BGH · I ZR 42/54
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Im Frühjahr 1952 erfuhr die Klägerin von der Verwaltung des Friedhofes an die sie bereits mehr fach Räder geliefert hatte, daß dort Bedarf an Rollen für die Leichenwagen der neuen Krematoriumshalle vorhanden war« Die Klägerin lieferte der Friedhofsverwaltung zunächst eine von dem Beklagten hergestellte Lenkrolle als Muster, die sich jedoch als nicht geeignet erwies« Die Friedhofsverwaltung verlangte eine andere, insbesondere stärkere Ausführung« Die Klägerin erteilte dem Beklagten Auftrag zur.Herstellung eines neuen Modells mit zwei Drucklagern und einem verlängerten Vorlauf und händigte ihm zwei Drucklager ‘aus« Friedhofsverwaltung Muster dieser Lenkrollen, die der Beklagte für sie hergestellt hatte* Diese Lenkrollen entsprechen in ihren wesentlichen Merkmalen den Lenkrollen, die die Klägerin der Friedhofsverwaltung zur praktischen Erprobung zur Verfügung gestellt hatte* Sie weisen insbesondere auch das doppelte Drucklager und den sog* Vorlauf in verlängerter Ausführung auf* Die Gebrüder erhielten, da ihre Preise unter denen der Klägerin lagen, einen Auftrag der Friedhofsverwaltung zur Lieferung'einer größeren Zahl von.Lenkrollen der fraglichen Art* Der Beklagte stellte die zur Erfüllung dieses Lieferauftrags erforderlichen Lenkrollen her® Das Landgericht hat durch Teilurteil den Anspruch der Klägerin auf Ersatz des durch die Lieferung von Leute und Bockrollen durch die Gebrüder an die Friedhofsverwaltung in entstandenen Schadens .dem Grunde nach' für gerechtfertigt erklärt» In den Gründen dieses Urteils wird ausgeführt, der dem Beklagten von der Xlägerin erteilte Auftrag auf Anfertigung einer Musterlenkrolle mit zwei Drucklagern und verlängertem Vorlauf sei aus dem Rahmen des üblichen heraus-gefallen» Es habe sich um eine Spezialkonstruktion gehandelt, die eine auch dem Beklagten als Fachmann nicht bekannte, sondern erst zu erprobende Gestaltung habe aufweisen sollen« Der Beklagte habe nun die Lenkrollen für die Gebrüder D^f|^ auf Grund der ihm von der Klägerin für die Anfertigung der Musterrolle erteilten Weisungen, die wiederum auf den Erfahrungen der bisher von der Klägerin durchgeführten Versuche beruhten, hergestellt o Diese Erfahrungen und Anweisungen seien Vorschriften technischer Art im Sinne des § 18 UnlWG, die der Beklagte den Gebrüdern nicht hätte überlas- erteilung der Friedhofsverwaltung an die Gebrüder D^^^^ läge, als seine Vertreter bezeichnet und auf Befragen erklärt habe, daß er sein Geld von der Priedhofsverwaltung sofort nach Ablieferung der Lenkrollen erhalte» Auch hätte das Berufungsgericht auf die unter Beweis gestellte Behauptung der Klägerin eingehen müssen, der Beklagte habe auf Befragen mehrfach geleugnet, die Gebrüder überhaupt zu kennen» Das Berufungsgericht geht davon aus, daß der Beklagte durch die Kundenschutzklausel nicht gehindert sei, andere Zwischenhändler zu beliefern, selbst wenn diese im Einzelfall mit der Klägerin in Wettbewerb träten0 Auch obläge dem Beklagten keine Erkundigungspflicht in der Richtung, an welche Verbraucher seine Abnehmer zu liefern gedächten«, Hieraus folgert das Berufungsgericht, daß der Beklagte durch die Lieferung der fraglichen Lenkrolle an die Gebrüder nicht gegen seine vertrag- Der Auftraggeber hat einen vertraglichen Anspruch darauf, daß der Auftragnehmer während des Bestehens dieser Geschäftsverbindung nicht Handlungen vornimmt, die Treu und Glauben, der Grundlage eines jeden Vertrages, zu-widerlaufen» In diesem Zusammenhang ist ohne Belang, daß der Beklagte den ihm von der Klägerin erteilten Auftrag auf Anfertigung einer Lenkrolle mit zwei Drucklagern nicht ausführte und die Klägerin deshalb genötigt war, diesen Auftrag bei einer anderen Firma unterzubringen» Nach den Feststellungen des Landgerichts handelte es sich bei der von der Klägerin in Auftrag gegebenen Lenkrolle, die nach ihrer ausdrücklichen Weisung zwei Drucklager und einen längeren Vorlauf aufweisen sollte, um eine Spezialkonstruktion, die aus dem Rahmen des üblichen herausfiel und die bislang von dem Beklagten nich-hergestellt worden war* Das landgerichtliche Urteil geht weiterhin davon aus, daß die Klägerin erst auf Grund längerer Versuche zu dieser für die besonderen Zv/ecke der FriedhofsVerwaltung verwendbaren Lenkrolle gekommen sei und die Erklärung für die auffallende Übereinstimmung in den grundlegenden Konstruktionsmerkmalen mit den der Friedhofsverwaltung von den Gebrüdern gelieferten Lenkrollen nur darin gefunden werden könne, daß der Beklagte die Lenkrolle für die Gebrüder auf Grund der ihm von der Klägerin für die Musterlenk-rolle gegebenen Weisungen angefertigt habe, die wiederum auf den Erfahrungen der Klägerin bei den bisher durchge-führten Versuchen beruhten* Das Berufungsgericht, das sich mit dem Inhalt der von der Klägerin dem Beklagten erteilten Weisungen nur bei der Erörterung des § 18 UnlWG als Klaggrundlage auseinandergesetzt, hat hierzu keine Feststellungen getroffen* Die Frage aber, ob es sich bei den fraglichen Lenkrollen um ein technisches Erzeugnis von gewisser Eigenart oder eine in Fachkreisen weitgehend bekannte und übliche Vorrichtung handelt, v/ie auch die andere Frage, ob diese Ausführungsform - dem Beklagten erkennbar - das Ergebnis von Überlegungen und Versuchen der Klägerin gewesen ist oder aber auf spezi-fiziert gegebenen Anweisungen der Friedhofsverwaltung, die von jedem Durchschnittsfachmann ohne weiteres ausführbar waren, zurückging, ist für die Entscheidung des Streitfalls auch insofern erheblich, als die Klägerin Verletzung von Vertragspflichten behauptet« Denn geht man von den Feststellungen des landgerichtlichen Urteils aus, wona.Oh es sich bei der Musterlenkrolle der Klägerin mit zwei Drucklagern und verlängertem Verlauf um eine von der Klägerin erdachte, aus dem Rahmen des üblichen fallende Sonderkonstruktion handelte, so mußte sich dem Beklagten, wenn die Gebrüder kurze Zeit nach der Auftragserteilung seitens der Klägerin bei ihm ganz die gleiche Spezialkonstruktion einer Lenkrolle bestelitengeradezu zwangsläufig die Erkenntnis oder doch zu demindest der Verdacht aufdrängen, daß die Gebrüder mit dieser Lenkrolle den gleichen Abnehmer beliefern wollten, dessen besondere Betriebsbedürfnisse die Klägerin veranlaßt hatten, nach einer zweckentsprechenden Neukonstruktion der bisher von dem Beklagten hergestellter Lenkrollen zu suchen* Mag auch die Kundenschutzklausel dem Beklagten in der Regel eine Erkundigungspflicht nach den Abnehmern seiner anderen Auftraggeber nicht auferlegen, so erforderte es bei einer solch besonderen Fallgestaltung doch die aus der langjährigen Geschäftsverbindung mit seiner Hauptauftraggeberin erwachsenen Treuepflicht des Beklagten, daß er die Interessen der Klägerin - notfalls auch unter Verzicht auf anderweitige Verdienstmöglichkeiten - wahrte und sich vor Annahme des Auftrags der Gebrüder ver- Nachahmung seine ihm der Klägerin gegenüber obliegenden vertraglichen Treuepflichten verletzt haben* gas gleiche gälte, wenn sich die Gebrüder D^^|^ die für die Einzelheiten ihrer Auftragserteilung erforderlichen Kenntnisse durch eine Besichtigung der Musterlenkrolle der Klägerin verschafft hätten oder wenn der Beklagte etwa von sich aus bei Ausführung des Auftrages der* Gebrüder D^^p die Konstruktionsanweisungen der Klägerin verwertet hätte; immer vorausgesetzt, daß es sich bei der fraglichen Ausführungsform der Lenkrollen-mit zwei Drucklagern und verlängertem Vorlauf um ein eigenartiges, aus dem Rahmen des üblichen fallendes Arbeitsergebnis handelt, das auf Überlegungen und Vorarbeiten fer Klägerin zu-rüclcgeht« Da das angefochtene Urteil insoweit die erforderlichen Feststellungen vermissen läßt, mußte der Rechtsstreit auch aus diesem Grunde an das Berufungsgericht zurückverwiesen werden« Hierbei verkennt das Berufungsgericht,, daß ein Handeln zu Wettbewerbszwecken keine Schädigungsabsicht voraussetzt (RGZ 60, 190; Baumbach-Hefermehl, Warenzeichen- und Wettbewerbsrecht Allg VII Anm 5)o Es genügt vielmehr die Absicht, sich selbst vor Schaden durch Förderung des eigenen Absatzes zu bewahren« Biese Absicht aber hat bei dem Beklagten nach den Feststelluijgen des Berufungs Urteils Vorgelegen und das verhalten des Beklagten war auch objektiv geeignet, seinem eigenen Wettbewerb zu dienen«, Damit aber hat der Beklagte durch die Belieferung der Gebrüder D^|[|^^ mit Lenkrollen der fraglichen Art zu Zwecken des Wettbewerbs im Sinne der wettbewerbsrechtlichen Schutzvorschriften gehandelt« b) Ob - wie das Landgericht annimmt, das Oberlandesgericht verneint - ein Verstoß gegen § 18 UnlWG vor-liegt, kann nicht abschließend beurteilt werden, da -wie bereits hervorgehoben wurde - keine Feststellungen darüber getroffen worden sind, ob der Beklagte aus eigenem Antrieb den für die Gebrüder D^H^ bestimmten Lenkrollen die ihm durch die Klägerin übermittelte Spezialkonstruktion zugrunde gelegt hat oder ob der Beklagte insoweit nur gemäß den ausdrücklichen Weisungen der Gebrüder handelte, die wiederum auf die von der Friedhofsverwaltung geäußerten Wünsche zurückgehen könnten« Es ist durchaus denkbar, daß, nachdem die Klägerin ihre Musterrolle mit zwei Drucklagern der Friedhofsverwaltung zur Erprobung überlassen hatte, diese den Gebrüdern D^m^' zugänglich geworden ist und die Gebrü-der deshalb in der Lage waren, die technischen Vorarbeiten der Klägerin ihren eigenen wettbewerblichen Zwecken dienstbar zu machen, ohne unmittelbar auf die dem Beklagten von der Klägerin gegebenen Konstruktionsweisungen zurückzugreifen,, Bei solcher Sachlage hätte der Beklagte bei der Lieferung an die Gebrüder D^|^ nicht sein eigenes, durch die Klägerin vermitteltes Wissen, sondern die den Gebrüdern D^Ü^ durch das Inverkehrbringen der Musterrolle der Klägerin anderv/eit zugängliche Kenntnis verwertet«, Das aber würde einer Anwendung des § 18 UnlWG entgegenstehen (vgl Baumbach-Hefermehl Warenzeichen- und Wettbewerbsrecht § 18 UniV/G Anm 2 C; RG GRUR 1942, 355)• Wenn dagegen das Berufungs- gericht ausführt , § 18 UnlWG könne schon deshalb nicht eingreifen, weil die Klägerin keine ins einzelne gehenden technischen Anweisungen gegeben habe, so werden damit die Anforderungen an Vorschriften technischer Art im Sinne dieser Bestimmung überspannto Bas Berufungsgericht wird darüber hinaus auch dem Sachvortrag der Klägerin nicht, gerecht, wenn es daraus, daß die von der Klägerin gelieferten Brucklager angeblich nicht brauchbar gewesen sein sollen, folgert, es habe an ausreichenden Anweisungen zu dem technischen Handeln gefehlt© Brucklager sind nach den übereinstimmenden Parteierklärungen allgemein bekannte technische Fertigproduktec Bie Klägerin nimmt nicht in Anspruch, daß die Ausgestaltung der Brucklager ihr besonderes Arbeitsergebnis darstellte, sondern erblickt ihre vertraulich zu behandelnde Anweisung zu dem technischen Handeln lediglich in ihrem Auftrag, Lenkrollen mit zwei Brucklagern und einem verlängerten Vorlauf anzufertigen© c) Sollte die erneute Erörterung des Streitfalles durch das Berufungsgericht ergeben, daß Lenkrollen mit solchen Konstruktionsmerkmalen ein technisches Erzeugnis von gewisser Eigenart darstellen, das sich von den im Verkehr gebräuchlichen Lenkrollen gerade durch die fraglichen Konstruktionsmerkmale unterscheidet, so würde auch § 1 UnlWG als Klaggrundlage in Betracht kommen«, Bei solcher Fallgestaltung mußte nämlich der Beklagte erkennen oder doch jedenfalls Verdacht schöpfen, daß etwaige ihm von den Gebrüdern hinsichtlich der Lenkrolle gegebenen Weisungen auf das Arbeitsergebnis der Klägerin zurückgingen, sei es, daß die Gebrüder sei es, daß die Friedhofsverwaltung ihrer Auftragserteilung diese Musterrolle der Xlägerin zugrunde legte© daß die Gebrüder die fraglichen Lenkrollen an den gleichen Abnehmer weiter zu liefern beabsichtigten, dessen besondere Betriebsbedürfnisse die Klägerin veranlaßt hatten, von der Konstruktion ihrer bisher vertriebenen Lenkrollen abzugehen und dem Beklagten eine Lenkrolle mit zwei Drucklagern und verlängertem Vorlauf als Proberolle in Auftrag zu geben« Der Beklagte würde dem Anstandsgefühl eines verständigen Durchschnittsgewerbetreibenden zuwidergehandelt haben, wenn er sich bei solcher Sachlage über die naheliegende Möglichkeit einer ernsthaften Beeinträchtigung der Wettbewerbslage seiner Hauptauftraggeberin, der Klägerin, durch Belieferung der ihm eng verbundenen Gebrüder mit einem Er- zeugnis gleicher Eigenart einfach hinwegsetzte und den Auftrag der Gebrüder D^^|) annahm, ohne zu versuchen, seine wettbewerblichen Hintergründe zu klären« Denn der Beklagte hätte bei solcher Pallgestaltung durch die Belieferung der Gebrüder D|d| dazu beigetragen, daß die Klägerin bei ihren Bemühungen um den Auftrag der Friedhofsverwaltung praktisch mit ihren eigenen Waffen - nämlich mit einer von ihr erdachten und erprobten Spesialkonstruktion von Lenkrollen - geschlagen werden konnteo Damit wäre ein objektiv wettbewerbswidriger Sachverhalt im Sinne-des § 1 ünlWG gegeben« Es würden dann aber auch die subjektiven Voraussetzungen für einen Schadensersatzanspruch aus § 1 UnlWG zu bejahen sein«