BGH · IX ZR 13/79 vom 13.12.1979
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BGH RzW 1977f 88) - Widerrufsklage gemäß § 212 Abs. 1 BEG ist eine gesondert erhobene Leistungsklage jedenfalls dann nicht zulässig, wenn die Parteien nur um die Berechtigung des Widerrufsbescheids (§§ 2039 204 BEG) und der daraus hergeleiteten Leistungsverweigerung des Beklagten streiten. Der IX* Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat ohne mündliche Verhandlung durch den Vorsitzenden Richter Mai und die Richter Zorn, Fuchs, Dr. Thun und Dr. Lang für Recht erkannt: Mit der dagegen erhobenen Klage beantragte der Kläger die Aufhebung des Widerrufsbescheides, die Zahlung eines Rentenrückstandes von 3.937 DM und April 1975 unter Berücksichtigung der weiteren linearen Rentenerhöhungen« Das Landgericht wies die Klage ab« Das Berufungsgericht hob durch sein am 2« Juli 1976 verkündetes Urteil den Widerrufs- und Rückforderungsbescheid wegen Versäumung der Widerrufsfrist auf« über den Zahlungsanspruch verhält sich die Urteilsformel nicht« Die Beschwerde des beklagten Landes gegen die Nichtzulassung der Revision wies der Senat mit Beschluß vom 30« Juni 1977, den Parteien am 19« und 21« Juli 1977 zugestellt, zurück« Schließt sich ein Beklagter der Erledigungserklärung des Klägers nicht an, beharrt er vielmehr auf seinem Antrag, die Klage abzuweisen, dann mu0 das Gericht, erforderlichenfalls nach Beweisaufnahme, durch Urteil entscheiden. Die Hauptsache ist erledigt, wenn die zulässige und begründete Klage durch ein späteres Ereignis unzulässig oder unbegründet geworden ist. War jedoch die Klage schon vor dem Ereignis, das der Kläger zur Begründung seiner Erledigungserklärung anführt, unzulässig (oder unbegründet), dann ist sie, selbst wenn das während des Rechtsstreits eingetretene Ereignis bei zulässiger und begründeter Klage die Hauptsache erledigt hätte, dem Antrag des Beklagten entsprechend abzuweisen (vgl. Der Beklagte hat ein schutzwürdiges Interesse daran, daß die Klage als unzulässig abgewiesen wird. der Eigenart des Verfahrens ln Entschädigungssachen nach dem Bundesentschädigungsgesetz« Jede Entscheidung des Revisionsgerichts regelt zwar wie in anderen Verfahren auch jeweils nur den Einzelfall* Praktisch wird damit jedoch fast immer eine Richtlinie für eine Vielzahl gleichgelagerter Fälle gegeben* Das Gebot, Gleiches gleich zu behandeln (Art* 3 GG), hat in der Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts ein besonderes Gewicht« Deswegen und wegen der außergewöhnlich großen Zahl von Entschädigungsverfahren sind die Entschädigungsbehörden dringend auf Richtlinien für die einzelnen Fallgruppen angewiesen* Dieses Interesse rechtfertigt es, daß der Beklagte hier mit seinem Antrag, die Klage abzuweisen, eine gerichtliche Entscheidung über deren Zulässigkeit erstrebt* Hat die Entschädigungsbehörde, wie hier, gestützt auf § 7 Abs* 2 und 3 BEG, einen begünstigenden Bescheid widerrufen und die erbrachten Entschädigungsleistungen zurückgefordert (§§ 201 Abs.1, 203 Abs* 1, 204 Abs. 2 BEG), so kann der Betroffene auf Aufhebung oder Abänderung dieses Widerrufsbescheides klagen (§ 212 Abs, 1 BEG), Damit mag die Klage auf Leistung entsprechend dem widerrufenen Bescheid verbunden werden können (vgl* BGH RzW 1977, 68)* Eine gesondert erhobene Leistungsklage ist aber jedenfalls dann unzulässig, wenn die Parteien nur um die Berechtigung des Widerrufsbescheides und der daraus hergeleiteten Leistungsverweigerung des Beklagten streiten* Hier haben die Parteien nur um die Berechtigung des Widerrufsbescheides und der allein auf diesen Bescheid gestützten Leistungsverweigerung des Beklagten gestritten* Von der Klagemöglichkeit nach § 212 BEG hat der Kläger Gebrauch gemacht* Die darüber hinaus gesondert erhobene Leistungsklage war und ist unzulässig* Eine Erledigung der Hauptsache liegt daher nicht vor.