BGH · I ZR 11/55
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Gesetz* GebrMG § 1 Rechtssatzs Technische Vorteile eines Gebrauchsmusters können auch dann zur Begründung der Schutzwürdigkeit des Musters herangezogen werden, wenn sie in der Anmeldung nicht erwähnt sind, andererseits die dort erwähnten Vorteile nicht erreicht werden* Es ist nur erforderlich, daß die tatsächlich vorhandenen Vorteile für den Fachmann aus der angemeldeten Raumform ohne weiteres ersichtlich sind« IIIo Es wird festgestellt, daß die Beklagte der Klägerin zu dem Ersatz des Schadens verpflichtet ist, welcher der Klägerin durch Zuwiderhandlungen der Beklagten gegen das Unterlassungsgebot gemäß Ziffer I seit dem 15* Bezember 1954 entstanden ist«, 1951 für sie eingetragenen Gebrauchs^ musters No 1 626 224, für das sie Ausstellungspi*i©rität vom 29o April 1951 beanspruchte Das Gebrauchsmuster..betrifft eine Doppelantenne für Ultrakurzwellen und Mittel- oder Dangwellen« Während die letzt genannte Antenne aus einem senkrechten Stab besteht, ist die UKW-Antenne als Dipol ausgebildet, dessen beide Arme aus Gründen der Raumersparnis beiderseits gefaltet und einander zu einer fast geschlossenen geometrischen Figur in der Faltungsebene genähert sind® Die Stabantenne wird von dem gleichen »Sockel getragen wie der Dipol und steht mit ihr in derselben Ebene® Sie durchschneidet die von dem Dipol umschriebene Figur und verläßt sie durch den zwischen den Dipolarmen offen bleibenden Zwischenraum® es zu unterlassen, selbsttragende Pipolantennen herzustellen, in Verkehr zu bringen, feilzuhalten oder zu gebrauchen, deren Enden einander genähert sind und bei der beide Leiter in der Ebene der von ihnen gebildeten geometrischen Figur angeordnet sind und in dieser Ebene auch noch eine durch die neutrale Zone des Pipols geführte Stabantenne vorgesehen ist, Io) Faltdipcl-Stab-Antennen-Kombination, dadurch gekennzeichnet, daß die Faltungsbögen der freitragend ausgebildeten Leiter des Faltdipols in der Faltungsebene zusammengeführt sind und die gleichfalls in der Faltungsebene liegende, vom Haltekörper des Faltdipols, ausgehende gerade Stabantenne zwischen den Faltungsbögen hindurchtritt« es zu unterlassen, selbsttragende Faltdipol-Antennen mit einander genäherten Enden in Verkehr zu bringen, feilzuhalten oder zu gebrauchen, bei denen die Leiter in der Ebene der von ihnen gebildeten geometrischen Figur angeordnet sind, in welcher Ebene auch noch eine durch die neutrale Zone des Pipols geführte und am Verbindungsstück der Faltdipolbögen befestigte, vom Dipolfuß ausgehende Stabantenne ungeordnet ist« Faltdipols in dieser Ebene 2asammengeführt sind und daß die gleichfalls in dieser Ebene liegende vom Haltekörper des Faltdipols ausgehende gerade Stabantenne zwischen den Faltungsbögen hindurch- Aber die Zulässigkeit einer möglicherweise von der Be-#* klagten beabsichtigten Iiöschungsklage vor den Verwaltungsgerichten haben diese, nicht aber die ordentlichen Gerichte zu entscheiden» Im vorliegenden Verletzungsstreit kann sich nur die Frage erheben, ob die mit der Entscheidung befaßten Gerichte jgemäß § IT Hatz 3 GebrMG an die Entscheidung des Beschwerdese-'nats über die Schutzfähigkeit des Gebrauchsmusters gebunden sind oder ob gemäß § 11 Satz 2 GebrMG eine Aussetzung des Rechtsstreits notwendig ist» Beide Fragen brauchen nicht entschieden zu werden, da der Senat - wie noch äuszuführen sein wird - das Gebrauchsmuster der Klägerin in Übereinstimmung mit dem Patentamt für rechtswirksam hält«. II« Io) An der Schutzfähigkeit und Schutzwürdigkeit des Gebrauchsmusters der Klägerin hat der Senat - wie gesagt -keinen Zweifel« Sie wird nicht dadurch in Frage gestellt, daß die Elemente der geschützten Kombination vorbekannt sind© die im Rahmen der Nachprüfung der Schutzwürdigkeit unzulässig wäre (vgl Pietzcker, Kommentar zu dem Patentgesetz Anm 66-68 zu § 1)o Diese Gesichtspunkte sind aber in dieser Strenge auf das Gebrauchsmuster nicht anwendbar* Die Beschreibung des Gebrauchsmusters dient nicht sc ausschließlich der Abgrenzung des Gegenstandes der Erfindung wie der durch die Passung der Ansprüche und der Beschreibung bestimmte Inhalt der Patentschrift Der Erfindungsgedanke wird vielmehr im wesentlichen durch die angemeldete Raumform selbst verkörpert und der übrige Text der Beschreibung hat mehr die Aufgabe einer Erläuterung dieser Raumform« Zeigt also die offenbarte Raumform als so 1 che** dem von ihr angesprochenen Fachmann bereits ohne besondere schriftliche Hervorhebung und ohne erfinderisches Bemühen technische Vorzüge gegenüber dem Stande der Technik, so bestehen keine Bedenken dagegen, solche Vorzüge an Stelle anderer erstrebter, aber nicht erreichter Vorzüge zur Begründung der Schutzfähigkeit heranzuziehen, mögen dadurch auch Aufgabe und Lösung eine gewisse Abwandlung erfahren. Von diesem Gesichtspunkt hat sich das Berufungsgericht leiten lassen und eine hin-'refchende Erkennbarkeit der Verpaöküngs- und Lage rungs vor teile bei der angemeldeten Raumform festgestellti Diese Vorteile sind ausreichend, um eine Schutzfähigkeit der in Anspruch genommenen Kombination zu begründen« Damit ist das von der Re- ^ vision geltend gemachte Bedenken einer unzureichenden Offenbarung der technischen Lehre hinfällig« Die weiteren von der Revision geltend gemachten Zweifel an der Zulässigkeit der Passung der Schutzansprüche betreffen angebliche Mängel des vor angegangenen Löschungsverfahrens, das der Nachprüfung der ordentlichen Gerichte nicht unterliegt* Sie hätten vielleicht für die Priorität des Schutzes von Bedeutung sein können, wenn sich der Stand der Technik bis zu der neuen Passung der' Schutzansprüche verändert hätte« In dieser Richtung hat aber die Beklagte nichts vorgebracht« Bas Berufungsgericht konnte deshalb von einer Fassung der Schutzansprüche ausgehen, die keinen Unterschied zwischen der Verwendung hohler oder massiver Leiter für die Antennenteile macht« Bei dieser Sachlage kann dahinstehen, ob die vom Berufungsgericht in diesem Punkte gegebene Hilfsbegründung zutrifft, die sich auf die Äquivalenz hohler und massiver Leiter stützt« Denn die Verletzungsform der Beklagten'fällt ohne weiteres in den neu umschriebenen Schützbereich des Gebrauchsmusters« Eie Revision beanstandet zu Unrecht, das Berufungsgericht habe bei dieser Prüfung die vorbekannte Käthrein^Antenne unberücksichtigt gelassen« Sie ist in diesem Zusammenhang in der Urteilsbegründung zusammen mit der Wireless-World-Äntenne als vorbekannt erwähnt und auch die Ausführungen des Urteils zur Heuheit der Klagekombination lassen keinen Zweifel daran, daß das Berufungsgericht derartige in der Faltungsebene aufgebogene Dipole als vorbekannt angesehen hat® Bas Berufungsgericht ist sich beuwßt, daß es nach dem Vorgang der Blaupunkt-Antennenkombination nicht allzu ferne gelegen habe, an Stelle des dort neben der Stabantenne verwendeten gestreckten Dipols einen ebenfalls bekannten auf gebogenen Dipol zu verwenden« Wehn es trotzdem eine für ein Gebrauchsmuster ausreichende erfinderische Leistung annimmt, so können hiergegen vom Rechtss'tandpunkt aus Bedenken nicht erhoben werden. III« Damit hat das Berufungsgericht dem Unterlassungsanspruch der Klägerin zu Recht stattgegeben« Dieser Teil des Urteils ist; lediglich nach Maßgabe des inzwischen neu gefaßten Schutzanspruches neu formuliert worden Bagegen mußte der Revision der Beklagten insoweit stattgegeben werden, als die Rechnungslegungs- und Schadens-ersatzansprüche auf die Zeit seit dem Bekanntwerden der Ge- brauchsmustereintragung erstreckt worden sind« Voraussetzung beider Ansprüche ist ein Verschulden der Beklagten« Sie konnte bei dem festgestellten Stande der Technik, insbesondere angesichts des Vorbekanntseins sämtlicher Elemente der Kombination und der Zweifelhaftigkeit der yon ihr yerfolgten elektrischen Vorzüge begründete Zweifel an der Schutzfähigkeit des Ge-brauchsmusters hegen* Biese Zweifel wurden durch die Entscheidung des Bandgerichts bestärkt« An dem ersten Böschungsver-fahren vor dem Patentamt war sie nicht beteiligt« Sie konnte daher nicht beurteilen, ob bei diesem Böschungsverfahren alle gegen die Schutzfähigkeit des Gebrauchsmusters sprechenden Umstände ordnungsmäßig geltend gemacht worden waren« Infolgedessen bedeutete es keine Fahrlässigkeit der Beklagten, wenn sie sich auch durch das Ergebnis dieses ersten Böschungsverfahrens von der Benutzung der Verletzungsform noch nicht abhalten ließ« Bas wurde erst anders, nachdem das Berufungsgericht am 15« Bezember 1954 mit eingehender Begründung der Klage stattgegeben hatte* Angesichts dieses Urteils mußte ^ die Beklagte damit rechnen, daß ihre Verletzung des Gebrauchs-' musters rechtswidrig war« Erst ein über diesen Zeitpunkt hinaus fortgesetzter Gebrauch war schuldhaft und begründet Schadensersatzansprüche der Klägerin«