BGH · I ZR 189/53
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Hinsichtlich der beiden eingangs angeführten Aufträge erwiderte die Klägerin mit Schreiben vom 8» Juli 1948 auf das Rücktrittsschreiben der Beklagten vom Vortage, «diese Aufträge Seien inzwischen ausgeführt worden, die Versandanzeigen dürften auch bereits in den Händen der Beklagten sein; die Berechnung des Materials erfolge in den nächsten Tagen”» Am 20» Juli 1948 erhielt die Beklagte dann von der Klägerin zwei vom 16* und 17» Juni 1948 zurückdatierte Rechnungen, in denen der Gesamtkaufpreis auf 19 417,08 RM angegeben war* Die Beklagte überwies der Klägerin daraufhin am 6« August 1948 - unter Umstellung des vorgenannten Rechnungsbetrages im Verhältnis 10 % 1 - 1 941,70 RM« Biese Zahlung nahm die Klägerin ohne Widerspruch an* Die Beklagte widersprach dieser Preisnachforderung mit Schreiben vom 10„ Oktober 1950 mit dem Hinweis, dass die Grubenschienen zu dem Teil schon vor dem WahrungsStichtag auf ihrem Anschlussgleis eingegangen seien« Im übrigen -habe die Klägerin die Lieferung der schon im September 1947 und März 1948 bestellten Schienen bis zur Währungsreform hinausgezögert, obwohl sie nach ihrer eigenen Erklärung noch Bestände vorrätig gehabt habe,. Zur Begründung der restlichen Klageforderung nebst Zinsen hat die Klägerin vorgetragen, die Auslegung des § 18 Abs 1 Ziff 2 UmstG sei von Anfang an umstritten gewesen* Sie habe deshalb das Ergebnis des Musterprozesses der Deutschen Kohlenbergbauleitung gegen die Hüttenwerke abgewartet und nach dessen Ausgang die restliche Korde-rung gegen die Beklagte geltendgemacht« Die Beklagte hat Klageabweisung beantragt« Sie hält sich zu der geforderten Nachzahlung schon mit Rücksicht auf den von ihr erklärten Rücktritt vom Vertrage nicht für verpflichtet« Ausserdem hat sie den Einwand der Verwirkung des Klageanspruchs erhoben, weil die Klägerin mit ihrer Forderung unverhältnismässig lange zugewartet habe; erst acht Monate nach Erlass des von.ihr angezogenen Urteils habe sie die Nachforderung geltendgemacht« Das Berufungsgericht geht in Übereinstimmung mit der Senatsrechtsprechung (BGHZ 1, 4) davon aus, dass heim Versendungskauf die Lieferung im Sinne des § 18 Abs 1 Ziff 2 UmstGr erst dann als bewirkt anzusehen ist, wenn die Ware in die Verfügungsgewalt des Käufers gelangt ist, und zieht daraus zutreffend für-den vorliegenden Sachverhalt die Folgerung, dass der Kaufpreis für die „der Klageforderung zugrunde liegenden Lieferungen an sich im Verhältnis 1 % 1 in voller Höhe in DM zu bezahlen gewesen sei* Rechtlich unbedenklich ist die weitere Annahme des Berufungsgerichts, dass die Beklagte rechtswirksam durch ihre Schreiben vom 7» Juli 1948 von den streitigen Kaufverträgen gemäss § 20 UmstU 2urückgetreten sei* Zu Unrecht bekämpft die Revision diese Auffassung des Berufungsgerichts unter Hinweis auf die Reichsgerichtsrechtsprechung zu dem vertraglichen Rücktrittsrecht (Nachweise bei Soergel-Lindenmaier, B1B Anm 2 zu § 349). mit der Begründung, der seitens der Beklagten erklärte Rücktritt sei an eine Bedingung geknüpft worden, er sei deshalb als einseitige Willenserklärung, die.bedingungsfeindlich sei, rechtsunwirksam* Von einer solchen Bedingung kann nach dem Inhalt der Rücktrittsschreiben der Beklagten keine Rede sein* Darin ist eindeutig zu dem Ausdruck gebracht, dass der Rücktritt sofort wirksam und vorbehaltlos sein sollte* Durch die Rücktrittserklärung sollte sofort ein bestimmter Rechtszustand, nämlich die Auflösung der streitigen Verträge, geschaffen werden* Diese Rechtswirkung sollte in jedem Ralle bestehen bleiben, und zwar auch für den Pall, dass unter den Parteien eine Neuregelung ihrer Rechtsbeziehungen, wozu sich die Beklagte Mit der Zusendung der Rechnungen nach vorheriger Ankündigung einer neuen Berechnung des gelieferten Materials habe die Klägerin der Beklagten ein Angebot dahin gemacht, dass sie mit einer Umstellung 10 s 1 einverstanden sei, so als ob die Schienen schon vor dem Währungsstichtag in die Hände der Beklagten gelangt seien und die Zahlung des Kaufpreises noch eine Reichsmarkverbindlichkeit darstelle« Anders habe die Beklagte das Verhalten der Klägerin nicht auffassen können, zu demal die Beklagte ihr schon vorher (durch ihre Rücktrittsschreiben) zu erkennen gegeben habe, dass sie eine Abwicklung der Geschäfte auf der Umstellungsbasis 1 § 1 in DM ablehnen müsse, und die Klägerin daraufhin erklärt habe, sie*werde die Berechnung in den nächsten Tagen vornehmen* Mit der Zahlung des Betrages von 1 941?70 DM habe die Beklagte der Regelung zugestimmt, wie sie die Klägerin vorgeschlagen habe, die damit auf 9/10 ihres Rechnungsbetrages verzichtet habe. Diese Urteileausführungen geben zu rechtlichen Bedenken keinen Anlass, Die vom Berufungsgericht angenommene Einigung der Parteien auf Zahlung eines DM-Betrages, der einer Umstellung des Reichsmark-Kaufpreises im Verhältnis 10 j 1 entsprach, war nach der Währungsreform nach dem Grundsatz der Vertragsfreiheit ohne weiteres zulässig» Soweit die Revision demgegenüber geltendmacht, ein derartiges Vertragsangebot sei von der Klägerin nicht gemacht worden, so handelt es sich dabei um einen Angriff gegen die die Auslegung eines Individualvertrages betreffenden tatsächlichen Feststellungen des Berufungsgerichts, mit dem die Revision nur dann durchdringen könnte, wenn das Berufungsgericht gegen die Denkgesetze oder ErfahrungsSätze verstossen oder wesentlichen Auslegungsstoff unberücksichtigt gelassen hätte. 3ie in Beantwortung des Rücktrittssehreibens der Beklagten vom Vortage die Berechnung des streitigen Materials für die nächsten Tage in Aussicht stellte, als Angebot zur Neuregelung des Kaufpreises auf der Basis des 1/10 DM Preises, ist rechtlich nicht nur möglich, sie war auch, wie das Berufungsgericht zutreffend ausgeführt hat, naheliegend, da die Beklagte durch ihre Rücktrittsschreiben zu dem Ausdruck gebracht hatte, dass sie eine Abwicklung der Geschäfte auf der Ums te Hung sbasls 1 5 1 ablehnen müsse, und die Beklagte daraufhin die Berechnung des streitigen Materials in den nächsten Tagen in Aussicht gestellt hatte* Wenn die Klägerin nunmehr diesen Kaufpreis - im Gegensatz zu den anderen, noch nicht abgewickelten Aufträgen (Nr 2230/47 und 613/48), für die gemäss den Schreiben der Parteien vom 18* und 19« Juli 1948 der am Lieferungstage geltende Verbandspreis, also ein BM-Preis vereinbart wurde - auf Reichsmarkbasis er-rechnete, so ist der Schluss gerechtfertigt, dass der Kaufpreis für die der Klage zugrunde liegenden Aufträge auf dieser Reichsmarkgrundlage bemessen und damit im Verhältnis 10 s 1 behandelt werden sollte« Soweit die Klägerin demgegenüber meint, sie habe keine Veranlassung gehabt, ihre Rechtsstellung, die ihr einen Anspruch auf Umstellung des Kaufpreises im Verhältnis 10 s 1 gewährte, zu verschlechtern, so ist dem entgegenzuhalten, dass damals die Frage der Höhe der Umstellung, wie sie selbst besonders betont, noch ungeklärt war* Ausserdem wird sich möglicherweise die Klägerin bei dieser unklaren Rechtslage mit 1/10 des DM-Preises auch deswegen zufriedengegeben haben, weil sie selbst für diese Lieferungen ersichtlich nur Reichsmark aufgewendet hatte und hinsichtlich der noch nicht abgewickelten Geschäfte bei der Klägerin die Zahlung des am Lieferungstage geltenden das Berufungsgericht habe bei Auslegung des in Rede stehenden Verhaltens der Parteien unberücksichtigt gelassen, dass die Beklagte die streitigen Schienen an die Klägerin trotz Rücktrittserklärung gar nicht habe herausgeben wollen„ Abgesehen davon, dass sich eine solche Rückgabepflicht als Rück-trittsfolge ohne weiteres aus dem Gesetz ergibt, läuft dieses Vorbringen der Klägerin auf die neue und daher in der Revisionsinstanz unbeachtliche Behauptung hinaus, der von der Beklagten erklärte Rücktritt sei nicht ernstlich gemeint gewesen,, Nach alledem kann der Revision, nicht darin gefolgt werden, dass das Verhalten der Beklagten, nämlich die Zahlung des 1/10 DM-Betrages, in Verbindung mit der vorher seitens der Klägerin erfolgten Zusendung der Rechnungen in Reichsmark höchstens als ein Verzicht der Beklagten auf ihr Rücktrittsrecht angesehen werden könne, der' von der Klägerin angenommen worden sei„