BGH · IX ZR 55/67
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der IX« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 26« September 1968 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Mai und der Bundesrichter Wüstenberg, Maaß, von der Mühlen und Zorn für Hecht erkannt: Mit einem am 31» Dezember 1965 bei der Entschädigungs-behörde eingegangenen Schreiben hat die Klägerin mit Rücksicht auf die durch das BEß-Schlußgesetz getroffenen Neuregelungen eine Überprüfung der Bescheide vom 24» April 1961 und 16» November 1961 beantragt» Die Entschädigungsbehörde hat den Antrag abgelehnt» Die Klägerin hat Klage erhoben und verlangt, das beklagte Band zu verurteilen, ihr für die Zeit vom 1« Februar 1959 an anstelle der ihr bisher zugesprochenen Beruf sschadensrente eine solche von 263 DM unter gleichzeitiger Kürzung der Gesundheitsschadensrente auf 25 # zu zahlen» Bas Landgericht hat das beklagte Land verurteilt, der Klägerin anstelle der ihr bisher zuerkannten Rente für die Zeit vom 1« Februar 1959 bis zu dem 31« Dezember I960 eine monatliche Rente von 32 DM, vom 1» Januar 1961 bis zu dem 31q Dezember 1965 eine monatliche Rente von 36 DM, vom 1» Januar 1966 bis zu dem 30» September 1966 eine monatliche Rente von 37 DM und vom 1» Oktober 1966 an eine monatliche Rente von 39 DM zu zahlen» Die weitergehende Klage hat das Landgericht abgewiesen» In dem Bescheid vom 24* April 1961 ist angenommen worden, daß die Klägerin am 31» März 1937 infolge nationalsozialistischer Gew^ltraaßnahmen, nämlich in Auswirkung der Verfolgung ihres Arbeitgebers, aus ihrer Stellung als Verkäuferin entlassen worden sei, und daß sie danach wegen ihrer jüdischen Abstammung keine neue Stelle mehr habe erhalten können<> Sic habe vorher ein Einkommen von monatlich durchschnittlich höchstens etwa 100 RM erzielt und sei in den einfachen Dienst oinzustufen, Der am 1# April 1937 beginnende EntschädigungsZeitraum ende mit dem 19* August 1937, da die Klägerin an diesem (Tage die Ehe mit dem Inhaber eines Metzgereibetriebo geschlossen habe und damit in Verhältnisse gelangt sei, in denen eine Ehefrau im allgemeinen nicht mehr erwerbstätig sei« Eine etwaige Tätigkeit der Klägerin im Betrieb ihres Ehemannes sei keine Berufstätigkeit, sondern wäre nicht über den Rahmen einer Pflicht zur Mitarbeit gemäß § 1356 BOB hinausgegangen o Nach der Eheschließung sei also die Berufslosigkeit der Klägerin nicht mehr verfolgungsbedingt gewesen, Da für Schäden, die auch ohne Verfolgung entstanden wären, keine Entschädigung geleistet werde, stehe dem Antrag insoweit § 9 Abs, 5 BEG entgegen. November 1961 ist nach erklärter Rentenwahl nur die Rente errechnet worden* die sich aus der im ersten Bescheid festgesetzten Kapitalentschädigung ergibt; ihm liegen also im übrigen dieselben tatsächlichen Feststellungen und rechtlichen Erwägungen wie dem ersten Bescheid zugrunde« Rach Art. XII Nr« 2 Abs« 1 BEG-SchlußG konnte die Klägerin den Anspruch auf die Berufsschadensrente neu anmelden, wenn sich aus den in Art» I BEG-SchlußG getroffenen Gesetzesänderungen ergibt , daß ,ihT eine höhere als die ihr bisher zuerkannte Rente zusteht» Dabei sind die in den früheren Bescheiden getroffenen tatsächlichen Feststellungen zugrunde zu legen (Art» III Hr«2 Abs» 3 BEG-SchlußG); nicht bindend ist dagegen die rechtliche Bewertung, die diese Tatsachen erfahren haben (BGH Urteil vom 11, Juli 1968 - IX ZR 231/67). Bei Anwendung dieser Grundsätze ergibt sich, daß sich aus den Vorschriften des BEG-Schlußgesetzes ein Anspruch der Klägerin auf eine höhere Rente nicht herleiten läßt. unter anderem auf § 9 Abs» 5 BEG abgest.el.lt wird und diese Vorschrift durch das BEG-Schlußgesetz neu gefaßt worden isto Jedenfalls nötigt die Änderung des § 75 BEG? Die Einkommensbeträge der Jahre 1948 und 1949 hat das Berufungsgericht den den Ehemann der Klägerin betreffenden Verwaltungsakten entnommen, wie sie in einem den Ehemann betreffenden Bescheid vom 16» November 1956 enthalten sind, Die in den späteren Jahren erzielten Einkommensbeträge hat das Berufungsgericht nicht ausdrücklich genannt; es kann aber unbedenklich angenommen werden, daß es seiner Entscheidung auch das in Jenem Bescheid des Ehemanns angegebene Einkommen der Jahre 1950 bis 1955 zugrunde gelegt hat, da es sonst nicht zu der Annahme hätte gelangen können, daß der Entschädigungszeitraum mit dem 31o Dezember 1949 sein Ende gefunden habe* Die Klägerin selbst hat in der Entgegnung auf die BerufüngsbegrÜndung ausgeführt, daß ihr Ehemann 1950 ein Jahreseinkommen von 7«920 DM erreicht habe; sie v/ill ersichtlich nicht geltend machen, daß das Berufungsgericht zur Feststellung geringerer Einkommensbeträge, als sie in dem Bescheid vom 16« November 1956 angegeben sind, hätte kommen müssen« Das danach von dem Ehemann in den Jahren 1950 bis 1955 erzielte Einkommen hat das Eineinhalbfache der für die Klägerin maßgebenden Tabellensätze ebenfalls durchweg überschritten« Die Feststellung, daß der Ehemann einer geregelten Berufstätigkeit als Metzger nachging, ergibt die Nachhaltigkeit seiner damaligen Einkommens-Verhältnisse« Das Berufungsgericht konnte von der unrichtigen Auffassung aus, daß das Einkommen des Ehemannes die Tabellensätze um das Doppelte überschritten haben müsse, unter Berücksichtigung der Einkommensentwicklung nur zu dem Ergebnis kommen, daß die nachhaltige Debens-grundlagc erst vom 1« Januar 1950 an gegeben gewesen sei; bei dem Einsatz der richtigen Vergleichszahlen ergibt sich jedoch auf der Grundlage der tatsächlichen Feststellungen und Wertungen des Berufungsgerichts, daß die Klägerin bereits vom 1« Januar 1948 an durch das Erwerbs- April 1937 bis zu dem 31» Dezember 1947 dauernden Entschädigungszeitraum errechnet, ergibt sich in Anwendung des § 33 der 3» DV-BEG für die Zeit vom 1» Februar 1959 an eine Rente, die unter der gesetzlichen Mindestrente (§95 Abs0 2 BEG) bleibt. Auch die Rentenerhöhungen, die vom Io Januar 1961, Io Januar 1966 und Io Oktober 1966 an vorzunehmen sind, überschreiten den Mindestbetrag nicht» Die wegen des Zusammentreffens mit einer höheren Gesundheitsschadensrente nach § 141 e BEG vorzunehmende Kürzung der Mindestrente führt zu keiner höheren Berufsschadensrente, als der Klägerin durch den Bescheid vom 16» November 1961 zuerkannt worden ist.