BGH · IX ZR 24/71 vom 19.10.1972
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Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat ohne mündliche Verhandlung durch den Vorsitzenden Richter Mai und die Richter Wüstenberg, von der Mühlen, Puchs und Br. Thumm für Recht erkannt: Januar 1964 einen Prozeßvergleich, worin der Beklagte sich verpflichtete , an den Kläger zur Abgeltung sämtlicher Ansprüche wegen Schadens an Körper oder Gesundheit "über den Bescheid •••• vom 4. Mit der Revision erstrebt der Kläger in erster Linie die Zurückverweisung des Rechtsstreits an das Berufungsgericht. Das Berufungsgericht führt zunächst aus, der Kläger habe den Vergleich vom 10. Nr. 1 Abs.la BEG-SchlußG hat das Berufungsgericht mit folgenden Erwägungen verneint: Der Kläger habe in dem Vergleich vom 10. Januar 1964 seinen Anspruch auf eine Rente im Sinne der §§ 12, 29 Nr. 2 und 3, 31, 36 BEG nicht in vollem Umfang aufgegeben. Dies wäre nur dann der fall, wenn kein Teil der vergleichsweise gewährten, nicht auf Ansprüche nach § 29 Nr. 1 und 4-6 BEG zu verrechnenden Entschädigung Ansprüche aus der Zeit ab 1. Dem Vergleich und dem vorangegangenen Vergleichsvorschlag des Gerichts lasse sich nicht entnehmen, welche der in § 29 Nr. 1 - 3 BEG aufgeführten Teilansprüche mit dem Betrag von 12.000 DM abgegolten werden sollten und ob dieser Betrag überhaupt das Resultat bestimmter Berechnungen gewesen sei. Heilverfahren für vegetative Labilität zu gewähren sei und ob ein Anspruch auf Heilverfahren für einen durch die Verfolgung entstandenen, nicht nur verschlimmerten Herzklappenfehler bestehe, ferner, ob und inwieweit über den 31* Mai 1949 hinaus die Brwerbsfähigkeit des Klägers verfolgungsbedingt um mehr als 23 £ gemindert und ob der Kläger statt in den einfachen An den mittleren Dienst einzustufen sei« Die Beweisaufnahme vor dem Oberlandesgericht habe die medizinischen Fragen nicht eindeutig beantwortet» Zur Einstufung habe der Kläger im gerichtlichen Verfahren überhaupt keine substantiierten Ausführungen mehr gemacht, die seinen Vortrag vor der Entsohädigungsbehörde hätten entkräften können, er habe in den drei Jahren vor seiner Verfolgung in der Woche lediglich rund 100 polnische Zloty verdient» Unter diesen Umstünden könne mit Sicherheit gesagt werden, daß der Vergleichsvorschlag des Gerichts nicht von einer Einstufung des Klägers in den mittleren Dienst oder auch nur in der Mitte zwischen dem einfachen und dem mittleren Dienst ausgegangen sei» Ein Wocheneinkommen von 100 Zloty, das kaum 30 HM entsprochen habe, ergebe keinesfalls das für die Einreihung in den mittleren Dienst erforderliche Mindesteinkommen von jährlich 2 »800 HM (Anlage zur 2» DV-BEG)« Eine dem Berufungsantrag des Klägers entsprechende Berechnung ergebe eine Kapitalentschädigung von 9*873,36 DM, bei Einstufung in den einfachen Dienst nur 9*030 UM» Erhalten habe der Kläger durch Bescheid und Vergleich insgesamt 13*967 DM, also mindestens rund 4*090 3W oder 4*900 DM mehr als in dem für ihn günstigsten Fall als Kapitalentschädigung im Sinne der §§ 29 Nr» 3, 36 BEG habe angesehen werden können» Der Mehrbetrag könne, nachdem ein Anlaß zu Leistungen gemäß § 29 Nr» 4-6 BEG ersichtlich nicht bestanden habe, nur die Abgeltung von Heilverfahrens- Wie der Bundesgerichtshof schon mehrmals ausgesprochen hat (RzW 1969t 358; 1971, 186 Nr. 28, 449; 1972, 231), können nach Art. IV Nr. 2 BEG-SchlußG Vergleiche wie die anderen unter diese Bestimmung fallenden Anspruchsregelungen in entsprechender Anwendung von Art. IV Nr. 1 Abs.la BEG-SchlußG angefochten werden, wenn der Antragsteller seinen Anspruch auf Rente für Schaden an Körper oder Gesundheit aus medizinischen Gründen in vollem Umfang aufgegeben hat. November 1953 zu zahlende Entschädigungsleistung in Geld für verfolgungsbedingten Schaden an Körper oder Gesundheit, der den 31« Oktober 1953 überdauert hat oder danach in Erscheinung getreten ist und die Erwerbsfähigkeit des Verfolgten um mindestens 25 £ beeinträchtigt (BGH RzW 1972, 231)« Der Anspruch auf eine solche Rente ist dann nicht in vollem Umfang aufgegeben, wenn die vereinbarte Geldleistung ganz oder zu dem Teil seiner Erfüllung oder un- Bas Berufungsgericht ist auf Grund des Sachund Streitstandes unmittelbar vor Abschluß des Vergleichs zu dem Ergebnis gekommen, daß ein Teil der vereinbarten Entschädigung den Rentenanspruch des Klägers abgelte« Dabei handelt es sich darum, welche Einzelansprüche auf welche Weise durch denTVergleich geregelt worden sind« Insoweit ist die Auslegung Sache des Tatrichters (BGH RzW 1967, 399» 1972, 231). Die Revision macht dazu nur geltend, die Erwägungen des Berufungsgerichts seien ein untaugliches Mittel zur Errechnung des Vergleichsbetrages« Der vom Berufungsgericht mit 3*000 DM angenommene Wert des Heilverfahrensanspruchs könne vielleicht der Streitwertberechnung zugrunde gelegt werden, nicht aber der Beantwortung der Präge, welche Leistungen der Kläger in dem Vergleich tatsächlich für das Heilverfahren und die Kapitalentschädigung erhalten habe« Es ist jedoch aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden, daß das Berufungsgericht den Vergleichsinhalt mangels anderer Anhaltspunkte in der Weise ermittelt hat, daß es die vom Kläger vor Abschluß des Vergleichs verlangten Leistungen berechnete (BOH RzW 1972, 231)« In diesem Zusammenhang hat es den vom Kläger geltend gemachten zusätzlichen Heilverfahrensanspruch mit 3*000 DM veranschlagt, veil erfahrungsgemäß Heilverfahren mit höchstens diesem Betrag abgefunden würden* Dies ist eine für das Revisionsgericht bindende tatsächliche Feststellung (§ 209 Abs* 1 BBCr, § 561 Abs* 2 ZPO)* Bine ordnungsgemäße Verfahrensrüge (§ 209 Abs* 1 BEO, § 554 Abs* 3 Nr« 2 ZPO) hat die Revision dagegen nicht erhoben* Sie zeigt insbesondere nicht auf, daß das Berufungsgericht Tatsachen übersehen habe, die zu einer höheren als der sonst gewährten Abfindung für den Heilverfahrensanspruch hätten führen können* Nach Peststellung des Vergleichsinhalts hat das Berufungsgericht noch ausgeführt, auch wenn es den Standpunkt einnähme, daß nicht sicher festgestellt werden könne, ob der Kläger einen Rentenanspruch in vollem Umfang auf gegeben habe, bliebe die vom Kläger erklärte Vergleichsanfechtung ohne Wirkung.