BGH · IX ZR 201/67 vom 05.03.1970
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Er war als Kandidat der SED 1954 und 1962 zur Bezirksverordnetenversammlung des Verwaltungsbezirks Berlln-W^^l und 1958 zu dem Abgeordnetenhaus von Berlin auf gestellt. Die Entschädigungsbehörde hat den Anspruch abgelehnt» weil der Kläger durch seine Mitgliedschaft bei der SED» die Zugehörigkeit zur Kreisleitung W^^ der SED und das Verteilen der "Wahrheit" im Jahre 1959 die freie demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes bekämpft habe und deshalb nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 BEG von der Entschädigung ausgeschlossen sei. Das Berufungsgericht hat zur Frage des Ausschlusses nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 BSG erwogen: Die Mitgliedschaften in der SED, WN, GDSF und is FDGB reichten für sich allein zu eines AusschluS nicht aus. Berlin-V^m^ verfassungsfeindliche, den Ausschluß rechtfertigende Handlungen begangen, stehe schon entgegen, daß die bloße Ausübung einer Funktion in einer in Berlin (West) zugelassenen politischen Partei nicht zu persönlichen Nachteilen führen dürfe« Außerdem sei dem Kläger eine nach Art und Umfang ins Gewicht fallende verfassungsfeindliche Tätigkeit in dieser Funktion nicht nachzuweisen« Der Nachweis persönlicher Verantwortlichkeit für bestimmte wesentliche Angriffe auf die freiheitliche demokratische Grundordnung könne nicht durch allgemeine Betrachtungen über das von der SED in Westberlin erstrebte und in ihrem Herrschaftsbereich verwirklichte kommunistische System ersetzt werden« Wenn der Kläger als langjähriger Kommunist im Kreisvorstand, ln parteiinternen Diskussionen und auch sonst seine politische Oberzeugung vertreten und dabei auch andere Auffassungen kritisiert habe, dann sei ihm das durch die Grundrechte der Freiheit des weltanschaulichen Bekenntnisses, der Meinungsäußerung und der Vereinsund Versammlungsfreiheit gewährleistet« Es lägen keine genügenden tatsächlichen Anhaltspunkte dafür vor, daß er über diesen Rahmen hinaus das Vertrauen der Bevölkerung zu den verfassungsmäßigen Organen in Westberlin untergraben, die Beseitigung der hiesigen freiheitlichen Demokratie geplant und die Errichtung einer kommunistischen Diktatur in Westberlin ernsthaft vorbereitet habe« Mit Recht ist der Berufungsrichter davon ausgegangen, daB die Mitgliedschaft des Klägers in der SED und in anderen kommunistischen oder zu demindest kommunistisch beeinflußten Organisationen sowie seine Wahlkandidatur für diese Partei in den Jahren 1954, 1958 und 1962 für sich allein nicht ausreichen, um das objektive Erfordernis des Bekämpfens in dem dargelegten Sinne zu erfüllen. Die SED war und ist die herrschende politische Partei der DDR« Sie unterscheidet sich weder in ihrem inneren organisatorischen Aufbau noch ln ihren politischen Zielsetzungen noch in der diese Zielsetzungen bestimmenden Ideologie von der in der Bundesrepublik verbotenen KPD« Die Gründe, die nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 17« August 1956 (BVerfGE 5, 85 ff) für die Feststellung der Verfassungswidrigkeit der KPD maßgebend waren, treffen deshalb auch auf die SED zu (BGH RzW 1965, 513 Nr. 17)« Ziel der verbotenen KPD war es, die wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Ordnung in der Bundesrepublik zu unterhdhlen, die innere Abwehrbereitschaft gegen den Kommunismus zu lähmen und so die Aufrichtung einer kommunistischen Herrschaft vorzubereiten« Das hat der Bundesgerichtshof bereits in früheren Urteilen (RzW I960, 264 Nr« 17; 1962, 119 Nr« 12 und 399 Nr« 5), auf die hier verwiesen werden kann, im Anschluß an das vorgenannte Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 17« August 1956 näher dargelegt« 210 Nr* 8 und 354 Nr* 12; 1963» 19 Nr* 14 ausgefUhrt ist» notwendig eine aktive Tätigkeit für die politischen Ziele der SED und der ihr angeschlossenen oder von ihr beeinflußten Organisationen» also ein aktiver Einsatz nach außen verbunden» sei es auch nur in der Planung oder Leitung eines solchen Einsatzes* Denn aus der hier allein maßgebenden Sicht der SED-FUhrungsspitze ist der politische Funktionär ein gewichtiger Faktor im Kampf um die Machtbestrebungen des Kommunismus» der stets als im aktiven Einsatz stehend anzusehen ist (BGH RzW 1963» 19 Nr. 14). Die Urteilsfeststellungen ergeben» daß der Kläger zehn Jahre lang einer FUhrungsgruppe der SED in Westberlin angehört hat» deren Willensbildung fUr die Ziele und das Handeln dieser Organisation von Bedeutung gewesen ist» und daß er die für diese Stellung vorgesehenen Aufgaben während dieser Zeit tatsächlich wahrgenommen hat* Aus dieser Sicht gewinnen auch die Mitgliedschaften in der WN (vgl* BGH RzW 1963» 19 Nr* 14)» der GDSF (vgl* BGH RzW 1965» 513 Nr* 17 unter Hinweis auf BGHSt 8» 162) und im FDGB» die wiederholte Aufstellung als Kandidat der SED bei den Wahlen zur Bezirksverordnetenversammlung und zu dem Abgeordnetenhaus und schließlich das vierteljährliche Einsammeln von Beiträgen bei Mitgliedern der WN und des FDGB erheblich an Gewicht* Gleiches gilt für das Vertreiben der Wochenzeitschrift "OSWaMK1» eines in Westberlin zugelassenen Informationsblattes der SED (vgl. Alle diese Mitgliedschaften und Verhaltens« weisen zeigen den Kläger als einen Kommunisten, der sich unter Einsatz seines Ansehens aktiv am politischen Tageskampf der SED und damit an der Verwirklichung der Ziele dieser Partei in Westberlin beteiligt hat. Auch ist nicht zu prüfen, von welchem Gewicht die Mitarbeit des Klägers ln der Kreisleitung eines Verwaltungsbezirkes der SED in Westberlin war. Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts entfällt die Berücksichtigung dieser Tätigkeit des Klägers als eines politischen Funktionärs der SED nicht schon wegen der Zulassung dieser Partei in West-Berlin durch die Behörden und ihrer Beteiligung an den allgemeinen Wahlen, weil nach dem Grundgedanken der Entscheidung . Das Bundesverfassungsgericht hat ausgesprochen, daß § 6 Abs. 1 Nr* 2 BEG mit Rücksicht auf Art* 21 GG nicht auf Personen angewandt werden darf, die nur als Funktionäre einer politischen Partei vor ihrem Verbot durch das Bundesverfassungsgericht deren Ziele mit allgemein erlaubten Mitteln vertreten haben. Hierauf wird verwiesen* Deshalb entfällt in Berlin eine unmittelbare Geltung des vom Bundesverfassungsgericht ausgesprochenen Grundsatzes* Die Frage der entsprechenden Anwendbarkeit der vom Bundesverfassungsgericht aus dem Parteienprivileg des Art* 21 GG gezogenen Folgerungen auf Funktionäre der SED ln Westberlin braucht nicht entschieden zu werden* Denn nach den Feststellungen des Berufungsgerichts hat der Kläger seine Tätigkeit auch nach dem Verbot der KPD vom 17* August 1956 fortgesetzt (vgl. Die Auffassung des Berufungsgerichts würde dazu führen, daß in Berlin die Verfassungswidrigkeit einer im organisatorischen Rahmen einer politischen Partei ausgeübten Tätigkeit überhaupt nicht geltend gemacht werden könnte* Es kann nicht angenommen werden, daß das Gesetz auf einen Schutz des Staates gegen eine verfassungswidrige politische Tätigkeit, die im Rahmen einer nicht ausdrücklich verbotenen, aber materiell verfassungswidrigen Partei ausgeübt wird, für Berlin deshalb hat verzichten wollen, weil hier das Verbot einer solchen Partei aus staatspolitischen Gründen nicht zweckmäßig erscheint oder nicht durchführbar ist* Das Fehlen Entscheidend ist vielmehr dessen Innerer Unwertcharakter und Unwertgehalt« Der Bundesgerichtshof hat insbesondere ln den Urteilen RzW 1962, 119 Nr« 12 und 210 Nr« 8 im einzelnen dargelegt, daß der Bundesrepublik Deutschland grundsätzlich nicht zugemutet werden kann, solchen Verfolgten Entschädigung zu leisten, die sich aktiv (kämpferisch) für die Ziele des Kommunismus elnsetzen, um mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung ln der Bundesrepublik auch die menschlichen, ideellen, politischen und wirtschaftlichen Grundlagen der Wledergutmaohungspolltik, durch die solche Leistungen erst ermöglicht worden sind, zu zerstören« Das läßt sich um so weniger rechtfertigen, als die SED in ihrem Machtbereich jede Wiedergutmachung und sogar jede Mitwirkung bei Ihrer Durchführung durch die Entschädigungsorgane der Bundesrepublik ablehnt« Aus den dargelegten Gründen ist das angefochtene Urteil aufzuheben und der Rechtsstreit an das Kammergericht zurückzuverweisen« Der Berufungsrichter wird auch zu prüfen haben, ob die subjektiven Voraussetzungen des Bekämpfens i.S. des § 6 Abs« 1 Nr« 2 BEG erfüllt sind« Nach der ständigen Rechtsprechung des Senats ist hierzu erforderlich, daß der Verfolgte die auf die Beseitigung der freiheitlichen Ordnung ln der Bundesrepublik gerichtete Zielsetzung des Kommunismus Er muß auch seinerseits das Ziel verfolgt haben, mit seiner Tätigkeit einen Beitrag zu dem Kampf gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung nach § 6 Abs, 1 Nr, 2 BBG zu leisten (BGH RzV 1965, 562 Nr, 32) • Dabei werden diese subjektiven Voraussetzungen des Bekämpfens bei einem politischen Funktionär, der im Rahmen der ihm übertragenen Aufgaben tätig geworden ist, regelmäßig gegeben sein, weil er auf Grund seiner Stellung zu dem Kreise derjenigen gehört, die ausreichend über die wirklichen Bestrebungen des Kommunismus unterrichtet sind.