BGH · IX ZR 139/75
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Grundsatz 9 daß das Nachmelden eines Zinsanspruchs unzulässig ist, wenn er in einem vorangegangenen Rechtsstreit nicht erhoben worden 1st, obwohl die mündliche Verhandlung vor dem Tatrichter am 1. Januar 1970 noch nicht geschlossen war (BGH RzV 1973, 174 Nr. 6), gilt auch dann, wenn der Rechtsstreit statt durch ein Urteil durch einen gerichtlichen Vergleich beendet worden ist, der den Zinsanspruch nicht zu dem Gegenstand hatte. Die Berufung des Klägers gegen das Urteil der Zivilkammer 198 des Landgerichts Berlin vom 1. 1965 gewährte die Entschädigungsbehörde dem Kläger für eine verfolgungsbedingte Minderung der Erwerbsfähigkeit von 37 % Kapitalentschädigung ab 1. Im anschließenden Rechtsstreit verlangte der Kläger die Mindestrente und die entsprechende Kapitalentschädigung für eine verfolgungsbedingte Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit von Von Rechts wegen Tatbestand Januar 1970 mit den bisherigen Anträgen; einen Zinsanspruch machte der Kläger nicht geltend. Januar 1942 auf der Grundlage einer vMdE von 40 bis 49 % Heilverfahren» Kapitalentschädigung und Mindestrente unter Beibehaltung der übrigen Elemente des Bescheides vom 12. Gegen die Auslegung, daß der Prozeßvergleich nur den Streitgegenstand geregelt habe, zu dem der Zinsanspruch nicht gehörte (§ 308 Abs« 1 ZPO, § 209 Abs« 1 BEG), bestehen keine Bedenken« Die Revision wendet sich jedoch mit Recht gegen die Auffassung des Berufungsgerichts, der im Vorprozeß nicht erhobene und in dem ihn abschließenden Vergleich nicht geregelte Zinsanspruch könne in einem weiteren behördlichen und gerichtlichen Verfahren geltend gemacht werden« Das Nachmelden eines Zinsanspruchs aus § 169 Abs« 2 und 3 BEG ist unzulässig» wenn er in einem vorangegangenen Rechtsstreit nicht erhoben worden ist» obwohl die mündliche Verhandlung vor dem Tatrichter am 1« Januar 1970 noch nicht geschlossen war« Das hat der Senat in RzV 1975, 174 Nr« 6 entschieden« Darauf wird verwiesen« An den Grundsätzen jener Entscheidung hat er trotz der daran geübten Kritik (Radloff, Anmerkung zu BGH RzV 1975, 174 Nr. 6; Fraenkel, Anmerkung zu BGH RzV 1976, 188) festgehalten (RzV 1976, 188; 1977, 217)« Der Zinsanspruch ist im gerichtlichen Verfahren mit dem Entschädigungsanspruch, aus dem er sich ergibt, geltend zu machen« Denn das Gesetz stellt zur Durchsetzung des Entschädigungsanspruchs nur ein Verfahren zur Verfügung, das nicht beliebig wiederholt oder auf-gespalten werden kann« Daß damit die selbständige Durchsetzung von Zinsansprüchen im bürgerlichen Recht und im Entschädigungsrecht unterschiedlich geregelt ist, verstößt nicht gegen Art« 3 Abs« 3 GG (BVerfG RzV 1977, 217). Der Grundsatz, daß das Nachmelden eines Zinsanspruchs aus § 169 Abs« 2 und 3 BEG unzulässig ist, wenn er in einem vorangegangenen Rechtsstreit nicht erhoben worden ist, obwohl die mündliche Verhandlung vor dem Tatrichter am 1« Januar 1970 noch nicht geschlossen war, gilt auch dann, wenn der Entschädigungsprözeß statt durch ein Urteil durch einen gerichtlichen Vergleich beendet worden ist, der den Zinsanspruch nicht zu dem Gegenstand hatte« Denn auch damit wurde das Entschädigungsverfahren abgeschlossen« Es kann grundsätzlich nicht nochmals in Gang gebracht werden« Danach ist die Klage unbegründet, weil der erst nach dem Abschluß des gerichtlichen Verfahrens gestellte Antrag auf Zinsen unzulässig ist*