BGH · IX ZR 144/73 vom 15.12.1977
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Dezember 1963 die Ansprüche auf Entschädigung für Schaden an Körper oder Gesundheit "wegen fehlender Nachweise der anspruchsbegründenden Tatsachen bzw. Nach Auffassung des Berufungsgerichts hat der Kläger mit dem Antrag vom Februar 1961 erstmals Entschädigung für Schaden an Körper oder Gesundheit begehrt« Für diesen verspäteten Antrag habe die Behörde dadurch, daß sie ihn nicht als unzulässig, sondern mangels Mitwirkung abgelehnt habe, stillschweigend eine die Gerichte bindende Wiedereinsetzung gewährt« Der Kläger hätte mithin eine Sachentscheidung des Gerichts herbei-fUhren können« Für eine neue materielle Entscheidung über dieselben Ansprüche sei deshalb nach § 189 a Abs. 1 BEG kein Raum mehr« Richtig ist, daß der Kläger 1930 nach dem eindeutigen Wortlaut der damals abgegebenen Erklärungen nur Entschädigung für Schaden an Freiheit angemeldet und erstmals im Februar 1961 Entschädigung für Schaden an Körper oder Gesundheit verlangt hat« Dieser Antrag war, wie das Berufungsgericht zutreffend darlegt, nach seinem objektiven Erklärungswert dahin zu verstehen, daß der Kläger unabhängig davon, ob eine Anmeldung vorlag oder nicht, Entschädigung für seinen Körperschaden be- Jedoch war die Frist des § 189 Abs* 1 Satz 2 BEG verstrichen und das Verfahren wegen des 1950 allein geltend gemachten Schadens an Freiheit längst beendet, als die Anmeldung vom Februar 1961 einging* Dieser Antrag war deshalb nach dem bis 17. An eine von der Behörde ausdrücklich oder stillschweigend erteilte Wiedereinsetzung waren die Gerichte nach § 189 Abs.3 BEG aF entgegen der Meinung des Tatrichters nicht gebunden. Nach Art. Ill Nr. 1 Abs.4 BEG-Schlußgesetz ist ein Antrag auf erneute Entscheidung in der Sache zulässig, wenn eine der Änderungen in Art. I Nr. 111, 112 oder 113 BEG-Schlußgesetz (§§ 189 Abs* 3 Satz 2, 189 a, 189 b BEG)< die Durchsetzung eines Anspruchs erst ermöglicht hat (BGH RzW 1971, 41 und ständig). September 1965 in Kraft getretenen Art. I Nr. 111 (§ 189 Abs.3 Satz 2 BEG nF) ist der Anspruch wegen Schadens an Körper oder Gesundheit im Gegensatz zu dem alten Recht nunmehr durchsetzbar. Die Behörde hat diesen Anspruch im unanfechtbar gewordenen Bescheid vom 10* Dezember 1963 nicht an der verspäteten Anmeldung scheitern lassen, sondern wegen fehlender Nachweise und mangels Mitwirkung abgelehnt, mithin zur Sache entschieden* Dadurch hat der Beklagte für den Antrag vom Februar 1961 stillschweigend Wiedereinsetzung in die versäumte Frist des § 189 Abs. 1 Satz 2 BEG gewährt (BGH RzW 1970, 314). Danach ist der Antrag vom November 1965, erneut über den Anspruch auf Entschädigung für Schaden an Körper oder Gesundheit zu entscheiden, zulässig« Das angefochtene Urteil wird deshalb aufgehoben und der Rechtsstreit entsprechend dem Revisionsantrag an das Berufungsgericht zur Entscheidung Uber die sachlichen Voraussetzungen des Anspruchs zurückverwiesen.