BGH · I ZR 14/67
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
^B SP zur Eintragung in die Warenzeichenrolle des Deutschen Patentamtes an» Das Zeichen besteht aus einem Kreisring, in den von rechts unten nach links oben eine stilisiert wiedergegebene Hand hineinragt. Die Parteien streiten darüber, ob der Verkehr dieses Zeichen als eine besondere Ausgestaltung des Buchstabens "Q" ansieht» Die Anmeldung erfolgte für ein umfangreiches Warenverzeichnis, das Uo a» auch Zündwaren, Zündhölzer, Feuerwerkskörper, Rohrgcwobe, Dachpappen, Porzellan und Waren aus Ton umfaßte» Gegen diese Anmeldung hat die Klägerin unter Berufung auf die für 3ie eingetragenen Zeichen Nr» PBV und PB) PB Widerspruch erhoben» Der Widerspruch wurde von der Prüfungs-Stelle des Deutschen Patentamtes wegen fehlender Übereinstimmung der Streitzeichen mit Beschluß vom 13« Februar 1956 zurückgewiesen. enthalten die Kataloge der Beklagten außerdem auf jeder Seite neben der Seitenzahl in einem kleinen weißen Rechteck das Wort "QfllV mit dem so ausgestalteten Anfangsbuchstaben, Die Beklagte führt es ferner auf Warenrechnungen, Prospekten, Bestellscheinen, Adrcssenaufklcbern, einzelnen Waren und Warcnumhüllungen» Sie benutzt daneben ihr Zeichen Nr«, 9 in Werbeanzeigen und auf Werbedrucksachen auch in der eingetragenen Form» I, die Beklagte zu verurteilen, Io es bei Vermeidung einer für jeden Pall der Zuwiderhandlung festzusetzenden Geldstrafe in unbeschränkter Höhe zu unterlassen, Klosettgeräte, insbesondere Klosettsitze, Klosettbecken, Klosett-Bürstengarnituren, Klosett-Papierhalter, unter Verwendung eines Bildzeichens feilzuhalten, anzubieten oder in den Verkehr zu bringen, das eine ausgestreckte offene Hand in einem Kreis zeigt, in den sie von rechts unten schräg nach links oben hineingestreckt ist, -Sie hat behauptet, daß sich die mit der Klägerin im Verlauf des WiderSpruchsverfahrens getroffene Vereinbarung nur auf die Beschränkung des Warenverzeichnisses, nicht aber auch auf eine Beschränkung der Benutzung ihres Zeichens Nr» bezogen habe» Ihr Zeichen sei auch mit den Klage- Io Bas Berufungsgericht legt zunächst dar, daß die Klägerin den Unterlassungsanspruch nicht auf die mit der Beklagten getroffene Vereinbarung stützen könne» Biese habe sich auf die Löschung der beanstandeten Warengruppen im Warenverzeichnis bezogen, nicht aber habe Dich die Beklagte verpflichtet, das Zeichen für die umstrittenen oder gleichartigen Waren nicht zu benutzen« Biese Ausführungen liegen als Auslegung eines Individualvertrages auf tatrich-terlichem Gebiet und sind damit der Nachprüfung im Revisionsverfahren weitgehend entzogene Sie lassen keinen Rechtsfehler erkennen, die Revision erhebt auch insoweit keine Einwendungen«. IIo Die Verwechslungsgefahr zwischen den reinen Bildzeichen Nr« W und U der Klägerin und dem Zeichen der Beklagten verneint das Berufungsgericht mit folgenden Erwägungen: Die Klagezeichen erhielten ihr charakteristisches A.ussehen durch die natürliche Gestaltung einer geöffnet : ausgestreckten menschlichen Hand mit abstehendem Baumen« Ber Gesamteindruck des Zeichens der Beklagten werde dagegen durch die Verbindung der stilisierten Barstellung einer menschlichen Hand mit einem sie durchschneidenden und umfassenden Kreis zu dem bekannten Bilde des Buchstabens 5,QM bestimmt« Ber Verkehr werde daher das Zeichen der Beklagten auch nicht als bloßes Handzeichen werten und es weder so benennen, noch sich unter einer solchen Einordnung Eine eigene Kennzeichnungsfunktion stehe der stilisierten Handdarstellung dabei ebensowenig zu wie ihr etwa eine den Gesamteindruck bestimmende Bedeutung sugesprochen werden könne« Ihre asymmetrische Anordnung su den sie umlaufenden und durchschneidenden Kreis sei so auffällig und verleihe dem Zeichen gerade wegen dieser Zuordnung ein so eigenartiges einheitliches Erscheinungsbild, daß der Verkehr es als eine Einheit werten und nicht in die Bestandteile Hand und Kreis zerlegen werde« Bas gelte auch für die flüchtige Betrachtungsweise des Verkehrs ganz allgemein, Ber Eindruck als "Qu-Zeichen schließe eine Verwechslung unmittelbarer wie mittelbarer Art aus, Biese von der Revision angegriffene Beurteilung hält in Ergebnis der rechtlichen Nachprüfung stand. Zwar mag es bedenklich erscheinen, wenn das Berufungsgericht seine Beurteilung ohne Rücksicht auf die Benutzungslage allein auf die Erwägung stützt, der Verkehr werde das Zeichen der Beklagten im Gesamteindruck als UQ”-Zeichen betrachten und deshalb nicht mit den Handzeichen der Klägerin verwechseln. Gleichwohl besteht keine Verwechslungsgefahr, denn die Ansicht des Berufungsgerichts erweist sich jedenfalls dann als zutreffend, v/enn konkret auf die angesprochenen Verkehrskreise abgestellt und ferner die Feststellung herangezogen wird, daß der Verkehr durch die Art, wie die Beklagte ihr Zeichen benutzt hat, daran gewöhnt worden ist es als "Q"-Zeichen zu betrachten» Die Klägerin vertreibt ihre Waren in erster Linie an den Groß- und Einzelhandel für sanitäi’e Einrichtungen, wie sie auf S» 11 ihrer Beru~ fungsbegründungsschrift in Übereinstimmung mit der Beklagten vorgotragen hat» Da Fachkreise regelmäßig die Warenbezeichnungen auf ihrem Fachgebiet genauer beobachten und kennen, kann davon ausgegangen werden, daß die Gefahr von Verwechslungen auch hier von vornherein geringer ist, als bei flüchtig beobachtenden Endverbrauchern» Bei dieser Sachlage spricht viel dafür, daß schon die unterschiedliche Gestaltung der Zeichen der Verwechslungsgefahr ent-gegensteht» Denn die naruralistisehe Darstellung der waage rechten Hand mit dem abgespreizten Daumen und der Ärmel- manschette einerseits und die stilisierte Ausführung einer schräg nach oben gerichteten Hand, die von einem Kreis umgeben ist, sind für einen sorgfältigen Beobachter trotz des gleichen Grundmotivs im Gesamteindruck ausreichend unterscheidbare Entscheidend fällt dazu aber die schon vom Landgericht hervorgehobene Feststellung ins Gewicht, daß das Publikum durch die überwiegende Benutzung des Zeichens der Beklagten als Anfangsbuchstaben des Firmenbestandteils "QflIHD" daran gewöhnt worden ist, das Bildzeichen der Beklagten als besondere Ausgestaltung des Buchstabens "Q" zu verstehen sowie die weitere Feststellung, daß das so gestaltete Wort "OHP" sehr starke Verkehrsgeltung hat* Bas Berufungsgericht hat die starke Verkehrsgeltung des mit dem angegriffenen Zeichen verbundenen Wortes ~ von seinem Standpunkt aus folgerichtig - zwar nicht zur Begründung seiner Entscheidung herangezogen, doch hat es sich die dahingehende Feststellung des landgerichtlichen Urteils zu eigen gemacht, so daß diese im übrigen unbestrittene und durch die vorgelegten Kataloge belegte Feststellung in der Revisionsinstanz verwertet werden kann« Auch im Hinblick auf die Endabnehmer ist nach diesen Feststellungen die Verwechslungsgefahr zu verneinene Diesem Verkehrskreis besonders tritt das HQU-Zeichen in der Regel nicht in Alleinstellung, sondern nur im Rahmen des Kataloges entgegen, wo.es gewöhnlich in der Verbindung mit dem Wort erscheint„ Die Verkehrsbekanntheit des so geschriebenen Wortes "QfBP'1, davon kann nach den Feststellungen ausgegangen werden, rechtfertigt die Annahme, kraft dieser gewohnten Verbindung werde der Verkehr das Zeichen der Beklagten auch in Alleinstellung als ein ,,Q,,-Zeichen auffasceiio Sonach enthält die Beurteilung des Berufungsge- H®d”, die die Revision als nicht genügend berücksichtigt hervorhebto Die Kennseichnungskraft des Bildbestandteils "H*d" innerhalb des zusammengesetzten Zeichens kann zwar durch diesen Zusatz erhöht werden« Das ist aber für die Frage der Verwechslungsgefahr unerheblich da die angesprochenen Verkehrskreise das Zeichen der Beklagten nach den zutreffenden Ausführungen des Berufungsgerichts als uQn und nicht als Hand-Zeichen betrachten, Auch soweit die Revision Nichtanwendung des § 16 Abs» 1 UWG im Hinblick auf das Zeichen mit der Inschrift "M0 H®d" rügt, bleibt sie ohne Erfolg, da auch der Schutz aus dieser Vorschrift eine Verwechslungsgefahr vorauseetzto Diese hat das Berufungsgericht jedoch mit Recht, wie bereits ausgeführt, verneint.