BGH · I ZR 28/58
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
- vertreten durch Rechtsanwalt hat der Erste Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 9o Juni 1959 unter Mitwirkung der Bundesrichter Br© Bock, Br© Spreng, Br© Löscher, Jungbluth und Br© Spengler für Recht erkannt? 2c Badeofen-Unterteil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Standfläche (6) des Blechmantels (3) mit einer Dichtung (15)-, z0B. 3c Badeofen-Unterteil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß in dem Blechmantel (3) Aussparungen (18) unterhalb der Ofentür (17) sum Einführen der Nasen (19) einer Aschenauffangschalo (20) angeordnet sind und innerhalb des Blochmantels, vorzugsweise am Boden des Aschenfanges (13) eine Verstärkung (22) als Y/iderlager für die Nasen der As chenauf fang schale angeordnet ist*. Zur Begründung ihrer Klage hat sie ausgeführt, daß es dem angegriffenen Patent überhaupt an einem einheitlichen Erfindungsgedanken, sowie an einer eigentlichen Kombinationswirkung der verschiedenen hebeneinandergestellten Erfindungsmerkmale fehle« Außerdem sei der Gedanke, ein Badeofenunterteil fußlos und mit Blechmantel herzüstellen, bereits durch die deutschen Patentschriften flp 265, ®P788, Vfc 703, Bei den aus Blech bestehenden Badeofen-Unterteilen entfalle zwar die Zerbrechlichkeit, jedoch sei bei ihnen der ebenfalls aus Blech gefertigte Feuertopf wenig formbeständig und wenig widerstandsfähig gägen Eurchbrennen und Kosten, Weitere Nachteile seien durch Anbringung von Füßen erwachsen, weil diese die Badeofen-Unterteile sperrig und unhandlich für'Transport und Lagerung machten, sowie den Zutritt von Feuchtigkeit unter dem Badeofen ermöglichten, daß keine der entgegengehaltenen Druckschriften odei^ Vorbenutzungen sämtliche Merkmale des Streitpatents in sich vereinigte Insoweit hat keine der Parteien Bedenken gegen die TatsächenfestStellungen und technischen Würdigungen der ersten Instanz erhoben» Bei der Prüfung der Schutzwürdigkeit des Streitpatents ist demnach, von folgende» Stand der Technik auszugehen, der als unstreitig nur zusammenfassend wiedergegeben zu werden braucht§ Bekannt war weiterhin die Vergrößerung der Standfestigkeit eines Blechmantels durch Erweiterung des Endumfangs unter Zwischenschaltung einer Innensickc (vgl0 DP.P Nr« 00788)« Gegen die Berücksichtigung dieser Patentschrift wendet sich die Beklagte mit dem Hinweis, daß der dort abgebildete Vaillant-Gasbadeofen in der Praxis niemals mit einem einteiligen, sondern nur mit einem zweiteiligen.Untersatz hergestellt und benutzt worden sei« Dieses ergebe sich aus Seiten 3/4 des damaligen Katalogs der Firma Vaillant ( Anlagen 1 und 2 zu dem Schriftsatz vom 12«/25o Mai 1959)dessen Abbildungen erkennen ließen, daß die Herstellerin unter dem in Fig* 1 der Patentzeichnung§0 788 gezeigten Hohlzylinder aus Blech noch einen .mit Füßen versehenen Untersatz aus Gußeisen angebracht habe« Die sockelartige Verdickung der Patentzcich-nung sei daher garnicht als Standfläche benutzt worden und habe überdies in der prsxis ebenfalls aus Guß, nicht aus Blech, bestanden« Diese Darlegungen sind nicht geeignet, der aus der Patentschrift Hr* 0H 788 zu entnehmenden Offenbarung einen anderen Inhalt zu geben0 Druckschriften sind unter Zuhilfenahme des durchschnittlichen Fachwissens des Anmeldetages aus sich selbst heraus zu verstehen* Zwar ist allgemein bekannt, daß es sich bei Patentzoicimungen nicht um Konstruktionszeichnungen handelt« Doch können druckschriftlich nicht mit verlautbarte Zutaten, welche sich erst bei der praktischen Anwendung ergeben haben«, weder zu einer Ausweitung noch zu einer Einschränkung der daraus abzulesenden technischen Lehren herangezogen werden«, Nicht als bekannt nachgewiesen ist hingegen die Teil-Lehre, daß der aus Sicke nebst Sockel gebildete Puß dazu benutzt werden kann, mehrere Unteröfen bei ihrer Lagerung oder während des Transportes unverschieblich aufeinander zu stapelnc Der Nichtigkeitssenat hat zwar bereits auf DR? 4^167 hingewiesen, welches das gleiche Ziel der Verbesserung der Stapelfähigkeit im Hinblick auf Kochvorrichtungen in praktisch gleicher Weise wie bei der Erfindung des Streitpatents längst gelöst habe«, Dabei hat der Nichtigkeitssenat nicht verkannt, däß diese Entgegenhaltung, insbesondere wegen konstruktiver Besonderheiten der darin beschriebenen Kochkessel , keine neuheitsschädliche Vorwegnahme des vom Streitpatent gelösten Teil-Problems darstellt«, Jedoch verneint der Nichtigkeitssenat für diese Teil-Maßnahme die Erfindungsqualität, da es bloß als eine für jeden Durchschnittsfachmann greifbar naheliegende bauliche Maßnahme rein konstruktiver Art gewertet werden könne, die aus DR?4BPl67 bekannte Anordnung einer Sicke zu dem Zwecke besserer Stapelfähigkeit auch bei den hier in Rede stehenden Badeofenunterteilen an-zuwendeno Der Sachverständige geht hoch einen Schritt weiter und leugnet die Fortschrittlichkeit der Anbringung einer Innensicke zur Erzielung der Stapelfähigkeit, weil diese bei DR? 2 und 3 formulierten Erfindungsgedanken in erster Linie bereits deshalb als nicht schutsfähig bezeichnet, weil es sich bei ihm um eine Zusammenstellung von teils vorbekannten, teils nicht erfinderischen Merkmalen handele, durch die keine echte Kombination im patentrechtlichen Sinne erzielt werde« Eine echte Kombination würde voraussetzen, daß sich alle Teilmerkmale einer gemeinsamen Aufgabenstellung unterordnen ließen und sich funktionell gegenseitig beeinflußten, was Jedoch bei den Merkmalen des Patentanspruchs 1 nicht.der Pall sei. fachung des Herstellungsprozesses und Feuchtigkeitsschutz ' (Lösungsmittel* die fußlose Ausgestaltung); 3* Stapelbarkeit und Standsicherheit (Lösungsmittel* die Anbringung eines verbreiterten Standsockels nebst Sicke)« Nachdem sich bereits der Nichtigkeitssenat und ihm folgend der gerichtliche Sachverständige außer Stande erklärt hatten, eine alle diese Aufgabenstellungen in sich vereinigende technische Idee zu entdecken, hat es die Beklagte in der mündlichen Verhandlung als die Aufgabe ihrer Erfindung bezeichnet, ein für die Massenfabrikation geeignetes, leicht zu manipulierendes und doch haltbares Erzeugnis zu schaffen« Damit ist aber allenfalls eine alle Einzelschritte umfassende wirtschaftliche Zielsetzung, * jedoch keinesfalls ein einheitlicher technischer Gesamterfolg aufgezeigt worden. Erschwert wird die Beurteilung dieses Problems allerdings dadurch, daß bei den angewandten Lösungsmitteln nicht in ebenso eindeutiger Weise eine wechselseitige Unabhängigkeit festgestellt werden kann, sondern daß sich sowohl das Merkmal der Fußlosigkeit als auch das Merkmal der Material Verschiedenheit zwischen Außenmantel und Feuor-topf als förderlich für mehrere der verschiedenen Aufgaben erweisen« IVc Es erübrigt sich jedoch, abschließend zu diesem schwierigen patentrechtlichen Problem Stellung zu nehmen, da dem Nichtigkeitssenat auf jeden Pall darin beizutreten ist, daß die Zusammenfügung der teils bekannten und teils naheliegenden Einzelmerkmale zu der erfindungsgemäßen Sammelkonstruktion vom Durchschnittsfachncnn .des Anmeldetages keine erfinderische Anstrengung erfordert hätte« Der gerichtliche Sachverständige hat sich in dieser Beurteilung der Präge der Erfindungshöhe der Auffassung des Nichtigkeitssenates angeschlossen und ausgeführt, daß der Durchschnittsfachmann imstande gewesen sei, die technische lehre des Anspruchs 1 schon- auf Grund 'seines Fachwissens zu finden, da für alle Aufgaben, die sich der Erfinder gestellt hatte, bereits Lösungen im Stande der Technik zu finden gewesen seien« Diese Vorbilder, auf die der durchschnittliche Fachmann nach der Auffassung des Sachverständigen zwecks Lösung der Einzelprobleme zurückgreifen konnte, sind bereits oben bei der Untersuchung der Neuheit des Erfindungsgedankens im einzelnen erwähnt worden« Der Sachverständige betont ins- besondere, daß schon der Junkers-Unterofen gezeigt habe, daß es durchaus möglich sei, einen gußeisernen Feuertopf in einem Blechmantel anzuordnen« Dieser Junkers-Ofen sei zweifellos praktisch brauchbar und von durchaus genügender Stabilität gewesen« Wenn der Durchschnittsfachmann.jedoch in Abweichung vom Junkers-Ofen kein «schweres Siemens-Martin-Stahlblech" verwenden wollte, so wäre es eine völlig im Rahmen des durchschnittlichen Fachwissens liegende Maßnahme gewesen, nunmehr keine Füße mehr anzubringen, die - weil aus dünnerem Blech gefertigt - nicht mehr die erforderliche Festigkeit gehabt ■ hätten, sondern den unteren Rand des zylindrischen Blechmantels daß sic erstmalig die Anwendung unterschiedlich beanspruchbaren Materials für den Außenmantel einerseits und den Feuertopf andererseits gelehrt hätten» Nachdem diese.Lehre jedoch vermittels des Vorkriegsprospektes von Junkers als bekannt nachgev/iesen worden ist, könnte die durchschnittliche Leistung der Erfinder allenfalls darin liegen? Denn jedenfalls hindert sie die Hausfrau an der Beseitigung von Feuchtigkeit* welche infolge normaler Unebenheiten des Fußbodens unter den Badeofen rinnen kann« Dieses Eindringen von Feuchtigkeit kann* wie in der mündlichen Verhandlung zur Überzeugung des Senats dargelegt wurde, nicht bereits durch das Merkmal der Fußlosig-keit (Patentanspruch 1), sondern bloß in Verbindung mit einer zuverlässigen (OJümmi-) Dichtung (Inspruch 2) verhindert werden * Die Klägerin selber verzichtet aber bei ihrer praktischen Ausführung auf die Gummidichtung, was dafür sprechen könnte, daß kein zwingendes praktisches Bedürfnis für den von der Patentschrift angestrebten und angeblich1- bereits ‘durch die Merkmale des Anspruchs 1 gewährleisteten Feuchtigkeitsschütz bestehto Der bloße Übergang von einem Badeofenuntersatz mit Füßen, wie er von Junkers gezeigt und vorbenutzt worden ist, zu einem Untersatz ohne Füße erforderte vom Fachmann keinerlei Kühnheit, weil solche fußlosen Blechöfen bereits aus den Patentschriften Nr« 50 265# ^0788 und 00 520 bekannt waren * Unschädlich ist es hierbei, daß die letzterwähnte Patentschrift anstelle eines Badeofens einen Y/armwasserbereiter zeigt; auch besagt ihre Beschreibung nichts dagegen, daß der Untersatz, wie nach der Zeichnung anzunehmenr aus Blecli bestehen sollte„ Und zu dem anderen hat der gerichtliche Sachverständige unwiderlegt ausgeführt, daß die Mitteilung des Junkers-Prospekts, wonach der .Untersatz aus schwerem Siemens-Martiii-Stahlblech gefertigt sei, von Fachleuten eher als propagandistisches Zugeständnis an den damaligen Zeitgeschmack, denn als notwendiges technisches Erfordernis verstanden worden sei« Demnach konnte sich der Junkers-Prospekt nicht als ein Hindernis für die technische Entwicklung in der Richtung auswirkens daß Fachleute auch ohne schöpferische Überlegungen zur Verwendung zu demindest solcher Blechstärken, v/elche für die Bearbeitung mit der Sickenmaschine geeignet sind, geschritten wären* stung könnte somit allenfalls in der Hinzufügung des letzten Konstruktionsmerkmals, nämlich der Herbeiführung der Stapelbarkeit mehrerer Untersätze, erblickt werden* Dieses Merkmal bietet keine Gebrauchsvorteile für die Erwerber eines einzelnen Kohlebadeofens, wohl aber für die Lagerung und Transport mehrerer Badeofenuntersätze, Im Zeitalter der Herstellung standardisierter Massenartikel kann es jedoch nicht mehr als eine ausschließlich erfinderischen Naturen zugängliche Entschließung gewürdigt werden, daß sich ein Fabrikant von OfenunterSätzen die Aufgabe stellt, seine Erzeugnisse so auszugestalten, daß sie künftig ohne ein Dazwischenlegen von Brettern unverschieblich aufeinandergestapelt werden können» Hatte sich der Fabrikant diese technische Aufgabe aber überhaupt erst einmal gestellt, so standen die Lösungsmittel im Jahre 1950 ohne erhöhten geistigen Aufwand zu Gebote* Einerseits bedurfte es bei fußlosen Blechmänteln mit sockelartiger Erweiterung (vglr DRP Nr* J^788) nur noch einer geringfügigen Anpassung des oberen Randes, um ihn in die sockelartige Erweiterung eines darauf gestapelten, gleichartigen Untersatzes einrasten zu lassen« Zum anderen konnte auch ein Fachmann, dem solche Blechmäntel mit Standsockel noch nicht begegnet waren, Vorbilder im Stande der Technik finden» Ea lag für ihn nahe, oich an Zu einer anderen Beurteilung ist das Landgericht Lüsseldorf gelangt, welches die Erfindungshöhe in dem Verletzungsprozess 4 0 264/56 offenbar darum glaubte bejahen zu müssen, weil es das Stroitpatent für in besonderem Maße fortschrittlich hielt, Bas Verletzungsgericht kennzeichnet in seinem Teilurteil die wesentlicho Bedeutung der Erfindung 'dahin, daß durch den fußlosen Blechmantel mit nach innen geführter Sicke, die in eine Erweiterung des Blechmantelrandes mit kreisrunder, ebener Standfläche übergeht, besonders günstige statische Verhältnisse geschaffen worden seien, die es vorteilhaft ermöglichten, mit einem Blechmantel einen relativ schweren gußeisernen Fouertopf einwandfrei zu tragen,- Biese Beurteilung seitens des Verletzungsgerichts gründet sich u.a* auf die Erwägung, daß durch die Innensicke nebst Erweiterung eine achsiale Verstärkung geschaffen worden sei. Vo Hinsichtlich der Unteransprüche des Streitpatents hat der Richtigkeitssenat in überzeugender V/eise ausgeführt, daß die Lehre des Anspruchs 2, wonach ein Eindringen von Feuchtigkeit durch das Anbringen einer (Gummi-) Lichtung verhütet werden soll, eine platte Selbstverständlichkeit enthalte, und daß der Anspruch 5 (Vorrichtung zur lösbaren Anbringung einer Aschenauffangschale) kein patentbogründendes Unterscheidungsmerkmal gegenüber LEPJBJl02 auf\veise0 Der Senat schließt sich diesen Ausführungen, gegen die mit der Berufung keine Einwendungen geltend gemacht worden sind, an.