BGH · IX ZB 413/73
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Januar 1965 Tatsachen eingetreten, die einen Anspruch auf Heilverfahren wegen einer nicht unerheblichen Schädigung im Sinne des § 28 BEG begründeten, konnte der Anspruch auf Entschädigung für Schaden an Körper oder Gesundheit auch dann nicht nach § 189 a Abs. 2 BEG angemeldet werden, wenn die Minderung der Erwerbsfähigkeit erst nach dem 31. hierzu BGH RzW 1974, 93; 181) und eine Angleichung (Art. IV Nr. 2 mit Nr. 1 Abs.la BEG-SchlußG; BGH RzW 1973$ 182; 1976, 68 Nr. 30) sind unzulässig, weil die bis 30. Das Berufungsgericht hat im Einklang mit der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (RzW 1975, 168 Nr. 2) dargelegt, daß die Ergänzungsverordnung die Rechtslage für die Klägerin, die nach ihrer Behauptung seit März 1944 im Konzentrationslager Majdanek/Lublin, ab Spätsommer 1944 in den Konzentrationslagern Plaszow, Auschwitz und Bergen-Belsen bis 15. Dezember 1964 ein nicht unerheblicher Gesundheitsschaden (§28 BEG) eingetreten war, der einen Anspruch auf Heilverfahren begründete, läßt aber offen, ob wegen einer Verschlimmerung des Leidens seit 1969 die Erwerbsfähigkeit um 25 % gemindert ist. Denn Tatsachen im Sinne dieser Vorschrift lägen bereits dann vor, wenn der Verfolgte an Körper oder Gesundheit einen nicht unerheblichen Schaden (§28 BEG) erlitten habe, der nach § 29 BEG, wenn auch nur durch Erstattung der Heilverfahrenskosten, zu entschädigen sei. Weiterer Anspruch im Sinne der verfahrensrechtlichen Vorschrift des § 189 a Abs. 2 BEG ist der bei der Entschädigungsbehörde anzu demeldende Anspruch auf Entschädigung für Schäden einer bestimmten Schadensart, über die in einem Verfahren zu entscheiden ist. Über ihn haben die Entschädigungsorgane in einem Verfahren zu befinden und dabei eingetretene Änderungen der Sachlage im Rahmen der Anträge zu berücksichtigen, die bis zu dem Schluß der mündlichen Verhandlung vor dem Berufungsrichter exrweitert werden können (BGH RzW 1975, 174 Nr. 6). Januar 1965 die Tatsachen eingetreten, die einen Anspruch nach §§ 28, 29 ff BEG auslösen, war eine Anmeldung gemäß § 189 a Abs. 2 BEG unzulässig. Das Berufungsgericht hat auch zu Recht eine unmittelbare oder entsprechende Anwendung des § 206 BEG auf den festgestellten und unterstellten Sachverhalt abgelehnt. Aus § 206 Abs. 1 BEG kann das Recht, eine neue Entscheidung zu verlangen, nur hergeleitet werden, wenn ein Anspruch auf wiederkehrende Leistungen durch unanfechtbaren Bescheid oder rechtskräftiges Urteil zuerkannt oder abgelehnt worden war. Die Rücknahme der Anmeldung eines Anspruchs kann in seiner Wirkung nicht einem Vergleich, der die Gewährung eines Teils der geforderten Entschädigung voraussetzt, sondern nur dem Verzicht auf den Anspruch gleichgestellt werden (BGH RzW 1969, 358; 1974, 183 Nr. 19; Urteil vom 1.