BGH · IX ZB 58/90 vom 05.07.1990
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter Merz und die Richter Fuchs, Gärtner, Dr. Schmitz und Kirchhof am 5. Auf die sofortige Beschwerde der Klägerin wird der Beschluß des 7. Sodann habe er sie seiner Angestellten miHBI unter Hinweis auf den vorstehenden Fristablauf mit der Weisung übergeben, die Schrift nach Dienstschluß bei der gemeinsamen gerichtlichen Briefannahmestelle einzuwerfen. April 1979 beanstandungsfrei in der Kanzlei des Rechtsanwalts hMV- Sie habe die Berufungsschrift nebst Quittung bei dem Verlassen des Büros auf ihrem Schreibtisch vergessen, weil ihr nach Empfang des Auftrags ein gerichtlicher Zwangsgeldbeschluß in einer anderen, von ihr vorbearbeiteten Angelegenheit zugegangen sei. Dies habe sie als vermeintlich unberechtigt sehr erregt und ihre Aufmerksamkeit abgelenkt, weil sie mit dem Sozius des Rechtsanwalts ein Rechtsmittel dagegen ausgearbeitet habe. Das Berufungsgericht hat durch den angefochtenen Beschluß den Wiedereinsetzungsantrag der Klägerin zurückgewiesen und die Berufung als unzulässig verworfen. Das Berufungsgericht durfte die Berufung der Klägerin nicht wegen Versäumung der Berufungsfrist verwerfen, weil die Klägerin formund fristgerecht die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wegen der Versäumung dieser Frist beantragt (§ 243, 236 ZPO) sowie die in der Frist versäumte Prozeßhandlung nachgeholt hat und weil ihr Wiedereinsetzungsantrag entgegen der Annahme des Berufungsgerichts auch sachlich begründet ist. Gemäß §§ 233, 85 Abs. 2 ZPO schließt zwar ein Verschulden der Partei oder ihres Prozeßbevollmächtigten die Wiedereinsetzung aus. Die Klägerin selbst und ihren Prozeßbevollmächtigten Rechtsanwalt trifft hier jedoch kein Ver- Das Verschulden anderer Hilfskräfte, wie der Angestellten KMIBB, braucht sich die Partei nicht zurechnen zu lassen. Das Berufungsgericht wirft dem Prozeßbevollmächtigten des Klägers mit Recht nicht vor, daß er mit der Einlegung der Berufung bis zu dem letzten Tage der Frist gewartet und mit der Beförderung der Berufungsschrift eine Mitarbeiterin als Botin beauftragt hat. Die Zuverlässigkeit der Angestellten KflMBB für den ihr erteilten Auftrag hat die Klägerin hinreichend glaubhaft gemacht. Nach der eidesstattlichen Versicherung der Frau KfMHHI ist sie über die Bedeutung prozessualer Fristen unterrichtet und ist ihr in ingesamt mehr als 30-jähriger Tätigkeit als Rechtsanwaltsgehilfin - darunter 13 Jahre als Bürovorsteherin - ein Versehen wie das hier fragliche noch nicht unterlaufen. Das Berufungsgericht meint, Rechtsanwalt falle ein Verschulden in der Organisation der Postausgangskontrolle zur Last, weil er die Berufungsfrist im Fristenkalender schon gelöscht habe, nachdem er die fertiggestellte Berufungsschrift der Angestellten mit dem Beförderungs- Dazu zählen unter anderem generelle Vorkehrungen dagegen, daß eine im Fristenkalender vermerkte Rechtsmittelfrist gelöscht wird, bevor das zur Fristwahrung bestimmte Schriftstück tatsächlich abgesandt oder zu demindest absendebereit (d.h. mit Unterschrift und gegebenenfalls Umschlag sowie Frankierung versehen) gemacht worden ist (BGH, Beschl. Der Rechtsanwalt darf sich auf die ordnungsmäßige Erledigung verlassen (BGH, Beschl. April 1988 - VII ZB 4/88, VersR 1988, 942) und noch am selben Tage ausgeführt werden soll (vgl. Der Zeitpunkt, in dem die Frist dann frühestens gelöscht werden darf, ist derjenige, in dem der fertiggestellte Schriftsatz für die Mitnahme bereitgelegt ist (BGH, Beschl. Soweit sich das Berufungsgericht auf den Beschluß des Bundesgerichtshofs vom 28. September 1989 (VII ZB 7/89) stützt, übersieht es, daß in dem dort entschiedenen Fall die Frist versäumt wurde, weil sie schon vor der Unterschrift des Rechtsanwalts unter den Schriftsatz im Kalender gelöscht worden war.