BGH · I ZR 264/52
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Beklagte hat um Klageabweisung gebeten und bestritten, dem Kläger über die Verwendungsmöglichkeiten der Platten Zusicherungen gemacht zu haben» Weiterhin hat er den Platten innewohnende Mängel bestritten, im übrigen aber sich darauf berufen, daß mit Rücksicht auf die erst am 16o August 1949 erhobene Klage alle Gewährleistungsansprüche aus Lieferungen vor dem 16» Februar 1949 gemäß § 477 BGB verjährt seien» Nach diesem Zeitpunkt sei nur noch eine Lieferung im Werte von 1»102,50 DM erfolgt» Auch dieser, so meint die Revision, kaufe und verkaufe in eigenem Namen und schließe dennoch kein Eigengeschäft ab« Die Revision verkennt, daß ein Kommissionär, der im eigenen Namen kauft und verkauft, diese Geschäfte für Rechnung eines andern tätigt« Der Annahme, daß letztere Voraussetzung hier vorliege, steht bereits die vom Berufungsgericht hervorge-hobene' Bestimmung des § 3 des Vertrages entgegen, Wonach Käuferin der Platten die Klägerin und der Weiterverkauf allein ihre Sache sein soll«, Der Hinweis der Revision auf § 2 des Vertrages, in dem als Aufgabe des "Generalvertreters" u«a« der Verkauf aller einschlägigen Durolith-Erzeughisse vorgesehen, der Kläger auch einer Bezirkseinteilung sowie festgesetzten Verbraucherendpreisen unterworfen ist, vermag eine andere Beurteilung ebensowenig zu rechtfertigen, wie das in § 3 ausgesprochene Verbot einer selbständigen Änderung des Verbraucherendpreises oder das in § 5 festgelegte Recht der Beklagten auf fristlose Kündigung und die vereinbarte IConkurrenzklausel« Alle diese Bestimmungen stehen der Annahme eines Eigengeschäfts nicht entgegen» Aus dem Wort "Generalvertreter" allein kann nichts geschlossen werden; denn dieses Wort stellt überhaupt keinen rechtstechnischen Begriff dar (RGZ 46, 121 /I2475 Ackermann in Aber auch Eigenhändler werden in diesem weiteren Sinne im Handelsverkehr als ’’Generalvertreter1’ bezeichnet» Y/enn sich ein sogenannter Alleinvertreter durch einen Dauerlieferungs-Vertrag mit einem Fabrikanten den alleinigen Vertrieb der Y/aren für einen bestimmten Bezirk insoweit sichert, als er die Fabrikate für eigene Rechnung und in eigenem Namen kauft und weiterverkauft, ist er nicht Handelsvertreter, sondern Eigenhändler (Würdinger in RGRKomm z HGB § 84 Anm 1)» Es bedarf somit jeweils einer Prüfung der Umstände des Einzelfalles, welche rechtliche Eigenschaft der von den Parteien gewählten Bezeichnung zukommt (Staub, 14« Aufl § 84 HGB Anm 8) Die zitierten Bestimmungen der §§ 2, 3 und 5 zeigen nun zwar, daß der Beklagte zur Erleichterung des Absatzes seiner Platten sich de& PYlägers hat bedienen wollen, und daß er sich dabei Vorbehalten hat, Einfluß auf den Y.eitervertrieb der von ihm hergestellten Y/aren in einem gewissen Umfange zu behalten» Hiei’aus folgt aber nur, daß Gegenstand des Vertrages nicht die Regelung der einzelnen von dem Kläger abzuschließenden Verträge war, vielmehr der Vertrag als Grundlage für den gesamten, in Zukunft abzuwickelnden Geschäftsverkehr dienen sollte» Angesichts der engen Interessenverknüpfung, die sich aus dem Vertrage in seinem Gesamtinhalt ergibt, mögen in ihm auch gesellschaftsähnliche Züge gefunden werden oder auch dem Agentur- und Dienstvertrag verwandte Bestimmungen enthalten sein (RGZ 65? 37)- V/esentlich ist für die vorliegende Streitfrage allein, daß der Kläger nach der eindeutigen Bestimmung des § 3 nicht, nur dazu beitragen sollte, unter im einzelnen bestimmten Voraussetzungen und von dem Beklagten geforderten Zusicherungen den Vertrieb der Platten zu erleichtern, sondern daß es ihm obliegen sollte, auch einen Teil des Ge- scliäftsrisikos zu tragen (Rehm in LZ 1916, 369)«, Nach der I genannten Bestimmung hat sich der Beklagte gerade nicht da- I mit zufrieden gegeben, daß der Kläger die Platten an einen I Dritten in eigenem Namen, aber auf Rechnung des Beklagten oder etwa im Namen des Beklagten verkaufte* Als Käufer der Platten sollte vielmehr hiernach der Kläger auftreten und der Weiterverkauf war allein seine Sache, wobei ihm die Differenz zwischen dem Fabrik- und Verbraucherendpreis zu-fiel«, Diese bei einem ’’Generalvertretungs-Vertrag” keineswegs unübliche Regelung (WuR aaO S 33) schließt aber auch die Annahme der Revision aus, daß in Y/ahrheit ein Kommission Verhältnis vorliege«, Insoweit beruft sich die Revision auch zu Unrecht auf die Entscheidung RGZ 110, 119 ff*» Zwar war in jenem Fall entgegen der Auslegung der Vorinstanzen der in Frage stehende Vertrag nicht als Kaufvertrag, sondern als Kommissionsvertrag ausgelegt worden* Das Reichsgericht ist jedoch zu seiner Entscheidung nur unter Würdigung der Besonderheit des Streitfalls gelangt und hat ausdrücklich betont, daß es jedesmal einer genauen Prüfung der Umstände des Falles bedürfe, die es von den Vorinstanzen als nicht genügend berücksichtigt angesehen hat* Nach alledem unterliegt die Annahme des Berufungsgerichts, für die hier in Betracht kommenden Ansprüche sei der Kläger als Käufer zu behandeln, keinen rechtlichen Bedenken« Das Berufungsgericht bezeichnet es mit Recht als nicht zweifelhaft, daß der Kläger Ansprüche auf angebliche Sachmängel geltend mache, da er behaupte, die Platten seien weder zur Wand- und Fassadenbekleidung noch als Bodenbelag geeignet* Die weiteren Ausführungen des Berufungsgerichts, daß auch das behördliche Verbot der Verwendung der Platten einen Sachmangel begründe, jedoch hier außer Betracht bleiben könne, da es unstreitig erst nach der. Diese Voraussetzungen liegen jedoch im Streitfälle deswegen nicht vor, weil zu dem maßgeblichen Zeitpunkt noch völlig dahinstand, ob und gegebenenfalls in welchem Umfange ein Verbot jemals ausgesprochen werden würde* Aus dem - von der Revision als nicht berücksichtigt gerügten (§ 286 ZPO) -Schreiben des Regierungspräsidenten in Düsseldorf vom 12» februar 1949 ergibt sich, daß selbst zu dieser Zeit die Frage der weiteren Zulässigkeit des Vertriebs der von dem Beklagten hergestellten Plätten noch überprüft wurde und daß ein Verbot der Verwendung dieser Platten mit einem Schwefelgehalt von weniger als 50 i Schwefel noch nicht erlassen worden war* Erst auf Grund des Erlasses des Ministers für Wiederaufbau vom 26* Oktober 1949> der sich seinerseits aufeine Empfehlung des landessachverständigenausschusses für neue Baustoffe und Bauarten stützte, ist das durch einen früheren Runderlaß ausgesprochene Verbot schwefelgebundener Platten einer anderen Firma jedenfalls grundsätzlich auf alle- gleichartigen und ähnlichen Erzeugnisse ausgedehnt worden Dieses Verbot beruhte also auf einer Ermessensentscheidung des zuständigen Ministeriums* das ursprünglich die Genehmigung zui Produktion der Platten auf Grund eines Schreibens des Beklagten vom 14o Juni 1948 selber erteilt hatte- In einem solchen Fall kann aber auch von einem zur Zeit des , Gbfahrüberganges auch nur 11 im Keime” vorhanden gewesenen Mangel der Platten nicht die Rede sein« Die bloße Mög2-ichkeit? Auch die weitere Rüge der Revision, das Berufungsgericht habe die von ihm bejahte Verjährung der Ansprüche wegen Sachmangels und Schadensersatzes schon deswegen nicht annehmen dürfen, weil der Beklagte die Mängel der Platten arglistig verschwiegen habe, somit die Voraussetzungen für die sechsmonatige Verjährungsfrist nach ausdrücklicher Vorschrift des § 477 BGB überhaupt nicht gegeben seien, ist nicht gerechtfertigt- Das Berufungsgericht hat erwogen, daß es sich bei den in Präge stehenden Platten um ein Surrogat aus der Zeit unmittelbar nach der Währungsreform gehandelt habeEs sei ein Versuch gewesen, so meint das Berufungsgericht, den damaligen Mangel an Platten auszugleichen und sich nutzbar zu machen- Auch hätten größere Erfahrungen in der praktischen Verwendbarkeit der Kunststoffplatten nicht bestanden- Wie sich insbesondere aus der Aussage des Zeugen D^||A ergebe, sei alles dies dem Kläger bekannt gewesen- Auch habe die Beweisaufnahme ergeben, daß der Beklagte bei den Vertreterbesprechungen offen erklärt habe, er sei sich selbst über die Verwendungsmöglichkeiten der von ihm hergestellten Platten noch nicht im klaren und habe also bei diesen Besprechungen gerade einen Austausch der Erfahrungen erst herbeizuführen gesucht- In dieser Weise verfahre aber ein Lieferant nicht, der seinen Abnehmer über die Eigenschaften und die Verwendbarkeit der Platten arglistig täuschen wolle« Die Revision beruft sich demgegenüber unter Hinweis auf § 286 ZPO auf die Aussagen der Zeugen Ehefrau des Klägers und Fries und meint, daß aus diesen Aussagen die ausdrückliche Zusicherung des Beklagten bzw„ seines Vertreters gefolgert werden müsse, die Platten seien wie keramische Platten zu verlegen und seien witterungs- und säurefest« Biese Einwendungen richten sich jedoch nur gegen die BeweisWürdigung und sind daher der Nachprüfung durch das Revisionsgericht nicht zugängliche Ein Grund zu der Annahme, daß das Berufungsgericht die Aussagen der von der Revision genannten Zeugen, die im übrigen nur sehr unbestimmte Angaben gemacht haben, zu dem überwiegenden Teil auch bei den entscheidenden Verhandlungen überhaupt nicht oder jedenfalls nur ganz gelegentlich anwesend waren, etwa übersehen hat und die Auffassung des Berufungsgerichts prozeßwidrig zustande gekommen ist, besteht nicht* Platten für Fassadenverkleidung bestätigt haben« Da das Berufungsgericht insoweit jedoch eine nur zusätzliche Erwägung an^estellt hat, die seine Entscheidung keinesv/egs allein trägt, konnte auch die gegen diese irrige Annahme des Berufungsgerichts gerichtete Rüge der Revision keinen Erfolg haben* Nach den Feststellungen.des Berufungsgerichts fehlt es an dem Nachweis des beweispflichtigen Klägers, daß der Beklagte ihm die Mängel arglistig verschwiegen hat« Biese für die Entscheidung allein wesentlichen Feststellungen lassen einen Verstoß gegen § 286 ZPO nicht erkennen und werden nicht von der weiteren Frage berührt, ob dem Beklagten im übrigen seitens des Berufungsgerichts zugestanden werden durfte, er habe seine Unkenntnis über die.Ver- 234 /ß3#7) * Das Berufungsgericht hat jedoch insoweit nur das Schreiben des Beklagten vom 29- März 1949 geprüft und allein aus ihm gefolgert, daß der Beklagte hiernach nur Erfahrungen über das Haften der Platten habe sammeln wollen und ebenso wie der Kläger bestrebt gewesen sei, die Platten in jeder Beziehung zu erproben und zu verbessern. fertigt sein, daß das Berufungsgericht von einer Prüfung des gleichfalls von dem Kläger vorgetragenen Falles Sa^pm abgesehen hat, da der Kläger jedenfalls in dem Schriftsatz vom 25* Januar 1950 Seite 4 selber vorgetragen hat, daß der Beklagte sich dort auf den Standpunkt gestellt habe, der Fehler liege daran, daß sich unter den verlegten Platten aus dem Untergrund Gase gebildet hätten, so stellt es doch einen Verstoß gegen § 286 ZPO dar, wenn das Berufungsgericht nicht im übrigen zu dem gekennzeichneten Vortrag Stellung genommen und die angetretenen Beweise nicht erhoben hat* Trifft es zu, daß der Beklagte sich in der von dem Kläger behaupteten Weise verhalten, insbesondere auch auf die erhobenen Mängelrügen kostenlose Ersatzlieferungen vorgenommen hat, so kann jedenfalls die nur auf das Schreiben vom 29* März 1949 gestützte Begründung des Berufungsgerichts nicht ausreichen, um ein Anerkenntnis im Sinne des § 208 BGB und damit eine Unterbrechung der Verjährung schlechthin auszuscheiden* ' In jedem Fall hätte das Berufungsgericht unter Berücksichtigung dieses Vortrages des Klägers auch die Voraussetzungen des § 639 Abs 2 BGB prüfen müssen« Nach ständiger höchstrichterlicher Rechtsprechung (RGZ 96, 267; 128, 211 £2*13^; 3GHZ vom 14* Oktober 1952 Lindenmaier-Köhring § 639 BGB Nr 1) ist die für den Werkvertrag gegebene Vorschrift des § 659 Abs 2 BGB auch auf den Kaufvertrag entsprechend cnzuwenden* Es ist demnach, wenn sich der Verkäufer im Einverständnis mit dem Käufer der Prüfung des Vorhandenseins^ oder der Beseitigung des Mangels unterzieht, die Verjährung jedenfalls solange gehemmt, bis der Verkäufer dem Käufer gegenüber den Mangel für beseitigt erklärt oder die Fortsetzung der Beseitigung verweigert* Der Vortrag des Klägers und die von ihm angetretenen Beweise boten Veranlassung, den Sachverhalt auch unter diesen Gesichtspunkten zu prüfen* Schließlich hat das Berufungsgericht sich nicht mit dem von dem Kläger geltend gemachten Einwand der gegenwärtigen Arglist gegen die Einrede der Verjährung ausreichend auseinandergesetzt * Es ist seit langem anerkannt (RGZ 115, 135 /T377), daß die Geltendmachung der Verjährungseinrede dann nicht mit den Grundsätzen von Treu und Glauben vereinbar ist, wenn der Schuldner den Gläubiger durch sein Verhalten von der rechtzeitigen Erhebung der Klage abgehalten hat, ohne daß ihn eine dahingehende Absicht geleitet zu haben braucht. Insoweit würde es auch ausreichen (RGZ aaO S 138), daß der Kläger in dem Schuldner den Glauben erweckt hat, ein Rechtsstreit werde nicht erforderlich werden, da eine volle Befriedigung oder jedenfalls eine Einigung mit erträglichem Ergebnis erzielt werden könne* Infolge der getroffenen vertraglichen Regelung bestand, wie bereits oben hervorgehoben, eine enge Verknüpfung der Interessen beider Parteien, aus der sich für sie in besonderem Maße Treue-und Sorgfaltspflichten ergaben* Gerade mit Rücksicht auf diesen Charakter der eingegangenen Beziehungen hätte das Berufungsgericht im Rahmen des § 242 BGB den Vortrag des Klägers dahin prüfen müssen, ob das behauptete Verhalten des Beklagten dem Kläger einen Grund zu der Annahme bieten konnte, der Beklagte werde sich nicht auf eine etwaige. Im übrigen hatte sich der Beklagte in § 4 Abs 2 des Vertrages für den Fall, daß der Kläger nicht genügend Aufträge einholen würde, ausdrücklich das Recht Vorbehalten, noch weitere Vertreter in den dem Kläger zugewiesenen Bezirken zu bestellen«, Er hatte also hierdurch den Kläger selber veranlaßt, möglichst zahlreiche Einkäufe vorzunehmen, um nicht Gefahr zu laufen, seine Bezirke mit andern Vertretern teilen zu müssen* Bas Berufungsgericht hätte sich zunächst mit diesen vorgetragenen Umständen auseinandersetzen und gegebenenfalls die angetretenen Beweise erheben müssen, bevor es eine eigene Arglist des Klägers bejahte, Aus den hervorgehobenen Gründen ist die Aufrechterhaltung des Berufungsurteils mit seiner bisherigen Begründung nicht möglich, Sollte das Berufungsgericht bei der erforderlichen erneuten Prüfung zu dem Ergebnis kommen, daß die Voraussetzungen des § 208 BGB-und des § 639 Abs 2 BGB zu bejahen sind, oder daß der Verjährungseinrede jedenfalls der Einwand der Arglist entgegensteht, so wird es weiterhin festzustellen haben, ob unter Berücksichtigung der Unterbrechung oder der Hemmung' der Verjährung bzw* des durch das Verhalten des Schuldners nach verständigem Ermessen gebotenen Aufschubs die Klage rechtzeitig erhoben worden ist* Bejahendenfalls würde zu prüfen sein, ob Mängel der Platten, für die der Beklagte einzustehen hat, Vorgelegen haben und ob die Mängel hinsichtlich der gelieferten Platten rechtzeitig gerügt wor-deft sind« Feststellungen hat das Berufungsgericht, von seinem Standpunkt aus zu Recht, insoweit bisher nicht getroffen«