BGH · I ZR 17/67
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explosion so erheblich beschädigt wurde, daß sie erneuert wei’den mußte o Um diesen Auftrag bewarb sich auch die Beklagte und verhandelte darüber mit dem Architekten B^f^ von der Bank fürNach Behauptung der Beklagten wollte Berberich von ihrem Inhaber dessen Meinung über die damals noch ungeklärten Ursachen der Schornsteinexplosion hören0 Er habe ferner ausdrücklich dazu auf gef ordert,? in einem Bewerbungsschreiben unter Angabe von Referenzen die Unterschiede zwischen der beiderseitigen Auskleidung zu erläutern, wobei vertrauliche Behandlung der Angaben vereinbart worden seio Unter dem 27o Mai, 2„ Juni und 290 Juni 1964 richtete die Beklagte drei Schreiben an die Bank für in denen sie Im einzelnen ausführte, die Innenauskleidung nach ihrem System B^^|^ sei nach Säurebeständigkeit, Bruchfestigkeit und Hitzebeständigkeit der eingestürzten Innenauskleidung überlegen, aus diesem Grunde sei ihr System bei modernen Bauten den P^^-Steinen vorgezogen worden und die meisten Oberfinanzdirektionen in der Bundesrepublik lehnten daher mit Recht eine Innenauskleidung (gemeint wohl: eine Pj(PU-Innenauskleidung) der Rauch-gasofbzüge bei Kasernen und sonstigen Verwaltungsgebäuden abo Die Klägerin hat geltend gemacht, die Angaben der Beklagten, die deren Inhaber bereits bei der ersten mündlichen Besprechung unaufgefordert gemacht habe, seien unwahr und als herabsetzende vergleichende Werbung unzulässige Es bestehe begründeter Verdacht, daß der Inhaber der Beklagten diese Äußerungen entgegen seiner Erklärung in der 2o die Beklagte zu verurteilen, den Offenbarungseid darüber zu schwören, daß die von ihrem Inhaber in der mündlichen Verhandlung vom 100 März 1965 abgegebene Behauptung, er habe die Klagebehauptungen zu Ziffo 1 nur gegenüber der Bank für aufgestellt, nach bestem Wissen und Gewissen abgegeben worden sei; I» lo Gegenstand de3 Unterlassungsbegehrens sind die vier im Klageantrag hu Ziff» 1 a) bis d) wiedergegebenen Äußerungen, deren letzte der Inhaber der Beklagten nach den Peststellungen des Berufungsgerichts mündlich gegenüber dem Architekten von der Bank für und dem Architekten Architekturbüro Sch^^^ Nach Auffassung des Berufungsgerichts sind alle angegriffenen Äußerungen der Beklagten als wettbewerbswidrige ahwertende vergleichende Werbung anzusehen, und zwar auch ins0v7e.it, als die Behauptungen inhaltlich wahr sein sollten» Es liege keiner der Fälle vor, in denen eine vergleichende Werbung ausnahmsweise als zulässig erachtet werden könne0 Insbesondere habe der Inhaber der Beklagten seine Äußerungen nicht erst auf ausdrückliches Verlangen des Architekten B^m^^ abgegeben, Vielmehr habe er nach dem Ergebnis der Beweisaufnähme schon bei dem ersten Gespräch von sich aus erklärt, der Schornsteineinsturz sei nicht verwunderlich, da die P^|^~Steine nicht den Anforderungen genügteno Zu seiner Bitte um nähere schriftliche Angaben sei der Zeuge erst vom Inhaber der Beklagten veranlaßt worden,, Im übrigen sei die Beklagte nicht streng sachlich geblieben und habe unnötige Herabsetzungen nicht vermiedene Wenn sie die Vorzüge ihres Angebotes habe werbewirksam herausstreichen wollen, dann hätte es genügt, die Säure- und Hitzbeständigkeit ihrer Auskleidung hervorzuheben, ohne zugleich vernichtende Satsachenbehauptungen und Werturteile über das Konkurrenzfabrikat abzugeben0 a) Soweit die nachteiligen Äußerungen über das Produkt der Klägerin nach den Feststellungen des Berufungsgerichts objektiv unrichtig sind, war deren Verbreitung von vornherein wettbewerbswidrig, gleichgültig ob die Unrichtigkeit auf einem Irrtum beruhte und ob die Mitteilung vertraulich erfolgte« Insoweit vermag auch die Revision nichts Überzeugendes zur Verteidigung der Beklagten darzutun, Gerade bei vergleichenden herabsetzenden Äußerungen über Konkurrenzprodukte muß erwartet werden, daß sich der Kritisierende über deren Richtigkeit in jeder Einzelheit sorgfältig vergewissert und sich vor irreführenden Verallgemeinerungen oder Übertreibungen hütet« Die Vorinstanzen haben daher zu Recht dem Antrag zu Piff, 1 b stattgegeben» b) Unbegründet sind ferner die Angriffe der Revision, die sich gegen das Verbot der in den Klageanträgen zu 1 c) und d) genannten Behauptungen richten, pP^p-Vierkantrohre seien ungeeignet, da bei der Bank für der Schornstein zusammengestürzt und auch im Kloster ^PHHH^P ein mit P^p-Rohren ausgekleideter Schornstein eingestürzt sei. Hach der rechtsirrtumsfreien Würdigung des Berufungsgerichts hat die Beklagte diese Grenzen bei den in Rede stehenden beiden Behauptungen überschritten, wobei aus den noch zu erörternden Gründen zu ihren Gunsten unterstellt werden kann, daß sie hinreichenden Anlaß hatte, die größere Säure- und Hitzebeständigkeit sowie Druckfestigkeit ihrer Schornsteinauskleidung im Vergleich zu den P^J^-Steinen wahrheitsgemäß hervorzuheben„ Sie hat sich nicht damit begnügt, diese nachprüfbaren Vorteile sachlich darzulegen, sondern hat aus Wettbewerbsgründen den we it ergehenden, für die Klägerin höchst nachteiligen Eindruck erweckt, als sei die Unterlegenheit der P^^.-Steine ursächlich für die beiden Schornsteineinstürze« Eine Berechtigung dazu kann um so weniger anerkannt werden, als die Beklagte in Ermangelung genauer Kenntnisse über die näheren Umstände dar Schornsteineinstürze auf Vermutungen angewiesen war und keinerlei Notwendigkeit dafür bestand, das zu erwartende Urteil unbeteiligter Sachverständiger über die Ursachen der Einstürze vorv/egzunehmeuo Das Verbot kritisierender vergleichender Werbung beruht nach den zutreffenden Ausführungen des Berufungsgerichts gerade auch auf der Erwägung, daß der Mitbewerber sich kein Urteil über fremde Leistungen anmaßen soll, wenn die zu dem Vergleich stehenden Waren wegen ihrer verschiedenen Bewertungsfaktoren nicht ohne weiteres vergleichbar sind oder wenn wegen der Vielfalt der in Betracht kommenden Faktoren ein sachgemäßes Urteil selbst bei bestem Willen zur Objektivität auf Schwierigkeiten stoßt« Es kann daher im Streitfall dahingestellt bleiben, ob nicht - wie die Klägerin unter Vorlage von Untersuchungoberichten behauptet hatte - die beiden Schornstoineinotürze mit der Qualität der P^P^-Steine überhaupt nichts zu tun hatten und ob daher die Beklagte nicht sogar einen irreführenden Eindruck erweckt hat« a) Nach seiner Formulierung umfaßt dieser Antrag nur Angaben der Beklagten, wie sie in deren Schreiben an die Bank für enthalten sind, nicht also die mündlichen Äußerungen des Inhabers der Beklagten gegenüber den Zeugen und M^||^, da darin Angaben entspre- chend dem zweiten Ceil des Antrages überhaupt nicht vorkamen und im übrigen nicht ein bloßes allgemeines Werturteil abgegeben, sondern die bessere Qualität mit der höheren Säurebeständigkeit der B^^^-Auskleidung begründet worden war« Pie Antragsformulierung erfaßt aber auch nicht hinreichend konkret den Eindruck, den die erwähnten Schreiben hervorrufen» Denn diese Schreiben enthalten nicht etwa nur die in den Klageantrag aufgenommene Wendung, die von der Beklagten angebotene Schornsteinauskleidung sei weitaus besser und qualitätsmäßig hochwertiger, also suggestive Schlagwortc ohne sachliche Darlegungen, deren Verbreitung nach gefestigter Rechtsprechung selbst dann zu mißbilligen wäre, wenn an sich die Voraussetzungen für eine zulässige Befassung mit der Ware des Mitbewerbers vorlägen (vglQ die Urteile des Senats Ib ZR 14-6/61 vom 27* März 1963 ~ Brünierungsmittel; Ib ZR 67/63 vom 17a März 1965 - HD Öle; Ib ZR 106/65 vom 24o Mai 1967 - Ölfeuerungsanlagen)» Vielmehr faßt die Beklagte mit jener Wendung lediglich die in ihren Schreiben zuvor erörterten tatsächlichen Angaben zusammen, daß nämlich das von ihr verwendete Schamottmaterial nach Säurebeständigkeit und auch nach Druckfestigkeit und Hitzebeständigkeit erheblich überlegen sei, während "bei P^|^-Porms teinmaterial mit höherer Säurelöslichkeit ein Versofcten und Reißen des Kamins, ein Zersetzen des-Materials im öderen Karainteil und ein Zusammenfällen der dahinter liegenden Vermiculite-Isolierung beobachtet v;orden se:U Wäre aber die Verbreitung dieser tatsächlichen Angaben wettbewerbsrechtlich ’zulässig, dann erschiene das Verhalten der Beklagten nicht schon deshalb unlauter, weil sie über die Angaben tatsächlicher Art hinaus auch ein sich aus diesen Tatsachen zwangsläufig aufdrängendes Werturteil abgegeben hat (vgl, BG-HZ 50, 1, 7 - Pelzversand)» b) Bei der Prüfung der Frage, ob die Beklagte zur Verbreitung der beanstandeten Angaben berechtigt war, ist nach der Rechtsprechung des Senats davon auszugehen, daß ein Vergleich der eigenen Ware oder Leistung mit derjenigen eines Mitbewerbers dann als erlaubt angesehen wird, wenn - wie bereits angedeutet - hinreichender Anlaß dazu besteht und die Angaben sich nach Art und Maß in den Grenzen des Erforderlichen und der wahrheitsgemäßen sachlichen Erörterung halten (BGH GRUR 1962, 45, 48 - Betonzusatzmittel; BGHZ 42, 134, 147 - 20 ^ unter Richtpreis; GRUR 1966, 92, 94 - Bleistiftabsätze; BGHZ 49, 325, 329 ~ 40 $ können Sie sparen; BGHZ 50, 1 - Pelzversand)0 Bei der Prüfung, ob ein hinreichender Anlaß anzuerkennen ist, darf nicht schematisch allein darauf abgestellt werden, ob einer der in der Rechtsprechung bereits anerkannten Sonderfälle vorliegt <> Denn die Statthaftigkeit kann sich im Einzelfall aus dem Wesen des Wettbewerbs ergehen, der sich nach Möglichkeit auf die Werbung mit der Leistung als solcher beziehen soll, so daß es in einer Zeit, in der die Werbung mehr und mehr zu nicht nachprüfbaren, allgemein gehaltenen Angaben übergeht, nur erwünscht ist, wenn der Verbraucher durch sachbezogene Werbung wahrheitsgemäß aufgeklärt wird (vgl0 BGH G-RUR 1967 5 596, 598 - Kuppelmuffenverbindung; BGHZ 49, 325, 329) o Unterstellt man in Ermangelung gegenteiliger Feststellungen, daß die beanstandeten Angaben der Beklagten tatsächlich richtig sind, dann ist der Revision zusugeben, daß die Beurteilung des Berufungsgerichts den Besonderheiten des Streitfalles nicht ausreichend Rechnung trägt» Soweit das Berufungsgericht die vergleichenden Angaben über die bessere Qualität der Auskleidung im Gespräch mit dem Zeugen in seine Beurteilung einbezieht, hat es übersehen, daß der Inhaber der Beklagten in diesem Falle zu Wahrheits- und sachgemäßen Angaben über die höhere Säurebeständigkeit seines Materials deshalb hinreichende Veranlassung hatte, weil der Zeuge ihn befragt hatte, weshalb sein Angebot preislich.so hoch liege, während das von der Klägerin eingereichte1''Angebot billiger war» Insoweit greifen daher die Erwägungen ein, nach denen vergleichende Äußerungen als Antwort auf ein1. Die bisherigen Ausführungen des Berufungsgerichts vermögen sonach die Verurteilung der Beklagten gemäß Ziffo 1 a) des Klageantrages nicht zu tragen» Diesem Antrag könnte vielmehr nur dann entsprochen werden, wenn die zugrunde liegenden Angaben als unrichtig oder etwa deshalb als unsachlich und unnötig anzusehen waren, weil es bei den fraglichen Kaminen überhaupt nicht auf die von der Beklagten behaupteten Vorteile in Säure- und Hitzebeständigkeit sowie Druckfestigkeit angekommen sein sollte» Da in den Interessenbereich von Mitbewerbern nur mit nachweis bar wahren vergleichenden Angaben eingegriffen werden darf trifft die Eeweislast für die Richtigkeit der Angaben die Beklagte als diejenige, die sie verbreitet und damit die Verantwortung für deren Verläßlichkeit gegenüber dem umworbenen Verkehr übernommen hat» ist, und der Wahrscheinlichkeit, daß die Beklagte die zu dem Schadensersatz verpflichtende Handlung mehrfach begangen hato Zur Feststellung der Schadensersatzpflicht genügt es zwar, wenn infolge eines festgestellten schuldhaften WettbewerbsVerstoßes mit Wahrscheinlichkeit ein Schaden zu erwarten ist - sei es in Gestalt entgangenen Gewinns, sei es in Gestalt sonstiger Nachteile wie ZoB„ Aufwendungen zur Beseitigung einer Marktverwirrung -, wobei der Eintritt eines solchen Schadens im allgemeinen auch ohne nähere Darlegung zu vermuten sein wird, wenn das wettbewerbswidrige Verhalten einige Zeit lang öffentlich begangen worden ist» Ist aber der Beklagten für die Vergangenheit keine zu dem Schadensersatz verpflichtende Handlung nachgewiesen worden oder ist durch einen festgestellten Verstoß erwiesenermaßen leein Schaden verursacht worden, dann kann die Feststellung der Ersatzpflicht nicht damit begründet werden, daß weitere Verstöße wahrscheinlich seien0 Denn diese Feststellung setzt stets voraus, daß die Klägerin zu demindest eine schuldhafte Verletzungshandlung darlegt und beweist, die mit Wahrscheinlichkeit einen Schaden verursacht hat (vgl0 BGH GRÜR 1956, 265, 270 - Rheinraetall Borsig; insbeso das Urteil des Senats Ib ZR 106/65 vom 24o Mai 196?