BGH · I ZR 231/55
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WZG § 25 Rechtseatzg Eine technisch bedingte Gestaltung kann gründe sätzlich nicht Gegenstand eines Ausstattungsschutzes sein* und zwar gleichgültig* ob für die betreffende Anordnung ein Patent-' oder Gebrauchsmusterschutz bestanden hat bezw0 noch besteht oder ob dies nicht der Pall isto Das frühere oder gegenwärtige Bestehen eines solchen Schutzrechtes ist lediglich als Beweisanzeichen dafür zu werten? Beide Parteien sind Hersteller von Arbeitsbekleidung und stehen als solche miteinander in Wettbewerb« Die Klägerin kennzeichnet ihre Arbeitsjacken seit längerer Zeit - nach ihrer Behauptung seit etwa 20 Jahren m der Weise, daß sie für die linke Brusttasche einen Taschenstreifen mit eingewebter Beschreibung verwendet» Dieser Taschenstreifen enthält das Firmenzeichen der Klägerin (Doppel-A im Strahlenkranz) und daneben die Worte Indanthren gefärbt) Die Beklagte hat von 195:5 ab ihre Arbeitsjseken durch ein Veoetikett mit dem Wortzeichen »Bücking■ Dreinaht1» unterhalb de3 linken Erusttaschenstreifens gekennzeichnet * Auf Veranlassung der Klägerin verlegte sie inr Webetikett bei Arbeitejacken mit Brusttascnen in die Höhe der rechten Brust* taschen; bei Arbeitsjacken ohne Brusttaschen m die Höhe der linken Seitentasche. Die Klägerin behauptet., durch ihre ausgedehnte Reklame Verkehrsgeltung für ihre Kennzeichnung erworben zu haben® Ihr Taschenstreifen habe sich nicht nur in seiner konkreten Auf--* machung una Beschriftung, sondern auch unabhängig von Aufmachung und Beschriftung ganz allgemein als auffallendes Werbe" etikett an auffallender Stelle der Innenseite ■■Ton Arbeitsanzügen als Hinweis auf sie, die Klägerin, im Verkenr durch*' gesetzt,, Die Beklagte verletze mithin durch die "ron ihr in Anspruch genommene Kennzeichnung ihre, der Klägerin, Ausstattung und mache sich ausserdem den Erfolg ihrer Werbung in unlauterer Weise zunutze® An sich dürfe daher die Beklagte ihre Anzüge auf der Innenseite der Jacken überhaupt nicht mit Werbeetiketten versehen® Sie* die Kl-ägerin, sei jedoch bereit, eine Kennzeichnung am Kragen der Jacken zu gestatten,, als Ausstattung, verlängert werden könne« Im übrigen habe gemäß § '16 WZG jedermann das Recht, seine gewerblichen Erzeugnisse zu kennzeichnen« Bie Klägerin könne sie, die Beklagte, deher nicht hindern, ihr Etikett auf der Irmenseiti der Jacken anzubringen« In der Herrenbekleidungsinöustrie sei die Etikettierung auf der Innenseite üblich, es gehe nicht an, insoweit einen Unterschied zwischen Berufsbeklei' düng und gewöhnlicher Bekleidung zu machen« Auch auf dem Sektor Arbeitsbekleidung hätten verschiedene Firmen in den letzten Jahren ihre Erzeugnisse derart gekennzeichnet« Sie selbst habe von 193A bis 1959 ihr Echtheitszeichen auf der auf der Innenseit? Das Berufungsgericht meinte Bedenken gegen die Klag-ansprüche könnten sich zunächst schon aus der Erwägung er-geben,- daß die Klägerin für einen auf mechanischem oder sonstigem Wege beschrifteten Taschehstreifen ein Gebrauchsmuster gehabt habe«, Das Verlangen der Klägerin laufe darauf hinauso unter dem Gesichtspunkt eines Ausstattungsrechtes den nicht mehr bestehenden Gebrauchsmusterschutz zu ver-ewigeno Der Senat vermag diese Bedenken des Berufungsgerichtes nicht zu teilen«. daß eine durch den Zweck der Ware technisch bedingte Gestaltung; die durch Patent- oder Gebrauchsmusterschutz gegen Nachbildung gesichert isty nach Erlöschen dieses zeitlich begrenzten Schutzes als Ausstattung nicht schutzfähig ist ^RGZ ! daß eine technisch beding™ te Gestaltung grundsätzlich nicht Gegenstand eines Ausstat™ tungsschutzes sein kann., weil es sich —lnsoweit um die Ware selbst und nicht um ihre Ausstattung handelt, wobei es für die Frage der Ausstattungsfähigkeit gleichgültig ist, ob ein Sonderschütz nach dem Patent™ oder Gebrauchs™ musterschutzgesetz bestanden hat bezw0 besteht oder ob dies nicht der Fall ist (BGHZ 11, 129 /T307 - Zählkassette) «> Han™ delt es sich um eine Gestaltung, die nicht_techniscn_bedingt ist? ob die betreffende Aufmachung m der Tat technisch bedingt isto Im Streitfall war in dem Gebrauchsmuster Nr 1 358 OH Schutz für einen "beansprucht, der mit einer auf mechanischem oder sonstigem Wege hergestellten Beschriftung versehen ist0 Ob einer solchen Anordnung die Ausstattungsfähigkeit zu versagen ist, weil sie technischer Natur ist, braucht indessen nicht entschieden zu werden0 Denn da die Beklagte und die in anderen Verfahren von ihr belangten Mitbewerber der Kläge™ jnscrei'cig nicht auf einem T8suhenstre:fen anbringen; kenn es sich überhaupt nur um die Präge handeln« ob die Klägerin für die bloße Anbringung eines Webetiketts auf der linken Innenseite der Arbeitsjacken in Höhe der Bruettesche, und zwar eines Werbe-etiketto sonleohthiu, ä*h„ ohne Rücksicht auf seine Beschriftung und «sonstige Aufmachung im einzelnen, Ausstattungsschutz beanspruchen kann«, Dem entsprechen auch die Ausführungen der Klägerin in der Revisionsbegründung.; Dieser Standpunkt des Berufungsgerichts kann rieht als rechtlich fehlsam beanstandet werden, zu demal wenn ergänzend die von dem Berufungsgericht nicht unbeachtet gelassene [Tatsache mitberllcksichtigt wird* daß die Kennzsioh- ■ • nung mit einem Webetikett im Innern der Jacken und auch in Höhe der linken inneren Brusttasche in der Konfektions-branche nichts Ungewöhnliches ist«. Ein Werbeetikett im Innern einer Jacke besitzt daher als solches> d,h« ohne Rücksicht auf die Beschriftung und sonstige Aufmachung, nicht die für die Kennzerißhnungsfunkticn der Ausstattung erforderliche Unterscheidungskraft. Daran ändert sich auch dann nichts,, wenn, wie die Klägerin unter dem Widerspruch der Beklagten behauptet hat, keine andere Firma ausser der Klägerin in den letzten Jahrzehnten ihre Berufskleidung durch Werbeetikette auf der Innenseite der Arbeitsjacken gekennzeichnet haben sollte« Der Käufer jedenfalls, auf den es insoweit ankommt, ist sich einer Unterscheidung nierre bewußt, da sien der Sextor Berufsoekxexdung von dem benachbarten Warengebiet Herrenoberbekleidung in seinem Bewußtsein nicht genügend klar abhebt0 Da Berufsbeklei- • dung und Herrenoberbekleidung vielfach im gleichen Betrieb hergesxellt, jedenfalls in der Regel aber m den gleichen Geschäften gehandelt und vielfach über den gleichen Ladentisch verkauft werden, pflegt der Verkehr, soweit es sich um die Anbringung der Firmenetikette handelt, zwischen beiden Bekleidungsarten keinen Unterschied zu machen« Anders könnte es unter Umständen sein, wenn die Klägerin bei ihrer Werbung ste-cs auf das beschriftete Webetikett (Taschenstreifen; als solches hingewiesen und dieses damit im Bewußtsein des Verkehrs zu einem individuellen Kerkunfts- Zeichen gestaltet hätte© Nach den rechtsirrtumsfreien Feststellungen des Berufungsgerichts i3t dies jedoch gerade nicht der Fall gewesen, die Klägerin hat vielmehr ihre Werbung auf das Wortzeichen PflH^" abgestellt? Steht hiernach der Klägerin ein selbständiger Schutz für ein im Innern von Arbeitejacken angebrachtes Etikett schlechthin, d„h© ohne Rücksicht auf die weitere Ausgestaltung dieses Kennzeichnungsmittels, insbesondere dessen Beschriftung; nicht zu, so erledigt sich damit auch und zwar sowohl e< solche im engeren als auch im weiteren Sinne, scheidet im vorliegenden Palle; selbst bei starker Kennzeichnungskraft der Ausstattung der Klägerin in ihrer konkreten Erscheinungsform, schon deshalb aus, weil keinerlei Ähnlichkeit zwischen den Warenkennzeichnungen der beiden Streitteile besteht, beide sich vielmehr nach Form, Farbe und Inhalt deutlich voneinander unterscheiden« Das Berufungsgericht ' hat daher ohne Rechtsirrtum festgestellt, daß das Kennzeichen der Beklagten mit dem der Klägerin schlechterdings nicht verwechselt werden kann« Die Klägerin kann daher der Beklagten weder verbieten, ihre Kennzeichnung auf der rechten Innenseite in Brusthöhe anzubringen> so daß auch der hierwegen geltend gemachte Beseitigungsanspruch nicht begründet ist, noch kann sie ihr die Anbringung des Werbeetiketts an anderer Stelle der Innenseite der Arbeitsjacken untersagen« Ob etwa ein Verbietungsrecht der Klägerin besteht, wenn die Beklagte eine nach Form und Farbe der Ausstattung der Klägerin angenäherte Y/arenkennzeic hnung auf dem linken Taschenstreifen oder auf der inneren Seime der linken Bfusttasche anbringen würde, kann auf sich beruhen« Ein solcher Fall liegt hier nicht vor, da die von der Beklagten für ihr Y/erbeetikett gewählte Ausführung mit dem Werbeetikett der Klägerin nicht verwechslungsfä--hig ist.. Das Klagebegehren läßt sich schließlich auch nicht, wie die Revision meint, auf Grund des rechtlichen Gesichtspunktes unzulässigen Schmarotsens an der Werbung auf Grund des § 1 UnlWG rechtfertigen» Da die Beklagte mit ihrem Webetikett ein Ausstatbungerecht der Klägerin nicht verletzt, könnte § 1 UnlWG nur dann zur Anwendung gelangen, wenn besondere Umstände dem an sich rechtmässigen Verhalten der Beklagten einen sittenwidrigen Charakter verleihen würdenl Dafür liegen jedoch keine Anhaltspunkte vor« Das Berufungsgericht hat daher mit Recht die Klage auch aus dem Gesichtspunkt des § 1 UnlWG nicht für begründet gehalten»