BGH · I ZR 179/53
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Rechtssatzs a) Ist der westdeutsche Schuldner eines stadteigenen Berliner Geldinstituts wegen der gleichen Forderung der Inanspruchnahme durch ostsektorale Stellen ausgesetzt, so steht der Feststellungsklage des Geldinstitute nicht entgegen/Ra£ das Geldinstitut schon jetzt Leistungsklage auf Verurteilung zur Zahlung 1jug~um Zug gegen Leistung einer die mögliche (vgl BGH - IM Nr 2 zu § 275 BGB) * b) Der Schuldner kann in einem solchen Falle der Feststellungsklage nicht entgegenhalten> daß er rnTt^Suc^Tcht auf die Gefahr einer doppelten Inanspruchnahme berechtigt sei* die Leistung zu verweigernd Er ist durch die Rechtskraft des nur seine Zahlungspflicht feststellenden Urteils nicht gehindert einer künftigen Leistungsklage das Leistungsverweigerungsrecht entgegenzusetzen» wenn alsdann die materiellen Voraussetzungen für die Zubilligung dieses Rechts noch gegeben sein sollten* - Prozeßbevollmächtigters Rechtsanwalt Prof0Pr, hat der Erste Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 25© Februar 1955 unter Mitwirkung der Bundesrichter Prfl Iug«, Wilde* Dre Birnbach* Pr0 Book* Pr0 Nastelski und Dr^ Weiss für Recht erkannt Pie Revision des Beklagten gegen das Urteil des 26 Zivilsenats des Kammergerichts in Berlin vom 16o Juni 1953 wird auf seine Kosten zurückgewiesen, Die Klägerin hat die Feststellung begehrt, daß der Beklagte zur Zahlung der für die Zeit vom 1» April 1945 bis zu dem 31o Dezember 1951 erfallenen Zinsen verpflichtet sei* Von der Erhebung einer leistungsklage hat sie mit der Begründung abgesehen, daß der Anspruch durch die Grundschuld gesichert und die Gefahr einer doppelten Inanspruchnahme des Beklagten gegeben sei, weil das mit der Grundschuld belastete Grundstück im Ostwährungsgebiet liege* Sie hat beantragt, festzustellen, Mit der Revision verfolgt der Beklagte seine früheren Anträge weiter« Die Klägerin bittet um Zurückweisung des Rechtsmittels« Sie hat sich in der mündlichen Verhandlung bereiterklärt, dem Beklagten ausreichende Sicherheit gegen die Gefahr einer doppelten Inanspruchnahme zu leisten« I« Das Berufungsgericht ist’ in Übereinstimmung mit dem Landgericht davon ausgegangen, daß die Klägerin zur Geltendmachung der Klageforderung aktiv legitimiert sei« Es hat aus geführt, die Berliner Stadtbank, ein Sondervermögen der Klä- vorgebrachte Rüge der Revision, das Berufungsgericht habe unter Verletzung der Bestimmung des § 139 ZPO den Vortrag des Beklagten nicht genügend beachtet«- daß der der Klageforderung zugrunde liegende Überziehungskredit ebenso wie frühere Kredite von der im Ostsektor Berlins gelegenen Zentrale der StjflMP gewährt worden sei., ist nicht begründet* Für die räumliche Zuordnung der Forderung bleibt in jedem Falle der Ort der Kontenführung maßgebend* Selbst wenn aber aus dem Umstande, daß die Kredite und insbesondere der hier in Betracht kommende Überziehungskredit von der Zentrale der Berliner St^HH) bewilligt worden sind, entnommen werden könnte, daß die Klageforderung im Ostsektor Berlins begründet worden sei, wäre die Klagebefugnis der Klägerin nicht in Zweifel zu ziehen, da die Forderungen der Be^B^ nach den Ausführungen des Urteils vom 17» März 195.3 II* Dem Berufungsgericht ist im Ergebnis auch insoweit beizutreten, als es das nach § 256 ZPO für die Klage erforderliche Feststellungsinteresse bejaht hat,, Ein rechtliches Interesse an der alsbaldigen Feststellung des Bestehens oder Nichtbestehens eines Rechtsverhältnisses ist im Sinne des § 256 ZPO insbesondere dann gegeben, wenn für den Kläger. Das Feststellungsinteresse der Klägerin ist unter diesen tfj ständen nicht in Abrede zu stellen«, Für eine bejahende Fes stellungsklage ist zwar* wie auch das Berufungsgericht ni< verkennt, im allgemeinen kein Rechtsschutzbedürfnis ge gebe, 7/enn der Kläger dasselbe Ziel durch eine Klage auf Leistung erreichen kann« Diese Regel, die ihre Rechtfertigung darin findet, daß im Falle der Feststellungsklage trotz des Fest stellungsausspruchs ein Vollatreckungstitel nur auf Grund, eines neuen Rechtsstreits erlangt werden kann* während die erfolgreiche Leistungsklage zugleich die zwangsweise Durch-: führung des Anspruchs sichert und daher dort vorzuziehen ^ wo sie statthaft ist (RGZ 92* 37? gilt aber nicht nahmslos« Die Feststellungsklage ist gegenüber.der LeistuMS-klage nicht nur subsidiär gegeben« Die Frage, ob trotz der ft Möglichkeit einer Leistungsklage ein Rechtsschutzb.edürfnis für eine Feststellungsklage besteht, ist vielmehr stets nacJL den Besonderheiten des einzelnen Falles zu entscheiden und I insbesondere dann zu bejahen, wenn die Durchführung des Fesf-stellungsVerfahrens zu einer abschließenden oder doch wirtschaftlich sinnvollen Entscheidung des Farteistreites führt (BGHZ 2f 250 £252/55/; Rosenberg aaO; Stein-Jonas-Schönke aaO)« Im vorliegenden Falle hätte die Klägerin zwar die Leistungsklage erheben und auch dadurch die Klärung der Rechtslage herbeiführen können« Zu berücksichtigen ist indessen, daß dem Beklagten* wie noch auszuführen sein wird, gegenüber der Leistungsklage mit Rücksicht auf die Möglichkeit des Zugriffs ostzonäler Verwaltungsstellen auf sein Ostwährungsgebiet belegenes Grundvermögen ein Leistungsver-; weigerungsrecht zuzubilligen gewesen wäre (ürt des erkenn**" Senats vom 17* März 1955 - HJW 1953, 861)« Wenn die Kläger* dem auch durch das Anerbieten einer Sicherheitsleistung begegnen können, so hätte sie doch nur erreichen können, der Beklagte Zug um Zug gegen Leistung der Sicherheit zur Zahlung verurteilt worden wäre (Urt des erkennenden Senats die streitige Forderung schon jetzt, also trotz der Gefahr einer doppelten Inanspruchnahme des Beklagten bei-zutreiben» Fehlt jedoch der Klägerin, wie nach ihren Ausführungen - sie hat ausdrücklich erklären lassen? diese Absicht« so bietet die leistungsklage mit dem gegenwärtig allein erreichbaren Ergebnis einer Zug-um-Zug-Verurteilung des Beklagten gegenüber der Feststellungsklage prozeßwirtschaftlich keinen Vorteil* Denn die Klägerin ist? führt bei der gegebenen Sachlage zu einer zweckentsprechend den Beschränkung des Streitstoffes auf die im gegenwärtigen Zeitpunkt allein streitigen Fragen und ist deshalb prozeßwirtschaftlich sinnvoller als die entsprechende Deistungs-klage0 Gegen ihre Zulässigkeit bestehen daher keine durchgreifenden Bedenken«, Wenn die Revision demgegenüber.meint? spruchnahme beseitigt ist, oder indem er* falls die Klägerin entgegen ihrer derzeitigen Absicht vor diesem Zeitpunkt auf Leistung klagen sollte* den Klageanspruch mit d Maßgabe anerkennt, daß er zur Leistung Zug um Zug gegen en sprechende Sicherheit bereit sei* Die in der Revisionsinst&är abgegebene Erklärung der Klägerin* sie sei nunmehr bereit, dem Beklagten ausreichende Sicherheit gegen die Gefahr ein doppelten Inanspruchnahme zu leisten, hat an dieser Rechts läge nichts geändert* Ist die positive Beststellungsklage einmal zulässig erhoben worden und wird während des Prozesses die Leistungsklage möglich* so braucht der Kläger- von hier nicht in Betracht kommenden Ausnahme fällen abgesehen -nicht von der Peststellungsklage zur Leistungsklage Überzug gehen (BGH LM Nr 5 zu § 256 ZPO = NJW 1952. stellungsklage daher selbst dann nicht in Präge gestellt,; wenn mit Rücksicht auf jene Erklärung der Klägerin nunmehr •die Leistungsklage prozeßwirtschaftlieh als ebenso sinnvoll] wie die anhängige Peststellungsklage angesehen werden könnt« III< In der Sache selbst hat* das Berufungsgericht den Erfüllungseinwand des Beklagten für unbegründet erachtet* Seine Ausführungen beruhen insoweit auf tatsächlicher Würdigung des Ergebnisses der Beweisaufnahme und sind rechtlich nicht zu beanstanden* Die Revision hat sie auch nicht angegriffen* auf die unstreitig bestehende Gefahr einer doppelten Inan-spruchnahme eine solches Hecht entsprechend den Ausfüllungen des erkennenden Senats in dem Urteil vom 17* März 1953 zustehe und dieses Refeht auch gegenüber der Peststellungsklage Beachtung finden müsse* wenn die Klägerin schon jetzt Zahlung verlangt hätte« Denn da der Beklagte nach dem vorgetragenen Sachverhalt im Ostwährungsgebiet belegenes Grundvermögen besitzt und überdies zur Sicherung der streitigen Forderung an diesem Vermögen eine Grundschuld bestellt hat, ist er, wie auch die Klägerin nicht verkennt, dem Zugriff ostzonaler Verwaltungsstellen und damit einer doppelten Inanspruchnahme wegen der streitigen Forderung ausgesetzt« Die Voraussetzungen» unter denen den Schuldnern der Berliner Stadtbank nach den Ausführungen des erkennenden Senats in dem Urteil vom 1?« März 1953 ein aus § 242 BGB herzuleitendes Leistungsverweigerungsrecht zu gewähren ist, sind daher für den Beklagten gegeben« Wenn das Berufungsgericht demgegenüber meint, daß im vorliegenden Falle die Zubilligung eines Leistungsverweigerungsrechts nicht in Betracht komme«, weil der Klageforderung ein Personal-und kein Realkredit zugrunde liege, so kann dem nicht beigetreten werden* Für die Frage, ob ein Leistungsverwejgerungsrecht zuzubilligen ist, kommt es in den hier in Rede stehenden Fällen allein darauf anf ob die Gefahr einer doppelten Inanspruchnahme des Schuldners besteht* Ist diese Gefahr gegeben, so ist die Zubilligung des Leistungsverweigerungsrechts ohne Rücksicht auf den Entstehungsgrund der Forderung geboten da es mit Treu und Glauben nicht zu vereinbaren ist, diese aus Veränderungen auf der Gläubigerseite herrührende Gefahr dem Schuldner aufzubürden* wäre, auch gegenüber der gegenwärtigen Feststellungsklage bt rücksichtigt werde® Das Leistungsverweigerungsrecht soll fl Beklagten gegen die Gefahr einer doppelten Inanspruchnahme schützen® Der Beklagte soll berechtigt sein* die Leistung vor üb er gehend, d®h® solange zu verweigern, wie diese Gefahr besteht® Das Leistungsverweigerungsrecht 3äßt aber den Bestand der streitigen Forderung als solchen unberührt® Deshalb kann es zwar einer Leistungsklage entgegengehalten werden» Gegenüber einer Feststellungsklage, mit der lediglich die Feststellung der Zahlungspflicht, jedoch kein Deisti^sgebo^ erstrebt wird, ist dafür aber kein Bavuju Die Revision äußer demgegenüber unter Hinweis auf die Entscheidung des Reichs© richts in RGZ 144, 220 jT?227 Bedenken dahin, daß der Beklagt^ möglicherweise durch die Rechtskraft eines seine Zahlungspflicht schlechthin feststellenden Urteils gehindert sein könne® einem späteren Leistungsbegehren der Klägerin das Leistungsverweigerungsrecht entgegenzusetzen® Diese Bedenk sind jedoch nicht begründet® Das Reichsgericht hat aaO zwar - mit Recht - ausgesprochen, daß nach einer rechtskräftigen Feststellung entsprechend dem Grundgedanken des § ?6? Das aber auf Einwendungen, zu beziehen« die den Anspruch selbst Jj^ treffen und kann jedenfalls nicht für Einreden gelten, die» wie im vorliegenden Falle, dem Schuldner nur ein vorübergehen Leistungsverweigerungsrecht gewähren und denen deshalb - oh daß sie den Bestand des Anspruchs berührten - lediglich gefew/ über einem Leistungsgebot Bedeutung zukommen kann (vgl das« Stein-Jonas-Schönke Anm V 2 zu § 256 ZPO)® Ein LeistungsgeA^^ ist aber in der von der Klägerin erstrebten Feststellung enthalten® Der Beklagte ist daher durch das angefochtene, tc,«-diglich seine Zahlungspflicht, also das Bestehen des streike/ Rechtsverhältnisses feststellende Urteil nicht gehindert, IV« Mit Recht hat das Berufungsgericht es schließlich abgelehnt r dem Hilfsantrage des Beklagten Polge zu geben« Die ange-fochtene Entscheidung wird insoweit schon durch die Erwägung getragen, daß die Sicherheiten für die Hauptschuld gestellt worden sind«, diese aber nicht Gegenstand der Klage ist, und daß aus demselben Grunde auch der Anspruch auf Herausgabe des Schecks noch nicht erhoben werden kann« Auf die weiteren Ausführungen« mit denen das Berufungsgericht die - von der Revision übrigens nicht angegriffene - Ablehnung des Hilfsantrages begründet hat, brauchte unter diesen Umständen nicht eingegangen zu werden«.