BGH · I ZR 23/57
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der in BfHBl wohnhafte Kläger, der den Familiennamen Lego führt, ist selbständiger Vertreter für Spirituoseno Er ist der einzige Träger dieses Hamens in BflSBIo Die Beklagte eröffnete am 5o Dezember 1955 etwa 500 m von der Wohnung des Klägers entfernt ein Ladengeschäft, in dem sie den Handel mit Damen- und Horren-Oberbekleidung betreibt o Ihre Firma ist am 16, Februar 1956 in das Handelsre gister des Amtsgerichts Charlottenburg als Offene Handelsgesellschaft wie folgt eingetragen wordens Über den fünf Schaufenstern des Ladengeschäftes der Beklagten und.an anderen Stellen ihrer Geschäftsräume- be-finden sich 17 Schilder mit der Aufschrift "Lego-Kleidung"* Die gleiche Bezeichnung ist mit großen Buchstaben diagonal in die Glasscheibe der Ladentür eingeschliffenc Darüber stehen am oberen Rand der Glasscheibe die Namen der beiden Das Berufungsgericht ist der Auffassung, daß die Beklagte mit dem Bestandteil ’’Lego” ihrer sowohl in der eingetragenen Firma enthaltenen wie auch bei der Werbung, insbesondere auf Ladenschiidern und Drucksachen.; . RG JVf 1927, 1384 )0 Ein solcher Ball liegt hier vor0 Baß die Beklagte das dem Namen des Klägers entsprechende Wort ”LegoM nicht allein,, sondern *- mit oder ohne Bindestrich - in Zusammenhang mit dem Wort "Kleidung" verwendet, ist-ohne Bedeutung«?.. Ber Charakter des Wortes "lego" als eines Namens geht hierdurch, wie das Berufungs-- 1 gericht ohne Rechtsirrtum annimmt, nicht verloren, und zwar umso weniger, als die Verbindung eines Personennamens mit einem Warennamen im geschäftlichen Verkehr vielfach gebräuchlich isto Unerheblich ist es auch, daß die Beklagte das von ihr verwendete Y/ort "Eego" aus den Anfangsbuchstaben ■men, ihrer ursprünglichen Gesellschafter. Es kommt allein darauf an, ob durch die Verwendung dieses-Wortes der Eindruck hervorgerufen werden kann, als werde damit der Name des Klägers gebraucht (RGZ 108,’ 230, 232)o Biese Voraussetzung ist im vorliegenden Ball aber erfüllt„ Benn für den Betrachter der angegriffenen Bezeichnung ist entgegen der Meinung der Revision die Art ihrer Entstehung und die Zufälligkeit der Übereinstimmung mit dein Namen des Klägers, zu demal nach dem Ausscheiden des Gesellschafters GflHHlB?. jedenfalls nicht ohne weiteres ersichtliche Er wird daher, sofern er den Namen des Klägers kennt;, oder kennen lernt, geneigt sein«, das Wort "Lego" in der Bezeichnung der Beklagten mit diesem Namen in Verbindung zu Bringen« Entgegen der Meinung der Beklagten ist das Wort ,rLegoM auch nicht so beschaffene daß es notwendig als bloße Phantasiebildung auf gef aßt werden müßte und aus diesem Grunde für den Betrachter der angegriffenen Bezeichnung der Gedanke einer Verbindung mit dem Namen des Klägers nicht auftauchen könnte<> Die Annahme des Berufungsgerichts, daß die Beklagte im Sinne des § 12 BGB den Namen des Klägers gebrauche, ist hiernach rechtlich nicht zu beanstanden. § 12 BGB setzt weiter voraus, daß der Gebrauch des fremden Namens unbefugt ist® Auch diese Voraussetzung ist vom Berufungsgericht mit Recht als erfüllt angesehen worden® Denn der Beklagten steht an dem Namen "Lego” kein gegenüber dem Namensrecht des Klägers besseres oder gleichwertiges Recht zu» Die Beklagte hat zwar nach § 16 Abs« 1 UWG durch die Ingebrauchnahme ebenfalls ein Recht an diesem Namen erworben (BGHZ 21, 85, 94 •• Spiegel)„ Auf dieses Recht kann sie sich aber nach dem das Namens-' und Kennzeichnungsrecht beherrschenden Grundsatz der Priorität gegenüber dem älteren Namehsrecht des Klägers nicht mit Erfolg berufen0 Unter diesen Umständen kam es für die Entscheidung darauf an, ob die Beklagte durch den Gebrauch des Namens MLegon berechtigte Interessen des Klägers verletze0 Bas Berufungsgericht hat dies bejahte Bern kann aus Rechtsgründen nicht entgegengetreten werden® und hat ferner auch materielle Interessen des Klägers als verletzt bezeichnet; weil "die beteiligten Verkehrskreise" nach dem Ergebnis der erstinstanzlichen Beweisaufnahme -trotz der Branchenverschiedenheit - auf Grund der Verwen-ümig des Namens "Lego" in der angegriffenen Bezeichnung geschäftliche Beziehungen zwischen ihm und der Beklagten vermuteten* Sodann hat es eine Abwägung der beiderseitigen Belange der Parteien vorgenomraen? des gleichen Namens zur Bezeichnung ihres Ladengeschäfts und zur Werbung ein beachtliches Affekfcionsinteresse des Klägers verletze; keine rechtlichen Bedenken erhoben werden0 Entgegen der Meinung der Revision ist es auch rechtlich nicht zu beanstanden; daß das Berufungsgericht eine Verletzung materieller Interessen des Klägers bejaht hat0 Bei der Einprägsamkeit und für B4BB festgestellten Einmaligkeit des Namens des Klägers liegt es durchaus nahe; daß die Bekannten und Kunden des Klägers geschäftliche Beziehungen zwischen dem Kläger und dem in unmittelbarer Nähe seiner langjährigen Wohnung eröffneten Geschäftsbetrieb der Beklagten trotz der Branchenverschiedenheit - vermuteno Die Beweisaufnahme des ersten Rechtszuges hat diese Annahme bestätigt o Die Rüge der Revision, das angefochtene Urteil lasse die Feststellung vermissen., daß die dort vernommenen Zeugen "die beteiligten Verkehrskreise" darstellten, verkennt den Sinn dieser Beweisaufnahme * Das Landgericht hatte sich ersichtlich ein Bild über die Auffassung solcher Personen verschaffen wollen, die den Kläger, sei es persönlich oder geschäftlich, kennen und denen auch das Geschäft der Beklagten und deren Werbung bekannt ist. Hiergegen ist rechtlich nichts einzuwendeno Ebensowenig ist es aber zu beanstanden, wenn das Berufungsgericht auf das Ergebnis dieser Beweisaufnahme die Überzeugung gründet, daß "die beteiligten Verkehr skreise" , hier also allgemein Personen, bei denen die gleichen Voraussetzungen vorliegen, in gleicher oder ähnlicher Weise geschäftliche Beziehungen zwischen dem Kläger und der Beklagten mutmaßen werden* Soweit die Revision mit Rücksicht auf den von den Zeugen erklärten und anscheinend vom Kläger veranlaßten Verzicht auf Zeugengebühren Bedenken gegen die Glaubwürdigkeit der Zeugen äußert, greift^sie unzulässig in das dem Tatrichter vorbehaltene Gebiet der Beweiswürdigung Qin0 Ein Er fa in rungs sab z des Inhalts* daß ein Versieht auf Zeugengebuhren nur zugunsten einer Partei ausgesprochen werde, mit der der Zeuge persönlich verbunden sei, kann im übriger nicht als bestehend anerkennt werden«, Damit entfallen auch die Folgerungen, die die Revision allgemein in Ansehung der Glaubwürdigkeit von Zeugen» die auf Veranlassung der beweis-pflichtigen Partei auf ZeugengebUhren verzichtet haben, aus diesem Satz gezogen zu wissen wünscht0 Unbegründet ist ferner die Rüge, das Berufungsgericht habe nicht beachtet, daß in einer Millionenstadt wie Berlin auch bei Übereinstimmung eines Ihaütasiewortes mit einem seltenen Familiennamen die Annahme geschäftlicher Beziehungen zwischen den beiden Namensträgern zu den seltenen Ausnahmen gehöre * Das augefoehtene Urteil läßt erkennen, daß das Berufungsgericht seine Entscheidung auf die Besonderheiten des vorliegenden Falles, nämlich auf den Umstand abgestellt hat/ daß sich das Ladengeschäft der Beklagten in unmittelbarer Nähe der Wohnung des Klägers befindet und der Kläger dort schon seit Jahrzehnten wohnt„ Die Verhältnisse innerhalb eines eng begrenzten Wohnbezirkes werden in der hier in Betracht kommenden Beziehung jedoch nicht entscheidend dadurch beeinflußtc daß der Wohnbezirk Teil einer Millionen- stadt ist«, Auf die Frage, wie der Sachverhalt zu beurteilen wäre, wenn sich aas Geschäft in einem anderen Stadtteil oder auch nur in grösserer Entfernung von der Wohnung des Klägers befände, braucht nicht eingegangen zu werden«, Rechtlich nicht zu beanstanden ist schließlich die Auffassung des Berufungsgerichts, daß die verletzten Interessen des Klägers auch bei Berücksichtigung der Belange der Beklagten als schutzwürdig anzuerkennen seien* Wird berücksichtigt. und die Bezeichnung nach dem Ausscheiden des Gesellschafters Goldstein nicht ein mal mehr mit dem Hinweis aut die Hamen der Gesellschafter der Beklagten zu rechtfartigen ist? daß auch solche Personen in Betracht zu ziehen sind.-die in Zukunft mit dem Kläger persönlich oder geschäftlich bekannt werden und über den in Präge stehenden Sachverhalt nicht unterrichtet sind 0 Bas Berufungsgericht hat der Klage hiernach mit Recht stattgegeben® Daß die für den Unterlassungsanspruch erforderliche Wiederholungsgefahr gegeben ist?