BGH · I ZR 16/81
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Werbe- und Verkaufsveranstaltungen i» Rahmen von Schlußverkäufen, bei denen am Eröffnungstag zu Jeder vollen Stunde neue, nach Art, Menge und Preis im einzelnen gekennzeichnete Waren angeboten werden, sind weder nach den Bestimmungen der VO über Soamer-und Winter Schlußverkäufe noch nach § 1 UWG als wettbewerbswidrig zu beanstanden. Von Rechts wegen Tatbestand Die Klägerin, ein Bekleidungshaus, warb im Januar 1980 zu dem Beginn des WinterSchlußverkaufs für die von ihr aus diesem Anlaß geplante und durchgeführte Verkaufsveranstaltung mit einer vierseitigen Zeitungsbeilage, die neben anderen Werbehinweisen Ankündigungen über den zusätzlichen Verkauf von nach Art, Menge und Preis im einzelnen gekennzeichneter Damen-Oberbekleidungsstücke für jede volle Stunde des Eröffnungstages zwischen 7.00 Uhr und 18.00 Uhr enthielt ("ab 7.00 Uhr 150 sportliche Damen-Blusen jetzt nur 5,— DM", "ab 8.00 Uhr 60 Damen-Loden-mäntel in zwei verschiedenen Formen jetzt nur 90,— DM", Die Beklagte, eine Vereinigung zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs, hat diese Werbe- und Verkaufsaktion als VerstoB gegen § 1 der Anordnung betr. Auch die sonstigen Werbeaussagen der Zeitungsbeilage hielten sich im Rahmen des im Saison-Schlußverkauf üblichen und seien nicht geeignet, die Werbe- und Verkauf saktion der Klägerin als wettbewerbswidrig erscheinen zu lassen. 1. Zutreffend ist das Berufungsgericht davon ausgegangen, daß die beanstandete Werbe- und Verkaufsveranstaltung der Klägerin - bei der es sich nach den getroffenen Feststellungen um eine Veranstaltung im Rahmen eines Winterschlußverkaufs gehandelt hat - als Räumungsverkauf nicht den Vorschriften der AO betr. 2. Rechtsirrtumsfrei hat das Berufungsgericht ferner angenommen, daß das stündlich neue Anbieten von Waren am Eröffnungstag eines Saison-Schlußverkaufs und die darauf abstellende Werbung mit der Verordnung über Sommer- und WinterSchlußverkäufe vom 13.7.1950 nicht in Widerspruch stehen« Ein ausdrückliches Verbot solcher Veranstaltungen enthalten die Vorschriften dieser VO nicht« In Hinblick darauf, daß bei Saison-Schlußverkäufen - anders als sonst bei Räumungsverkäufen - das Vor- und Nachschieben von Waren nach §§ S Abs« 1 Nr« 1 und 9 UWG erlaubt ist, kann ein Verbot stündlich neuer Angebote im Rahnen von Saison-Schlußverkäufen den Vorschriften der genannten VO auch nicht nittelbar entnonnen werden« Es läßt daher keinen Rechtsfehler erkennen, wenn das Berufungsgericht das angegriffene Werbe- und Verkaufsverhalten der Klägerin nach den Vorschriften der VO über Sonner- und Winterschlußverkäufe nicht beanstandet hat« 3« Zutreffend hat das Berufungsgericht die Aktion der Klägerin auch nicht nach § 1 UWG als wettbewerbswidrig beurteilt« Nach den getroffenen Feststellungen kann weder von einem unlauteren psychologischen Kaufzwang noch von einer den Kaufentschluß in unzulässiger Weise beeinträchtigenden Belästigung des Käuferpublikums ausgegangen werden« Auch unter dem Gesichtspunkt übertriebenen Anlockens ist die Veranstaltung nach § 1 UWG nicht zu beanstanden. Nit Recht hat das Berufungsgericht insoweit die Gefahr einer unsachlichen Beeinflussung des Verkehrs und einer Beeinträchtigung des Leistungswettbewerbs verneint« Es ist nicht ohne weiteres wettbewerbswidrig, wenn der Kaufmann durch die Art und Weise der Gestaltung seiner Werbe- und Verkaufstätigkeit, auch soweit sich diese nicht auf die Qualität und Preiswürdigkeit seiner Waren bezieht, den Kunden zu bestimmen sucht, ihm den Vorzug vor seinen Mitbewerbern zu geben« Als unlauter zu mißbilligen ist ein solches Verhalten erst dann, wenn die Aufmerksamkeit der Kunden mit Mitteln geweckt wird, die zu von sachlichen Erwägungen nicht oder nicht hinreichend getragenen Kauf ent Schlüssen führen und damit zu einer Verfälschung des Leistungswettbewerbs zwischen dem Anbietenden und dessen Mitbewerbern (BGH GRUR 1974, 156, 157 = WRP 1974, 21, 22, 23 - Geld-Gewinnspiel; GRUR 1976, 250, 252 ** WRP 1976, 104, 106 - Preisgegenüberstellung II). Bei einer Werbe-und Verkaufsaktion wie hier werden die Entschließungs-freiheit der Kunden und die Absatzmöglichkeiten der Mitbewerber nicht stärker beeinträchtigt als bei einem -auch nach Auffassung der Revision wettbewerbsrechtlich unbedenklichen - Angebot sämtlicher in den Schlußverkauf einbezogener Waren vom Beginn der Veranstaltung an. Dem kann die Revision nicht mit Erfolg entgegenhalten, daß in der stündlichen Staffelung der Angebote eine willkürliche Manipulation der Art und Weise des Verkaufs liege, weil sie dazu führe, daß die Kaufinteressenten während des ganzen ersten Tages des Schlußverkaufs in den Geschäftsräumen festgehalten würden. lieber Waren vom Beginn des Schlußverkaufs an - hinsichtlich der ab 8.00 Uhr zu dem Verkauf gelangenden Artikel die Möglichkeit hat, zuvor die Angebote gleichartiger Waren von Mitbewerbern zu prüfen, und zwar auch dann, wenn er an mehreren Angeboten interessiert ist. Eine von derartigen Gegebenheiten und Erwägungen bestimmte Verkaufsaktion im Rahmen eines Schlußverkaufs, die den Leistungsvergleich zwischen den verschiedenen Anbietern jedenfalls nicht stärker beeinträchtigt als bei einem wettbewerbsrechtlich nicht zu beanstandenden Angebot sämtlicher Waren vom Beginn des Schlußverkaufs an, hat das Berufungsgericht mit Recht auch nach § 1 UWG nicht als unlauter angesehen. Werbeaussagen dieser Art sind, wie das Berufungsgericht mit Recht erkannt hat, nicht geeignet, die Kaufentscheidungen der Kunden im Rahmen von Saison-Schlußverkäufen sachwidrig zu beeinflussen oder das Publikum in wettbewerbswidriger Weise dem Werbenden zuzuführen.