BGH · I ZR 19/58 vom 08.05.1959
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Damit habe sie gegen die Puttermittelanordnung verstoßen, die ein Schutzgesetz nicht nur für den Verbraucher, sondern, auch für den redlichen Handel sei» Im übrigen erwecke die Beklagte durch ihre unwahren Angaben den unrichtigen Anschein, daß ihr Erzeugnis das von der Klägerin hergestellte "Aurofac" enthalte; denn deren Schwesterfirma, die Firma B0I& Co«, mische dem von ihr vertriebenen Mischfutter "Supermast" genau 1,47 % "Aurofac 2 a" zu und erziele dadurch den auch Die Beklagte hat Abweisung der Klage beantragt, die Sachbefugnis der Klägerin bemängelt und geltend gemacht, diese bezwecke .mit der Klage,, durch die Beweisaufnahme Einblick in die Aureomycin-Bezugsqiiellen und das Herstellungsverfahren der Beklagten zu nehmen^ Unter Vorlage von Unter-suchungszeugnissen der landwirtschaftlichen Untersuchungsund Porschungsanstalt Kiel hat die Beklagte behauptet, sie habe mit dieser vereinbart, daß sämtliche Partien MUltra-mast” vor dem Verlassen des Werkes auf.ihren Aureomycingehalt kontrolliert würden* Biese stärkere Bosierung sei nachteilig, da sie eine gleichmäßige Verteilung des Wirk-Stoffes im Endprodukt nicht mehr gewährleiste * Bas Beru-fungsgericht hat Sachverständigenbeweis darüber erhoben, ob die Angaben der Beklagten über, den Gehalt an Aureomycin und das Mischungsverhältnis unrichtig sind, und hat sodann unter Abweisung der weitergehenden Klage die Beklagte ver~ Io Mit Recht hat das Berufungsgericht die Sachbefug-nis der Klägerin auf Grund des § 13 Abs« 1 Satz 1 UWG bejaht« Nach seinen ohne Rechtsverstoß getroffenen Feststellungen ist der Wirkstoff Aureomycin ein nach den Wertvorstellungen der Käuferkreise beachtlicher Teil des zu dem Verkauf gelangenden Mischfutters * Gegen diese Annahme bestehen Bedenken umsoweniger, als die angesprochenen Kreise daran gewöhnt sind, daß bei Mischfuttermitteln, die in Säcken verkauft werden, der Gehalt an "wertbestimmenden Bestandteilen", bei Mischungen auch das Mischungsverhältnis der Gemengteile in Hundertsätzen, schriftlich angegeben werden; denn.das entspricht den seit langem bestehenden gesetzlichen Vorschriften (§4 des Futtermittelgesetzes vom 22« Dezember 1926,. daher nicht zu; denn Aureomycin ist, auch nach den Ausführungen der Revision, ein für den Masterfolg wesentlicher Mischungsbestandteil* Gehört es somit nach den maßgebenden Auffassungen der Käuferkreise zu den wertbestimmenden Bestandteilen der von der Beklagten vertriebenen Ware, so ist es mit dieser jedenfalls dann als verwandt i„ S* des § 13 Abs* 1 UWG anzusehen, wenn der Absatz von Aureomycin nach der Verkehrsanschauung, sei es auch nur mittelbar, durch den Vertrieb der Ware der Beklagten beeinträchtigt werden kann; dabei spielt der Umstand, daß die Beklagte als Verarbeiterin auf einer anderen Wirtsehaftsstufe als die Klägerin steht, keine Rolle (BGHZ 18, 175« 181 f - Werbeidee - )* Die Gefahr einer solchen Beeinträchtigung ist hier gegeben, denn die Klägerin ist nach ihren für das Revisionsverfahren zu unterstellenden Behauptungen im Gebiet der Bundesrepublik alleinige. Die behauptete unrichtige Angabe, ein hier vertriebenes Mischfutter enthalte Aureomycin, wäre daher geeignet, den Absatz der Ware derjenigen Futtermittelhersteller zu beeinträchtigen, die das "Aurofac 2 an von der Klägerin beziehen, und damit mittelbar auch deren Umsatz zu schmälern.«, UWG)* Dem steht nicht entgegen, daß die Angaben auf den Sackanhängern auch durch eine gesetzliche Vorschrift, und zwar als eine dem Erwerbea^egenUber abzugebende Mitteilung vorgeschrieben sind (§ 4 des Futtermittelgesetzes vom 22«. Die weitere Behauptung, deinetwegen die Beklagte verurteilt wurde, geht dahin, daß ihr Erzeugnis 1,47 $ Aureomycin-PutterZusatzmischung enthalte* Bei der Verurteilung ist das Berufungsgericht von folgenden Erwägungen ausgegangen% Oh' das Erzeugnis der Beklagten tatsächlich 1,47 # antibio- li tische Putterzusatzmischung (Aureomycin-Konzentrat, gebunden an extrahiertes Sojaschrot) enthalte und ob diese Zusammensetzung innerhalb der unvermeidbaren Toleranzen eingehalten werde, lasse sich durch Probeuntersuchungen nicht feststellen, wie die eingeholten Gutachten zweier Sachverständiger ergeben hätten* Ein solcher Nachweis könne allerdings wohl durch Nachprüfung der Bücher der Beklagten geführt werden; die Klägerin habe jedoch keinen Rechtsanspruch auf Einsichtnahme in die Geschäftsunterlagen ihres Wettbewerbers und es bestehe auch keine Veranlassung, die Vorlage derselben anzuordnen, da damit der Beklagten ohne rechtliche Begründung ein schwerer wirtschaftlicher Schaden zuge- .. Hier komme zunächst das Pabrikat "Aurofac 2 a” der Klägerin in Betracht* Werde es zu 1,47 % einem Eiweiß-Konzentrat beigemischt, so ergebe sich ein Gehalt von 12 Gramm Aureomycin auf 100 kg* Die Beklagte habe nun bezüglich des Aureomycin-gehalts auf ihren Sackanhängern genau dieselben Angaben ge- .. über das MischungsVerhältnis nur dann richtig sein, wenn sie als Aureorayoinfutterzusatz entweder "Aurofac 2 a" oder ein anderes Präparat verwende, das genau den gleichen Aureomycingehalt besitze wie dieses * Verwende sie dagegen einen Zusatz von stärkerem Aureomycingehalt, so könne sie nur weniger als 1,47 # dem Endprodukt beimengen« um den garantierten Gehalt von 12 Gramm Aureomycin auf 100 kg zu erzielen« Verwende sie andererseits ein schwächeres Zusatz mittel, so müsse sie über 1,47 % Beimischung hinausgehen, um wiederum den Enderfolg von 12 Gramm Aureomycin auf 100 kg Endprodukt zu erreichen« Die Beklagte habe nun aber selbst vorgetragen, daß sie eine Aureomycin-Putterzusatz-mischung amerikanischer Herkunft mit nicht genannter Marke verwende, das einen Aureomycingehalt von 48 Gramm je Kilogramm aufweise, und hierzu ausgeführt« daß sie große Mengen davon vorrätig habe und weitere beziehen könne« Diese Mischung sei etwa sechsmal so stark an Aureomycingehalt wie "Aurofac 2 a”« Wenn von letzterem 1,47 $ für ein Eir: weißkonzentrat erforderlich seien, um einen Gehalt von 12-Gramm Aureomyciji auf 100 kg Endprodukt zu erzielen« so seien daher von dem von der Beklagten verwendeten Zusatz nur etwa 0,25 erforderlich, um das gleiche Ergebnis zu erreichen« Die Beklagte dürfe daher nur von etwa 0,2.5 Diese Berechnung, die sich auf das von der Beklagten selbst vorgelegte Material gründe, habe die Klägerin bereits im Schriftsatz vom 30« Oktober 1956 in dem Verfahren über den Widerspruch gegen die einstweilige Verfügung vom 10« September 1957 angestellt und sie in der Berufungs begründung im Hauptsacheverfahren unterstrichen* Die Beklagte sei über diesen Punkt mit Stillschweigen hinweggegangen. Der sachunkundige Leser werde, wenn das Mischuiigs Verhältnis mit 1,47 % statt mit nur 0,25 i» angegeben werde, annehraen, daß es sich um ein besseres Erzeugnis handele; aber auch der sachkundige Leser werde getäuscht, denn er werde ein Mis.chfutter vorziehen, bei dem das Beimischungsverhältnis des Aureomycin-lconzentrats höher liege, weil dadurch die Verteilung des Zusatzes auf das Endprodukt besser gewährleistet sei. Das Berufungsgericht habe mit seiner Schlußfolgerung aber auch den Erfahrungssatz verkannt, daß man bei der Herstellung von Mischungen einzelne stark dosierte Bestandteile ihrerseits sowohl unverändert, als auch nach vorheriger Verdünnung oder Herabmischung "verwenden” könne und daß dies vielfach üblich sei» Die Angabe des Mischungsverhältnisses von 1,47 # sei richtig; sie erwecke auch nicht den Anschein« daß die Ware das nur von der Klägerin gelieferte "Aurofac 2 a" enthalte« Dem Abnehmer komme es nur auf das Mischungsverhältnis, nicht auf die Beimischung eines bestimmten Zusatzes an; auch seien im Handel mehrere Mischungsverhältnisse, z* B«. Daß dieser aus besonderen Gründen bei der Herstellung des von der Beklagten vertriebenen Mischfutters nicht anzuwendeh sei, ist weder aus den Umständen , noch aus den Ausführungen des Berufungsgerichts zu entnehmen» Die Nichtanwendung dieses Erfahrungssatzes bei der Würdigung des Beweisergebnisses und Parteivorbringens stellt eine auf zulässigen und begründeten Revisionsangriff hin zu berücksichtigende Verletzung des § 286 ZPO dar (RGZ 99? B* etwa deshalb nicht angewandt, weil die Beklagte angesichts des Vorbringens der Klägerin, wenn sie es bestreiten wollte, allen Anlaß gehabt hätte, sich auf die Möglichkeit des vorherigen 11 Heruntermischens11 ausdrücklich zu berufen- Die Beklagte hatte schon mit Schriftsatz vom 5«- November 1956 (S* 5, 6) in der Sache 24 Q 13/56 Landgericht Hamburg vorgetragen, die Berechnungen der Klägerin über das Mischungsverhältnis seien irreführend; die Angabe auf den Sackanhängern sei richtig, da sie eine "Fut-terzusatzmischung" betreffe; der Zeuge Wrede habe das Verfahren bei seiner Vernehmung naher geschildert. daß die Beklagte ein sechsfach stärker als "Aurofac 2 a" dosiertes Aureo-mycinkonzentrat unverändert dem Endprodukt beimische * Da sich das Urteil trotz des Vorbringens der Beklagten mit dem von der Revision gekennzeichneten Erfahrungssatz nicht befaßt? auch ungenügende Angaben ergänzen und die Beweismittel bezeichnen; zu diesem Zwecke hat es das Sachund Streitverhältnis auch nach der tatsächlichen Seite mit den Parteien zu erörtern* Die Verletzung dieser Prage-pflicht kann mit der Revision geltend gemacht werden, wenn das Berufungsgericht hätte erkennen müssen, daß die Partei Beweismittel und etwa noch notwendige Behauptungen hätte beibringen können und wollen, daß das Nichtvorbringen daher offenbar auf einem Versehen oder darauf beruht, daß sie die Rechtslage erkennbar falsch beurteilt (BGH Lindenmaier/MÖh-ring Nachschlagewerk § 139 ZPO Nr* 3 = ZZP 1952, 278)* Bei Anwendung dieser Grundsätze hätte das Berufungsgericht die Beklagte auffordern müssen, sich zu dem Vorbringen der Klägerin näher zu erklären- Aus den Schriftsätzen der Beklagten vom 13* März 1957 und 5. fungsgericht nämlich erkennen können, daß diese die von der Klägerin angestelite Berechnung des Mischungsverhältnisses nicht als richtig anerkennen wolle * Aus ihrem weiteren Vorbringen, daß die Klägerin mit der Klage das Ziel verfolge, Einblick in ihr Herstellungsverfahren zu erlangen, konnte das Berufungsgericht ferner entnehmen, daß die Beklagte glaubte, begründeten Anlaß zu haben, sich auf die von der Klägerin angestellten Mutmaßungen über den Beimischungsvorgang so zurückhaltend wie möglich zu erklären- Das Berufungsgericht erkennt in anderem Zusammanhang selbst an, daß der Beklagten durch Einblick der Klägerin in ihre Geschäftsunterlagen schwerer wirtschaftlicher Schaden zugefügt werden könnte- Deren Zögern, den Herstellungsvorgang offenzulegen, war daher verständlich und konnte andererseits auch nicht im Sinne einer endgültigen Weigerung jeglicher Substantiierung ihres Bestreitens auagelegt werden- In einem so gelagerten falle bedarf die Frage, bis zu welchem Grade die nicht beweispflichtige Bartei zur Darlegung veranlaßt und andererseits zu Erklärungen bereit ist, im Rahmen des § 1?9 ZPO einer besonders sorgfältigen Prüfung Es bestand ferner kein Anlaß zu der Annahme, eine weitere Aufklärung, als sie durch die schon erfolgte Vernehmung des Zeugen WiflBerzielt war, werde in der Frage des Mischungsverhältnisses überhaupt nicht möglich sein, dehn die vom Landgericht veranstaltete Beweisaufnahme hatte-sich nur auf die Frage bezogen, ob die Beklagte überhaupt Aureomycin zusetze- Die Beklagte durfte ferner damit rechnen, das Berufungsgericht werde den Erfahrungssatz von der Möglichkeit der vorherigen Herabmischung von sich aus berücksichtigen und schließlich ihr auch Gelegenheit zu weiterer Äußerung, geben, falls es annahm, die von ihr ausdrücklich als beweisfällig beze^chnete Klägerin müsse hinsichtlich des Miff chungsverhaltnisges auf Grund eines Vorbringens obsiegen, das schon hei Anordnung der Beweisaufnahme über dJ.eaen Punkt Vorgelegen hatte. Wenn nämlich die von der Beklagten selbst gemachte Angabe über den absoluten Aureomyoingeha.lt und die von der Klägerin darauf aufgebauten Berechnungen über das Mischungsverhältnis richtig waren, so irrte die Beklagte; für das Gericht erkennbar, über den vom Berufungsgericht für zwingend gehaltenen, seiner Berechnung zugrunde gelegten Erf3hrungssatz, Bas Berufungsgericht durfte es daher nicht dabei bewenden lassen, daß die Beklagte über dieses Vorbringen. Dagegen wäre dann zu prüfen, aus welchen Gründen die eklagte entgegen den Tatsachen ein Mischungsverhältnis von ,47 # angibt, ob sie sich damit insbesondere auf eine im erkehr bekannte, auf die Klägerin oder ihre Schwesterfirma inweisende Zusammensetzung der Ware beruft und damit über eschäftliche Verhältnisse ihrer Mitbewerberin irreführt nd deren Absatz in einer gegen § 1 UWG verstoßenden Weise eeinträchtigt (BGH GRUR 1957, 491* 499 ~ Wellaform). Die oi:: Berufungsgericht bisher getroffenen Feststellungen reihen zu einer Anwendung des § 1 UWG nicht aus, da sie von er nicht aufrecht zu erhaltenden Annahme beeinflußt sind, ie Beklagte mische ein Aureomycinkonzentrat nur im Verhält-is von 0,2f5 $ bei« Es fehlt bisher ferner an einer Grundla-e für die Annahme, die Angabe eines Mischungsverhältnisses on 1,47 $ in Verbindung mit einem absoluten Aureomycinge-alt von 3 2 Gramm je 3.00 kg des Endprodukts habe sich im erkehr als Herkunftshinweis zugunsten der Klägerin oder hrer Schwesterfirma durchgesetzt«