BGH · I ZR 143/55
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
MBel ami" und "Frauen sind keine Engel", Hans Fritz hat den Text der dazu gehörenden Schlagerlieder verfaßt«, Mit Verträgen, die dem Vertragsangebot der Klägerin vom 2« November 1942 entsprechen, übertrugen sie der Klägerin unter anderem das Recht der Verwendung des Werkes im Tonfilm (Tonverfil-mongsrecht) zur treuhänderischen Verwaltung,, § 1, daß der Filmhersteller berechtigt sei, "den Titel allein ohne das Drehbuch zu benutzen sowie das Drehbuch ganz oder zu dem Teil für andere Filmmanuskripte zu verwenden", sowie unter § 2, daß "alle an dem Drehbuch überhaupt bestehenden Rechte, welcher Art sie immer auch sind", insbesondere das "Urheberrecht an dem Drehbuch einschließlich des Verfilmungsund Übersetzungsrechts" auf den Filmhersteller übergehen, und daß der Filmhersteller berechtigt sei, über die auf ihn übergegangenen Rechte "frei zu verfügen und durch beliebig oft wiederholte oder neu vorgenommene Herstellung von Filmen oop zu verwerten oco"«, - Über die Schlagertexte schloß mit der F^^-Film einen entsprechenden Vertrago Der Film "Frauen sind keine Fngel" wurde von der Nebenintervenientin, der W®^Film GmbH, hergestellte Durch Vertrag gemäß Vertragsangebot vom 6« November 1942 traf Mackeben mit der Nebenintervenientin über die Herstellung und Überlassung der Filmmusik in den §§ 1 und Vereinbarun- Recht- Musik und Text der den gleichnamigen Filmen entstammenden Lieder "Bel emi" und "Frauen sind keine Engel" in einem von ihr herzustellenden Film zu verwenden« Die Ecklagte stellte den von ihr geplanten Film her und brachte ihn unter dem Titel "Bei Dir war es immer so schön" heraus• Der Film behandelt das leben des Komponisten Theo und einen anderen Inhalt als die beiden alten Filme«. Die Klägerin hat geltend gemacht, und mfc hätten der F^UH^ü111 und der Nebenintervenientin nicht euch das Recht übertragen, die Musik und die Liedertexte zu den Filmen "'■Bel ami" und "Frauen sind keine Engel" ganz oder zu dem Teil innerhalb von Filmwerken mit anderem Inhalt zu verwenden« Die# Rechtsnachfolger der Fj(®-Film und die Nebenintervenientin hätten deshalb der Beklagten auch nicht die Erlaubnis erteilen können, dip Titelschlager der beiden Filme in dem neuen Film "Bei Dir war es immer so schön" zu verwerten« Die Beklagte habe somit beim Vertriebe ihres Filmes die beiden Schlager unerlaubt vervielfältigt und verbreitet und sei deshalb verpflichtet, ihr als der treuhänderischen Inhaberin der Verfilmungsrechte Schadensersatz zu leisten« Sie verlange 7 000 DM als Teilbetrag der angemessenen Vergütung, die sie für die neue Verfilmung der beiden Schlager hätte fordern können« Das Landgericht hat der Klage unter Herabsetzung des Zinssatzes auf 4 i° stattgegeben® Die gegen dieses Urteil eingelegten Berufungen der Beklagten und der Nebenintervenientin blieben erfolglos* Mit der Revision verfolgen die Beklagte und die Nebenintervenientin ihren Klagabweisungsantrag weiter* Die Klägerin bittet um Zurückweisung der Revision* 29» August/8« September 194-2 und 6« November 1942 dahin ausgelegt, daß nach ihnen die urheberrechtlichen Nutzungsbefugnisse der Filmhersteller auf den Werkrahmen beschränkt seien, für den Musik- und Schlagertexte nach dem Zweck der Verträge geschaffen worden seien, die Filmhersteller deshalb nicht berechtigt seien, die fragliche Filmmusik und die Texte - ganz oder teilweise - für beliebige andere Filmschöpfungen mit abweichendem Inhalt zu verwerten« Die F^^fc-Filra und die Nebenintervenientin seien deshalb nicht in der Lage gev/esen, der Beklagten das Recht einzuräumen, die Titelschlager der Filme "Bel ami" und "Frauen sind keine Engel" für den von der Beklagten hergestellten Film "Bei Dir war es immer so schön" zu benutzen und mit diesem zu vervielfältigen und gewerbsmäßig zu verbreiten« Die Beklagte habe durch die unbefugte filmische Auswertung von Text und Musik der beiden Schlagerlieder in die insoweit bei den Urhebern verbliebenen und von diesen treuhänderisch auf die Klägerin übertragenen Ausschließlichkeitsrechte eingegriffen und sei gemäß §§ 36, 11 Abs 1, 12 Abs 1 LitUrhU zur Leistung von Schadensersatz verpflichtet« So ist im Verlagsrecht anerkannt, daß der Verleger Abbildungen, die ihm zur Vervielfältigung überlassen werden, mangels entgegenstehender Abreden, nur für dasjenige Werk verwenden darf, für das die Abbildungen nach dem Verlagsvertrag bestimmt sind (Billig, Gutachten Bd I Nr 30 und Nr 100; Ulmer, Urheber- und Verlagsrecht S 260; Voigtländer-Elster, Verlagsgcsetz 3- Aufl § 1 VerlG Anm 19)o Der gleiche Rechtsgedanke, wonach das Verlagsrecht grundsätzlich nur die Einräumung urheberrechtlicher Befugnisse im -bestimmten Rahmen bedeutet, hat in § 4 VerlG seinen gesetzlichen Niederschlag gefunden» Nach dieser Bestimmung ist der Verleger, falls ihm dies nicht ausdrücklich gestattet ist, nicht berechtigt, ein Einzelwerk für eine Gesamtausgabe oder ein -Sammelwerk sowie Teile einer Gesamtausgabe oder eines Sammelwerkes für eine Sonderausgabe zu verwerten. Biese ausdrückliche gesetzliche Regelung stimmt mit dem den gesamten Rechtsverkehr im Urheberrecht beherrschenden Grundsatz überein, wonach bei Urheberrechtsübertragungsvertragen im Zweifel davon auszugehen ist, daß von dem Urheberrecht nur die im Vertrag ausdrücklich erwähnten Befugnisse auf den Erwerber übergehen sollen> wobei der Umfang der Rechtsübertragung, falls der Vertragswortlaut keine sicheren Anhaltspunkte ergibt, nach dem Zweck des Vertrages abzugrenzen isto Wird nun ein Werk für einen bestimmten Zweck verfaßt - wie dies im Streitfall für die fraglichen Liedertexte und Kompositionen zutrifft, die eigens für die Filme "Bel ami,, und "Frauen sind keine Engel" geschaffen wurden so spricht nach der vom Senat bereits mehrfach anerkannten Zweckübertragungstheorie die Vermutung dafür, daß urheberrechtliche Nut-zungsbefugrfisse an dem Werk auch nur im Rahmen dieser sich aus dem Vertrag ergebenden Zweckbestimmung übertragen werden sollten (BG£Z 9, 262 ^64 ff7s 15, 249 ff7)* Da eine solche inhaltliche Begrenzung der Übertragung von Werknutzungsrechten, wie dargelegt, nach § 8 Abs 3 LitUrhG zulässig ist, ist der gegen die Vertragsauslegung des Berufungsgerichts gerichtete Angriff der Revision unbegründet, auf diese Weise werde eine dingliche Urheberrechtsübertragung in eine schuldrechtliche Lizenz an einem Werknutzungsrecht umgedeutet« Uneinigkeit besteht zwischen den Parteien nur insoweit, als die Beklagte aus den Verträgen ein Recht zu beliebigen filmischen Verwertung auch in Verbindung mit einem Filmstreifen ganz anderen Inhalts, als in den Verträgen vorgesehen ist, herleiten will, während die Klägerin den Standpunkt vertritt, das Aus-wertungsrecht sei auf Filmwerke begrenzt, die den gleichen Stoff wie der Filmstreifen behandeln?für den.die Begleitmusik und Liedertexte verfaßt worden Bänd« . Wenn das Berufungsgericht dieser von der Klägerin vertretenen engeren Vertragsauslegung gefolgt ist, so ist dies rechtlich nicht zu beanstanden, Pie Normativbestimmungen für öriginalmusik wie auch der Normalvertrag für Drehbücher stellen allerdings Vereinbarungen dar, die als sog» typische Vertragsbedingungen zu beurteilen sind, da sie für eine Vielheit von Verträgen als Vertragsinhalt vorgesehen sind und ihr Wirkungskreis über den Bezirk eines Oberlandesgerichts hinausgeht o Sie sind daher in der Revisionsinstanz frei nachprüfbar (EGZ 153, 62 /527" BGH LU § 549 ZPO Nr 15). Jedoch tritt der Senat der Auslegung dieser Vertragsbedingungen durch das Berufungsgericht bei« Auch dem rein buchstäblichen Wortlaut nach umfassende Übertragungsformeln wie die "Übertragung der unbeschränkten dinglichen Urheberrechte” sind der Auslegung zugänglich, wobei der Umfang der Rechtsübertragung nach den Parteiabsichten, wie sie sich aus dem 'Sinn und Zweck des Vertragswerkes als Ganzem ergeben, abzugrenzen ist (RGZ 118, 282 /^85 ff7; 123, 312 /316 ff7; Ulmer aaO S 218)«, Insov/eit aber hat das Berufungsgericht zu Recht als maßgebend angesehen, daß Filmmusik und Schlagertexte für Filmstreifen geschaffen Nun ist zwar nach § 3 der in den Verträgen angezogenen Normativbestimmungen für musikalische Originalkompositionen den Filmherstellern auch das Recht zur "WiederVerfilmung” eingeräumt worden* Entgegen der von der Revision vertretenen Auffassung spricht aber gerade diese Fassung für eine Beschränkung der filmischen Auswertungsrechte auf Filme mit einer im wesentlichen gleichgelagerten Filmhandlung wie sie die Filmwerke ”Bel ami” und "Frauen sind keine Engel" aufweisen* Denn nur bei Verfilmung eines jedenfalls in den Grundzügen gleich gelagerten Filmstoffes kenn nach dem allgemeinen Sprachgebrauch von einer "Wiederverfilmung" die Rede sein« Hätten die filmischen Ausv/ertungerechte an den für bestimmte Filmwerke geschaffenen Kompositionen und Schlagertexte schlechthin auch für jedes andere Filmwerk beliebigen Inhalts übertragen werden sollen* so hätte dies klar zu dem Ausdruck gebracht werden müssen. b) Die Revision kann aber auch keinen Erfolg haben* sov/eit sie die Vertragsauslegung des Berufungsgerichts durch den Hinweis auf § 1 und § 2 £es Normalvertrages für das Filmdrehbuch bekämpfte Das Berufungsgericht hat nicht verkannt* daß diese Bestimmungen* die in dem Vertrag über den Rechtserwerb an der Filmmusik für "Bel ami" gleichfalls angezogen worden sind* dem Filmhersteller die Berechtigung geben, das Drehbuch ganz oder zu dem Teil auch für andere Filmmanuskripte zu verwenden* Das Berufungsgericht hat offengelassen* ob dies nur für die Erstverfilmung oder auch die Wiederverfilmung gilt« Es hat jedoch diesen Bestimmungen des Normalvertrages für die Auslegung der hier strittigen Verträge keine Bedeu- 4-e Schließlich kann auch die auf § 286 ZPO gestützte Rüge der Revision, das Berufungsgericht habe übersehen, daß in den über den Film "Frauen sind keine Engel" abgeschlossenen Verträgen die Anwendung österreichischen Rechts vereinbart sei, nicht zu einer Aufhebung des angefochtenen Urteils führe* Zwar ist die Frage, ob deutsches oder österreichisches Recht anzuwenden sei, nicht der Nachprüfung in der Revisionsinstanz entzogen (RGZ 163, 367)• Doch kann in der Revisionsinstanz dahingestellt bleiben, ob im Streitfall deutsches oder österreichisches Recht anzuwenden ist, da beide Rechtsordnungen von den gleichen Auslegungsgrundsätzen ausgehen (BGH LM § 549 ZPO Nr 6)* Wenn nach §§ 24, 26 des österreichischen Ur-hebergesetzes vom 9* April 1936 bei der Auslegung in erster Linie von dem Vertragswortlaut auszugehen ist, so bedeutet dies^nicht etwa, daß der rein buchstäbliche Sinn dieses Wort- lautes maßgebend sei* Gemäß § 914 a des für Österreich maßgeblichen Bürgerlichen Gesetzbuches ist bei der Auslegung von Verträgen - ebenso wie naon deutschem Recht - nicht an dem buchstäblichen Sinn des Ausdruckes zu haften, sondern es ist die Absicht der Parteien zu erforschen und der Vertrag so zu verstehen, wie es der Übung des redlichen Verkehrs entspricht* Diese Auslegungsgrundsätze stehen aber durchaus in Einklang mit der vom' Berufungsgericht angewandten Auslegungs-methode* Auch das Berufungsgericht ist von dem Vertragswortlaut ausgegangen und ist unter Berücksichtigung von Sinn und Zweck der hier maßgeblichen Verträge rechtsirrtumsfrei zu dem Ergebnis gelangt, daß aus ihm kein Recht zur Verwendung der streitigen Filmmusik und Liedertexte für eine Filmschöpfung zu entnehmen sei, die inhaltlich von den Filmwerken, für die diese Werke geschaffen sind, völlig abweicht* Auch die Beurteilung des Streitfalles nach österreichischem Recht Wenn der Beklagten auch zuzugeben ist, daß die Vertragslage infolge der Bezugnahme auf zwei verschiedene Arten von Normativbestimmungen nicht gerade übersichtlich war, so hätte sie bei sorgfältiger Prüfung der Verträge doch erkennen müssen, daß die Forst-Pilm und die Nebenintervenientin-rechtlich nicht in der Lage v/aren, ihr die erforderliche Erlaubnis zur Verwendung der beiden Schlagerlieder, in dem von ihr hergestellten Pilm zu verschaffe^.