BGH · IX ZR 69/78 vom 28.06.1979
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Den Vertriebenenausweis sowie Spezifizierungsunterlagen für die einzelnen Entschädigungsansprüche werde sie nachreichen* Am 4* Mai 1968 gingen bei der Behörde ein Mantelbogen sowie die Fragebogen B (Schaden an Körper oder Gesundheit), C (Freiheitsschaden) und E (Schaden im beruflichen Fortkommen) ein* In dem Fragebogen E gab die Klägerin an, sie habe bei Beginn der Verfolgung in Krakau gewohnt, und machte einen Anspruch wegen Au sbil dungs Schadens infolge Ausschlusses von "Uhiversitätsstudien” durch rassische Verfolgung im Jahre 1939 geltend* Ende August 1968 reichte sie eine eidesstattliche Versicherung zu den Akten* Darin heißt es nach Angaben zir deutschen Volkszugehörigkeit, die Klägerin habe Musik gelernt mit der Absicht, die höhere Musikschule zu besuchen, und sie habe vor dem Krieg in Krakau die Abiturprüfung abgelegt* Gleich nach dem Kriege habe sie sich um eine Ausreise nach Deutschland bemüht, jedoch sei ihr das erst jetzt gelungen* In der Vorgeschichte eines unter dem 5* November 1969 erstatteten Gutachtens des Facharztes für Orthopädie Dr* Manger ist angegeben, die Klägerin habe 1936 Abitur gemacht, anschließend das Studium der Chemie begonnen und 1939 nach dem Einmarsch der Deutschen nicht weiterstudieren können* Eine eidesstattliche Versicherung des Prof* von Kis8el-Ki8selewski vom 1* Dezember 1969 besagt, die Klägerin habe kurz vor dem Kriegsausbruch in Krakau Chemie studiert* Am 6* April 1973 gelangten eine Bestätigung des Prof. Die Entschädigungsbehörde» die im Februar 1969 Wiedereinsetzung in den vorigen Stand erteilt und eine Entschädigung für Freiheitsschaden festgesetzt sowie 1970 Heilverfahren, Kapitalentschädigung und laufende Rente für Schaden an Körper oder Gesundheit bewilligt hatte, lehnte 1973 den Antrag auf Entschädigung für Schaden in der Ausbildung ab, weil er verspätet substantiiert worden sei* Ebenso entschied das Landgericht; es stutzte die Abweisung der Klage weiterhin darauf, daß die Veraus Setzungen des § 4 Abs* 1 Nr* 1 e BEG nicht hinreichend dargetan seien* Das Berufungsgericht verurteilte den Beklagten, 10*000 DM als Entschädigung für Ausbildungsschaden zu zahlen* Dagegen richtet sich dessen Revision* Der Beklagte will erreichen, daß das klageabweisende Urteil des Landgerichts wieder hergestellt wird* Die Klä-gerin bittet, die Revision zurückzuweisen* Das Berufungsgericht geht zutreffend davon aus, daß es an die behördlich gewährte Wiedereinsetzung in die versäumte Antragsfrist gebunden ist (§ 189 Abs* 3 Satz 2 BEG)* Es ist der Auffassung, die Klägerin habe ihren Anspruch auf Entschädigung für Schaden in der Ausbildung rechtzeitig hinreichend substantiiert* Auf nach dem ^1* März 1967 mit einem Wiedereinsetzungsgesuch gestellte Die Klägerin habe den mit Schreiben vom 11« April 1968 angemeldeten Anspruch für Schaden im beruflichen Fortkommen, zu dem auch der Ausbildungsschaden zähle, am 4. Ihre Angabe, sie sei im Jahre 1939 durch rassische Verfolgung vom Universitätsstudium ausgeschlossen worden, habe genügt, um die Entschädigungsbehörde in die Lage zu versetzen, den Antrag zügig zu bearbeiten und von Amts wegen durch gezielte Ermittlungen mit der Aufklärung des Sachverhalts zu beginnen. Bisher kann nicht festgestellt werden, daß die Klägerin ihren Anspruch auf Entschädigung für Schaden in der Ausbildung bis zu dem 31* Dezember 1969 ausreichend substantiiert hat« Mai 1968 legte die Klägerin das Formblatt E zu dem Schaden im beruflichen Fortkommen vor und machte darin einen Ausbildungsschaden geltend (Bl* 12/13 EA)» Dessen Erläuterung reichte jedoch als Substantiierung nach §§ 190 Nr» 1 bis 4, 190 a BEG nicht aus: Die Angaben zur Person (§ 190 Nr» 1 BEG) waren zwar vorhanden. Auch die Art des Anspruchs (§ 190 Nr» 4 BEG) hatte die Klägerin bezeichnet; zu seinem Umfang bedurfte es wegen der gesetzlichen Pauschalierung ($ 116 BEG) keiner Angabe» Der den Anspruch begründende Sachverhalt (§ 190 Nr» 2 BEG) war jedoch durch die Angabe, die Klägerin sei 1939 durch rassische Verfolgung von Universitätsstudien ausgeschlossen worden, unzureichend dargestellt» Veil nur von einem Ausschluß von Universitätsstudien die Rede und eine Unterbrechung der Ausbildung und deren Nachholung unerörtert waren, konnte die Entschädigungsbehörde dem Fragebogen nicht einmal entnehmen, daß die Klägerin beim Beginn der Verfolgung bereits studiert habe» Zudem fehlte jede Angabe von Beweismitteln für die Schädigung (§ 190 Nr» 3 BEG; vgl. Die Ungewißheit der Angaben in de» Formblatt £ wurde noch erhöht, als die Klägerin in ihrer am 27« August 1968 eingereichten eidesstattlichen Versicherung (Bl« 16, 27 8A) schilderte, sie habe mit der Absicht, in die höhere Musikschule zu gehen, Musik gelernt und "inzwischen" vor dem Kriege die Abiturprüfung in Krakau abgelegt, dabei aber ein bereits begonnenes oder auch nur geplantes Uhiversi-tät8Studium nicht einmal erwähnte« Allerdings erläuterte die Klägerin jetzt mit der Angabe, sie habe 1968 als deutsche Volkszugehörige das Vertreibungsgebiet Polen verlassen und drei Tage später ständigen Aufenthalt in Offenbach genommen, einzelne Elemente der allgemeinen Entschädigungsberechtigung nach § 4 Abs« 1 Nr« 1 e BEG, die sie für sich in Anspruch nimmt, und gab dazu mit ihrem polnischen Reisepaß und dem Vertriebenenausweis A Beweismittel an« Vollständig brauchte sie die tatsächlichen Voraussetzungen der allgemeinen Anspruchsberechtigung nicht vorzutragen (BGH RzW 1976, 61), so daß insoweit jetzt dem Substantiierungserfordernis genügt war» Bei der Unzulänglichkeit der Darstellung der Schädigung aber blieb es, und Beweismittel dafür fehlten nach wie vor« Weitere Feststellungen dazu erübrigen sich ebenso wie Erwägungen der Frage, ob Angaben, die in der Anamnese von Gutachten medizinischer Sachverständiger enthalten sind, zur Substantiierung eines Anspruchs auf Entschädigung wegen Schadens in der Ausbildung geeignet sind* Denn es fehlte nach wie vor jedenfalls an der Angabe von Beweismitteln für die Schädigung* Erst die eidesstattliche Versicherung des Prof* von Kissel-Kisselewski vom 1* Dezember 1969 (Bl* 156, 157, 159 EA) enthält, auch mit der Angabe der Universität Krakau, Beweismittel dafür, daß die Klägerin 1939 Chemie studiert habe* Wenn diese eidesstattliche Versicherung bis zu dem 31« Dezember 1969 zu den Entschädigungsakten gelangt ist, kann eine fristgerechte, hinreichende Substantiierung des Anspruchs auf Entschädigung für Schaden in der Ausbildung angenommen werden* Ob das der Fall ist, vermag der Senat nicht zu erkennen* Der bisherige Aktenstand ergibt nicht, wann die Urkunde zu den Akten der Entschädigungsbehörde eingereicht worden ist. Wenn sich auch dann noch nicht feststellen läßt, wann die eidesstattliche Versicherung des Prof* von Kissel-Kisselewski zu den Akten der Entschädigungsbehörde gelangt ist, wird zu erwägen sein, daß grundsätzlich zwar des*Antragsteller den Nachteil trägt, daß eine den § 190 Nr* 1 bis 4, 190a BEG entsprechende Begründung seines Entschädigungsanspruchs nicht festgestellt werden kann; Insoweit