BGH · I ZR 44/66
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
im Au®Mfcr-Verlag in erschienenen Roman nMc^Hmn zu - vervielfältigen, zu vertreiben und zu veröffentlicheno Die Beklagte hat Klageabweisung beantragt, Sie hat geltend gemacht, bei HflBÜ bandle es sich - wie auch in Besprechungen bestätigt werde ~ erkennbar um eine vorn Künstler geschaffene eigenständige Romangestalt, die in entscheidenden Zügen so offensichtlich im Gegensatz zur geschichtlichen Persönlichkeit von Gr^HI^P stehe, daß dessen Persönlichkeitsrecht, das im übrigen mit dessen Tode untergegangen sei, nicht verletzt werde. Gegen dieses Urteil hat der Kläger Berufung eingelegt , mit der er sein Klagehegehren weiterverfolgt, jedoch sum Ausdruck gebracht hat, daß das Verbot nie h o unbedingt für alle Zeiten erstrebt werdeo Die Beklagte hat erklärt, sie verpflichte sich, den Roman künftig stets mit dem durch einstweilige Verfügung angeorcUieten Vorspann su veröffentlichen0 En t sehe i dungsgründe j.Io Der Kläger begründet sein Klagebegehren nicht nur mit der Verletzung fortbestehender Persönlichkeitsrechte des verstorbenen GuflB) sondern auch mit der Beeinträchtigung eigener persönlichkeitsrechtlicher Belange als Angehöriger n Demgegenüber hatte das I-andgericht in seinem klageabwe is enden Urteil den Standpunkt vertreten, daß jedenfalls solche Ansprüche-, die den Angehörigen aus eigenem Recht zustehen könnten, hinter dem überragenden Interesse der Beklagten zurücktreten müßten, den beanstanden Roman als Kunstwerk und als Dokument der Zeitgeschichte zu veröffentlichen0 Auch die Revision der Beklagten beruft sich gegenüber einem solchen eigenen, auf "einfache11 Gesetze, insbesondere auf § 189 StGB (Beschimpfung des Andenkens Verstorbener) gestützten Unter- II o 1c In dorn angefochtenen Urteil (Veröffentlicht bei Schulze, Rechtsprechung zu dem Urheberrecht, OLGZ 64) wird vorweg geprüft, ob das Persönlichkeitsrecht entgegen derAnsicht des Landgerichts auch nach dem Tode noch fort-bestehen kann und von wem es in einem solchen Palle wahrge-nomroen wird«, Das Berufungsgericht führt dazu aus, die ihrer Ifatur nach nicht übertragbaren Persönlichkeitsrechte konnten zwar nach dem Tode nicht mehr fortbestehen« da es dann an einem Rechtssubjekt fehle„ Gleichwohl gewähre aber die Rechtsordnung einen über den Tod hinauswirkenden Persönlichkeit oschutz, wie sich in der Pflicht zur Beachtung von BeJseizungsanordnungen eines Verstorbenen zeige, ferner in der Pflege seiner Ruhestätte, dem Schutz der Totenruhe, der Bestrafung von Leichenentwendungen und der Verunglimpfung des Andenkens, der Wiederaufnahme von Strafverfahren auch nach dem Tode, dem Bildnisschutz, dem Recht, Entstellungen der Darbietungen eines ausübenden Künstlers nach dessen Tode zu verfolgen, und auch in der Portwirkung eines zu Lebzeiten erstrittenen Verbotsurteils wogen Ehrverletzung, Die aus diesem Personlichkeitsschütz folgenden Ansprüche könne dez* Kläger als Adoptivsohn und damit als Angehöriger von Gründgens, als dessen Alleinerbe und als derjenige wahrnehmen, den Gr^^|^^ bereits zu Lebzeiten damit beauftragt habe, die Verbreitung des Buches zu verhindern« Der Bundesgerichtshofs hat bereits im Zusammenhang mit der Präge, wem die Befugnis zur Veröffentlichung von Sagebüchern eines Verstorbenen zusteht, dargelegt, es werde für das brheberpersönlichkeitsrecht einmütig anerkannt, daß es über den Tod des ursprünglichen Rechtsträgers hinaus fortwirke« Eies gelte in gleicher Weise auch für das allgemeine Persönlichkeitsrecht, denn die schütz-würdigen Werte der Persönlichkeit überdauerten die Rechtsfähigkeit ihres Subjekts, die mit dem Pode erlösche (BG-HZ 15, 249, 259 - Cosima Wagner)« Diese Auffassung hat in Rechtsprechung und Schrifttum überv/iegend Billigung gefunden (EG- München Ufita 20, 230 - von Witzleben; Koebel, NJW 58? Grunde ist beispielsweise bei Darstellungen aus dem Intim-bereich die Frage, ob eine Verletzung des Persönlichkeits-rechtes vorliegt, bei Verstorbenen nach einem anderen V/er-tungsmaßstab als bei lebenden zu beurteilen» Andererseits ist aber allgemein anerkannt, daß der Verstorbene nicht nur übertragbare materielle V/erte hinterläßt, sondern daß auch immaterielle Güter seinen Tod Überdauern, die verletzbar und auch nach dem Tode noch schutzwürdig sind» Was im einzelnen zu diesen Gütern zählt und welche Ansprüche sich aus ihrer Beeinträchtigung ergeben könnten, bedarf-im Streitfall keiner abschließenden Prüfung» Denn hier handelt es sich - wie noch zu erörtern sein wird -lediglich um Unterlassungsansprüche gegen grobe Entstellungen des Lebensbildeso Insoweit sind keine überzeugenden Gründe dafür ersichtlich, daß der persönlichkeitsrecht-liehe Unterlassungsanspruch trotz Fortbestehens des verletzbaren und schutzwürdigen Gutes in dem Augenblick völlig erlöschen sollte, in dem dieses Lebensbild seinen Abschluß gefunden hat und der Angegriffene sich nicht mehr selbst verteidigen kann» Es ist nicht entscheidend, daß das Persönlichkeitsrecht - abgesehen von seinen Vermögenswerten Bestandteilen - als höchstpersönliches Recht unübertragbar und unvererblich ist» Die Rechtsordnung kann Gebote und Verbote für das Verhalten der Rechtsgenossen zu dem Schutz verletzungsfähiger R.cchtsgüter auch unabhängig vom Vorhandensein eines lebenden RechtsSubjektes vorsehen und namentlich Unterlassungsansprüche der in Rede stehenden Art durch jemanden wahrnehmen lassen, der nicht selbst Subjekt eines entsprechenden Rechtes ist, wenn der ursprüngliche Träger dieses Rechtes durch den Tod die Rechtsfähigkeit verloren hat» Seit langer Zeit sieht; die Rechtsordnung diese Lösung bereits für besonders v/ichtige Fallgruppen vor, in denen es um an sich unüber-tragbare Persönlichkeitsrechte geht0 So ist die Verbreitung von Abbildungen nach dem lode des Abgebildeten von der Einwilligung seiner Angehörigen abhängig (§ 22 des Kunsturhebergesetzes vom 9o Januar 1907)o Auch zu der Strafvorschrift über die Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener (§ 189 StGB) wird hboute die Auffassung vertreten, daß hier nicht allein das Pietätsgefühl und die Familien-ohre der antragsberechtigten Angehörigen, sondern auch die eigene Ehre des Verstorbenen in Gestalt eines fort-bestehenden Achtungsanspruchs iin sozialen Raum geschützt wird (vglo Welzel, Bas deutsche Strafrecht, 10o Auflo, So 293? 299)o § 361 StPO läßt die Wideraufnahme des Strafverfahrens zugunsten des Verstorbenen auf Antrag bestimmter Angehöriger zu» Ferner können die Angehörigen eines ausübenden Künstlers nach dem lode Entstellungen der Darbietungen des Verstorbenen untersagen (§83 UrhG)0 Wenn derartige Regelungen zu dem Teil schon nach früherem Recht galten, dann kann erst rocht nach der verfassungsrechtlichen Uertordnung des Grundgesetzes nicht mehr angenommmen werden, daß nach dem Tode einer Person zwar deren übertragbare Rechte an materiellen Gütern fortbestehen, dagegen das durch ihre Leistungen erworbene, u0U0 viel nachhaltiger im Gedächtnis der Nachwelt fortlebende Ansehen Eingriffen Dritter schutzlos preisgegeben wäre P Wenn auch davon auszugehen sein mag, daß das Grundgesetz, in dem es in Art» 1 die Würde des Menschen für unantastbar erklärt und in Art« 2 das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit festlegt, vorwiegend den Schutz der Persönlichkeitsbelange des in der Rechtsgemeinschaft noch tätigen Bürgers gewährleisten wollte, so ist andererseits kein Anhalt dafür gegeben, daß entgegen den Anschauungen unseres Kulturpreises die Schutzgarantie für die Menschenwürde 5 die auch nach dem Tod "antastbar” bleibt, für Verstorbene entfallen sollte0 Da. die Vfertentocheidung des Grundgesetzgebers im Grundrechtskatalog zugunsten eines umfassenden Schutzes der Menschenwürde keine zeitliche Begrenzung auf das Leben des Menschen erkennen läßt, ist nicht einzusehen, warum der Schutz des sogo allgemeinen Personliehkeitsrechts, das die höchstrichterliche Rechtsprechung als sonstiges Recht im Sinne des § 82'3 AbSo 1 BGB anerkannt hat, indem es diese Generalklausel des bürgerlichen Rechts gemäß der Wertentscheidung des Verfassungsgebero ausgefüllt hat, zwangsläufig mit dem Tod sein Ende finden sollte„ Hach Anerkennung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts sind vielmehr die erwähnten näher geregelten Einzelfälle des Schutzes von Persönlichkeitsgütern Verstorbener als Ausdruck einer allgemeinen Rechtspflicht aufzufasson, wonach Persönlichkeitsgüter der hier strittigen Art - allerdings in dem durch das Ableben dor Person bedingten eingeschränkten Umfang -auch nach dem Tode ihres Inhabers von den Rechtsgenossen zu beachten sind, da andernfalls die Wertentscheidung des Grundgesetzes nicht ausreichend zur Geltung käme« Der Senat ist der Überzeugung, daß Menschenwürde und freie Entfaltung zu Lebzeiten nur dann im Sinne des Grundgesetzes zureichend gewährleistet sind, wenn der Mensch auf einen Schutz seines Lebensbildes wenigstens gegen grobe ehrverletzende Entstellungen nach dem Tode vertrauen und in dieser Erwartung leben kannQ sprechende Ermächtigung tatsächlich erteilt hat, kann dieser Auffassung schon deshalb nicht beigepflichtet werden, weil dann die RechtsVerfolgung von dem Zufall abhinge, ob eine vor dem Tode begangene Handlung dem Verletzten noch rechtzeitig bekanntgeworden ist, oder davon, ob die Handlung kurz vor oder kurz nach dem Tode des Verletzten begangen worden ist0 Hinzuweisen ist ferner auf solche Bälle, in denen sich der Berechtigte infolge Zermürbung durch Alter, Krankheit oder Resignation nicht mehr selbst dazu aufraffen konnte, noch vor seinem Tode ein Verfahren einzuleiten0 Baß der höchstpersönliche Charakter der immateriellen Persönlichkeitsrechte nicht dazu nötigt, die Rechtsverfolgung von einer Ermächtigung des Verletzten abhängig zu machen, wird auch durch die erwähnten, vom Gesetzgeber bereits näher geregelten Fälle einer Wahrnehmungsbefugnis bestätigt» Daraus folgt jedoch keine so erhebliche Gefahr für die Rechtssicherheit, daß deshalb die Wahrnehmung des Persönlichkeitsschutzes Verstorbener mangels ausdrücklicher Ermächtigung zu entfallen hätte« Zwar schließt nach dieser Auffassung das Einverständnis einzelner Wahrnehmungs-berechtigter mit der beanstandeten Handlung nicht aus, daß andere Berechtigte gleichwohl dagegen einschreiten, .Doch wird dieses Einverständnis ein wichtiger Anhaltspunkt dafür sein, ob überhaupt der Tatbestand einer Rechtsverletzung vorliegt0 Der Streitfall nötigt nicht dazu, den Kreis der Wohrnehraungsberechtigten abschließend zu bestimmen« Denn daß zu diesem Kreis jedenfalls der Kläger als der Adoptivsohn des Verstorbenen und insbesondere als derjenige gehört, den GrdHIB nicht nur zu seinem Alleinerben eingesetzt, sondern bereits zu Lebzeiten beauftragt hatte, die Verbreitung des Romans zu verhindern, hat das Berufungsgericht ohne Rechtsund Verfahrensvorstoß festgestellt« Die Gültigkeit des Adoptions Vertrages wird von der Revisionsklägerin, wie sie in der mündlichen Verhandlung ausdrücklich hat vortragen lassen, nicht angczweifelt« fristet,o Auch ohne eine derartige gesetzgeberische Einzel regelung ist kein uferloser postmortaler Schutz des leben bildes zu befürchten» Eine zeitliche Begrenzung folgb bereits daraus, daß die Persönlichkeitsrechte eines Verstorbenen nicht von jedermann, sondern nur von dem Kreis der überlebenden Wahrnehmungsberechtigten geltend, gemacht werden können» Davon abgesehen setzt die Geltend-machung des :erörterten persönlichkeitsrechtlichen Unter-lasaungsansprucho voraus, daß der Wahrnehmungsberechtigte ein ausreichendes Rechtsschutzbedürfnis dartun kann» Dieses schwindet gerade in Pallen der vorliegenden Art in dem Maße, in dem die Erinnerung an den Verstorbenen verblaßte Auch wird bei der Güterabwägung, nach der im Einzelfall Tatbestand und Rechtswidrigkeit von Person-Xichkeitsrochtsverletzungen abzugrenzen sind, ins Gewicht fallen, daß im laufe der Zeit das Interesse an der Hicht-verfälschung des Lebensbildes abnimmt, während umgekehrt das Gegenintcresse daran wächst, nicht wegen eines Fehlers in der Darstellung historischer Vorgänge Rechtsansprüchen ausgesetzt zu werden» Jedenfalls ist der noch lebende Kläger berechtigt, gegen die kurz nach dem Tode von (rrm^ begangene Persönlichkeitsrechtsverletzung einzuschreiten» Das Unterlassungsgebot bedarf auch keiner zeitlichen Begrenzung, da es der Beklagten unbenommen bleibt, der Vollstreckung des Urteils entgegenzutreten, wenn infolge Zeitablaufs das Rechtsschutzinteresse für die WeiterVerfolgung des eingeklagten Anspruchs entfallen sollte» IIIo 1» In der Sache selbst führt das Berufungsgericht im einzelnen aus, daß KflIK MaM die Hauptfigur seines Romans unbestritten an Gr^H^P angelehnt habe» Eine ausreichende "Verfremdung" der aus der Wirklichkeit entlehnten Vorgänge lasse sich nicht feststelien0 Zwar würden .jüngere Leser in zunehmendem Umfang in den dangest ell ten Romanfiguren die damals lebenden Personen nicht erkennen und den Roman als zeitkritische Darstellung des Theatoriabens in den zwanziger und dreißiger Jahren werten» Sine nicht unbeträchtliche Zahl des theaterkundigen Publikums, von dem das Buch überwiegend gelesen werde, denke aber bei der Hauptfigur an und identifiziere diesen infolge der Übereinstimmungen im äußeren Erscheinungsbild, dem Lebensund Berufsweg und der Umgebung mit Dabei könne der Leser nicht zwischen Wahrheit und Erdichtetem unterscheiden. Diese tatrichterlichen Feststellungen des Berufungsgerichtes sind frei von Rechtsoder Verfahrensverstoßene Zwar mögen Leser, die Gründgens so genau kannten, daß sich für sie Ähnlichkeiten mit der Romanfigur besonders leicht auf drängen, zugleich erkennen, was üflMi Ma®| in seiner Darstellung aus der Phantasie oder unter Verkennung der Umstände.hinzugefügt hat» Das Berufungsgericht hat das aber zu Recht als unerheblich angesehen, vfeil jedenfalls ein erheblicher Kreis weiterer Leser bleibt, denen die Verhältnisse weniger vertraut sind und die nicht zu unterscheiden vermögen, wo historisch belegbare Vorgänge aufhören und Erdichtetes anfängt » Dio v/ahrhcitswidrige Entstellung des Charakter-und Lebensbildes von werde - so führt das Berufungsgericht weiter aus - weder durch das Recht zur freien kritischen Meinungsäußerung noch dadurch gedeckt, daß der beanstandete Roman in Übereinstimmung mit de ei Landgericht als Kunstwerk zu werten sei® Soweit die Intimsphäre angetastet werde, entfalle überhaupt jede Intercsscnabwägungo Daher sei der auf die Verletzung des Persönlichkeitsrechts gestützte Untorlassungsanspruch des Klägers gemäß §§ 1004, 823 BGB i Join0 Art« 1 und 2 G-G-begründeto 534 - Leserbriefe; 24, 200 - Spätheimkehrer'; 26, 349 -Herrenreiter; 30, 7 - Catorina Valente; 51, 308 - Burschenschaft ; 35, 363 - Ginsengwurzel; 39, 124 - Fernsehansagerin GROT 1965, 256 - Gretna Green)e Indem bei der inhaltlichen Präzisierung dieses generalklausclartigen 1fAuffangstatbest and ca!t auf verfassungsrechtliche Wertent Scheidungen zurückgegriffon wird, ist freilich zu beachten, daß das Parsonlichkeitsrecht nicht nur in Art* 2 GG eine ausdrückliche Begrenzung durch die Rechte anderer, die verfassungsmäßige Ordnung und das Sittengesetz erfährto Vielmehr sind darüber hinaus bereits bei der Prüfung, ob überhaupt tatbestandsmäßig eine rechtswidrige Persön-lichkeitobeeinträchtigung vorliegt, auch die weiteren nennen ist hier ferner die Erfindung einer besonders engen Art von Beziehungen zu den damaligen Machthabern und die Entstellung der Hilfeleistungen für rassisch und politisch Gefährdete in ein auf berechnender Rückversicherung beruhendes Verhalten« Das Recht, Verhalten und Lebensbild einer Persönlichkeit kritisch zu beurteilen, findet nach der ausdrücklichen Regelung in Art«, 5 Abs, 2 Gr Gr seine Schranken in dem Recht der persönlichen Ehre und rechtfertigt es jedenfalls nicht, das Lebensbild einer Persönlichkeit mittels frei erfundener, oder doch ohne jeden Anhaltspunkt behaupteter, d:e. Da der beanstandete Roman in beiden Vorinstanzen rechtsirrtumsfrei als Ergebnis künstlerischen Schaffens gewürdigt worden ist, greift allerdings auch diese Grundreehtsnorm im Streitfall Platz, die entgegen der Auffassung des Klägers nicht lediglich eine gegen den Staat gerichtete institutionelle Garantie enthält, sondern notwendigerweise auch die persönliche Freiheit des Künstlers umfaßt, sich künstlerisch zu betätigen und die Ergebnisse des Schaffens der Öffentlichkeit bekanntzu demachen (v, MangoIdt/ Klein, GG, 2, Aufl«, Anm, X 2 b zu Art, 5; Hamann, GG, die in ihrer historisch gewordenen Ausprägung in erster Linie ein Abwehrrecht des Bürgers gegen staatliche Eingriffe darstollt, verkörpert zugleich eine GrundentScheidung im Sinne der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (vgl* BVerfGE 6, 71; 7» 204» 9, 248), in der für einen bestimmten Bereich der Rechtsund Sozialordnung eine 1/ertentschcidung des Verfassungsgebers verbindlich aus-gedrückt wird, die ihrerseits in engem Zusammenhang mit dem Grundwert der Menschenwürde steht und die als Grund-satznorm bei der Ausfüllung von Generalklauseln des bürgerlichen Rechtes Beachtung erheischte Bei der Heranziehung dieser Verfassungsnorm ist zu Gunsten der Beklagten zu berücksichtigen, daß der Verfassungsgeber die Preiheit der Kunst außerordentlich umfassend verbürgt hat» Anders als beim Schutz der Persönlichkeit und beim Recht der Meinungsfreiheit hat er trotz der Meinungsverschiedenheit über die Auslegung der entsprechenden Bestimmung der Weimarer Verfassung keine ausdrückliche Einschränkung angeordnet und dadurch zu dem Ausdruck gebracht, daß der allgemeine Gesetzesvorbehalt des Art, 5 Abso 2 nicht anwendbar ist (vgl«, etwa BVerv/GE 1, 303 ~ Sünderin; OLG Hamburg NJW 1963» 675)«> Daraus folgt, daß dann, wenn eine Meinungsäußerung in die Perm eines Kunstwerkes gekleidet ist, der Preiheitsspielraum gegenüber der Persönlichkeitssphäre eines Betroffenen weiter zu ziehen sein kann als bei solchen Meinungsäußerungen, die nicht den Rang eines Kunstwerkes erreichen (a0Ao OVG Münster aaO; wie hier Arndt aaO, Stein aaO; Hamann, NJW 1959» 1890)0 Das bedeutet für Fälle der vorliegenden Art, daß der Künstler nicht nur - was für den künstlerischen Schaffensprozeß unverzichtbar ist - an reale Geschehnisse und persönliche Umwelterfahrungen anknüpfen darf und daß ihm bei der Verarbeitung dieser Anregungen im Falle ausreichender Verfremdung weiter Schaffcnsspielraum bleibt0 Vielmehr kann beim Konflikt zwischen Freiheit der Kunst und geschützter Persönlichkeit ssphäre die Güterabwägung dazu führen, daß der Künstler bei romanhafter Darstellung des Lebens einer Person der Zeitgeschichte, wenn jene erkennbar nicht den Anspruch erhebt, die historischen Begebenheiten wirklichkeitstreu widerzuspiegcln, den Dargestellten auch durch erfundene Begebenheiten ergänzend charakterisieren und - entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts - bei Verstorbenen in gewissen Grenzen auch Vorgänge aus dem Intimbereich schildern darf• Von hier aus gesehen wäre es im Streitfall für sich allein noch nicht zu beanstanden, daß KHB Ma® in dem Roman Wahres und Erfundenes vermischt und dabei auch den Intimbereich berührt hat0 daliinstehen, ob cd ohne weiteres zulässig wäre, diese Grenze - unter Anv/endung des Arto 2 Abs0 1 GG als uMutter~ grundrecht*1 - in den Rechten anderer, der verfassungsmäßigen Ordnung und dem Sittengesetz und auch in den in diesem Rahmen erlassenen Gesetzen zu suchen (vglo dazu BGH GoltdArch 1961, 240 - Religionsdelikte; IM 22 zu Arte 5 GG - Reichstagsbrand; BayObLG aaO; OLG Hamburg aaO; zurückhaltender BVerwG aaO sowie Arndt und Stein aa0)o Renn jedenfalls erfährt das Recht zur freien künstlerischen Betätigung in gewissem Umfang eine immanente Begrenzung mit Rücksicht auf das gleichfalls verfassungsrechtlich garantierte Persönlichkeitsrecht0 Biese Grenze ist überschritten, wenn das Lebensbild einer bestimmten Person, die derart deutlich erkennbar als Vorbild gedient hat wie im vorliegenden Palle, durch frei_erfundene Zutaten grundlegend^ negativ entstellt wird, ohne daß dies als satirische oder sonstige Übertreibung erkennbar ist«, Himmt der Künstler im Falle der Charakterisierung einer Per son bewußt derartige Veränderungen des wirklichen Geoc-heher-vor, dann kann und muß von ihm erwartet werden, daß ..er im Interesse des verfassungsrechtlich garantierten Persönlichkeitsrechts die Anknüpfung an das Vorbild unerkennbar machte Im Streitfall ist das nach den zutreffenden Ausführungen des Berufungsgerichts nicht geschehene Ber Hinbruch in die Persönlichkeitssphäre von Gr^HI^^ wäre allenfalls zu rechtfertigen, wenn das sich aus dem Roman ergebende Charakter- und Lebensbild von mit den grundlegenden Wesenszügen und dem Persönlichkeitsbild von GrflHIB? IVo lo Bas Berufungsgericht ist bei dem Verbot der Verbreitung des Werkes als Ganzem davon ausgegangen, daß bei widerrechtlichen Eingriffen in das Persönlichkeitsrecht Unterlassung künftiger Störungen verlangt werden kann« Übereinstimmend mit dem Landgericht hat es darge-* legt, daß das Verbot nicht auf Teile des beanstandeten Romans beschränkt werden könne, weil dieser als Ganzes ein verzerrtes Bild von Ur^^HiP in der Gestalt des wiedergebe und weil zudem die Beklagte als Verleger ohne Zustimmung des Autors keine Änderungen an dem Werk vornehmen dürfe«-Es hat ferner das bisherige Vorwort und die Versicherung des Autors, alle Personen des Buches stellten Typen, nicht Portraits dar, für unzureichend angesehen« In anderem Zusammenhang hat es bei der Abwägung der beiderseitigen Interessen ferner ausgeführt, die Allgemeinheit sei daran interessiert, daß das Lebensund Charakterbild eines Mannes, der als Schauspieler, Regisseur und Intendant ein hohes Ansehen genossen habe, nicht verzerrt und völlig entstellt als Me^ilBüin der Romanfigur des der Nachwelt über- Biese Erwägungen können an sich auch in Fällen Bedeutung gewinnen, in denen es um das Verbot der Verbreitung eines abgeschlossenen Kunstwerkes geht, dessen .Autor verstorben ist und daher die beanstandeten Teile nicht mehr aus seinem Werk entfernen kann« Hier nötigt ferner der rechtsstaatliche Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu der Prüfung, ob ein uneingeschränktes Verbreitungsverbot durch schonendero Mittel ersetzt werden könnte <> Eine solche Einschränkung hätte nicht etwa schon deshalb von vorncherein als ungeeignet auszuscheiden, weil die Beklagte nach dem Tode des Autors an dem Roman nichts mehr ändern darf» Denn anders als bei einem Verbot einzelner Teile bleibt bei einem Vorwort, das der Leser als Erklärung des Verlegers erkennt, der künstlerische Aufbau des Romans selbst unberührt» Die Beklagte hätte lediglich zu klären, ob derjenige, der die Urheberrechte von KflBP Ma® wahrnimmt, der Veröffentlichung mit einem entsprechenden Vorspann zustimmto In jedem Palle wäre dabei aber zu beachten, daß ein solches eingeschränktes Verbot den Belangen des Verletzten ausreichend Genüge leisten mußo Wird über eine bestimmte Person Nachteiliges veröffentlicht, dann prägt sich die allgemeine Erinnerung daran erfahrungsgemäß nachhaltiger dem Gedächtnis der Zeitgenossen ein als Einzelheiten, zu denen auch Richtigstellungen der genannten Art gehören0 Auch könnten eingeschränkte Verbote dieser Art dann nicht als ausreichend angesehen werden, wenn sie dem Versuch Vorschub leisten, in der Form eines Kunstwerkes schwerwiegende Vorwürfo gegen eine Persönlichkeit zu erheben, um dann in einem Vorspann zu beteuern, die Vorwürfe stimmten nicht» Der Leser wird, sofern er ein solches Vorwort überhaupt zur Kenntnis nimmt, nicht ohne weiteres geneigt sein, solchen Beteuerungen Glauben zu schenken, zu demal sie nicht einmal vom Autor selbst, sondern vom Verleger stammen» Zu Lebzeiten des Betroffenen kann eine Einschränkung ferner deshalb unzureichend sein, weil Darstellungen der beanstandeten Art mit ihren auch die Privat- Sphäre berührenden Ehrkränkungen nicht nur das Lebensbild entstellen, sondern den Verletzten zugleich in der aktiven Entfaltung seiner Persönlichkeit hindern könnten0 Der lote andererseits genießt nach dem Ausgeführten Persönlichkeitsschutz nur dagegen, daß sein Lebensbild nicht in grober Y/eise entstellt wirdo Diesem Ziel könnte durch ein klarateilendes Vorwort unter den besonderen Bedingungen des Streitfalles möglicherweise ebenso gut gedient werden wie durch ein unbegrenztes Veröffent-iiehungsverboto Denn ein solches Verbot könnte leicht dahin mißdeutet werden, es beruhe auf einer trotz ihrer Yfohrheit rechtlich unzulässigen Schilderung der Intimsphäre; auch würde es den bereits eingetretenen Störzustand ohnehin nicht mehr völlig beseitigen, nachdem der hier beanstandete Roman schon seit langem bekannt und durch den Rechtsstreit unvermeidbar erneut bekannt geworden ist* Gelänge es hingegen, durch ein geeignetes Vorwort die schädlichen Auswirkungen des Romans weitgehend aufzufangen, dann würde auch das erhebliche und anerkennenswerte Interesse an Gewicht gewinnen, der Öffentlichkeit nicht einen Roman vorzuenthalten, den sein verstorbener Autor nicht mehr ändern kann und der eines der nicht sehr zahlreichen, au3 mancherlei Gründen wissenswerten Beispiele dafür bildet, wie sich die innerdeutschen Verhältnisse seit 1933 in der Sicht eines emigrierten Gegners der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wid erspi ege11en o die Verletzung des Persönlichkeitsrechts von (rrfllB ausräurabar warco Diese Frage läßt sieh natalich bei einem Schriftwerk der hier fraglichen Art, bei dem der rechtlich zu beanstandende Teil in den übrigen Teil des Werkes verwoben und nicht etwa nur von nebensächlicher Bedeutung ist, nur dann zureichend beurteilen, wenn ein formuliertes Vorwort vorliegt» Dies anzubieten, ist Sache der Beklagten als derjenigen, in deren Händen die Entscheidung darüber liegt, in v/elchor Weise sie die Veröffentlichung durch-zuführen gedenkt» Vom Kläger kann nichts anderes als ein Antrag auf Verbot des Romans in seiner konkret^yprlie-