BGH · I ZR 157/55
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“Worte KÖIHISCH EIS gesch"* Die Worte "RÖMISCH EIS" sind dabei durch Großdruck noch besonders hervorgehoben* In dieser Form findet sich der Vermerk auch auf der Umhüllung der Ware, Die Bezeichnung "Kölnisch Eis" hat die Klägerin zur Eintragung in die Warenzeichenrolle angemeldet , die Eintragung war jedoch im Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung in der Berufungsinstanz noch nicht erfolgt* die gleichfalls Kühlstifte herstellt, forderte die Klägerin mit Schreiben vom 20* Mai 1954 auf, die Verwendung des Wortes "gesch" bei der Werbung zu unterlassen und sämtliche Drucksachen, die diese Bezeichnung enthalten, zu vernichten* Zur Begründung ihres Verlangens machte sie u, a* geltend, das Wort "geschützt" dürfe nicht im Zusammenhang mit der Werbung für eine Ware verwendet werden, wenn lediglich die Bezeichnung der Ware, nicht aber die Ware selbst geschützt sei* Eine derartige irreführende Werbung betreibe aber die Klägerin* Es werde der Eindruck hervorgerufen, daß die Ware selbst geschützt sei* Die Hinzufügung des Wortes "Worte" sei nicht -geeignet, die Irreführung zu vermeiden, und zwar nicht nur, weil dieses Wort so klein geschrieben sei, daß es leicht übersehen werden könne, sondern insbesondere auch infolge der Trennung von "Worte" und "gesch" durch die auffallende und im Druck sehr hervorgehobene Bezeichnung "Kölnisch Eis"* Davon abgesehen sei aber auch der Vermerk "Worte Kölnisch Eis gesch*" als solcher unrichtig, weil die Bezeichnung "Kölnisch Eis" noch nicht als Warenzeichen eingetragen sei« Auch ein Ausstattungsrecht - auf das sich die Klägerin in der Vorkorrespondenz berufen hatte - könne nicht entstanden sein, weil die Bezeichnung erst im Februar 1954 eingeführt worden sei« Aber selbst wenn ein Ausstattungsschutz bestehe, könne er das Wort "gesch«" nicht rechtfertigen« Der Schutz des § 25 WZG sei Wicht Juristen nicht bekannt« Aus dem Vermerk "gescho" oder "ges« gesch«" werde stets auf die Verleihung besonderer Schutzrechte durch das Patentamt geschlossen« Die Verwendung des Wortes "gesch«11 stelle bei dieser Sachlage eine irreführende Reklame dar« festzustellen, daß die Beklagte nicht berechtigt ist, von der Klägerin die Unter las sung des Hinweises "Worte KÖLNISCH EIS geseho" in ihrer Werbung für "Kölnisch Eis" zu fordern* —r mm* »» ■ m» * «mi Das Berufungsgericht ist der Auffassung» die Beklagte habe die Klägerin mit Recht auf Unterlassung des Gebrauchs des Vermerkes “Worte Kölnisch Eis gesch«," gemäß §§ 1? der von der Klägerin gebrauchte Hinweis “Worte KÖLNISCH EIS gesch«," sei wegen seiner besonderen Ausgestaltung als unrichtige Ankündigung im Sinne des § 3 UnlWG zu werten« Ein nicht unerheblicher Teil* der Verbraucher werde sich eine falsche Vorstellung über die Bedeutung dieses Hinweises machen und ihn nicht auf die warenkennzeichnung "Kölnisch Eis." und deren Schutz, sondern auf das Erzeugnis seihst beziehen* Kraft ihres größeren Druckes seien die in der Mitte des Vermerkes stehenden Worte "KÖLNISCH EIS" geeignet, den Blick des Beschauers auf sich zu ziehenc Es bestehe daher die Gefahr, daß der Leser, der nach rechts zu lesen gewohnt sei, von den beiden kleingedruckten flankierenden Worten zwar das rechts stehende Wort "gesch*" noch lese und aufnehme, nicht aber das links stehende Wort "Worte"c Da die Angabe "gesch«" (geschützt).gleichbedeutend mit "ges* geschc" (gesetzlich geschützt) sei und regelmäßig dahin verstanden werde, die Ware genieße als solche - etwa auf Grund eines Patentes - gesetzlichen Schutz, könne der Verbraucher leicht zu der Auffassung gelangen, das Erzeugnis habe besondere, bei anderen Fabrikaten nicht anzutreffende Vorzüge« Es ist der Revision zwar zuzugeben, daß die beanstandete Ankündigung sich in erster Linie an die Mitbewerber der Klägerin wendets Denn die Erklärung eines Gewerbetreibenden, daß er gesetzlichen Schutz an einer Warenkennzeichnung besitze, dient vornehmlich dem Zweck, die Mitbewerber auf das Bestehen des Schutzrechtes aufmerksam zu machen und sie dadurch-zu warnen, sich einer gleichen oder verwechslungsfähigen Kennzeichnung zu bedienen* Trotzdem läßt sich jedoch, was auch die Revision letzten Endes nicht verkennt, die Auffassung des Verbrauchers nicht ausschalten« Der Hinweis wird nicht nur von den Mitbewerbern gelesen, sondern auch von der Masse der Verbraucher, an die sich die Werbung richtet« Auch der Verbraucher bildet sich eine Meinung über die Bedeutung des Hinweises« Das Berufungsgericht hat daher mit Recht auch auf die Meinung der Verbraucher abgs-stellt« . Das Berufungsgericht hat sonach ohne Hechtsirrtum festgestellt, daß der Hinweis "Worte KOMISCH EIS gesch«" in seiner konkreten Ausgestaltung für einen nicht völlig unerheblichen Teil der Verbraucher insofern irreführend und damit unrichtig ist, als der Verbraucher daraus auf einen gesetzlichen Schutz, d« h« auf einen Patent- oder Gebrauchsmusterschutz oder einen sonstigen Schutz des Erzeugnisses selbst schließtc Es hat auch rechtsirrtumsfrei angenommen, daß der Verkehr mit einem derartigen gesetzlichen Schutz einer Ware die Vorstellung besonderer Vorzüge der Ware zu verbinden pflegt* Das Berufungsgericht ist daher ohne Hechtsverstoß zu dem Ergebnis gelangt, daß die Voraussetzungen der unerlaubten Werbung im Sinne des § 3 UnlWG gegeben sind«» 2o) Darüber hinaus hat das Berufungsgericht aber auch mit Recht angenommen, daß der umstrittene Vermerk "Worte*«* geschc" schlechthin, d« h« schon seinem Wortlaute nach und unabhängig von seiner besonderen drucktechnischen und sonstigen Ausgestaltung als wettbewerbswidrige Handlung im Sinne des § 1 UnlWG zu werten ist« Unter Billigung und Übernahme der Ausführungen des Landgerichts meint das Berufungsgericht, es könne nicht gestattet sein, eine einseitige und außerhalb eines Prozesses praktisch unkontrollierbare Aussage über einen angeblichen Ausstattungsschutz in derselben Form bekanntzugeben, wie sie sich für den Hinweis auf formelle, in einem amtlichen Verfahren und durch einen behördlichen Akt erworbene, in ihren Voraussetzungen durch Beschreibung, Muster und dgl« offenkundig gemachte Schutz-» warum ^ derjenige, der einen Ausstattungsschutz besitze, diese wahre Tatsache nicht solle ankündigen dürfen» Dies könne auch durch den Vermerk ngeschcn geschehen» Die Gefahr eines Mißbrauchs könne nicht dazu führen, daß auf dem Wege Uber § 1 UnlWG der rechtmäßig handelnde der Möglichkeit beraubt werde, auf die Tatsache des Bestehens eines gewerblichen Schutzrechts in unmißverständlicher Form hinzuweisen» Gewiß darf derjenige, der ein Schutzrecht für eine Warenkennzeichnung hat, auf dieses Recht hinweisenc Daher kann auch der Klägerin, die nach ihrem von der Beklagten nicht mehr bestrittene^ und daher in diesem Rechtsstreit als richtig zu unterstellenden Vortrag im Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung in der Berufungsinstanz Verkehrsgeltung für ihre WarenkenriSeichnung “Kölnisch Eis1* und damit Ausstattungsschutz im Sinne des § 25 WZG erlangt hatte, die Berechtigung, auf dieses Recht hinzuweisen, nicht abgesprochen werden» Es kann auch nicht verkannt werden, daß der im Streit befindliche Hinweis seinem Wortlaute nach nicht ohne weiteres falsch’erscheint» Er.besagt, daß die Worts “Kölnisch Eis” gesetzlichen Schutz genießen» Trotzdem'widerspricht seine Verwendung im geschäftlichen Verkehr zu Zwecken des Yfett— Bas Berufungsgericht hat sich hierbei der Auffassung des Landgerichts angeschlossen, das als Kammer für Handelssachen gemäß § 114 GVG auf Grund eigener Sachkunde festgestellt hat* daß die Handelsgewohnheit eindeutig dahingehe, Schutzmerkmale wie "gesch-," oder **gesc geschc” im Anwendungsbereich des gewerblichen Rechtsschutzes nur als Hinweis auf einen durch formelle Schutzrechte vermittelten Rechtsschutz zu gebrauchen«» Berartige Vermerke deuten nach der vom Berufungsgericht gebilligten Auffassung des Landgerichts ausnahmslos auf einen Schutz hin, der in einem gesetzlich geregelten Verfahren unter Inanspruchnahme einer amtlichen Stelle erwirkt wurde, infolge seiner formellen Hatur konstant bleibt und von jedermann an Hand öffentlich zugänglicher Unterlagen nachgeprüft werden kann* Biese Auffassung läßt sich aus Rechtsgründen nicht beanstanden*, wobei die umstrittene Frage, ob solche Schutzvermerke auch als Hinweis auf einen Gebrauchsmuster- oder Geschmacksmusterschutz zulässig sind, auf sich beruhen kann«, Das Bestehen einer Verkehrsgeltung läßt sich im allgemeinen erst im Rahmen eines Rechtsstreites oder eines Verfahrens vor dem Patentamt gemäß § 4 Abs 3 WZG feststelle: Derjenige, der sich ohne4 vorhergegangene derartige Peststellung öffentlich auf Ausstattungsschutz beruft, befindet daher als Richter in eigener Sache« Auch wenn seine Aussage zunächst sach lieh richtig war, trägt sie ein erhebliches .Unsicherheitsmoment in sich, denn die erworbene Verkehrsgeltung kann ebenso rasch untergehen, wie sie erworben ist« Hinzu kommt, daß, wie das Berufungsgericht gleichfalls zutreffend ausgeführt hat, bei Zulassung des Vermerks “gesch«11 als Hinweis auf angeblichen Äus-stattungsschutz einem Mißbrauch Tür und Tor geöffnet wäre. Insbesondere könnte die Versuchung naheliegen, eine beabsichtigte Verkehrsdurchsetzung dadurch zu erleichtern oder zu beschleunigen, daß schon zu Beginn der Werbeaktion der Hinweis "gesch*” verwendet wird, um dadurch zu erreichen, daß kein anderer die Bezeichnung gebraucht* Daß'es sich hierbei nicht um«gegenstandslose Befürchtungen handelt, zeigt der vorliegende Pall« Die Klägerin hat den Hinweis bereits bei ihren ersten Werbemaßnahmen verwendet, also in einem Zeitpunkt, in dem von einer Verkehrsgeltung noch keine Rede sein konnte« Aus welchen Beweggründen die Klägerin so verfahren ist, kann dabei auf sich beruhen« und anständigen Durchschnittsgewerbetreibenden nicht nur, weil er als Hinv/eis auf ein formelles Schutzrecht aufgefaßt werden kann und daher, zur Irreführung geeignet ist, sondern auch deshalb, v/eil eine solche Aussage über ein Ausstattungsrecht unsicher und unkontrollierbar ist und ihre Zulassung zu Mißbräuchen führen kann* Sich im Verkehr eines Ausstattungsschutzes durch den dem kennzeichnenden Merkmal beigefügten Vermerk "ges* gesch*" oder den dieser Angabe gleichzuachtenden Vermerk "gesch*" zu be-rübmen, ist daher wettbewerbswidrig im Sinne des § 1 UnlWG* Dies, hat auch dann zu gelten, wenn der sich Beriihmende mit guten Gründen an ein Ausstättungsrecht glauben kann oder wenn, wie hier, zwischen ihm und einem Mitbewerber über das Bestehen des Ausstattungsschutzes Einigkeit besteht* Ob etwa ein Hinweis auf Ausstattungsschutz in anderer, die besondere Rechtsnatur des Ausstattungsschutzes hervorhebender Form geschehen kann, bedarf hier keiner Prüfung* Ebenso kann dahingestellt bleiben, ob die Unzulässigkeit des umstrittenen Vermerks(mit seinem allgemeinen; von der konkreten Erscheinungsform unabhängigen Inhalt* nicht nur aus § 1 UnlY/G, sondern auch aus §3 dieses Gesetzes herzuleiten ist, weil die KurzbeZeichnung "Worte Kölnisch Eis gesch*" zu dem irrigen Schluß verleiten.kann, die Kennzeichnung "Kölnisch Eis" genieße Warenzeichenschutz * Bas Berufungsgericht hat die Frage zwar bejaht, seine Auffassung, diese Irreführung sei geeignet, den Anschein eines besonders günstigen Angebotes im Sinne des § 3 UniWG hervorzurufen, erscheint jedoch bei der gegebenen Sachlage nicht unbedenklich* 13 Abs 1 UnlY/G gerechtfertigt; die Beklagte konnte von der Klägerin verlangen, es zu unterlassen, die Bezeichnung "Kölnisch Eis" mit dem Zusatz "Worte gesch«" bei ihrer Werbung - in der konkreten Erscheinungsform und unabhängig von dieser - zu verwenden*