BGH · I ZR 191/53
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Entdeckt die Reparaturwerft bei Ausführung der Reparaturarbeiten einen die Seetüchtigkeit des Schiffes beeinträchtigenden Mangel oder hätte sie ihn bei Anwendung der gebotenen Sorgfalt ent** decken müssen, so hat sie dies dem Besteller/ -(Schiffseigner) mitzuteilen und seine Entschließ" .. hat der Erste Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 28o Oktober 1955 unter Mitwirkung der Bundesrichter Dr0 Wilde, Drö Bock, Dr* Nastelski, Br« Weiß und Pro Nörr für Recht erkannt: Der Kläger ist Kaskoversicherer des 300 BIT großen Küstenmotorschiffs <3as ira ^a^re 1949 bei der Nebenintervenientin erbaut wurde und dem Kapitan gehört«, Die Beklagte hat das Schiff im Jahre 1950 zweimal nach Schäden re- . Am \2c September 1950 befand sich MS© nur in Ballast mit gefüllter Vorpiek fahrend* bei stürmischem Wetter und zunehmendem Seegang auf einer Reise von Brevik nach Hauge-' sundo Da der Propeller des Schiffes mehrfach aus dem Wasser tauchte, ließ Kapitän die Vorpiek lenzen* .um hier- Das Schiff wurde erneut bei der Beklagten eingedockt* um repariert und in einen seetüchtigen Zustand versetzt zu werden© Es zeigte sich, daß der Schiffsboden diesmal teilweise bis zu 140 mm hochgeschlagen war© Die zur Reparatur und Verstärkung erforderlichen Arbeiten wurden der Beklagten zu dem Preise von 29 000 DM, zuzüglich 615 DM Dockkostenr in Auftrag gegeben© satz wegen Mangels des Werkes© Die Beklagte sei* so meint der Kläger, verpflichtet gewesen, vor Abgabe ihres Angebots anläßlich der ersten Reparatur des Schiffes zu'prüfen, welche Arbeiten notwendig seien, um das Schiff in einen seefähigen Zustand zu versetzen© Wäre die Beklagte dieser Pflicht nachgekommen, so hätte sie die fehlerhaften Arbeiten der Bauwerft, insbesondere die unzulässige Zickzackschweißung am Kielschwein, festgestellt und wäre in der Lage gewesen, dem Schiffseigner einen sacHge-mäßen Reparaturvorschlag zu unterbreiten© Die Beklagte habe sich darauf beschränkt, die Maßnahmen zur Beseitigung der äußer liehen Schadensfolgen und Verstärkungen der Bodenkonstruktion vorzuschlagen, ohne infolge ihrer schuldhaft mangelhaften Untersuchung zu erkennen, daß die wahre Schadensursache in der fehlerhaften Zickzackschweißung am Kielschwein liege© Die Beklagte habe aber auch ihre eigenen Schweißarbeiten bei Io Pas Berufungsgericht geht rechtsfehlerfrei davon aus* daß der Kläger berechtigt ist«, etwaige Ansprüche des Schiffs eigners gegen die Beklagte auf Grund vertraglicher Abtretung geltend zu machen« .Pie ausdrückliche Übernahme einer solcher Verpflichtung ist nicht festgestellto Jedoch konnten sich solche Pflichten sowohl aus den vorvertraglichen Verhandlungen ergeben als auch nach Abschluß des Reparaturaufträges entstanden seino Bas Berufungsgericht geht offensichtlich davon aus« daß die Schäden* die das Schiff am l2o/l3o September 1950 erlit- • ten hat, zu dem mindesten in der Hauptsache nicht auf Grundberüh-, rung, sondern auf Seeschlag zurückzuführen sindo Jedenfalls muß dies für die Revisionsinstanz unterstellt werden« Wenn der Schiffsboden schwerer See nicht genügend widerstehen kannr so liegt nach der Lebenserfahrung der Schluß nahe, daß gonstruk-tions- oder Baufehler vorliegend Bieshaben die Beteiligten auch im vorliegenden Palle erkannt, wie sich aus der Aussage des Zeugen Oberingenieur^JJ^, Prokuristen der Beklagten«, ergibt; "Es war eine auffällige Sache, die wir sonst nicht zu sehen bekommen ooooo Ich habe in meiner 14jährigen Praxis noch nicht gesehen, daß in einem Schiff die ganzen Bodenstücke ausgewichen sindo" War dem so, dann hatte die Beklagte aber auch die Pflich zwecks Aufstellung geeigneter Reparaturvorschläge der Schadensursache nachzugehen0 Benn 'die Beseitigung der rein äußerlichen Schäden war nutzlos und barg sogar durch Vortäuschung eines ord nungsgemäßen Zustandes schwere Gefahren in sich, wenn nicht die Schadensursache festgestellt und beseitigt und damit die Wiederholung eines ähnlichen Schadensereignisses bei schwerem Seegang mit vielleicht noch schlimmeren Folgen ausgeschlossen wurde*. In der Erkenntnis dieser Verpflichtung und in der Meinung, der Bodenschaden sei auf einen zu schwachen Bau des Schiffes zurückzuführen, es lägen also Konstruktionsfehler vor, hatte die Beklagte dem Schiffseigener die Verstärkung des Bodenverbandes vorgeschlagen, die dann auf Kosten des Schiffseigners durchgeführt wurde, nachdem der Kläger die Übernahme solcher Kosten abgelehnt hatte« Ob die Beklagte für ihre Meinungsbildung, wie nahe liegt, sich die Zeichnungen hätte vorlegen lassen müssen und dann auch die unsachgemäße Schweißung hätte feststellen können oder ob sie sich mit der Augenscheinsein-nahme begnügen konnte, ist in erster Linie Tatfrageo Das Berufungsgericht hat, wenn auch nicht ausdrücklich, so doch nach dem Zusammenhang der Gründe angenommen* daß die Beklagte sich die Pläne nicht vorlegen zu lassen brauchte«, Ein Revisionsangriff ist in dieser Richtung nicht erhoben* Es treffe zwar zu, daß das Verhalten der Ingenieure der Beklagten generell geeignet gewesen sei, den entstandenen zweiten Schaden herbeizuführen, wenn sie unterlassen hätten, dem Schiffseigner notwendige Arbeiten trotz Erkennens ihrer Notwendigkeit zu nennen* Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme könne aber den Ingenieuren ein Verschulden nicht zugerechnet werden* Pie Ingenieure und hätten darauf hinge- Ein mitwirkendes Verschulden des Schiffseigners kommt nicht in Frage, da er sich darauf verlassen durfte, daß ihm die Beklagte auf Grund ihrer Sachkunde sachgemäße Vorschläge, die die Wiederholung eines gleichen Schadensereignisses aus-schlossen, machen würdeD Es ist auch nicht .ersichtlich, daß der Schiffseigner solche Vorschläge abgelehnt hätte, da er den von der Beklagten für erforderlich gehaltenen Auftrag zur Verstärkung des Schiffsbodens erteilt hato IIo Per Kläger stützt seinen Zahlungsanspruch weiterhin auf § 635 BGBs Purch unsachgemäße Ausführung der Reparaturarbeiten sei der zweite Schadensfall verursacht oder jedenfalls mitverursacht worden* Pie Beklagte bestreitet diese Ursächlichkeit und behauptet, allein die der Schiffswerft unterlaufenen Fehler hätten auch den zweiten Bodenschaden herbeige- . turbedingungen dem Schiffseigner und damit dem Kläger nur der in § 633 BGB vorgesehene Nachbesserungsanspruch, jedoch kein Schadensersatzanspruch zustehe« Der Schiffseigner müsse diese Bedingungen, auch wenn sie ihm nicht überreicht worden seien, gegen sich gelten lassen, da sich die Beklagte in allen Bestätigungsschreiben ausdrücklich hierauf bezogen habe« Die Freizeichnungsklausel der Beklagten verstoße auch nicht gegen die Militärregierungsverordnung Nr 78 und sei nicht sitten-widrig«» Die Beklagte habe keine Monopolstellung eingenommen, da das Schiff auch be^derWerft^Jp^ hätte instand gesetzt werden können« DiDock- und Heparaturbedingungen könnten nur als allgemeine Geschäftsbedingungen angesehen werden, die eine technische Abwicklung von Werkverträgen vorsähen, da es sich nur darum handle, wer das Risiko eines Repa-raturfehlers zu übernehmen und damit für den Versicherungs.-schütz aufzukcmmen habe* Eine Ungültigkeit dieser Bedingungen ergebe sich auch nicht aus ihrer Verbindung mit dem Docktarif oder daraus, daß sich die Beklagte auch von vorsätzlich schädigendem Verhalten ihrer leitenden Angestellten habe freizeich- Demgegenüber führt die Revision aus's Das Berufungsgericht habe den eigenen Sachvortrag der Beklagten übersehen, nach dem sich die Geltung der Dock- und Reparaturbedingungen über alle See- und Flußschiffswerften verbreitet habe« Auch habe es nicht berücksichtigt, daß die vier an dem^PJHB) Docktarif beteiligten Werften 94 $ der gesamten Schiffsneubau-tonage auf sich vereinigten« Der Tarif verstoße daher gegen die Verordnung Nr 78, die Nichtigkeit des Tarifes habe auch die Nichtigkeit der einen Bestandteil dieses Tarifes bildenden Bedingungen zur Folge« Die Freizeichnungsklausel enthalte auch nicht nur eine allgemeine Regelung des technischen Geschäft sab laufe, sondern eine echte Wettbewerbsbeschränkung, da nach dem Vortrag der Beklagten das Risiko der Werft bei einer Reparatur nicht abzusehen sei und ein Vielfaches der Reparaturkosten ausmachen könne, eine Haftpflichtversicherung hiergegen aber an den hohen Prämien scheitere« Tatsächlich komme auch ein solcher Versicherungsschutz nicht in Betracht» Die Beklagte nutze ihre Monopolstellung in unzulässiger Weise auso Der dem Besteller aufgezwungene Verzicht auf alle Ansprüche bedeute eine ungerechtfertigte und unbillige Verteilung der Rechte und Pflichten Die in den Bedingungen enthaltene Freizeichnungsklausel von vorsätzlichem Verhalten habe die Unwirksamkeit der Bedingungen überhaupt zur Folge« Die Beklagte hätte den Schiffseigner auch auf die Freizeichnungsklausel ausdrücklich hinweisen müssen« Schließlich hafte die Beklagte dem Schiffseigner auch nach § 825 Abs 1 BGB; auf einen solchen Anspruch beziehe sich aber die Freizeichnungsklausel nicht« Bei unsachgemäß ausgeführten Reparaturarbeiten hat der Besteller, wie zwischen den Parteien unstreitig ist, einen Nach-besserungsanspruch, der auch nicht durch allgemeine Geschäftsbedingungen ausgeschlossen werden könnte (§ 158 BGB)« Er hat den Anspruch darauf, daß das Schiff entsprechend dem erteilten Auftrag wieder in Ordnung gebracht wird« Wenn ftach den Bedingungen "Schadensersatzansprüche irgendwelcher Art, auch auf Wandlung oder Minderung, ausgeschlossen” sind, so kann dies nicht dahin ausgelegt werden, daß sich die Werft auf die Unmöglichkeit einer Nachbesserung beruft, wenn diese Unmöglichkeit gerade dadurch hervorgerufen wurde, daß die Ausbesserung mangelhaft war« Vielmehr erfordern Treu und Glauben, daß die Werft das Schiff wieder in ordnungsgemäßen Zustand zu bringen hat, wenn eine Nachbesserung im eigentlichen Sinn infolge der unsach gemäßen Ausführung einer Reparatur und einem damit in Zusammen-hang stehenden Schadensereignis unmöglich geworden istn Mag es sich hier im gesetzlichen Sinn um einen Schadensersatzanspruch handeln, so kann sich doch die Werft dem Verlangen auf Wiederherstellung eines ordnungsgemäßen Zustandes nicht entziehen, ohne sich durch Berufung auf die PreiZeichnungsklausel dem Vorwurf unzulässiger Rechtsausübung auszusetzen« Die Freizeichnungsklausel hat, wie die Beklagte selbst in ihrem Schriftsatz vom Io November 1952 ausgeführt hat, den Sinn, die Werft vor unvorhersehbaren Risiken,die ein Vielfaches der Reparaturkosten ausmachen können, freizuhalteno Sie will die Pflichten des Unternehmers in der Hauptsache auf solche Ausbesserungsarbeiten beschränken, die dieser normalerweise in seinem eigenen Betrieb durchführt« In diesem Rahmen halten sich auch die Schäden, die das Schiff bei dem zweiten Schadensereignis erlitten hat« Der Gedanke der Ausschaltung nicht zu demutbarer Risiken scheidet hier auso Wollte sich die Beklagte unter Berufung auf das eingetretene Schadensereignis und die Freizeichnungsklausel der Verantwortung entziehen, so würde der Besteller der mangelhaften Vertragserfüllung gegenüber rechtlos sein« Im praktischen Ergebnis handelt es sich im vorliegenden Fall um eine Nachbesserung, mag diese auch infolge der verborgen gebliebenen Mängel der Ausbesserung einen größeren Umfang angenommen haben, als wenn sie vor der Wiederinbetriebsetzung des Schiffes vorgehom-