BGH · IX ZR 42/77 vom 06.06.1978
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat ohne mündliche Verhandlung durch die Richter Dr. Thun» Fuchs» Portaann» Dr. Lang und Gärtner für Recht erkannt: *) *) Berichtigt Auf die Berufung des Klägers wird das Urteil durch den an- Von Rechts wegen Tatbestand Der 1911 in Aschaffenburg geborene Jüdische Kläger» der seit dem Sommersemester 1931 in Paris und Frankfurt (Main) Jura studiert hatte» wanderte im Mai 1933 nach Frankreich aus« Dort wurde er nach Kriegsausbruch interniert. Entsc^alftimgagrUnde Das Berufungsgericht führt aus: Der Kläger stütze seinen Anspruch jetzt nur noch auf die Behauptung eines verfolgungsbedingten psychischen Gesundheitsschadens (Depression)« Das ursprünglich auch auf unmittelbare körperliche Leiden bezogene Klagvorbringen sei nicht mehr Gegenstand des Verfahrens, da die Berufungsbegründung die entsprechenden negativen Feststellungen des angefochtenen Urteils nicht angreife, sondern allein die nur auf den psychischen Schaden bezogenen Ausführungen zu dem Berufungsgegenstand erhebe« Damit aber gelte gemäß § 209 BEG£ 519 ZPO das Urteil des Landgerichts im übrigen als nicht angefechten« Uber das Entschädigungsbegehren des Klägers sei im Berufungsrechtszug nur noch soweit zu befinden, als er seinen Anspruch auf Entschädigung wegen Gesundheitsschadens auf eine verfolgungsbedingte psychische Erkrankung stütze« Vor dem Berufungsgericht ist der Rechtsstreit in dem durch die Berufungsanträge bestimmten Grenzen von neuem zu verhandeln (§ 525 ZPO)« Gegenstand der Verhandlung und Entscheidung des Berufungsgerichts sind alle den aberkannten Anspruch betreffenden Streitpunkte, über die nach den Anträgen eine Verhandlung und Entscheidung erforderlich ist (§ 537 ZPO). Die Anträge, nicht die in der Berufungsbegründung vorgetragenen Angriffe gegen das landgerichtliche Urteil bestimmen den Gegenstand des Berufungsverfahrens« Uber die Anträge auf Grund eines durch das Parteivorbringen eingeschränkten Streitstoffes zu entscheiden, ist den Berufungsgericht in Entschädigungssachen verwehrt* Denn die Entschädigungsgerichte haben von Amts wegen alle für die Entscheidung erheblichen Tatsachen zu ermitteln (§§ 176 Abs* 19 209 Abs* 1 BBG; vgl* gegen Land Hessen, vertreten durch den Hessischen Sozialminister, LuisenstraBe 7» Wiesbaden, Beklagten und Revisionsbeklagten Der IX* Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 6* Juli 1978 durch den Vorsitzenden Richter Mai und die Richter Zorn» Fuchs» Dr. Lang und Gärtner beschlossen: Die Formel des am 8* Juni 1978 verkündeten Urteils wird im ersten Satz gemäß § 209 Abs* 1 BEG, § 319 ZPO dahin berichtigt» daß das Wort "Berufung" durch "Revision" ersetzt wird*