BGH · I ZR 26/55 vom 14.02.1958
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Die Klägerin hat vorgetragens Seit über 100 Jahren habe zwischen den Parteien die durch Absprachen gefestigte Übung bestanden, ihre Kölnisch Wasser-Erzeugnisse stets in gleichen Flaschengrößen und zu gleichen Preisen anzubieten. Um dies za erreichen, habe die Beklagte ihre Flaschen-fabrikanten ausdrücklich angewiesen, die vor dem Kriege gebräuchlichen Flaschenformen und -grüßen äußerlich beizubehalten, den Rauminhalt aber durch Verdickung des Bodens und der Wandung derart abzuanderu, daß die Verminderung des Rauminhalts nach außenhin nicht in Erscheinung trete* Pie hierdurch verursachten höheren Herstellungskosten habe sie bewußt in Kauf genommeno Die Absicht der Beklagten habe sich allerdings nicht " voll verwirklichen lassen* So sei es bei den Llolanusflaschen nicht möglich gewesen, deren frühere äußere Form völlig unverändert beizübehalten* Die große Molanusflasche sei deshalb im Vergleich zu der entsprechenden Vorkriegsflasche etwas kleiner«, Bern flüchtigen Betrachter falle das aber nicht auf* Hoch schwieriger sei die Verschleierung bei der halben Molanusflasche gewesene Bie Beklagte lass.e Mit alledem täusche die Beklagte sowohl die Händler wie auch die Verbrauchero Sie habe zwar neue Bestellnummern eingeführt, die in den Flaschenboden eingeblasen seien und dem gegenwärtigen Rauminhalt entsprächen* Jedoch habe sie diese Maßnahme nicht erläutert* Auch fehle hinter den Ziffern in den Flaschenbö.den der Zusatz "ccm"* a) Kölnisch Wasser in Flaschen anzubieten, feilzuhalten oder zu verkaufen, die äußerlich den bisher von der Beklagten verwendeten Flaschenformen tatsächlich oder scheinbar entsprechen, aber durch Verdickung des Bodens und der Glaswandung oder Veränderung der Flaschenform einen verringerten Inhalt haben, eine Absprache über gleiche Flaschcngrößen und Flaschenprcise getroffen worden sei oder eine entsprechende Übung bestanden habe» Gelegentliche Übereinstimmungen seien auf den erheblichen Umfang des Sortiments der Parteien zurückzuführen und nicht beabsichtigt gewesene Ferner hat sie geltend gemacht: Im Jahre 1948 habe sie sich der veränderten Markt- und Rohstoffläge angepaßt und dementsprechend neue Flaschengrößen eingeführt« Dabei habe sie mit dem kleinsten Rauminhalt begonnen und ihr Sortiment nach und nach um jeweils größere Flaschentypen erweiterte Seit dem Jahre 1952 habe sie in ihren Preislisten die Händler darauf hingewiesen, daß die in den Flaschenböden ® eingeblaseheil Bestellnummern dem jeweiligen Rauminhalt der Flaschen entsprächen« Fine Irreführung der Verbraucher liege nicht vor« Der Verbraucher mache sich keine Vorstellung dar-über, ob der Rauminhalt der heutigen Flaschen dem der Vorkriegsflaschen gleich sei« Fr bewerte kölnisch Wasser nicht nach der Menge, sondern ausschließlich nach der Duftnote. b) die in der Breite der früher von der Beklagten, verwendeten Flaschenform Nr« 0 entsprechen, aber durch Veränderung des PiaschenqiiorSchnitts einen verringerten Inhalt haben, sofern diese Flaschen in Kartons verpackt feilgehalten werden« Auf Befragen hat die Klägerin erklärt, sie berufe sich nicht darauf, daß die Beklagte ihre frühere halbe Molanusflasche Nr« 0 in den gleichen Verpackungen vertrieben habe, in denen sie seit 1949 ihre Flasche Nr« 45 verkaufe« Bas Oberlandesgoricht hat durch Teilurteil vom 10« November 1954 die Berufung der Klägerin insoweit zurückgewiesen, als sie sich gegen die Abweisung des Berufungsantrages su ■ Ziff« 1 b richtet« Das Berufungsgericht hat verneint, daß die Beklagte mit dem Angebot ihrer Eiasche Nr„ 45 in Geschenkpackungen den Tatbestand des § 3 UWG erfüllt oder gegen § 1 UWG verstoßen habe© Es nimmt in tatsächlicher Hinsicht an, die Eiasche Er© 45 der Beklagten weiche durch ihren ovalen Querschnitt so stark von der früheren ~ runden - halben Molanusflasche Er© 0 ab, daß der Größenunterschie'd der beiden Eiaschen bei einer Rundumbetrachtung sowohl für den Händler wie auch für den Letztverbraucher ohne weiteres ersichtlich sei und mithin die Möglichkeit einer Irreführung über den Rauminhalt bei einer solchen Betrachtung ausscheide» Io Pur die Prüfung der Präge, ob der Tatbestand des § 3 UWG erfüllt ist, muß zu Gunsten der Klägerin - wie dies auch das Berufungsgericht getan hat - davon ausgegangen werden, daß ein nicht unerheblicher Teil des Verkehrs sich bei der bloßen Betrachtung der streitigen Geschenkpackung über die Gestalt der darin angebotenen KÖlnisch-V/asser-Plasche eine bestimmte Vorstellung macht - und zwar die Vorstellung, daß der Querschnitt der Plasche rund sei die von der-wahren Gestalt dieser Plasche abweicht und darauf beruht, daß der ovale Querschnitt der Plasche nicht zu erkennen ist, solange sie sich in der Geschenkpackung befindet Bei dieser Unterstellung wird aber der Verbraucher durch die Art der Verpackung über den Rauminhalt der Plasche irregeführt, da der Rauminhalt einer Plasche mit rundem Querschnitt offensichtlich größer.'ist als bei sonst unveränderten Maßen der einer Plasche mit nur ovalem Querschnitt« Der Auffassung des Berufungsgerichts, daß gleichwohl keine rechtlich erhebliche Irreführung vorliegen könne, vermochte der Senat nicht beizutreten« Es mag allerdings zutreffen, daß der Käufer einer Geschenkpackung normalerweise damit rechnet, preisliche Nachteile in Porm mengenmäßiger Minderleistungen erleiden zu müssen« Bas Berufungsgericht läßt jedoch rechtsirrig außer acht, daß der Käufer der hier in Rede stehenden Geschenkpackung nehmen* Denn wird dem Käufer durch die Verpackung die ovale Perm der Piasehe verdeckt und meint er deshalb, die Plasche habe den Rauminhalt, den er sich vorstelle, so mag er zwar mit der Möglichkeit rechnen, daß er diese Plasche teuerer bezahlen müsse, als .wenn er sie lose beziehe* Aber er rechnet eben nicht damit, darüber hinaus auch eine Pinbuße dadurch zu erleiden, daß er eine Plasche geringeren Rauminhalts erhalte, als seiner Vorstellung entspricht* Damit ist der Auffassung des Berufungsgerichts die Grundlage entzogen* Die Annahme, der Irrtum des Käufers über den Rauminhalt der Plasche sei schon deshalb, weil es sich um eine Geschenkpackung handle für seinen Kaufentschluß unerheblich, entbehrt der Berechtigung* Es ist auch ohne Belang, ob der Plasche in der Geschenkpackung noch ein Stück Seife beigefügt wird. In der erneuten Verhandlung wird das Berufungsgericht untersuchen müssen, welche Vorstellung sich der Verkehr von der ihm in der streitigen Geschenkpackung angebotenen Plascbe der Beklagten macht und ob in Hinblick auf diese Vorstellung das Angebot eine unrichtige Angabe bedeutet., die im Sinne des § 3 UWG geeignet ist, den Anschein eines besonders 'günstigen Angebots hervorzurufen» Per Senat hat allerdings in seinem einen anderen Ausschnitt desselben Hechtsstreits betreffenden Urteil vom heutigen Tage - I ZR 60/57 - ausgeführt, die Anwendung des § 5 UWG sei nicht mit der bloßen Erwägung zu rechtfertigen, daß der Verkehr in Hinblick auf das Erinnerungsbild > das er von den Vorkriegsflaschen der Beklagten besitze, und wegen der äußeren Übereinstimmung der Nachkriegsflaschen mit diesem Erinnerungsbild den Rauminhalt der Nachkriegsflaschen dem der Vorkriegsflaschen der Beklagten gleich-setzen zu können glaube0 Die Erwägungen, die zu dieser Auffassung geführt haben, müssen an sich auch für die gegenwärtig ■ zu entscheidende Drage gölten.. Indessen ist zu beachten, daß hier»der Sachverhalt in einem wesentlichen Punkte anders gelagert ist« Während dort Eiaschen zur Beurteilung standen, die dem äußeren Umfange und der äußeren Gestalt nach den Vorkriegsflaschen der Beklagten entsprachen, handelt es sich hier um eine Eiasche, die, solange sie sich in der Geschenkpackung befindet, zwar den Anschein erweckt, als gleiche sie in ihrer äußeren Gestalt den üblichen - vor und nach dem Kriege vertriebenen -rumSlen Iviolsnusflaschen der Beklagten, in Wahrheit aber von dieser Gestalt durch ihren zunächst nicht erkennbaren und den Rauminhalt offensichtlich beeinflussenden ovalen Querschnitt abwoichto Hier ist daher die Möglichkeit einer im Sinne des § 3 UWG relevanten Irreführung des Verkehrs nicht nur nicht ausgeschlossen, sondern' sogar naheliegend» Die Molanusflaschen der Beklagten haben von jeher einen runden Querschnitt gehabt und haben einen solchen Querschnitt, soweit sie nicht in Geschenkpackungen verkauft werden, auch heute noch0 Bas Berufungsgericht wird Ist diese Präge zu bejahen und demzufolge anzunehmen, daß ein nicht unerheblicher Teil des Verkehrs beim Einkauf der streitigen Geschenkpackung erwartet, er erhalte eine Molanusflasche mit dem üblichen runden Querschnitt, so kann das Angebot der Geschenkpackung eine irreführende unrichtige • Angabe im Sinne des § 3 UV/G bedeuten, die geeignet ist, den Anschein eines besonders günstigen Angebots im Sinne dieser Bestimmung hervorzurufen. berücksichtigen haben, daß der Verbraucher, sofern er der Annahme ist, die plasche habe einen runden Querschnitt, auch von der Vorstellung ausgehen wird, der Rauminhalt der Plasche. geändert haben könnte, die die Beklagte in der streitigen Geschenkpackung anbieteto Per so begründeten Erwartung, hinsichtlich deren er, sollte sie bestehen, durch das Angebot der Beklagten getäuscht wird, ist für den Kaufentschluß eine wesentlich weitergehende Bedeutung einzuräumen, als sie in dem Urteil I ZR 80/57 der dort an jenem unbestimmten Erinnerungsbild ansgerichteten Erwartung zugebilligt werden konnte* Sie kann, was allerdings tatrichterlicher Prüfung bedarf, zur Polge haben, daß der Verkehr das Angebot der Beklagten, eben weil es vermeintlich eine Llolanusf lasche üblicher Gestalt zu dem Gegenstände hat, als ein besonders günstiges Angebot im Sinne des § 3 UWG empfindet.