BGH · I ZR 208/55
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
- Prozeföbevollmächtigter; Rechtsanwalt Profi Br. hat der Erste Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 3* Bezember 1957 unter Mitwirkung der Bundesrichter Prof* Br» ho c» Wilde, Br* Bock, Br* lirüger-Kieland, Br» Weiß und Dx* Spreng" Bie Revision der Beklagten gegen das Urteil des 5c Zivilsenats des Hanseatischen Oberlandesgerichts zu Hamburg vom 1* September 1955 wird auf Kosten.der Beklagten zurizekgewieseno ' ■■ •. Von Rechts wegen Die Klägerin ist Inhaberin eiftes'Verlages und/betreibt gleichzeitig den Buchhandel, insbesondere mit Büchern, die das Fachgebiet der Technik betreffene Die Beklagte hat der Klägerin gegenüber eine Vernflichtungser-klärung vom 25» Harz 1953 abgegeben, ’ die folgenden Wort- * laut hat; Auch die Verlage dere Verlage haben Bortimentsfestpreise festgesetzt, ^deren Einhaltung .sie den Buchhändlern - so. rmä Die Klägerin erblickt in .diesem Verhaltensine —/<>v; Ver1etsung der von den Beklagten' abgegehenen Verpflieh-^ vc tungserklärungen sowie einen Verstoß gegen § --BWCror:Z Das Landgericht hat der Klage stattgegeben»' Die . barungen zwischen Verlegern 'und Buchhändlern über die Festlegung des Kleinvcrkaufspreises von Verlagserzeugnissen zulässig und durch die Dekarteilierungsgesetze nicht oder nicht mehr verboten seien« Es hat insoweit auf das Schreiben des leiters der:amerikanischen Bekartellierungsbehördey vom 60 Januar 1953 (WuW / E All 37) verwiesen, in dem dieser dem Wunsche des Bundeswirtschaftsministers . zugestimmt hat, Verträge zur Bindung -von Wiederverkaufspreisen für Verlagserzeugnisse schon vor Erlaß des deutschen Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen den-Verlegern zu ermöglichen« Es sei, so fährt das Berufungsgericht fort,, indessen nicht erforderlich, den Inhalt des sog« flHH^-Briefs im einzelnen rechtlich zu würdigen« Denn, nach Erlaß des Briefes sei seit mehreren Jahren die vertikale Preisbindung von den Verlegern weitgehend; wieder ein-•: geführt, von den Besatzungsdienststellen und den deutschen V/irtschaxtsbehörden geduldet und von den Gerichten einhellig für zulässig erklärt worden» Die bisherigen Zweifels- ' fragen seien damit durch ständige übereinstimmende Rechts-:anwendung einer Klärung zugeführt worden» Selbst wenn man Einzelheiten der Begründung dieser herrschenden Meinung ablehnen wollte, müsse doch anerkannt werden, daß sich Auf die gegen diese - nicht unbedenkliche - Begründung gerichteten Angriffe der Revision braucht nicht im einzelnen eingegangen zu werden. Der Senat hat bereits in seinem am gleichen Tage verkündeten Urteil I 2R 175/56 Breisbindungsverträge über Markenartikel im Hinblick auf den^Jppj^-Brief vom 18a November 1952 als rechtsgültig, anerkannt« Die rechtlichen Gesichtspunkte, die für .diese Entscheidung maßgebend gewesen sind, gelten in vollem Umfang auch für Verlagserzeugnisse, da für diese durch den sog» zwei ten ^U^-Brief vom 6. erklärung vom 23o März 1953 der Klägerin gegenüber gebunden, so muß sie, wie das Berufungsgericht zu Recht angenommen hat, auch bei Zwischenschaltung von Vertretern dafür sorgen, daß der Endabnehmer die Bücher zu den festgesetzten Baden- und Staffelpreisen erhält. Es hat darauf verwiesen, daß die Beklagte nach Vorhalt einer Quittung (Anlage 6) zugegeben habe, bei einem Verkauf von Büchern aus dem Verlage der Klägerin die festgesetzten; ;■ Preise unterschritten zu haben. Die bloße Erklärung der Beklagten, es habe sich dabei um ein Versehen gehandelt, hat das Berufungsgericht nicht als ausreichend angesehen, eine Wiederholungsgefahr .auszuschalten. die Preisbindung sei, von der Klägerin und den anderen Verlagen nicht lückenlos durchgeführt worden, weil vom gesamten Buchhandel im Einverständnis mit den Verlagen nach festgesetzten Sätzen Bücher an Großabnehmer oder auch an minderbemittelte* Studenten zu herabgesetzten Preisen abgegeben' würden? hat das Berufungsgericht in Übereinstimmung mit dem/ Landgericht als nicht geeignet angesehen? allgemeinen 'Regelungen an den ermäßigten Lieferungen-zu ■beteiligen« Tat sie das nicht, sondern lieferte sie nach den Feststellungen des Berufungsgerichts Bücher unter dem Richtpreis ohne jede Kontrolle des wirklichen Verbleibs der Bücher, so verstieß sie.damit gegen ihre■ Verpflichtungserklärung« Für die Annahme, daß etwa die,Buchhändler das Preisbindungssystem der Verlage nicht beachtet hätten und aus diesem Grunde auch der Beklagten ein Festhalten an den gebundenen Preisen nicht zuzu demtvben sei, sind von der Beklagten keinerlei stubstantiierte Behauptungen aufgestellt worden* 1 UWG gestützten Anspruch geltend zu machen» Das Verhalten der Beklagten stellt nicht nur eine Vertragsverletzung dar, sondern verstößt auch gegen das Anstandsgefühl eines verständigen Durchschnittsgewerbetreibendeh» Ihr unlauteres Verhalten besteht darin, daß sie sich über die von ihr eingegangenen Verpflichtungen hinwegsetzt und in Erwartung der Vertrags- Reimer, Wettbewerbsund Warenzeichenrecht, 3* Aufl, Kap, 80 Anim 7)® Da die Klägerin nur einen Untoi'lassungsanspruch geltend macht, bedarf es der Feststellung eines Verschuldens der Beklagten nicht, Allerdings muß die Beklagte alle Umstände gekannt haben, die bei objektiver Würdigung die,Sittenwidrigkeit ihrer V/ettbewerbshandlangen ergeben, oder ‘jedenfalls mit: der Möglichkeit gerechnet haben, daß solche Umstände vorliegen können (BGKZ 8, 387, 393)» Diese Voraussetzung hat das Berufungsgericht ersichtlich ‘als erfüllt angesehen »rDie Beklagte mußte trotz der teilweise sich widersprechenden:Entscheidungen mehrerer Oberlandesgerichte zur Preisbindungsfrager^rdie im übrigen nur Markenartikel, nicht Verlagserzeugnisse betrafen - damit rechnen, die Klägerin werde ebenso wie die an-deren Verlage auf Grund einer höchstrichterlichen Entscheidung ihr Preisbindungssystem erfolgreich durchsetzen können.» Ob für eine wirksame Preisbindung, wie das Berufungsgericht angenommen hat, ein Vermerk auf den Rechnungen der Verleger genügt, nach dem sich der' Empfänger durch die Annahme der Ware zur Einhaltung der festgesetzten Preise verpflichtet, bedarf im Streitfall keiner Entschei-'x dungo Da die Beklagte überhaupt bestreitet, durch eine Preisbindungsveroinbarung verpflichtet zu sein, kommt es nicht darauf an, wie im Binzelfall die Verpflichtung zustande .gekommen'ist« Der Antrag der Klägerin geht jedenfalls nach seiner Abänderung in der Revisionsinstanz nur auf Unterlassung, soweit die Beklagte sich vertraglich zur Einhaltung der Preise verpflichtet hat« v Die: Zwischenschaltung von ehrenamtlich: tätigen Stu-deilten als Vertreter der Beklagten hat das Berufungsgericht als rech blich bedeutungslos angesehen* Es hat seine Auffassung :damit begründet, daß die Provision von 10 an die Verteiler nur: zu dem Schein vereinbart sei, während nach allgemeinem Einverständnis diese 10 $ in Wahrheit dem Endabnehmer als Preisnachlaß zugute kommen sollten« Diese auf tatsächlichen Gründen beruhende Auffassung des Berufungsgerichts, die einen Rechtsfehler nicht erkennen läßt« wird auch von der Revision ni oh t an ge gr iff en* Kach alledem erübrigt sich eine Prüfung, ob der Beklagten auch ein Verstoß gegen das Rabattgeset2 zur Last fällt«