959 keine Erzeugnisse der Klägerin mehr führen sollte; nach der Auffassung des Berufungsgerichts ist die Beklagte nicht gehindert, diese Waren wieder in ihr Sortiment aufzunehmen, zu demal In einem derartigen Fall besteht aber nach den weiteren Darlegungen des Beru-fungsgerichts die - auch von der Beklagten eingeräumte -erhebliche Gefahr, daß ihre Angestellten wiederum die Preisbindung für die Markenwaren der Klägerin nicht beachten würden. Daneben entnimmt das Berufungsgericht das Vorliegen einer Wiederholungsgefahr auch aus der Weigerung der Beklagten, eine rechtsverbindliche Unterlassungserklärung abzugeben, obwohl sie während des Rechtsstreits wiederholt nachdrücklich auf die Möglichkeit einer Beseitigung der Wiederholungsgefahr durch Übernahme einer entsprechenden Unterlassungsverpflichtung hingewiesen worden sei» Demgemäß wurde in mehreren Entscheidungen des Reichsgerichts lind des erkennenden Senats ausgesprochen, daß die Aufgabe eines Geschäftsbetriebes durch den Verletzer oder sein Ausscheiden aus dem betreffenden Geschäftszweig die Wiederholungsgefahr nur dann beseitigt, wenn eine Wiederaufnahme seiner früheren Tätigkeit ausgeschlossen erscheint (RGZ 104, 376, 381, 382; RG MuW 1921/1922, 211; BGHZ 14, 163, 168 - Constanze II)» Dieser Grundsatz muß erst recht dann zur Anwendung kommen, wenn bereits durch die Aufgabe eines einzelnen Zweiges eines Geschäftsbetriebes oder durch die Einstellung des Vertriebes bestimmter Waren der Wegfall der Wiederholungsgefahr begründet werden soll«* Sofern sich wie im vorliegenden Pall der frühere Zustand, der zu den Rechtsverletzungen geführt hat, verhältnismäßig leicht wiederherstellen läßt, kann die nach der wettbewerblichen Betätigung des Verletzers an sich zu vermutende Wiederholungsgefahr nur dann als ausgeräumt angesehen werden, wenn in tatsächlicher Hinsicht besondere Umstände dargelegt und auch durch taugliche Beweismittel nachgewiesen werden, so daß in dem Geschäftsbetrieb des Verletzers eine Wiederaufnahme der früheren gewerblichen Tätigkeit, die ohne weiteres zu einer Wiederholung von Rechtsverletzungen führen könnte, ausgeschlossen erscheinen muß. k.unwahrscheinlich erachtet und deshalb das Vorliegen einer Wiederholungsgefahr bejaht hat, so sind seine in der Revisionsinstanz nur beschränkt nachprüfbaren Ausführungen rechtlich nicht zu beanstanden* Insbesondere trifft es entgegen der Auffassung der Revision nicht zu, daß das Beru-fungsgericht hierbei das Vorbringen der Beklagten übersehen habe, wonach ihre Kunden nach den Erzeugnissen der Klägerin nicht mehr fragten und es daher kaufmännisch nicht zu verantworten sei, diese Erzeugnisse wieder in das Sortiment der Beklagten aufzunehmen* Bas Berufungsgericht hat, wie aus dem Zusammenhalt der Urteilsgründe zu entnehmen ist, diese im Tatbestand der angefochtenen Entscheidung auch ausdrücklich wiedergegebene Einlassung der Beklagten bei seinen Erwägungen über das Bestehen einer Wiederholungsgefahr nicht unberücksichtigt gelassen. c) Die weitere Rüge der Revision, das Berufungsgericht habe aufgrund des prozessualen Verhaltens der Beklagten, insbesondere ihrer Weigerung, eine entsprechende UnterlassungsVerpflichtung zu übernehmen, nicht das Vorliegen einer Wiederholungsgefahr bejahen dürfen, greift schon deshalb nicht durch, v/eil es sich insov/eit lediglich um zusätzliche Erwägungen des Berufungsgerichts handelt* Im übrigen ist diese Rüge auch unbegründet* hie Revision meint, der Beklagten sei die Abgabe einer derartigen Verpflichtungserklärung im Hinblick auf die von der Klägerin im Bestrafungsverfahren vorgelegte unrichtige eidesstattliche Erklärung des Zeugen Matschulat nicht mehr zuzu demuten gewesen« Dabei übersieht die Revision, daß die Klägerin bei Vorlage dieser Erklärung keine Kenntnis von ihrem unwahren Inhalt hatte und ihren Bestrafungsantrag alsbald nach Klärung der Unrichtigkeit dieser eidesstattlichen Versicherung zurückgenommen hat« Im Streitfall sind deshalb entgegen der Auffassung der Revision keine Anhaltspunkte in der Richtung gegeben, daß die Klägerin ein bindendes Unterlassungsversprechen der Beklagten mißbräuchlich verwenden werde* Daneben läßt sich die RiehtZumutbarkeit der Abgabe einer Verpflichtungserklärung seitens der Beklagten auch nicht, wie die Revision weiter ausführt, mit dem Hinweis begründen, eine derartige Erklärung könne nicht die Gefahr eines irrtümlichen Verstoßes der Angestellten der Beklagten gegen die Preisbindung der Erzeugnisse der Klägerin ausschließen« d) Endlich ist auch die Rüge der Revision nicht gerechtfertigt, das Berufungsgericht gehe bei seinen Ausführungen über das Vorliegen einer Y/iederholungsgefahr von der rechtsirrtümlichen Auffassung aus, daß die Gefahr der Wiederholung einer wettbewerbswidrigen Handlung allein durch die Abgabe einer Unterlassungserklärung seitens des Verletzers beseitigt werden könne« Dies ergibt sich bereits aus den oben unter b) und c) gemachten Darlegungen, wonach das Berufungsgericht die Präge eines Wegfalls der Wiederholungsgefahr auch unter dem Gesichtspunkt veränderter tatsächlicher Umstände geprüft und die Nichtabgabe einer Unterlassungserklärung durch die Beklagte lediglich als zusätzliche Erwägung für das Bestehen einer Wiederholungsgefahr herangezogen hat« Angesichts der gesamten Umstände des Falles> insbesondere des vorangegangenen Verhaltens der Beklagten, ist es rechtlich nicht zu beanstanden, wenn das Berufungsgericht die gegen die Beklagte bestehende Vermutung für das Vorhanden-sein der Wiederholungsgefahr nicht als entkräftet, sondern vielmehr nur :noe& durch die Weigerung der Beklagten, unter Übernahme einer angemessenen Vertragsstrafe sich zur Unterlassung weiterer Verletzungen zu verpflichten, als verstärkt angesehen hat.