BGH · I ZR 198/80
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- Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Dr. Die Beklagte habe damit entgegen den Bestimmungen der Verordnung über Sommer- und Winterschlußverkäufe vom 13-7.1950 für einen vorweggenommenen Sommerschlußverkauf geworben. Die dagegen verfolgte Berufung hat das Oberlandesgericht - entsprechend einem insoweit geänderten Antrag des Klägers - mit der Maßgabe zurückgewiesen, daß der Beklagten unter Androhung von Ordnungsmitteln untersagt worden ist, zu Wettbewerbszwecken innerhalb eines Zeitraums von 25 Tagen vor Beginn eines Sommerschlußverkaufs auf eine Vielzahl von den Gesamtcharakter einer Werbeaktion bestimmenden Sonderangeboten von Textil- und Schuhwaren hinzuweisen, dabei den bisherigen höheren Preisangaben die nunmehr von ihr berechneten niedrigeren Preise gegenüberzustellen und in diesem Zusammenhang hervorzuheben: "Sommer, Sonne und Verreisen! Das Berufungsgericht hat in der beanstandeten Anzeige einen Verstoß gegen § 1 Abs. 1 der Verordnung über Sommer- und Winterschlußverkäufe vom 13.7.1950 i.V. m. Insoweit sei zu berücksichtigen, daß die Werbeanzeige der Beklagten weniger als 4 Wochen vor dem offiziellen Beginn des Sommerschlußverkaufs erschienen sei. In dieser Zeit denke der Verkehr bereits an den bevorstehenden Schlußverkauf, ziehe ihn mit in seine Kaufentscheidüngen ein und rechne mit der Möglichkeit vorgezogener Schlußverkäufe, zu demal weite Teile der betroffenen Verkehrskreise keine genauen, sondern nur ungefähre Vorstellungen von dem offiziellen Beginn des Sommerschlußverkaufs hätten. eine besondere saisonbedingte Verkaufsaktion angekündigt worden sei, daß die Angebotsliste der Beklagten - abgesehen von der letzten Angebotszeile - typische Schlußverkaufsartikel betreffe, daß sie sich nicht nur auf einzelne Artikel, sondern auf ganze Sortimente beziehe und daß die Beklagte auch mit den angegebenen Preisen sowohl im Hinblick auf das Ausmaß der Preisreduzierung als auch im Hinblick auf die Betonung dessen durch den Slogan “Alles staunt bei solchen Preisen” auf eine Schlußverkaufsveranstaltung Schließlich werde der Eindruck einer Werbung für einen vorweggenommenen Schlußverkauf auch nicht dadurch beseitigt, daß sich im oberen Teil der Anzeige die wiederholte Angabe "Abdonnerstag-Sonderangebote" befinde und daß die Beklagte, wie sie vorgetragen habe, regelmäßig wöchentlich eine ähnliche Verkaufsaktion veranstalte. Der Hinweis "Abdonnerstag-Sonder-angebote" gehe im Gesamtbild der Anzeige völlig unter, und die Deklarierung als Sonderangebote bilde in der Vorstellung der Verbraucher zu demindest bei einer Massierung solcher Angebote keinen notwendigen Gegensatz zur Annahme eines Schlußverkaufs. Im Hinblick darauf, daß der Gesamteindruck der angegriffenen Werbung i.S. der Ankündigung eines vorweggenommenen Schlußverkaufs wesentlich durch die Vielzahl der herausgestellten Angebote mit reduzierten Preisen beeinflußt werde, habe dieser Umstand auch in der Formulierung des Urteilstenors zu dem Ausdruck gelangen müssen. 1. Nach der Verordnung über Sommer- und Winterschlußverkäufe vom 13.7.1950 dürfen Werbe- und Verkaufsveranstaltungen um die Wende eines Verkaufsabschnitts i.S. des § 9 UWG - von hier nicht in Betracht kommenden Ausnahmen abgesehen (§ 1 Abs.3 der VO) - nur zu den in § 1 Abs. 1 und § 3 Abs. 1 und 2 der VO genannten Zeiten abgehalten werden. Ohne Rechtsverstoß hat das Berufungsgericht auf der Grundlage der von ihm dazu getroffenen Feststellungen angenommen, daß die Beklagte mit der angegriffenen Zeitungswerbung vom 5.7.1979 durch Ankündigung eines vorweggenommenen Sommerschlußverkaufs dagegen Ohne Erfolg macht die Revision demgegenüber geltend, daß in der beanstandeten Anzeige die Ankündigung eines vorweggenommenen Sommerschlußverkaufs schon deshalb nicht zu erblicken sei, weil zwischen dem Tag des Erscheinens der Anzeige (5.7.1979) und dem Beginn des Sommerschlußverkaufs (30.7.1979) ein Zeitraum von ca. Maßgebend insoweit ist das Gesamtbild, wie es sich dem Publikum nach Art, Inhalt und Gestaltung der Werbung und den sonstigen Umständen darstellt. Denn in der Regel kommt bei zeitlicher Nähe des Beginns oder des Endes des Schlußverkaufs Jedenfalls dann leicht der Gedanke an eine Vorwegnahme oder Verlängerung der Verkaufsaktion auf, wenn die Ankündigung nicht deutlich erkennen läßt, daß es sich entweder um Angebote des regelmäßigen Geschäftsverkehrs oder um einzelne Sonderangebote handelt. Karenzzeiten von 14 Tagen vor und nach der Wende eines Verkaufsabschnitts, umso eher den Eindruck einer vorweggenommenen oder verlängerten SchlußferkaufsVeranstaltung hervorrufen, je näher sie dem Anfangs- oder Endtermin einer Schlußverkauf saktion liegen (BGH GRUR 1959, 544, 547 = WRP 1959, 348, 350 - Modenschau; GRUR 1962, 36, 40, 41 = Einzelne Sonderangebote innerhalb einer Zeit von 2 Wochen vor oder nach einem Schlußverkauf verstoßen daher nicht stets und zwingend allein schon deshalb gegen die Vorschriften der Verordnung über Sommer- und WinterSchlußverkäufe, weil sie im Rahmen dieser so bezeichneten Karenzzeit liegen (BGH GRUR 1982, 241, 242 = WRP 1982, 218, 219 - Sonderangebot in der Karenzzeit). außerhalb einer solchen 2-wöchigen Zeitspanne eine unzulässige Vorwegnahme eines Schlußverkaufs sein, wenn nach den gesamten Umständen des Falles der Eindruck erweckt wird, daß es sich um oine solche aus dem Rahmen des regelmäßigen Geschäftsbetriebs herausfallende vorweggenommene VerkaufsVeranstaltung handele (BGH GRUR 1962, 36, 41 = WRP 1961, 277, 282, Die danach maßgebenden Voraussetzungen für die Zulässigkeit einer Verkaufsveranstaltung und Werbeaktion vor Beginn der Saison-Schlußverkäufen hat das Berufungsgericht nicht verkannt. Es hat festgestellt, daß die Beklagte in einer Weise geworben hat, die Schlußverkaufs-Stimmung erzeugt ("Sommer, Sonne und Verreisen"), daß es sich bei der Angebotsliste der Beklagten um massierte Angebote typischer Schlußverkaufsartikel handelt und daß die angegebenen Preise sowohl im Hinblick auf das Ausmaß ihrer Reduzierung als auch im Hinblick auf die Betonung dieser Preisreduzierung ("Alles staunt bei solchen Preisen") den Charakter eines Schlußverkaufs unterstreichen. Wenn deshalb das Berufungsgericht meint, daß die Werbung der Beklagten den Eindruck einer vorweggenommenen Schlußverkaufsveranstaltung gemacht hat, so ist dieser im wesentlichen auf tatsächlichem Gebiet liegenden Beurteilung aus Rechtsgründen nicht entgegenzutreten. Die Revision beschränkt sich insoweit auch lediglich darauf, die Einzelpunkte der Erwägungen des Berufungsgerichts als denk- und erfahrungswidrig anzugreifen. Die Revision übersieht aber, daß das Berufungsgericht nicht auf die Bedeutung der Einzelerwägungen, sondern auf die Gesamtschau der in Betracht zu ziehenden Umstände abgestellt hat, und daß die so gebildete tatrichterliche Überzeugung vom Eindruck eines vorweggenommenen Schlußverkaufs möglich ist, wenn nicht sogar nahe liegt. Das Berufungsgericht hat im einzelnen berücksichtigt, daß für Sommerschlußverkäufe typische Werbetexte wie "Sommer, Sonne und Verreisen - alles staunt bei solchen Preisen" vom Verkehr erfahrungsgemäß als eine saisonbedingte Verkaufsaktion aufgefaßt werden und den Gedanken an einen Sommerschlußverkauf nahelegen. Es enthält keinen Rechtsverstoß, wenn das Berufungsgericht im Hinblick auf diese Gegebenheiten und mit Rücksicht darauf, daß Werbetexte wie "Sommer, Sonne und Verreisen - Alles staunt bei solchen Preisen" gerade bei Sommerschlußverkäufen gebräuchlich sind und die Verkaufsveranstaltung im Schlußverkaufsmonat - wenn auch 25 Tage vor Beginn des Sommerschlußverkaufs - angekündigt wurde, von der Annahme ausgegangen ist, daß der Verkehr derartige Werbeaktionen als Ankündigung vorweggenommener Schlußverkäufe auffaßt. Das Berufungsgericht hat dabei nicht außer acht gelassen, daß die Angebote im unteren Teil der Anzeige Artikel betreffen, die nicht Schlußverkaufsfähig sind, und daß sich im oberen Teil mehrfach die Angabe "Abdonnerstag-Sonderangebote" befindet und die Beklagte nach ihrem Vorbringen regelmäßig Verkaufsaktionen mit Sonderangeboten veranstaltet. Es ist nicht zu beanstanden, wenn das Berufungsgericht meint, daß diese Umstände dem beim Publikum durch den übrigen Inhalt der Anzeige hervorgerufenen Eindruck einer Sommerschlußverkaufs Veranstaltung nicht hinreichend entgegenwirken. Auch wenn die Beklagte - wovon das Berufungsgericht ausgegangen ist - regelmäßig an Donnerstagen mit Sonderangeboten zu dem Wochenende an das interessierte Publikum herantritt und die Kenntnis davon bei diesem verbreitet ist, ändert das nichts daran, daß erfahrungsgemäß relevante Teile des Verkehrs in Zeiten von hü' Sommer- und Winterschlußverkäufen oder bei zeitlicher Annäherung an solche Zeiträume derartige Sonderangebote vielfach als Saisonschlußverkäufe auffassen» wenn sonstige Umstände der Verkaufsveranstaltung oder der Werbung dafür - wie hier die blickfangartige, plakative Herausstellung von auf Sommerschlußverkäufe hinweisenden Slogans (’’Sommer, Sonne und Verreisen - Alles staunt bei solchen Preisen”) - den Eindruck einer Schlußverkaufs Veranstaltung trotz einer gewissen zeitlichen Distanz zu dem Beginn des Sommerschlußverkaufs nahe legen. Die Revision kann demgegenüber nicht mit Erfolg darauf verweisen, daß die angegriffene Werbung den Eindruck eines Sommerschlußverkaufs auch deshalb nicht hervorrufe, weil die angegebenen Preise den früheren gegenübergestellt worden seien, was in dieser Form bei Saisonschlußverkäufen unzulässig sei. Zutreffend hat das Berufungsgericht dazu ausgeführt, daß es sich insoweit um eine Einzelheit der Schlußverkaufsregeiung handele, die dem Verkehr nicht bewußt sei. Im Hinblick darauf liegt sogar in der besonderen Betonung der Preisherabsetzung durch Gegenüberstellung der früheren und der jetzigen Preise im Zusammenhang mit dem Ausmaß der Preisreduzierung von bis zu 60 % ein Umstand, der den Eindruck mitbegründet, daß die Beklagte einen vorweggenommenen Sommerschlußverkauf angekündigt hat. Die Revision meint weiter, der Urteilstenor verstoße hinsichtlich des Ausspruchs ’’auf eine Vielzahl von den Gesamtcharakter einer Werbeaktion