BGH · I ZR 197/53
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PatG § 2 Rechtssatz: Eine neuheitsschädliche Vorbenutzung eines Herstellungsverfahrens ’liegt vor, wenn Sachkundige auf Grund des fertigen Erzeugnisses Kenntnis von dem Herstellungsverfahren erlangen können; es genügt, wenn dieses Verfahren durbh‘ eine Untersuchung entdeckt werden kann, und zwar auch'Hann~~ wenn die Untersuchung erst durch eine Zerstörung des nach dem Verfahren hergestellten Erzeugnisses möglich ist* Für die Vornahme derartiger Untersuchungsarbeiten muß aber eine ge- ' wisse Wahrscheinlichkeit («Anlaß")begründet sein (Bestätigung der Rechtsprechung des Reichs-, gerichts, Urt*v* 19*2*1927, MuW 1926/1927? Von Rechts wegen Tatbestands Die Beklagte ist Inhaberin des auf Grund des Ersten Überleitungsgesetzes vom 80 Juli 1949 erteilten Patents Nr 806 212«, Dieses seit dem 280 Juni 1949 laufende Patent betrifft nach seiner Überschrift ein “Verfahren zur Herstellung von Damen- und Kinderschuhen, vorwiegend mit keilartigem Absatz und elastischer Sohle“* Seine Ansprüche lauten? “Io Verfahren zur Herstellung von Damen- und Kinderschuhen, vorwiegend mit einem keilförmigen Absatz und einer elastischen Sohle, dadurch gekennzeichnet, daß eine zwischen Schaftleder und Putter eingeklebte feste Hinterkappe aus Preß-ldder o„ dglo mittels mehrerer Kettenstichnähte mit dem gefütterten Schuhschaft, einer als Brandsohle dienenden Stoffsohle sowie mit dem zu dem Überzug des keilförmigen Absatzes dienenden streifenförmigen Lederstück durch eng übereinanderliegende Nähte fest verbunden wird* . 2c Verfahren zur Herstellung von Damen- und Kinderschuhen, vorwiegend mit einem keilförmigen Absatz und elastischer Sohle, nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Kappe einen unteren glatten Rand hat und keinen Zwickansatz aufweist O 3o Verfahren zur Herstellung von Damen- und Kinderschuhen, vorwiegend mit einem Keilabsatz und einer elastischen Sohle, nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß als Brandsohlener-satz zwischen dem Keilabsatz und der Stoffsohle eine fersenförmige Papp- o* dgl« Einlage eingeklebt wirdo zwischen dem Wortlaut des Anspruchs 1 und der Beschreibung beständen Widersprüche« Bas in der Beschreibung als wesentlich angegebene Merkmal des Pehlens des Zwickeinschlags sei erst im Anspruch 2 angegeben« Auch sei der Arbeitsgang in der Beschreibung anders als im Anspruch dargestellto Bas patentierte Herstellungsverfahren sei im übrigen nach dem Stand der Technik zur Zeit der Anmeldung bekannt gewesene Bas gleichzeitige Verbinden von Versteifungskappe, Schaft, Brandsohle und Bezugsstreifen durch Nähte sei nämlich auch schon bei Schuhen der Kalifornia-Machart eine Jedem Schuhfachmann bekannte und geläufige Tatsache gewesen,, Hierfür haben sich die Kläger im ersten Rechtszug auf folgende druckschriftliche Vorveröffentlichungen bezogen* Sie bestreitet das Vorliegen eines Widerspruchs zwischen Patentbeschreibung und Patentansprüchen® Sie bestreitet weiter, daß das Streitpatent durch druckschriftliche Vorveröffentlichungen und offenkundige Vorbenutzungen vorweggenommen sei® Sie habe vielmehr erstmalig das Vorurteil, das wegen der Befestigungsschwierigkeiten gegen die Ausstattung von Kalifornia-Schuhen mit Lefa-Kappen bestanden habe, überwunden® Zum Beweise für diese Behauptung hat sie sich u«a® auf eine Reihe von Schrifttumsstellen aus der Zeit nach Anmeldung des Patents bezogen («Schuh-Technik«. Der I® Nichtigkeitssenat des Deutschen Patentamts hat das Patent mit Rücksicht auf die drei entgegengehaltenen IJS-Patentschriften für nichtig erklärt und die Behauptungen der Kläger über eine offenkundige Vorbenutzung dahingestellt gelassen« "Verfahren zur Herstellung von geschlossenen Damen-und Kinderschuhen, vorwiegend mit einem keilförmigen Absatz und einer elastischen Sohle, dadurch gekennzeichnet, daß eine zwischen Schaftleder und Futter eingeklebte feste Hinterkappe aus Preßleder mittels mehrerer Kettenstichnähte mit dem gefütterten Schuhschaft, einer als Brandsohle dienenden Stoffsohle sowie mit dem zu dem Überzug des keilförmigen Absatzes dienenden streifenförmigen Lederstücks durch eng übereinander liegende Nähte fest verbunden wird"« Die mit fester Hinterkappe ausgestattete wCubaM-Sandalette (322 109) wurde im Frühjahr 1949 in großem Umfang hergestellt und verkauft* Die Nummer 322 bedeutet das Modell; die Nummer 109 bedeutet die Form (Deisten)« Als kaufmännischer Angestellter hatte ich mit der Fertigung der Schuhe an sich nichts zu tun* Mir ist aber aus meiner kaufmännischen Tätigkeit bekannt, daß die ersten Lieferungen der f,Cuba”-Sandalette im Mai und Juni 1949 freie Modelle« Im Frühjahr 1949 wurden keine fersenfreien Modelle hergestellt« Die Produktion ging zu dem Teil schon vor Ostern 1949 ins Bager« Es handelte sich vorwiegend um das Bandagamiodell 322« Das mir vorgelegte braune Modell* das vorn mehr geschlossen ist, wurde in weniger großer Menge hergestellt« Um Ostern und Pfingsten 1949 wurden für die Anfertigung ‘der Kalifornia-Schuhe viele Überstunden gemacht« Damals haben die in der Zwickerei beschäftigten Arbeiter, die nach den in der Stepperei auszuführenden Näharbeiten die Bodenbefestigung vor zu • nehmen hatten, umlernen müssen; ich kann mich deshalb an das Datum noch genau erinnern« Mit der Stepperei habe ich nichts zu tun gehabt* ich weiß aber, daß die letzte Naht eine Kettenstichnaht war« Zur Verbesserung des Aussehens, insbesondere auch um zu vermeiden, daß sich die Kettennaht nach außen abzeichnete„ wurde ein schmaler Bederstreifen mit eingenäht« Beim Einleisten bcw« beim Herausnehmen der Deisten waren gewisse An-'fangsschwierigkeiten zu überwinden« Mehrfach rissen hierbei die beiden Enden aus« Diese Schwierigkeiten wurden von Obermeister Sch^Jfl^ abgestellt« Im zweiten Bechtszug sind auf seiten der Kläger weitere Nebenintervenienten dem Verfahren beigetreten« Die Beklagte hat gegen den Beitritt und die Zulassung Io Eas Streitpatent betrifft ein "Verfahren zur Herstellung von Eamen- und Kinderschuhen, vorwiegend mit keilartigem Absatz und elastischer Sohle, genannt Kali-fornia-Schuhe" (Patentschrift SIE 2-4, 8-9)« Eer keilförmige Absatz und die elastische Sohle (auch Elastiksohle genannt), mit der nicht die Laufsohle, sondern eine Plattformzwischensohle gemeint ist, gehören zwar zu den Bestandteilen der üblichen Ausführung von Kali-fornia-Schuhen$ sie kennzeichnen jedoch nicht die eigentlichen Wesensmerkmale der Kalifornia-Machart«, Wesentlich für den Kalifornia-Schuh ist, daß er - anders als der Rahmenschuh keine feste Brandsohle, sondern an ihrer Stelle eine leichte, weiche innensohle hat, die vorzugsweise aus geeignetem, rißfestem Stoff besteht, aber auch aus anderem weichen, elastischen Material, z„B« Leder, bestehen kann* Eiese "als Brandsohle gedachte Stoffsoh-leM (Patentschrift S 1 Z 27) wird mit dem Oberleder in der Stepperei ohne Leisten durch reine. genommen» Da keine feste Brandsohle vorhanden ist, entfällt die für eine Rahmenarbeit wesentliche Zwickarbeit» Der Kalifornia-Schuh kann also durch Nähen und Kleben -ohne jede Zwickarbeit - hergestellt werden, und zwar mit einfachen Maschinen und mit verhältnismäßig wenig Facharbeitern; für die Herstellung können in größerer Zahl ungelernte Arbeitskräfte herangezogen werden» Hierauf beruht es auch., daß der Kalifornia-Schuh zunächst während des Krieges in Amerika aus rüstungsbedingten Gründen in größerem Umfang hergestellt wurden. Die Machart eignete sich vorzüglich für modisch abgewandelte leichte, luftige,fersen- und zehenfreie Modelle» Es wurden aber auch Modelle mit geschlossenen Fersen-und Zehenteilen hergestellt«, Hierbei wurden verstärkte oder versteifte Hinterkappen eingenäht oder eingeklebt0 In Europa fand der Kalifornia-Schuh als Modeschuh nach dem Kriege große Bedeutung und Verbreitung» In Deutschland konnte die Herstellung aus materialbedingten Gründen erst nach der Währungsreform in größerem Umfang aufgenommen werden» II» Nach der Einleitung der Patentschrift (S 1 Z 8-16) geht der Erfinder davon aus, daß «es nach den bekannten Herstellungsund Fabrikationsverfahren nicht möglich sei, ein solches Modell im Rahmen einer Massenherstellung mit einer festen, formtreuen Hinterkappe auszurüsten, da die Befestigung einer solchen stabilen Hinterkappe infolge Fehlens einer stabilen Brandsohle mit den größten Schwierigkeiten verbunden sei»« Der Erfinder hat sich die Aufgabe gestellt, den Kalifornia-Schuh durch ein für die Massenherstellung geeignetes neuartiges Verfahren mit einer solchen festen Hinterkappe auszustat-ten0 Bach der RatentbeSchreibung (S 1 Z 19/20) geht dem Einkleben der Hinterkappe zwischen Schaftleder und Putter • und dem Vernähen dieser drei Teile ein «kurzer Einweichprozeß in heißem Wasser« voraus® Ein solches Einweichen ist jedoch nicht Gegenstand der Ansprüche geworden* In der Patentbeschreibung ist im übrigen auch nur von einer Hinterkappe mit einem ’’unteren glatten Rand, der keinen sogenannten Zwickansatz aufweist” , die Rede«, Eine solche besondere Beschaffenheit der Hinterkappe ist aber nur Merkmal des Anspruchs 2; der Hau'ptanspruch ist so allgemein gefaßt, daß der untere Rand nicht glatt zu sein braucht und auch einen nZwickansatz.” haben kann (so auch die Beklagte im Schriftsatz vom 20* November 1953 S 4)« Es ist allerdings nicht ersichtlich, welchen Zweck ein Zwickansatz haben soll9 wenn mangels fester Brandsohle ein Zwi-ektenc nicht in Betracht kommen kann und nur ein Einkleben zwischen Schaftleder und Futter und ein Vernähen dieser drei feile erfolgen soll* Nach dem Inhalt der PatentbeSchreibung müßten die Merkmale des Anspruchs 2 folgerichtig in den kennzeichnenden Teil des Haupt ans pruchs einbezogen werden,. IIIo Der 1» Nichtigkeitssenat des Deutschen Patentamts hat in der angefochtenen Entscheidung die Patentwürdigkeit der Ansprüche 1 und 2 im Hinblick auf die drei im ersten Rechtszug entgegengehaltenen US-Patentschriften verneint und ausgeführt, durch die US-Patentschrift 2 341676 (Walsh) sei die Unterteilung der jisähvorgange in drei einzelne nacheinander ausgeführte Schritte bei der Befestigung einer Hinterkappe ohne Zwickansatz mit dem Schaftleder, der weichen Brandsohle und dem Überzugsstreifen bekannt geworden® Deir Gegenstand des Streitpatents unterscheide sich von diesem US-Patent, das ”a reenforcing preferably soft counter” vorschlägt, nur durch die Verwendung einer «formsteifen Hinterkappe”» Hierin könne aber kein patentbegründender Unterschied gesehen werden; denn.formsteife Hinterkappen seien bei Kalifor-nia- Schuhen ebenfalls vor Anmeldung des Streitpatents verwendet worden, wie die US-Patentschrift 2 414 104 (Kamborian I) deutlich erkennen lasse» Nach den Angaben dieser Druckschrift, insbesondere auf S 1 Sp 2 Z 2S 16-24, 30 und S 2 Sp 4 Z 53, hätten die Kappen aus Stoff bestehen sollen, die so imprägniert seien, daß sie steif seien und, wenn nötig, im Bedarfsfälle zeitweise erweicht werden könnten, z„BP vor oder während ihrer Verbindung mit den anderen Schuhteilen, genau so, wie beim Gegenstand des Streitpatents die festen Kappen vor dem Einarbeiten in heißem Wasser eingeweicht werden sollten« Daß Harze und ähnliche Mittel zu dem Imprägnieren genannt seien, lasse darauf schließen, daß eine besondere Steifheit der Kappe angestrebt werde«. verstärkte oder versteifte Hinterkappen, nicht aber auf steife, formtreue Hinterkappen aus Lederfasermaterial, sog« Lefa-Kappen bezögen«* Gegenüber der Verwendung dieser Lefa-Kappen in Kalifornia-Schuhen habe wegen der Befestigungsschwierigkeiten ein allgemeines Vorurteil bestanden, das die Beklagte erstmalig überwunden habec Die in den US-PatentSchriften erwähnten Mfähvorgänge ließen keine Unterscheidung von Steppstich oder Kettenstich er- sprünglichen Anmeldeunterlagen habe zwar an zwei Stellen hinter den Worten «Preßleder« bzw« «festes Material« in Klammern das Wort «Lewa« - gemeint sei wohl «Lefa« gewesen - enthalten« Dieses «warenzeichenähnliche« Wort sei jedoch von dem Deutschen Patentamt gestrichen worden, so daß mit dieser nicht an die Öffentlichkeit gelangten Bezeichnung nicht der Anspruch auf die Offenbarung eines bestimmten Materials erhoben werden könne« Durch die in der Patentschrift enthaltene unbestimmte Angabe «««„ aus einem bekannten Material wie z«B« Preß-leder o« dgl« «««« könne keinesfalls ein bestimmtes Material, wie Lefa-Ware, bezeichnet werden« Preßleder sei keine Defa^Warei denn diese sei aus Lederfasern gefertigt, die mit Kunstharzen oder Latex angereichert und zu Platten vergossen würden, aus denen die Kappe herausgestanzt und dann unter Wärme am Leisten geformt werden könntep Danach sei die ganze Erörterung, ob die Kappen der Entgegenhaltungen Lefa-Kappen gewesen seien oder aus anderem Material bestanden hätten, gegenstandslos« ein Verschieben des Oberleders beim späteren Einnähen der Innensohle (Brandsohle) zu verhindern« Bei einwandfreiem Verkleben würde an sich das Verkleben allein genügen« Bas Vernähen sollte nur etwaigen Schwierigkeiten Vorbeugen» Auf die Haltbarkeit des Schuhes hatte diese - erste - Steppst'ichnaht keinen Einfluß0' Barauf wurde die aus kaschiertem Stoff oder auch aus Leder bestehende Innensohle (Brandsohle) mit'den bereits zusammengefügten feilen (Schaftleder? förmigen Lederstücke, mit denen der Absatz und der Rand der Zwischensohle überzogen werden, mittels einer Ket-tenstichnaht mit den bereits vernähten Teilen verbunden«» Diese Kettenstichnaht erfaßte also am Fersenteil des Schuhes Schaftleder, Kappe, Futter, Innensohle und Überzugsstreifeno Für die Herstellung dieser - dritten - Raht konnte wegen der Beschaffenheit des Arbeitsstücks keine Steppstichmaschine verwendet werden« Hierfür wurde bereits im Jahre 1948 eine Protos-Kettenstichmaschine benutzt, die zunächst aus dem Tochterbetrieb der Firma Walter üMAaü; in entliehen wurde« An dieser Maschine wurde' eine >im Betrieb hergestellte Vorrichtung mit den erforderlichen Abstandsführungen angebracht« Es wurden nunmehr auch Lefa-Kappen mit glattem unteren. Der Fersenteil, der mit einem Riemen versehen war, war von dem vorderen Teil gelenkfrei äbgesetzt« Was der Zeuge Sch^PI^ über die Herstellung dieser Sandalette bekundet hat, hat eine Bestätigung durch die Aussagen der Zeugen F^|^, und erhalten« Daß diese Sandalette bereits im Mai 2) Die auf Grund der Beweisaufnahme festgestellte Vorbenutzung eines Verfahrens zur Herstellung von Kali-fornia-Schuhen mit Lefa-Kappen im Betrieb der Klägerin zu 18) unterscheidet sich von dem im Streitpatent beschriebenen Verfahren nur dadurch, daß nicht drei Kettenstichnähte, sondern zwei Steppstichnähte und eine Kettenstichnaht verwendet wurden* Dieses Verfahren wurde nach den getroffenen Feststellungen offenkundig vorbenutzt* Das geschah dadurch, daß die nach diesem Verfahren hergestellten Schuhe bereits ab Mai 1949 in den Verkehr gebracht wurden» Da es sich um Ware handelte, die für den Frühjahrs- und Sommerbedarf 1949 bestimmt war, ist sie nach ihrem Eintreffen bei den Einzelhändlern auch sofort von diesen zu dem Verkauf ausgestellt und angeboten worden* Für die Frage der Offenkundigen Vorbenutzung kommt es nur darauf an, ob Sachkundige auf Grund des fertigen Erzeugnisses Kenntnis von dem Herstellungsverfahren erlangen können (HG V..-RUR 1934, 31) o Es kommt nicht darauf an, ob sie eine solche Kenntnis tatsächlich erlangt haben* Die Benutzung braucht auch nicht ohne weiteres durch den bloßen Augenschein-erkennbar zu sein; es genügt vielmehr, wenn sie Dabei ist vor allem su berücksichtigen, daß es sich bei den Kalifornia-Schuhen nicht um Schuhe gewöhnlicher, allgemein bekannter Machart gehandelt hat, an denen die Fachkreise möglicherweise nur wegen der äußeren Modellform hätten interessiert sein können; es handelte sich vielmehr um Schuhe, die damals nach der Währungsreform gerade in Deutschland nicht nur wegen ihrer Form, sondern vor allem auch wegen ihrer Machart in Fachkreisen ein starkes Interesse beanspruchten* Dies galt in besonderem Maße für solche Modelle, die nicht fersenfrei oder nur mit weichen Hinterkappen gearbeitet, sondern mit festen Hinterkappen ausgestattet waren* Diese für den deutschen Markt wegen des Aussehens und der besseren Wie die Beweisaufnahme ergeben hat, ist ein solches Vorurteil jedoch im Betrieb der Klägerin zu 18) bereits im Laufe des Jahres 194*8 überwunden worden* Als im Frühjahr 1949 die mit fester Hinterkappe ausgestatteten Kalifornia-Sandaletten »Cuba7-der Klägerin zu 18) auf dem Markt erschienen, bestand deshalb für den Fachmann durchaus Anlaß und auch die keineswegs fernliegende Möglichkeit, durch eine Untersuchung dieser Schuhe festzustellen, welcher Art die verwendete feste Hinterkappe war und in welcher Weise die Befestigung vorgenommen und der Schuh verarbeitet war* Daß die Kenntnis von diesem Herstellungsverfahren nur bei Zerstörung eines käuflich erworbenen Gegenstandes erlangt werden konnte, schloß angesichts des allgemein bestehenden besonderen Interesses der Fachkreise die Wahrscheinlichkeit für die Vornahme einer solchen Untersuchung keineswegs aus* Mag im allgemeinen eine solche Wahrscheinlichkeit für den Fall, daß die Zerstörung großer wirtschaftlicher Werte notwendig werden würde, auch zu verneinen sein (RG MuW 1956, 409) > so kann dies doch nicht für das Gebiet der Schuhfabrikation gelten, wo es sich nur darum handelt, ein auf dem Markt erschienenes Konkurrenzfabrikat, das nur einen verhältnismäßig geringen Wert hat, durch Auseinandernehmen auf seine Herstellungsweise zu untersuchen*' Für eine solche Offenkundigkeit der Schließlich kann auch dahingestellt bleibem ob eine solche Möglichkeit schon mit Rücksicht auf eine etwaige Reparatur von Kalifornia-Schuhen für die Zeit bis zur Anmeldung des Streitpatents zu bejahen wäre, wie die Kläger unter Hinweis auf das von ihnen vorgelegte Gutachten des Direktors St^gfc der Deutschen Schuhfachschule vom 19 * September 1955 und den Aufsatz HDer California-Schuh und seine Reparatur” in ”Das Schuhmacherhandwerk” 1950 Nr 24 S 289 ausgeführt habeno 5) Die festgestellte offenkundige Vorbenutzung deckt sich mit dem Gegenstand des Anspruchs 1 des Streitpatents nicht nur hinsichtlich der von der Beklagten besonders hervorgehobenen Wahl des Kappenmaterials (Lefa) und des Einklebens der Lefa-Kappen zwischen Schaftleder und Futter, sondern vor allem auch hinsichtlich der Zahl und Reihenfolge der Nähvorgänge sowie der Ausführung der alle fünf Schuhteile (Schaftleder, Hinterkappe, Futter, Innensohle und Bezugstreifen) umfassenden dritten Naht mittels einfachen Kettenstichs» Die Vorbenutzung unterscheidet sich von dem Gegenstand des Anspruchs 1; nur dadurch, daß die beiden ersten Nähte nicht in Kettenstich, sondern in Steppstich ausgeführt worden sind* tionsmerkmale gekennzeichneten Verfahren nach dem Streitpatent auch der Annahme einer -Neuheitsschädlichkeit entgegenstehen, so kann jedenfalls in der Tatsache, daß der Anmelder des Streitpatents nicht nur für die dritte, sondern auch für die ersten beiden Nähte den einfachen Kettenstich vorgeschlagen hat, kein erfinderischer Die Beklagte will das Wesentliche der Erfindung des Streitpatents v.or allem in der Überwindung zweier Vorurteile sehen, nämlich des Vorurteils gegenüber der Verwendung von Defa-Kappen und des Vorurteils gegenüber der Wahl von Kettenstichnähten anstelle von Steppstichnähten bei Herstellung von Kaliforn*ia-Schuhen«Sie hat hierzu ausgeführt, man habe die einfache Kettenstichnaht vorzugsweise zu dem Nähen von schwerem Material» nämlich bei Arbeits-, Gruben-, Berg-, Jagd- und Sportstiefelschäften verwendet und die besonderen Vorteile, die die Kettenstichnaht wegen ihrer Haltbarkeit und Elastizität bei der Herstellung Schuhe wie der Kalifornia-Schuhe habe, nicht erkannt* Soweit ein solches - von den Klägern bestrittenes - Vorurteil überhaupt bestanden hat, ist es jedenfalls durch die nachgewiesene Vorbenutzung im Betrieb der Klägerin zu 18) überwunden worden, indem man hier, und zwar insbesondere schon aus arbeitstechnischen Gründen, für die dritte Naht, die eigentliche ’»Kalif ornia-TSaht»*, die alle wesentlichen Schuhteile (Schaftleder, Hinterkappe, Futter, Innensohle und Bezugstreifen) miteinander verbinden und damit den Schuh zu dem Tragen bringen soll, den einfachen Kettenstich gewählt hat«, Diese besondere Bedeutung der Kettenstichnaht konnte dem Durchschnitts fachmann bei der Untersuchung des vorbenutzten Schuhes auch nicht entgehen« Es ist nicht richtig, wenn die Beklagte meint, aus der Wahl von zwei Steppstichnähten und nur einer Kettenstichnaht habe der Fachmann entnehmen müssen? seien* Der Fachmann ist ohne weiteres in der Lage, die verschiedene Bedeutung der Nähte zu erkennen» Wie bereits ausgeführt wurde, kann die erste Naht, wenn die Hinterkappe ordnungsmäßig eingeklebt wird, Überhaupt nicht als unbedingt notwendige Maßnahme, sondern allen- -falls als eine zusätzliche, für die Montage des Schuhes nützliche Sicherungsmaßnahme angesehen werdenj durch diese Naht wird die Haltbarkeit des fertigen Schuhes nicht beeinflußt* Auch die zweite Naht, welche die weiche Innensohle (Brandsohle) mit dem Schaftleder verbinden soll, hat im wesentlichen nur die Bedeutung einer Montage^ naht* Dabei ist zu beachten, daß die Wahl der Nahtart - Steppstich oder Kettenstich - in der Schuhbranche eine Frage praktischer, rein handwerklicher Überlegungen ist» Die Entscheidung kann von jedem Fachmann ohne weiteres nach der Beschaffenheit des zu verwendenden Materials, nach dem Verwendungszweck des herzustellenden Gegenstandes und nach den zur Verfügung stehenden Maschinen getroffen werden» Die Steppstichmaschine, die einen Oberund Unterfaden nötig hat, liefert eine festere Naht und verbraucht weniger Garn; die Steppstichnaht geht noch nicht auf, wenn ein Faden bricht. VI* Nach alledem können die Ansprüche 1 und 2 nicht als patentwürdig angesehen werden* Einer Nachprüfung der weiteren von den Klägern behaupteten Vorbenutiungsfälle der Ausstattung von Kalifornia-Schuhen mit Lefa-Kappen bedurfte es ebenso wenig wie einer Entscheidung der Krage? Machart beschränken soll, keinen Erfolg habenc Bei der Kalifornia-Sandalette .«Cuba" der Klägerin zu 18) handelt es sich zwar um eine offene, d«ho gelenkfreie Form* Es kann aber nicht anerkannt werden, daß die Übertragung des streitigen Verfahrens auf geschlossene Schuhformen einen erfinderischen Schritt bedeutete<, Insoweit kann von der Überwindung irgendwelcher Vorurteile oder Bedenken keine Hede sein« Vielmehr lag es im Können des Durch-Schnittsfachmannes, das für die "CubaM-Sandalette angewendete Herstellungsverfahren auch auf die Anfertigung geschlossener Kalifornia-Schuhe zu übertragen« Für die Beurteilung der Patentwürdigkeit des Streitpatents ist schließlich auch die rein handwerkliche Maßnahme, daß im Betrieb der Klägerin zu 18) lediglich zur Verbesserung des Aussehens mit dem Bezugstreifen noch ein schmaler Bederstreifen vernäht worden ist, ohne Bedeut ungv Aus der Vernichtung der Ansprüche 1 und 2 ergibt sich ohne weiteres auch die Patentunwürdigkeit der Ansprüche 3 und 4, da sie für sich allein keine weiteren erfinderischen Maßnahmen enthalten« Eine fersenförmige Einlage zwischen Brandsohlenersatz (Innensohle) und Keilabsatz (Anspruch 3) ist bereits durch die US-Patent-schrift 2 341 676 (Walsh) bekannt geworden» Mit der Heufassung des Anspruchs 4 erkennt die Beklagte an, daß auch der mit einer Gelenkstütze versehene keilförmige Absatz an sich bekannt ist ("American Shoeraaking" vom 8o September 1948 S 66) o