BGH · I ZR 13/52
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Beklagten und Revisionsklägerin, - Prozeßbevollmächtigter % Rechtsanwalt gegen den Raufmann Y/erner in V^Bl Ur«^^ Haus B, Die Revision gegen das Urteil des 60 Zivilsenates des Oberlandesgerichts in Hamm vom 30* November 1951 wird auf Kosten der Beklagten zurückgewiesen. Er meint, er habe sich durch seinen Brief vom 12*10*1949 zwar mit einer Entschädigung von 1000 DM einverstanden erklärt, er habe aber einer Umstellung dieses Betrages auf 100 DM nicht zugestimmt0 Eine solche komme bei dem Uerte der mit den Koffern verloren gegangenen Sachen auch nicht in Frage* Die Beklagte vertritt demgegenüber den Standpunkt, dass die Sache durch die vergleichsweise Zahlung von 100 DM endgiltig erledigt daß sie zu einer höheren Zahlung* aber auch nicht verpflichtet sei, weil Entschädigungsforderungen für Reisegepäck gemäß § 85 EVO im Verhältnis von 10:1 umzustellen seien« Das Xandgericht in Münster hat die Beklagte durch das Urteil vom 28* Mai 1951 zur Zahlung von 900 DM verurteilt* Die Berufung der Beklagten ist durch das Urteil des Oberlandesgerichts in Hamm vom 30o November 1951 mit der Maßgabe zurückgewiesen worden, daß von den 900 DM 300 DM an den Rechtsanwalt Dr» JfHRi in gezahlt werden sollen* Gegen dieses Urteil richtet sich die Revision der Beklag-ten, die die Abweisung der Klage beantragt* Der IQä- Die Auffassung des Berufungsgerichts, daß ein Vergleich der Parteien auf eine Entschädigung von 1000 DM nicht zustandegekommen ist, gibt zu rechtlidrenAnsländaikeinen Anlaß* Es kann dahingestellt bleiben, ob die Beklagte bei der Zahlung der 100 DM die Absicht gehabt hat, durch diese. Zahlung die Schadensersatzansprüche des Klägers endgültig zu befriedigen* Bei sorgfältiger Prüfung hätte sie erkennen müssen, daß, der Sinn der Erklärung des Klägers vom 2*10*1948 keineswegs der war, daß er sich mit einem Schadensersatz von 100 DM zufrieden geben wollte* Aus der Wendung, daß der Kläger den Vergleichsvorschlag der Beklagten "vorerst" annehmen wollte, ging unzweideutig hervor, daß der Kläger die 100 DM nicht als eine endgültige Befriedigung seiner Ansprüche ansehen wolltec Auch aus der Frage, ob der Kläger bei einer "Stabilisierung des Gesetzes über die Sachwerte" Einspruch einlegen könne, ergab sich für die Beklagte und jeden Dritten, daß der Kläger sich weitere Forderungen Vorbehalten wollte* Die Bemerkung des Berufungsgerichts, das Schreiben des Klägers vom 12*10*1949 sei ein neues Angebot gewesen (RG JR 25 -Tr 5S1, 162, 177), das die Beklagte nur so habe annehmen können, wie es im Verkehr habe verstanden werden müssen, zeigt, daß es bei seiner Beurteilung auch von richtigen rechtlichen Gesichtspunkten ausgegangen ist* * , > ‘ ’■ Ob der Kläger durch die Erklärung vom 12*10*1949 auf einen 100 DM übersteigenden Schadensersatz verzichtet hat, braucht nicht entschieden zu werden, da der Kläger einen höheren Schadensersatz als 100 DM nicht mehr verlangt„ Dagegen ist aus Rechtsgründen die Auffassung des Berufungsgerichts nicht zu beanstanden« daß die Beklagte mit einem Schadensrahmen bis zu 1000 RM einverstanden sein wollte0 Es handelt sich also im wesentlichen nur noch um die Höhe der Umstellung« Für diese hat der Senat in seinem Urteil vom 12o Januar 1951 ausgesprochen, daß Schadenser-satzansprüche im allgemeinen der Währungsumstellung nicht unterlägen, weil sie gemäß § 249 BUB die Wiederherstellung des Zustandes zu dem Ziele hätten, der vor dem zu dem Ersatz verpflichtenden Ereignis bestanden habe und nicht auf Zahlung einer bestimmten Geldsumme gingen«, Wenn der Senat gleichwohl in dem genannten Urteil auf eine Umstellung von 10:1 erkannt hat, so hat er dies deshalb getan, weil aus den Vorschriften der §§ 85, SI EVO im Zusammenhang mit der Festsetzung von Höchstentschädigungen gefolgert werden kann, daß die EVO für Frachtgut nicht die Absicht verfolgt, dem Verlust-träger die Wiederbeschaffung der in Verlust geratenen Sachen zu ermöglichen, sondern ihm nur eine auf Grund allgemeiner wirtschaftlicher Erwägungen beschränkte Entschädigung hax gewähren wollen«, Zu diesem Zweck hat die EVO genaue Vorschriften für die Bewertung des Frachtgutes erlassen« Diese fehlen für die' Bewertung .des Reisegepäcks vollständig« Bei Reisegepäck ist die Bewertung des verlorenen Gutes vielmehr auf die Höhe des nachgewiesenen Schadens abgestellt«, Bei dieser Sachlage bestand kein Grund, von der Regel, daß Schadensersatzansprüche 1:1 umzustellen sind, abzuweichen« ”0b der Kläger durch die Erklärung vom 12* 10* 1949 auf einen 1000 DM (nicht 100 DM) übersteigenden Schadensersatz verzichtet hat, braucht nicht entschieden zu werden, da der Kläger einen höheren Schadensersatz als 1000 DM (nicht 100 DM) nicht menr verlangt”* * %