BGH · IX ZB 16/73 vom 20.09.1973
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Entschädigungsbehörde lehnte ab; die Frist des § 189 Abs.l BEG sei versäumt, und ein Neuantragsrecht nach Art. Ill Nr. 1 Abs. 1 BEG-SchlußG stehe der Klägerin nicht zu, weil sie schon nach § 150 BEG aF anspruchsberechtigt gewesen sei. Der Berufungsrichter stellt auf Grund der eigenen Angaben der Klägerin fest, daß sie den Entschluß, ihrem Heimatstaat Polen femzubleiben und außerhalb Deutschlands einen neuen Wohnsitz zu begründen, erst nach dem Zeitpunkt der allgemeinen Vertreibung gefaßt hat; sie befürchtete bei ihrer Rückkehr in das kommunistische Polen erneute Verfolgungsmaßnahmen wegen ihres jüdischen Glaubens. Trotz Annahme eines Neuantragsrechts steht jedoch nach seiner Auffassung der Klägerin ein Anspruch auf Entschädigung des Berufsschadens nicht zu, weil sie - wie festgestellt * das Vertreibungsgebiet endgültig erst nach dem 1. Zum endgültigen Verlassen des Vertreibungsgebietes gehört die räumliche Entfernung daraus und der Wille, fortan an einem Beru-fungsurteil hat sich die Klägerin erst nach dem maßgebenden Zeitpunkt entschlossen, nicht mehr nach Polen zurückzukehren. Allerdings hat der Bundesgerichtshof bei aus dem Vertreibungsgebiet in ein deutsches Konzentrationslager Deportierten, die nach der Befreiung nicht mehr in ihre Heimat zurückkehrten und durch ihr Verbleiben in Deutschland oder in einem anderen westlichen Lande zu demindest einen Aufenthalt darin begründeten, nicht die Prüfung verlangt, wann sich der außerhalb des Vertreibungsgebietes befreite Verfolgte entschlossen hatte, nicht mehr dorthin zurückzukehren (RzW 1970, 414 Nr. 18). Daraus folgt aber nicht, daß die Feststellung, die Klägerin habe sich erst nach der allgemeinen Vertreibung zur Nichtrückkehr entschlossen, rechtlich unerheblich ist. Das objektive Verbleiben in einem Lande außerhalb des Vertreibungsgebietes nach Ende der Verfolgung macht nach der Lebenserfahrung den Willen sichtbar, diese räumliche Trennung auch fortan aufrechtzuerhalten. Die Feststellungslast dafür kann deshalb dem Verfolgten nicht aufgebürdet werden« Die durch das Verbleiben außerhalb des Vertreibungsgebietes begründete tatsächliche Vermutung eines damit übereinstimmenden Willens ist aber widerlegbar; sie ist widerlegt durch die Feststellung, daß sich der Verfolgte tatsächlich erst nach dem 1. Da auch sonst keiner der in § 219 Abs« 2 BBG umschriebenen Gründe für die Zulassung der Revision vorliegt, ist die Beschwerde unbegründet und wird zurückgewiesen.