BGH · I ZR 235/55
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
der es jedoch infolge der gegen die Juden gerichteten Maßnahmen des nationalsozialistischen Regimes an seinen Angestellten Ne®-®|® veräußern mußteo Mit Ne®®|® hat der Kläger nach dem Zusammenbruch am 31o Dezember 1945 einen Vertrag geschlossen, durch den das "gesamte Gesellschaftsvermögen einschließlich seiner Miet- und Pachtrechte am Grundstück und Gebäude" auf ihn übertragen und Ne®®|® als stiller Gesellschafter in die neu gegründete Gesellschaft aufge-nommen wurde„ Der Kläger trat nach diesem Vertragsabschluß ir nach außen als Inhaber und Geschäftsführer des Filmtheaters aufo Las im Kriege stark beschädigte Theater, um dessen Wiederaufbau sich der Kläger nach dem Zusammenbruch bemüht hatte, wurde nach dem Einmarsch der alliierten Truppen gemäß Gesetz 52 der Militärregierung unter Treuhandverwaltung gestellt® Im Dezember 1946 wurde es zwecks Vorführung englischer Filme von der Besatzungsmacht beschlagnahmte Von Februar 1950 ab wurde es teilweise für deutsche Besucher freigegeben und steht seit dem Jahre 1952 wieder der Benutzung des deutschen Publikums zur freien Verfügung,, lungen, zu denen auch der Wirtschaftsverband der Filmtheater hinzugezogen wurde, erklärten sich die Beklagten und die Streitverkündeten bereit, die erforderlichen Reparaturkosten als verlorenen Zuschuß zu zahlen« Durch Schreiben des Senior Finance Officer vom 16« Februar 1951 bestätigte daraufhin die Militärregierung ihre schon kurze Zeit vorher gegebene mündliche Anordnung, nach der die Reparaturen durchgeführt werden sollten, unter der Voraussetzung, daß hierdurch keine Verpflichtungen für den Eigentümer entständen« Der Kreisbeauftragte für gesperrtes Vermögen beauftragte einen Architekten mit der Durchführung der erforderlichen Instandsetzungsarbeiten und hob in seinem Auftragsschreiben hervor, daß sich die Besitzer der im einzelnen genannten Theater, su denen auch das Burgtheater, also die Beklagte, gehörte, zur Übernahme der Kosten bereiterklärt hätten« Der Kläger widersprach unter Androhung von Schadensersatzansprüchen den Geldgebern gegenüber wegen der von ihnen zugesagten Zahlungen« Die Arbeiten wurden trotzdem auf Kosten der Beklagten und der Streitgehilfen durchgeführt« I« I® .Das Berufungsgericht hat die rechtlichen Voraus-' Setzungen des auf § 826 BGB, § 1 UnlWG gestützten Klageanspruchs im wesentlichen mit der Begründung geleugnet, die Militärregierung und ihr folgend die zuständigen Behörden der Verwaltung für gesperrte Vermögen bis herunter zu dem Jeweiligen Treuhänder hätten die Geldhergabe durch die Beklagte und die Streitgehilfen sowie den Umbau des Kinos gebilligt und die Durchführung des gesamten Planes sowohl nach der finanziellen wie der bautechnisehen Seite angeordnet* Die Zustimmung der nach dem Militärregierungsgesetz Nr 52 eingesetzten Treuhänder müsse der Kläger, so führt das Berufungsgericht aus, ebenso gegen sich gelten lassen wie Jeder andere Vermögensinhaber, der an der Ausübung seiner Rechte durch einen Testamentsvollstrecker, einen Konkursverwalter Uo ä0 beeinträchtigt werde* Ns könne dahingestellt bleiben, ob und welche Regreßansprüche dem Vermögensinhaber* etwa gegen die Treuhänder zuständen« Jedenfalls könne unter den gegebenen Umständen von einer sittenwidrigen Handlungsweise der Beklagten nicht die Rede sein© 2« Der Revision ist zuzugeben, daß die Auffassung des Berufungsgerichts insoweit rechtlichen Bedenken unterliegt, als sie sich darauf stützt, der eingesetzte Treuhänder Löflp und sein zeitweise bestellter Vertreter Hei^^ hätten der Geldhergabe durch die Beklagte und die Streitverkündeten zugestimmto Diese Zustimmung folgert das Berufungsgericht daraus, daß der englische Stadtkommandant Oberst Cogwill in der entscheidenden Sitzung vom 23® Januar 1951, bei der außer dem Genannten auch der Bezirksbeauftragte sowie der Kreisbeauftragte für gesperrte Vermögen zugegen gewesen Dem Berufungsgericht ist zwar darin zuzustimmen, daß für die Annahme einer Zustimmung nicht eine ausdrückliche Erklärung notwendig gewesen wäre, soweit sich aus den übrigen Umständen das Einverständnis der Treuhänder mit den getroffenen Maßnahmen ergeben haben würde« Für eine Würdigung des Verhaltens der Treuhänder in dieser Richtung wäre aber nur dann Raum gewesen, wenn den Treuhändern tatsächlich ein Entscheidungsrecht zugestanden hatte und sie von diesem Recht hätten Gebrauch machen können« Das nimmt aber das Berufungsgericht ersichtlich selbst nicht an« Denn es führt zutreffend aus, daß die Treuhänder gemäß Art III MRG Nr 52 an die Weisungen der Militärregierung gebunden gewesen seien und man sie als "Befehlsempfänger" der Militärregierung bezeichnen könne« War ihre Rechtsstellung aber in dieser Weise beschränkt, so kann die bloße Tatsache, daß von den Treuhändern kein ausdrücklicher Widerspruch erfolgt ist oder sie nicht in irgendeiner erkennbaren Form ihre Mißbilligung zu dem Ausdruck gebracht haben, niemals genügen, um in diesem negativen Verhalten eine positive Die Revision glaubt, den Verstoß der Beklagten gegen die guten Sitten darin sehen zu sollen, daß sie durch die Hergabe der Gelder den Betrieb der äen weiteren Zugriff der Besatzungsmacht geeignet gemacht und die Militärregierung auf den Konkurrenzbetrieb hingelenkt habe« In dieser Weise habe, so führt die Revision aus, die Entschließung des Trägers der Hoheitsgewalt nicht beeinflußt werden dürfen® Die Beklagte habe durch ihre Handlungsweise die starke Stellung der Besatzungsmacht miß« braucht, um in ihrem eigenen Interesse den Widerspruch des Klägers gegen die Arbeiten in seinem Theater unwirksam zu machen® Die Herbeiführung und Ausnutzung der Zwangslage des Klägers sei gerade der vom Berufungsgericht übersehene Vorwurf, der gegen die Beklagte erhoben werde« Wenn die Revision meint, das Berufungsgericht sei .unter diesen Umständen bei Würdigung des Sachverhalts von unzutreffenden rechtlichen Erwägungen ausgegangen, so kann ihr darin nicht gefolgt werden« Auch ergibt sich aus einem Schreiben des Oberstadtdirektors vom gleichen Tage, daß dieser dem Stadtkommandanten mitgeteilt hat, er habe von den Bemühungen des genannten Wirtschaftsverbandes erfahren, von privater Seite die erforderlichen Mittel für die Instandsetzungsarbeiten der aufzubringen* Zeigen diese Schreiben mithin, daß sich der Wirtschaftsverband der Filmtheaterbesitzer durch Vorstellungen bei der Militärregierung darum bemüht hat, die Beschlagnahme eines anderen Filmtheaters zu verhindern und gegebenenfalls für die Aufbringung der für die Instandsetzung nötigen Gelder zu sorgen, so kann daraus entgegen der Auffassung der Revision selbst dann noch nicht auf ein sittenwidriges Verhalten der Beklagten geschlossen werden, wenn diese als die eigentlich treibende Kraft der von dem Wirtschaftsverband unternommenen Schritte angesehen werden müßteo Der Maßstab für die Beurteilung, was die guten Sitten erlauben oder verwerfen, ist zwar ein allgemeiner und objektiver* Es kann aber im Einzelfall sehr wohl darauf ankommen, ob der Täter die Handlung in der Lage, in der er sich befand, als gerechtfertigt ansehen Bei der erforderlichen Berücksichtigung der Gesamtumstände ist das Berufungsgericht weiterhin zutreffend auf das Verhalten des Kreisbeauftragten für gesperrtes Vermögen Sch^Hfe also der zuständigen Aufsichtsbehörde der eingesetzten Treuhänder, eingegangen« Aus der Aussage dieses Zeugen hat das Berufungsgericht entnommen, daß er zwar in der Sitzung vom 23o Januar 1951 in Gegenwart des Gesellschafters der Beklagten, Br* Sa^Bfc, es mit Rücksicht auf die bereits gefährdete finanzielle Lage der ft14BHBlft abgelehnt habe, ein Darlehen entgegenzunehmen,' jedoch bereit gewesen sei, die erforderlichen Gelder für die Reparaturen als verlorenen Zuschuß zu erhalten« Ob dieses Verhalten den offenbar vom Berufungsgericht gezogenen Schluß rechtfertigt, auch die Aufsichtsbehörde habe damit ihre ^Zustimmung" in dem Sinn gegeben, daß sie auch die Geldher-gabe von sich aus gebilligt habe, kann dahingestellt bleiben« Selbst wenn sich, wie die Revision meint, auch die Aufsichtsbehörde nur dem Wunsche der Militärregierung gefügt haben würde, ohne eine eigene Stellungnahme zu dem Aus- d*A* OStd 1775/50) oder durch die Ermäßigung der Vergnügungssteuer (Bl 31 aaO) die als Filmtheater für die englische Militärregierung zu erhalten, mithin die Stadt ersichtlich auch ein eigenes öffentliches Interesse daran hatte, kein anderes Theater von der Militärregierung beschlagnahmen zu lassen,* was sich im übrigen auch aus dem Schreiben des Besatzungsamts vom 29o Dezember 1950 (Bl 8 aaO) ergibt, so kann bei Würdigung aller dieser Umstände ein Hechtsirrtum des Berufungsgerichts in der Beurteilung des Verhaltens der Beklagten nicht erblickt werden* Nachdem sich die genannten Auf-sichts- und Stadtbehörden für die Annahme des Geldes ausgesprochen, jedenfalls aber zu erkennen gegeben hatten, daß sie eine mißbilligenswerte Schädigung des Klägers in der Geldhingabe nicht erblickten, und die Beklagte darüber hinaus ausdrücklich auf ihre moralische Verpflichtung, die Hilfe zu leisten, seitens der Militärregierung wie auch seitens der Stadtverwaltung hingewiesen worden war, kann ihr nicht der Vorwurf gemacht werden, sie habe sich eines Sittenverstoßes dadurch schuldig gemacht, daß sie trotz Auf die Präge, ob ein sittenwidriges Verhalten der Beklagten schon deswegen verneint werden müßte, weil die zuständige englische Property Control Behörde die Anweisung zur Ausführung der Arbeiten erteilt hat, braucht nach alledem nicht mehr eingegangen zu werden® Auch ist es unerheblich, daß der Kläger selbst der Geldhingabe widersprochen hat® Unter den dargelegten Umständen kann jedenfalls der Auffassung des Berufungsgerichts nicht entgegengetreten werden, daß sich die Beklagte bei der Verfolgung ihrer Interessen keines Mittels bedient habe, das gegen das Anstandsgefühl aller gerecht und billig Denkenden verstoßen habe* 4® In der mündlichen Verhandlung hat die Revision noch geltend gemacht,die Beklagte habe Bauarbeiten ausführen lassen, durch die sie schuldhaft das Eigentum des Klägers verletzt habe® Die schriftliche Revisionsbegründung, die allein auf Verletzung des § 1 UnlWG, § 286 ZPO gestützt ist, hat auf die angeblich mangelhaften Bauarbeiten nur unter dem Gesichtspunkt hingewiesen, daß die Beklagte auf diese Weise die weitere Ausschaltung des Theaters des Klär-gers erzielt hätte* Es wird nicht ganz klar, was die mündliche Revisionsbegründung mit ihrem Vorbringen hat sagen wollen® Selbst wenn es sich bei diesem Vortrag nicht um eine gemäß § 554 Abs 6 ZPO unzulässige Geltendmachung neuer Revisionsgründe handeln würde, wäre der Angriff der Revision schon deswegen unbegründet, weil der Vortrag des Klägers hinsichtlich der Mängel der ausgeführten Arbeiten in den Tatsacheninstanzen ausschließlich dazu hatte dienen sollen, die Höhe des eingetretenen Schadens zu substantiieren® Das ergibt sich eindeutig aus der Berufungsbegründung, in der der Kläger in Übereinstimmung mit seinem erstinstanzlichen Vortrag einen Verstoß der Beklagten gegen § 1 UnlWG, Ob der Beklagten ein Wettbewerbsverstoß (§1 UnlWG) zur Last fällt, braucht hiernach nicht mehr geprüft zu werden« Die Begriffe der "guten Sitten” im Sinne des § 1 UnlWG und des § 826 BGB decken sich zwar insoweit nicht, als es für die Beurteilung eines wettbewerbswidrigen Verhaltens in der Regel auf das Anstandsgefühl des verständigen Durchschnittsgewerbetreibenden ankommt« Für den vorliegenden Sachverhalt kommt jedoch dem § 1 UnlWG keine weitergehende Bedeutung zu, da die Beurteilung des Verhaltens der Beklagten durch den "Durchschnittsgewerbetreibenden" keine andere sein kann als die Auffassung des im Sinne des § 826 BGB maßgeblichen "billig und gerecht Denkenden”« Dem Berufungsgericht ist daher auch darin beizutreten, daß dem Kläger ein wettbewerbsrechtlicher Schadensersatzanspruch gegen die Beklagte nicht zusteht« des Klägers nur dazu dienen, eine etwaige Beschlagnahme der der Beklagten oder den Streitgehilfen gehörigen Filmtheater bei einer Freigabe der durch die Militärregierung zu verhindern® Verfolgte sie aber diesen Zweck, so konnte sie eine Beschränkung des Wettbewerbs im Sinne der Bekartellierungsverordnung nicht beabsichtigen® Eine solche Beschränkung wäre schon deswegen gar nicht möglich gewesen, weil die Bereitstellung der erforderlichen Gelder nur verhindern konnte, daß das Theater der Beklagten oder eines anderen Streitgehilfen gegebenenfalls an die Stelle der bisher beschlagnahmten trat® Es bestand also nur die Möglichkeit, einen Wechsel der Beschlagnahme zu vermeiden® Die Zahl der Wettbewerber konnte indessen durch die beanstandeten Abmachungen der Beklagten und der Streitgehilfen niemals beschränkt werden® Im übrigen aber hatte sich nach dem oben Gesagten die Militärregierung selbst dafür eingesetzt, daß die Beklagte und die Streitgehilfen die Gelder zur Verfügung stellten, um die notwendigen Arbeiten durchführen zu können® Vertrat aber die Militärregierung selbst den Standpunkt, daß das Verhalten der Beklagten zur Förderung der von ihr verfolgten Ziele erforderlich sei, so folgt bereits aus der Bestimmung des Art III BrMilRegVO Er 78, daß sich die Beklagte keines Verstoßes gegen diese Verordnung schuldig gemacht haben kann®