BGH · IX ZB 653/67
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Bas Berufungsgericht hat der Klägerin den von ihr goltend gemachten Anspruch auf Entschädigung wegen Bebens in der Illegalität unter menschenunwürdigen Bedingungen, den sie darauf gründet, daß sie von 1941 bis 1944 in Budapest unter falschem Namen gelebt habe, versagt. Bs ist nicht auf die Präge eingegangen, unter welchen Voraussetzungen Entschädigung geleistet wird, falls der Verfolgte in einem unabhängigen ausländischen Staat glaubte untertauchen zu müssen; es hat bereits die Vermutung des § 47 Abs. 2 BBS, nach der bei einem Leben unter falschem Namen bis zu dem Beweis des Gegenteils anzunohmen ist, daß Die Entscheidung beruht auf der dem Satsachenbereich angehörenden Würdigung des Sachverhalts« Rechtsfragen, die Anlaß geben könnten, die Revision zuzulassen, liegen nicht vor, und das Berufungsgericht ist auch nicht von der Rechtsprechung des Senats abgewiohen. Seitdem §‘47 BIG durch das BEG-Schlußgesetz der die Vermutung enthaltende Absatz 2 angefügt ist, hat sich nichts daran geändert, daß die Erschwerungen und Belastungen, die bereits notwendig mit dem Leben unter falschem Hamen und in der Absicht, sich dem Verfolger zu entziehen, verbunden waren, für sich allein nicht ausreichen, um einen Entschädigungsanspruch zu begründen, Bas hat der Senat wiederholt ausgesprochen (Rz.f 1967, 496 Nr, .11 sowie Urteile von 15« Dezember 1967 - IV ZR 210/66 - und vom 31* Januar 1968 - IV ZR 113/66); auch mit der von Brunn RzW 1967, Bas Berufungsgericht konnte jedoch auf Grund dos von ihm festgostollten Sachverhalts die Vermutung, daß die einen falschen Kamen führende Klägerin unter men-schenunv/ürdigen Bedingungen in der Illegalität gelebt habe, für ausgeräumt erachten« Bas Berufungsgericht brauchte die ungewohnten und anstrengenden Arbeiten, die die Klägerin als Hausmädchen leisten mußte, nicht als so belastend anzusehen, daß das ihr Leben menechen-unwürdig machte, auch nicht in Verbindung mit dem Umstand, daß die Klägerin möglicherweise von den Arbeitgebern, die ihre Lage kannten, finanziell übervorteilt wurde. Venn das Berufungsgericht die gesamten Umstände dahin gewertet hat, daß die Klägerin während des Lebens in der Illegalität nicht Bedingungen unterworfen gewesen sei, die dem Leben eines Häftlings auch nur annähernd gleichgekommen seien und menschenunwürdig gewesen seien, so hat es damit den Sachverhalt rechtlich unangreifbar und nicht im Gegensatz zu den vom Senat ausgesprochenen Rochts-grundsätzen gewürdigt.