BGH · IX ZR 3/70
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Das Berufungsgericht hat ein Anfechtungsrecht der Klägerin gemäß Art. IV Nr. 2, Nr. 1 Abs.la BEG-SchlußG verneint* Nach diesen Bestimmungen könne ein Vergleich nur angefochten werden, wenn der Anspruch auf Rente für Schaden an Körper od,n Gesundheit aus medizinischen Gründen in vollem Umfang abge-lehnt worden sei. März 1961 gebe keinen Aufschluß darüber, ob der Anspruch der Klägerin auf Rente für Gesundheitsschaden aus medizinischen Gründen in vollem Umfang abgelehnt worden sei« Der Vergleich sei jedoch auszulegen« Dahei seien das Gesamtverhalten der Parteien und der Zweck ihrer Willenserklärungen zu berücksichtigen« Der Zweck des Vergleichsabschlusses sei die Regelung der von der Klägerin geltend gemachten Ansprüche auf Kapitalentschädigung und Rente im Wege gegenseitigen Nachgebens gewesen« Ss bestehe kein Anhaltspunkt dafür, daß die von der Beklagten vorgeschlagene Vergleichssumme allein auf den Anspruch auf Kapitalentsohädigung und allenfalls auf den Anspruch auf Heilverfahren habe geleistet werden sollen« Zudem ergebe sich aus der Stellungnahme des ärztlichen Dienstes der Beklagten und aus der Berechnungsvorlage vom 5« Januar 1961 eindeutig, daß die Beklagte der Klägerin für eine begrenzte Zeit Rentenleistungen habe gewähren wollen« Bei der Prüfung der Frage, ob durch einen Vergleich für eine begrenzte Zeit Rentenleistungen gewährt worden seien, sei der Inhalt der Akten der Entsohädigungsbehörde heranzuziehen« Allerdings habe die Beklagte weder die Stellungnahme ihres ärztlichen Dienstes noch die Berechnung vom 5« Januar 1961, die Grundlagen ihres Vergleichsvor8chlags, der Klägerin eröffnet« Dies könne zu keiner anderen Beurteilung führen« Denn für die Beantwortung der Frage, ob ein Anspruch auf Rente aus medizinischen Gründen in vollem Umfang abgelehnt worden sei, komme es allein auf den Geschäftswillen der Bntschä-digungsbehörde an« Nur sie könne den Anspruch auf Rente ablehnen« Hier stehe fest, daß sie mit der Vergleichssumme Rentenbeträge habe gewähren wollen« Im übrigen habe die Klägerin die Zweifel der deutschen Sachverständigen an dem ursächlichen Zusammenhang zwischen Verfolgung und ihrem Augenleiden gekannt« Sie habe deswegen davon ausgehen müssen, daß diese Zweifel die Höhe der angebotenen 3:^; 1971, 186 Nr. 28, 449; 1972, 231), können nach Art* XV Nr. 2 BBG-SchlußG Vergleiche wie die anderen unter diese Bestimmung fallenden Anspruchsregelungen in entsprechender Inwendung von Art. IV Nr. 1 Abs.la BEG-SchlußC angefechten werden, wenn der Antragsteller seinen Anspruch auf Rente für Schaden an Körper oder Gesundheit aus medizinischen Gründen in vollem Umfang aufgegeben hat. November 1933 zu zah-, lende Entschädigungsleistung in Geld für Verfolgung^bedingten Schaden an Körper oder Gesundheit, der der 31« Oktober 1953 überdauert hat oder danach in Erscheinung getreten ist und die Erwerbsfähigkeit des Verfolgten um mindestens 25 # beeinträchtigt (BGH RzW 1972, 231). 'Xir Antragsteller hat seinen Anspruch auf diese Rente in Vergleich dann im Sinne des Art. IV Nr. 2, Nr. 1 Abs, BEG-SohlußG in vollem Umfang aufgegeben, wenn nach dem Vergleich nur andere Ansprüche ganz oder zu dem Teil erflü oder unmittelbar durch eine Geldleistung abgegolten word sollen (BGH aaO). Ergibt die Auslegung des Vergleichs nichts daß ein Teil der vereinbarten Entschädigungsleistung auf den Ren-tenanSpruch entfällt, dann ist die vollständige Aufgabe Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts hängt somit die Beantwortung der Frage, oh ein Teil der in dem Vergleich vereinbarten Entschädigungsleistung auf den Rentenanspruch der Klägerin entfällt, nicht allein von dem Geschäftswillen der Entschädigungsbehörde ab. Aus der Berechnung der Vergleichssumme durch die Entschädigungsbehörde kann er sich nur ergeben, wenn diese Berechnung dem Antragsteller mitgeteilt oder bei den Vergleichsverhandlungen sonst für ihn erkennbar geworden und anzunehmen ist, daß er sie als Grundlage für die Bemessung des Vergleichsbetrags hingenommen hat (BGH aaO). Ob diese Berechnung für die Klägerin oder ihren Bevollmächtigten sonst erkennbar war und anzunehmen ist, daß die Klägerin oder ihr Bevollmächtigter sie als Grundlage für die Bemessung des Vergleichsbetrags hingenommen haben, läßt sich dem Berufungsurteil nicht entnehmen. Das Berufungsgericht muß nach den vom Bundesgerichtshof RzW 1972, 231 näher dargelegten Grundsätzen erneut prüfen, ob die Auslegung des Vergleichs ergibt, ds,ß ein Teil der Vergleichssumme auf den Rentenanspruch der Klägerin entfällt, oder ob zu unterstellen i3t, daß die Klägerin Hirer Rentenanspruch in dem Vergleich vollständig aufgegeben hat.