BGH · I ZR 151/83 vom 05.06.1985
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Für die Frage, ob eine Benutzung im Sinne des § 11 Abs. 1 Nr. 4 WZG vorliegt, kommt es unter Zugrundelegung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Verwenders darauf an, ob bei objektiver Betrachtung die als Benutzung in Anspruch genommenen Vertriebshandlungen auch ohne Berücksichtigung des Zwecks, den Bestand der Marke zu erhalten, als wirtschaftlich sinnvoll zu beurteilen sind. Unter diesen Voraussetzungen kann auch noch die jahrzehntelange regelmäßige Lieferung kleiner Zigarettenmengen einer in Belgien umfangreich vertriebenen Marke ausschließlich an Militärkantinen der in der Fjuudesrepublik Deutschland stationierten belgischen Streitkräfte als rechtserhalLende Benutzung im Sinne des § 11 Abs. 1 Nr. 4 WZG anzusehen sein. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat auf die mündliche Verhandlung vom 5, Juni 1985 durch den Vorsitzenden Richter Prof. Die Klägerin hat eine Benutzung der Marke i.3. Das Berufungsgericht hat die Beklagte insoweit antragsgemätß verurteilt# als es um den Schutz für die Waren "Tabacs ä turner, cigarillos# cigares", ging.;, Das Berufungsgericht hat einen Anspruch der Klägerin auf Einwilligung der Beklagten in die, Entziehung des Schutzes der IR-Marke "Darcy" für die Bundesrepublik Deutschland verneint, soweit es um den Schutz für die Ware Zigaretten geht. Zeichens im Inland deshalb angenommen, weil die Beklagte seit 1950 die belgischen Streitkräfte mit Zigaretten der Marke "Darcy" beliefere, weil hierin trotz der Beschränkung des Verkaufs der Zigaretten auf belgische Kasernen ein Handel im inländischen Geschäftsverkehr zu sehen sei und weil die besonderen Umstände des Falles trotz des geringen Umfangs der Importe für eine relevante Zeichenbenutzung im Inland sprächen. 1. Das Berufungsgericht hat den-Verkauf der mit dem Warenzeichen der Beklagten versehenen Zigarettenpackungen als inländischen Geschäftsverkehr angesehen, obwohl er in der Bundesrepublik Deutschland ausschließlich in den Kasernen der belgischen Streitkräfte erfolgt, die nur deren Mitgliedern, ihren Familienahgehörigen sowie Offizieren anderer Nationalität zugänglich sind. Das Berufungsgericht durfte auch ohne Rechtsverstoß Auswirkungen dieser Verkäufe eines privaten Unternehmens auf den inländischen Wettbewerb ähnehmen, weil die Fersonen, die als Kunden der "Darcy*1-Zigaretten angefefhrOchen werden* fiiöhfc daran gehindert sind, Zigaretten anderer Marken außerhalb der Kasernen zu erwerben; mit diesen anderen Marken tritt daher die Marke in Deutschland erfolgten Zigarettenverkäufen trotz ihres geringen Umfangs eine rechtserheblicjie Benutzung des Warenzeichens "Darcy" gesehen* Dazu hat es» ausgeführt, daß der Umfang der Benutzung nicht allein entscheidend sei; vielmehr komme es auch auf die Dauer der Benutzung an, die hier -da die Beklagte Zigaretten der Marke "Darcy" schon seit vielen Jahren und auch sehen lange vor Einführung.des Benutzungszwangs in die Bundesrepublik Deutschland importiert habe - .erkennear lasse, daß die Benutzung nicht nur ,zu dem Schein erfolge* Eie sei auch wirtschaftlich sinnvoll,, da es nahe-liege, eine Zigarette, die ihr Hauptabsatzgebiet in Belgien habe, auch am belgische Streitkräfte in Deutschland zu liefern, damit die hier tätigen Belgier und ihre Angehörigen Gelegenheit hätten, dieselbe Zigarettenmarke wie zuhause zu erwerben. Für die Frage, ob eine Benutzung im Sinne des § 11 Abs, 1 Nr, 4 WZG vorliegt, kommt es unter Zugrundelegung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Verwenders darauf an, ob bei objektiver Betrachtung die als Benutzung in Anspruch genommenen Vertriebshandlungen auch ohne Berücksichtigung des Zwecks, den Bestand der Marke zu erhalten, als wirtschaftlich sinnvoll zu beurteilen sind (BGH, Urt. v, 17.1*1985 - I ZR 107/83, Urteilsabdr• S. Dabei sind für die Beurteilung alle Umstände des Falles wie Art, Umfang und Dauer der Benützung in Betracht zu ziehen (vgl. Es hat nicht verkannt, daß der Umfang der* Benutzung des Zeichens in der Bundesrepublik Deutschland, gemessen an den in der Zigarettenbranche üblichen Absatzzahlen, nur gering ist und für sich genommen nicht geeignet wäre, die Annahme einer im Sinne des § 11 Abs. 1 Nt. 4 WZG ausreichender* Zeichenbenutzung zu rechtfertigen. Das BerufungsgeriGht hat jedoch festgestellt, daß der Zweck der von vornherein auf einen begrenzten Personenkreis abgestellten und deshalb nur geringfügigen Exporte in die Bundesrepublik Deutschland in der Versorgung der vorübergehend hier lebenden belgischen Staatsangehörigen mit der ihnen aus Belgien vertrauten Zigarette “baircy* zu sehen sei *«Wenn es diese Zielsetzung und deren Verwirklichung trotz des geringen Umfangs der Verkäufe als wirtschaftlich sinnvoll beurteilt hat, so ist dies aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden. Auch die Revision stellt nicht grundsätzlich in Frage, daß es für einen Zigarettenhersteiler in Belgien wirtschaftlich sinnvoll sein kann, Zigaretten seiner dort in beachtlichem Umfang vertriebenen Marke auch für die vorübergehend in der Bundesrepublik Deutschland stationierten Truppenmitglieder und deren Angehörige verfügbar zu halten, damit diese der zuhause gewohnten Marke auch hier treu bleiben können und sich nicht - möglicherweise auf Dauer - anderen Zigarettenmarken zuwenden * Eine solche Motivation kann auch nicht deshalb als im Sinne des Benutzungszwangs unbeachtlich angesehen werden, weil sie (auch) auf die Benutzung der Marke in Belgien abstelle und deshalb - wie die Revision meint - dem Territorialprinzip widerspreche; denn eine den Anforderungen des § 11 Abs. 1 Nr. 4 WZG genügende Benutzung setzt zwar Behüt Zungshandlungen im Inland voraus; liegen solche jedoch vor, so ist es - namentlich bei IR-Marken - nicht unzulässig, für die Beurteilung ihrer Eignung zur Erhaltung eines Warenzeichenrechts auch die ausländische Verwendung mit zu berücksichtigen (BGH, Besch1. Es kann schließlich auch nicht als erfahrungswidrig angesehen werden, daß das Berufungsgericht in den für diese Warenart sehr geringen Absatzmengen noch eine wirtschaftlich sinnvolle Verwirklichung des festgestellten begrenzten Zwecks der Verkäufe im Inland gesehen hat. Als auf Ertrag ausgerichtetes Wirtschaftsunternehmen hätte sie die lange vor Einführung des Benutzungszwangs und daher unbeeinflußt von dieser Rechtslage aufgenommene Einfuhr so geringer Warenmengen in die Bundesrepublik Deutschland kaum in dieser Weifite und mit solcherrAusdauer betrieben, wenn sie damit nicht den von ihr angestrebten wirtschaftlichen Zweck zu erreichen geglaubt hätte. eine ~ unabhängig vom Zweck der Z^ichen-erhaltung - wirtschaftlich sinnvolle Verwendungsweise auch trotz des geringen Umfangs vorliege und die Benutzung als nicht nur formal, sondern ausreichend i^S. Die Trend-Entscheidung des erkennenden Senats (Besohl, v* 19.12.1979 - J ZB 4/78, GRUR 1980, 289, 290), auf die die Revision sich für ihre ab-we i che nd e Me in u ng be r ufen hat, s beb t dem n i ch t en tg e g en,, .weil es sich dort um die Ausnahmesituation einer zeitlich und örtlich begrenzten Teptaktion handelte, die zur vergleichenden Beurteilung eines normalen Vertriebsvorgangs wenig geeignet ist (BGH aaO - topfitz/topfit, Urteilsabdr.