BGH · IX ZR 143/73 vom 18.05.1978
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der IX« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 20« April 1978 durch den Vorsitzenden Richter Mai und die Richter Henkel, Fuchs, Portmann und Gärtner für Recht erkannt: März 1963 erstmals Entschädigungsansprüche an und beantragte gleichzeitig Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Antragsfrist. Erst jetzt, lange Zeit nach Ablauf der allgemeinen Anmeldefrist habe ich in Erfahrung gebracht, dass die Wiedergutmachungsansprueche der nach Russland zwangsweise deportierten Juden guenstig erledigt werden, erlaube ich mir daher, obigen Antrag auf Wiedereinsetzung in den frueheren Stand zu stellen und melde hiermit mittels des hier beigefuegten Mantelantrages meine Ansprueche an* Januar 1968 Wiedereinsetzung in den vorigen Stand, weil sich aus den Angaben der Klägerin nicht entnehmen lasse, daß sie nach Behebung des der rechtzeitigen Anmeldung entgegenstehenden Hindernisses den Wiedereinsetzungsantrag ohne schuldhaftes Zögern gestellt habe, und lehnte den Antrag auf Entschädigung wegen Schadens an Körper oder Gesundheit wegen Versäumung der Anmeldefrist ab. Dezember 1968 vor, daß sie sich vor Ablauf der allgemeinen Anmeldefrist an verschiedene Anwälte gewandt und erfahren habe, daß Personen, welche während der Verfolgung in Rußland gewesen seien, in Deutschland keinen Anspruch auf Entschädigung geltend machen könnten. In dem Berufungsverfahren reichte die Klägerin zur Ergänzung und weiteren Glaubhaftmachung ihres Wiedereinsetzungsantrages eidliche Erklärungen ihres Sohnes und einer Frau Gleitman vom 4. Das Oberlandesgericht hob das Urteil des Landgerichts auf, erteilte der Klägerin gegen die Versäumung der Antragsfrist Wiedereinsetzung in den vorigen Stand und verwies die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurück. Die Klägerin habe unter Berücksichtigung auch ihres nachträglichen Vorbringens dargelegt und glaubhaft gemacht, daß sie sich vor Ablauf der allgemeinen Antragsfrist an verschiedene Rechtsanwälte gewandt und erfahren habe, daß Verfolgte, die in Rußland gewesen seien, keine Entschädigungsansprüche geltend machen könnten, daß sie erst Anfang März 1963 durch ihren Sohn von der neuen Rechtsprechung erfahren und daß sie sich dann sogleich zu ihrem Anwalt begeben habe. Die Klägerin ist bei dem von ihr behaupteten Verfolgungsschicksal nicht, wie den Darlegungen des Berufungsurteils entnommen werden könnte, erst durch eine Änderung der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs in dem im März-Heft des Jahres 1962 der MRechtsprechung für WiedergutmachungsrechtM veröffentlichten Urteil vom 25* Oktober 1961 in die Lage versetzt worden, ihre Entschädigungsansprüche wegen ihrer in Rußland erlittenen verfolgungsbedingten Gesundheitsschäden mit Erfolg geltend zu machen. Der Bundesgerichtshof hat durch dieses Urteil seine Rechtsauffassung über die Entschädigungsberechtigung von Rußlandflüchtlingen nicht geändert (vgl. Ein der Durchsetzung ihres Entschädigungsbegehrens entgegenstehendes, von ihr nicht verschuldetes Hindernis kann somit für die Klägerin nicht in einer Änderung der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, sondern nur darin gelegen haben, daß sie sich bei Stellen, die ihr zuverlässig und sachkundig erscheinen konnten, unter richtiger und vollständiger Schilderung ihres Verfolgungsschicksals Rat geholt, von ihnen eine unzutreffende Auskunft erhalten und deswegen bis zur Aufklärung über die wahre Rechtslage ihre Ansprüche nicht angemeldet hat (BGH RzW 1974, 315)* Über solche Erkundigungen enthält der Wiedereinsetzungsantrag März 1963 keine Angaben, daß sie sich überhaupt vor Ablauf der allgemeinen Anmeldefrist anwaltlich über die Aussichten, Entschädigungsansprüche erfolgreich geltend zu machen, habe beraten lassen und daß sie die Auskunft erhalten habe, Personen, welche sich während der Verfolgung in Rußland aufgehalten hätten, seien nicht entschädigungsberechtigt, hat die Klägerin erst mit ihrer eidlichen Erklärung vom 17. März 1963 enthielt keine Angaben darüber, daß sie sich vor Ablauf der Antragsfrist bei rechtskundiger Stelle unter Schilderung ihres Verfolgungsschicksals Über ihre Entschädigungsansprüche hatte beraten lassen und wegen ihr erteilter unzutreffender Rechtsauskunft von einer Anmeldung der Ansprüche abgesehen hatte.