BGH · IX ZR 117/75 vom 10.06.1975
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 5* Juli 1979 durch die Richter Dr. Thumm, Zorn, Fuchs» Portmann und Gärtner für Recht erkannt: Von Rechts wegen Tatbestand Der am fliHHHP 1930 in Rumänien geborene jüdische Kläger meldete bei der Behörde des Beklagten im März 1950 Ansprüche auf Entschädigung für Schaden an Freiheit und an Körper oder Gesundheit an. Im März 1933 beantragte die vom Kläger bevollmächtigte International Claims Company in New York Entschädigung für Schaden an Freiheit« Diese Anmeldung wiederholte der Kläger im Januar 1936 durch den von ihm bevollmächtigten Rechtsanwalt Dr. der nach einer Erklärung vom Mai 1936 allein berechtigt war, ihn in seiner Haftentschädigungsangelegenheit zu vertreten* Am 23» August 1937 legte Rechtsanwalt Dr* eine Vollmacht des Klägers vor, mit der frühere Vollmachten widerrufen wurden* Im Januar 1938 meldeten die Rechtsanwälte Fafflok und Dr* Zweig in einem vorgedruckten Formular neben anderen Ansprüchen auch den Anspruch auf Entschädigung für Schaden an Körper oder Gesundheit an* Rechtsanwalt Dr* meldete am 27* März 1938 "einen weiteren Anspruch wegen Schadens an Körper oder Gesundheit an*" Nachdem der vor dem Landgericht Darmstadt am 15. Die Behörde lehnte am 18* September 1969 den Anspruch auf Entschädigung für Schaden an Körper oder Gesundheit ab* Das Landgericht erkannte für eine verfolgungsbedingte Minderung der Erwerbsfähigkeit von 25 vH ab 1* Juni 1949 Kapitalentschädigung und Heilverfahren wegen psychoreaktiven Verfolgungs syndroms sowie ab 1* November 1953 die Mindestrente zu. Danach hatte die Behörde des Beklagten über die seit 1950 anhängigen Ansprüche nach den Vorschriften des Bundesentschädigungsgesetzes zu entscheiden (§ 234 Abs« 3 BEG) • Beantragt hatte der Kläger damals allerdings nur eine Kapitalentschädigung von 15*000 DM für einen 1948 im Städtischen Krankenhaus Frankfurt (Main) behobenen Bruch« Seit der unbeschränkten Anmeldung des Gesundheitsschadens am 27* März 1958 ist auch der Rentenanspruch anhängig (vgl« BGH RzV 1976» 68 Nr« 30). Das Berufungsgericht meint» die Erklärung des Rechtsanwalts Dr« CSV vom 6« März 1961 lasse nicht mit Sicherheit auf eine Rücknahme des Gesundheitsschadensanspruchs schließen« Der Wortlaut stehe einer solchen Auslegung entgegen« Dabei sei zu berücksichtigen» daß die Gesundheitsschadensansprüche nicht nur von Rechtsanwalt Dr« GflBl sondern auch vom Kläger» von der International Claims Company und von Rechtsanwalt Dr« angemeldet gewesen seien« Bei dieser Sachlage habe der Erklärung vom 6« März 1961 nur entnommen werden können» daß Rechtsanwalt Dr« C^^nach Erledigung des Verfahrens wegen Freiheitsschadens seine Tätigkeit habe beenden wollen« Der Ton liege auf den Worten "von mir*« Entgegen der Annahme des Berufungsgerichts mußte der Beklagte im März 1961 davon ausgehen, daß Dr. C^^als einziger Vertreter des Klägers ermächtigt war, den Gesundheitsschadensanspruch zurück zunehmen oder weiterzuverfolgen* Denn die International Claims Company hatte für den Kläger keine Ansprüche auf Entschädigung für Schaden an Körper oder Gesundheit und Dr* ZfBfesolche Ansprüche erst im Januar 1938 angemeldet, als seine Bevollmächtigung bereits widerrufen war* Dennoch war das Schreiben vom 6* März 1961 nicht mit Sicherheit dahin zu verstehen, daß die Behörde von der Entscheidung über den Gesundheitsschadensanspruch freigestellt werden sollte* Der Wortlaut ergab lediglich, Dr* werde den Anspruch nicht weiter- verfolgen* Daß auch der Kläger selbst seinen Gesundheitsschaden nicht mehr geltend machen werde, besagte das Schreiben nicht« Danach zeigte es nur die Niederlegung des Mandats durch Rechtsanwalt Dr* an* Eine weitergehende Bedeutung konnte ihm nach seinem objektiven Erklärungswert jedenfalls nicht zweifelsfrei entnommen werden*